Rückblick auf Bobby Schenk's Blauwasserseminar auf der INTERBOOT 2013 - das letzte!

von Kai Neumann

Bobby Schenk scheint ernst zu machen: Seine Seminar-Erfolgsgeschichte ist zu Ende. Zehn Jahre lang hatte er sein "Bobby Schenk's Blauwasserseminar" abgehalten, zunächst sieben Jahre auf der Hanseboot in Hamburg und zuletzt drei Mal auf der INTERBOOT in Friedrichshafen. Wobei das Seminar in Friedrichshafen zunächst als ein Experiment angesehen wurde. Schließlich richtet es sich ausschließlich an Hochsee-Dauersegler, die ja nun nicht unbedingt am Bodensee beheimatet sind. So ergab auch eine Umfrage auf der INTERBOOT, dass die Besucher ausschließlich von weither gekommen sind - von Hamburg bis tief in die Schweiz und Österreich. Das Seminar war jedes Mal mit über 150 Besucher immer frühzeitig vorher ausgebucht. Wenn das kein Erfolg ist! Es beweist, dass es im deutschsprachigen Raum mehr Interessenten für ein Leben auf dem Wasser gibt, als irgendwo sonst auf der Welt. So dürften die Deutschen auch die Flotte der Blauwasseryachten an den schönsten Ankerplätzen der Welt anführen - gefolgt von den Amerikanern und Franzosen.

Auch interessant: Ein Befragung der heurigen Teilnehmer ergab, dass die große Mehrheit der Besucher in konkrete Reiseplanungen für ihre Zukunft noch gar nicht eingetreten waren, ja meist noch kein Schiff besaßen. So war diese Veranstaltung die ideale Gelegenheit, sich von Grund auf mit der Materie zu befassen. Zumal die aufgebotenen Referenten (siehe Foto), wie bei keiner anderen Veranstaltung dieser Art, auf Grund eigener Praxis ihre praktischen Erfahrungen weitergeben konnten, in Sachen "Blauwassersegeln" also überaus kompetent waren. Immerhin hatten 80% von ihnen zumindest eine Weltumsegelung abgeschlossen. Nur zwei Referenten konnten eine derartige Vergangenheit nicht vorweisen, doch Schenk hätte zu ihren Themen keine besseren und sachkundigeren Segler bekommen können - davon später. 

Olympiasieger und Weltmeister im Flying Dutchman, sowie mehrfacher Weltmeister in anderen Regattaklassen, Dr. Jörg Diesch, führt die Teilnehmer in Bobby Schenk's Blauwasserseminar ein. Der bodenseestämmige Orthopäde aus Norddeutschland schipperte die 72-Fuß-SWAN von Franz Burda, Garuda, in mehreren Jahren um die Welt. Jörg, ein Sieger und Erfolgsmensch konnte es sich nicht verkneifen, die Episode zu erzählen, nach der sich in Huahine (Polynesien) der surfbretterfahrene Schenk eingebildet hatte, einmal einen Olympiasieger im Segeln zu bezwingen. Obwohl sich Jörg zum ersten Mal auf ein Surfbrett gestellt hatte, konnte Schenk nur auf den ersten fünf Metern mithalten.

Chefredakteur der YACHT (Europas erfolgreichste Yacht-Zeitschrift) Jochen Rieker begrüßt die Teilnehmer. Seine Kompetenz reicht weit über seinen Schreibtisch in der Hamburger Redaktion hinaus. Selbst als Fahrtensegler auf eigenem Boot unterwegs, hat er sogar schon den Atlantik auf einer Segelyacht überquert. Und dass Bobby Schenk viele Jahre lang für seine Zeitschrift tätig war, ist wohl allgemein bekannt. Was sicher auch der Popularität von Schenk zugute kam.

Die Hauptlast an den Referaten wurde, wie der Name des Seminars sagt, von Bobby Schenk getragen. Die Themenvielfalt kann nur mit Stichworten angedeutet werden:  Erfahrungen von einem halben Hundert Weltumseglern (Fazit aus Interviews mit 50 Weltumseglern ), Einrumpfyachten und  Katamarane, Tiefgang, Besegelung, Maschine, Grobplanung der Langfahrt, Leben ohne Steckdose - Energie auf der Segelyacht (Solar-, Wind-, Wellen- und Diesel-Generator, Heizen und Kühlen, Wassermacher), Verbindung mit der Außenwelt (Bodenstation, Computer, Iridium, Pactor, Amateurfunk, Internetzugang), Kosten einer Reise (Unterhalt fürs Schiff. Wie kann ich die Kosten niedrig halten?), Navigation auf Langfahrt, elektronische Seekarten, GPS, Astronavigation), Sicherheit an Bord (Epirb, Rettungsinsel, Einbruchssicherung, Piraten, Waffen).

Dr.Kerstin Heller und Bernd Heller segelten auf der Passatroute mit ihrer damals fünfjährigen Tochter Luca auf der Sunbeam-Yacht Menevado in drei Jahren um die Welt. Kerstin und Luca berichten über diesen Törn und dessen technische Aspekte. Im Vordergrund steht aber die Problematik (die keine War) "Weltumsegelung mit Kind". Das von Bernd verfasste Kinderbuch über diese Segelreise "Geschichten aus deinem Kopf" war während des Seminars handsigniert erhältlich.

Die Studentin Katharina und der Patentanwaltskandidat Maximilian mit guten Erfahrungen im Hochseesegeln wollten auch Kenntnisse im Blauwassersegeln erwerben. So wählten sie "Hand gegen Koje" und gingen im Sommer 2012 bei einem österreichischen Weltumsegler an Bord. Sieben Wochen lang segelten sie in der Südsee und lernten so einiges über das Fahrtensegeln. Die Frage, ob sich eine solche Unternehmung zur Vorbereitung aufs Langfahrtsegeln eignet, konnten die Zuhörer mit einem eindeutigen "JA" beantworten, wenn die Eleven vom Schlage der beiden sympathischen Referenten sind. Die Schlusspointe Ihres Vortrags kann nicht jedermann bringen: Mitten in der Südsee gaben sich die beiden Segler das Jawort fürs Leben.

"Auf zwei Rümpfen um die Welt!" nannten Kerstin und Hans ihren Vortrag, bei dem sie ihre Erfahrungen aus dem großen Törn wiedergaben. Sie waren der beste Beweis, wie individuell Fahrtensegeln sein kann. Aus der Sicht von Segelasketen wäre die Ausrüstung Ihrer CINDERELLA viel zu luxuriös, denn dort sind Waschmaschine und Geschirrspüler eine Selbstverständlichkeit und unbedingt notwendig. Eine erfolgreiche Weltumsegelung mit dem von zu Hause gewohnten Luxus.

Der zweite Seminartag begann mit einem Grußwort an die Teilnehmer vom tüchtigen und smartesten  Messeleiter der INTERBOOT Dirk Kreidenweiß. Er betont, dass er es als Auszeichnung empfindet, dass ausgerechnet im tiefsten Binnenland ein so gut ausgebuchtes Blauwasser-Seminar stattfindet. Bobby mußte er korrigieren, als Schenk darauf hinwies, dass dieses Seminar nur Dirk und seiner Großzügigkeit zu verdanken ist: "Ein Schwabe großzügig? Dass ich nicht lach!"

Prof. Dr.med.Stefan von Sommoggy (Facharzt für Chirurgie und Gefäßchirurgie und ehemaliger Chefarzt einer Klinik). "Dieser Vortrag war ein Kracher", so hat letztes Jahr ein Teilnehmer geurteilt. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen an den Referenten. Der erfahrene Hochseesegler Prof. Dr.med.Stefan von Sommoggy zog seine Zuhörer durch die bodenständige Betrachtungsweise des oftmals so trockenen Stoffes "Medizin an Bord" erneut sofort in Bann. Für alle Probleme, mit denen der Blauwassersegler konfrontiert werden könnte, bot der Referent praxisständige und nachvollziehbare Lösungen an. "Der Skipper ist der Arzt" war seine Aussage, die während des Referates von den Zuhörern sichtlich bejaht wurde. Als unmittelbar nach der anschaulichen Behandlung der Thematik "Luftröhrenschnitt" in der ersten Reihe allerdings ein Zuhörer zusammensackte und leise zu Boden ging, dachte mancher Zuhörer angesichts dieser scheinbaren Demonstration allerdings: "Jetzt übertreibt er aber, das geht zu weit!". Umso mehr als wenige Minuten später eine orangene Notarztmannschaft in den Saal eilte. Aber es war keine gestellte Szene, ein gewiss ansonsten nicht empfindlicher Zuhörer war angesichts der drastischen Ausführungen des Professors (und Chirurgen) aus den Latschen gekippt. Ärztin Dr.Heller gab Entwarnung und innerhalb weniger Minuten erholte sich der Patient und konnte das Referat zu Ende verfolgen.

Manfred Jabbusch, Träger des Trans-Ocean-Preises - Weltumsegler. War sein  segelsportlich anspruchsvollster Törn durch die brüllenden Vierziger mit einer 35-Fuß-Hallberg Rassy schon aufregend genug, so verlor Manfred bei einer Überführungsfahrt mit einer 45-Fuß-Yacht vor New York beinahe sein Leben, als diese von einer Monster-See entmastet wurde und Manfred mit Crew gerade noch rechtzeitig vom Coast Guard Helikopter abgeborgen und ins Krankenhaus gebracht werden konnte. Dank einer vorzüglichen Vorbereitung auf den Notfall! Seine Lehren daraus könnten Leben retten.

Fachbuchautor, Atlantiküberquerer Egmont Friedl ist nicht nur Deutschlands bekanntester Knotenfachmann, sondern auch gelernter Bootsbauer. Er gab wertvolle Tips, wie man sein Schiff in Bezug auf Sicherheit systematisch überwachen kann, wie man im Notfall  - wirklich neu - mit Epoxy ein Leck abdichtet oder wie man modernes Leinenmaterial (Dyneema) auch im Rigg einsetzen kann, um die Sicherheit zu erhöhen oder um notfalls Reparaturen damit durchzuführen. Mit den ausgeteilten Tampen üben die Teilnehmer dann gleich einen von Friedl favorisierten Knoten ein.

Meterologe Dr. Michael Sachweh vom Bayerischen Rundfunk (und Atlantiküberquerer) klärt, auch für Laien bestens, verständlich auf: Das Wetter bestimmt die Segel-Routen. Der Referent versteht sich darauf, dieses vermeintlich trockene Thema für Weltumsegler sehr eindrucksvoll aufzubereiten. Und praxisnah sagt er deutlich: "Sie brauchen keine Bücher kaufen, Sie können sich alle wichtigen Informationen aus dem Internet runterladen". Die speziellen Links versendet er ein paar Tage später an die Teilnehmer per Mail. Damit wächst das Vertrauen der Teilnehmer in ihre Fähigkeiten, sich selbst kundig zu machen, wie man Hurricanes vermeiden kann, mit welchen Wellenhöhen und Winden man wo auf der Welt rechnen muß, und wo Windhosen und sonstige böse Wettererscheinungen auf den Blauwassersegler lauern. Langanhaltender Beifall dankt für solche praxisnahe und aufschlussreichen Ausführungen.

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