Ein persönlicher Rückblick auf die BOOT 2004


Für  Abdul-Rahman Adib, Chef der Düsseldorfer BOOT war die "Düsseldorfer Messe" die vierunddreißigste und er strahlte, wie immer, vor Optimismus. Aber er hatte auch allen Grund dazu. Während der Wirtschaftspessimismus in Deutschland sich breitmacht wie ein Krebsgeschwür, ist diese Bootsausstellung ein phantastisches Schaufenster für alle, die auf dem Boots- und Wassersportsektor noch nicht resigniert haben. Trotzdem - seit Jahren wird der Aufschwung herbeigeredet, sodass allmählich die Frage schon berechtigt ist: Ja, wo bleibt er denn?

Die BOOT ist die größte ihrer Art. Nicht in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Renommierte Bootsausstellungen sind mickrig gegenüber der Düsseldorfer Messe. Und so ist das Angebot im deutschen Binnenland schon ein wenig repräsentativ.

Vorweg: Große Sensationen sind ausgeblieben. Jedenfalls, was den Yachtsektor anbetrifft. Für Furore hat allenfalls die neue Hanse 53 gesorgt, wegen ihres bestechenden Deckslayouts, der Inneneinteilung und vor allem wegen Ihres Preises unterhalb von 400000 Euro. Auf Grund dessen dürfte sie ihr Marktsegement finden, wohl aber vor allem auf dem Chartermarkt. Bemerkenswert schien die Begeisterung allemal, vor allem, weil über ihre Eignung in der Praxis, also auf dem Wasser ja nun kaum etwas bekannt ist. Man könnte darüber weinen, aber es läßt sich nicht leugnen, Yachten werden heute wie Wohnwägen oder Ferienhäuser gekauft, "Seemannschaft" wird allmählich zum Fremdwort.

Bei den Großen Segelyachten hat sich ansonsten nicht viel geändert. Schöchl, Dehler und die Franzosen zeigten wenig Neues, was nicht unbedingt ein Nachteil ist. Oyster war mit einer fast dreißig Meter langen Einrumpfyacht vertreten. Ungeeignet für den Charterbetrieb, schon vom Preis her: 5 Millionen Euro. Wer hat soviel Geld? Offensichtlich viele, denn Oyster ist für die nächsten zwei Jahre ausgebucht.

Auffallend: Die Anzahl der Katamarane ist kleiner geworden. Scheint logisch, denn es ist nicht so leicht, gute Katamarane zu bauen. Die guten werden überleben. In Deutschland versucht man sich mit einer Edelversion der beliebten Warrham-Katamarane. Aber ob die Philosophie des Erfinders (so eine Art "zurück zur Natur-Mentalität") dazu passt? Es lohnt sich jedenfalls, diese Entwicklung zu beobachten.

Für den Autor war der Sonderstand der YACHT der Höhepunkt. Echte hundert Jahre hat die YACHT auf dem Buckel, was im Zeitschriftenmarkt einzigartig ist. Das beweist aber auch auch, dass die Leserschaft der YACHT ein Jahrhundert lang zuverlässig dieser Bibel für Segler nachgehangen ist, Und das ist doch, was Beständigkeit und Treue angeht, ganz was Einmaliges.

Es hat sich gelohnt, lange auf dem YACHT-Stand zu verweilen, denn dem Besucher wurden Exponate vorgestellt, die man nur als Sensation bezeichnen kann. Allen voran die AERO II von Dr.Manfred Curry und die ELISABETH, eine 99-jähriger Dame vom Typ Sonderklasse.

 

Dr.Manfred Curry war sicher einer der genialsten Segler, die es je gegeben hat. Und einer der erfolgreichsten. Runde tausendfünfhundert Regattasiege hat er eingefahren, wobei er eine Mischung von ganz hervorragendem Segler, aber auch ein genialer Tüftler war. Das Endergebnis seiner Genialität war sicher die AERO II, eine 20er-Rennjolle (Segelzeichen Z). Bemerkenswert war die wunderschöne, für viel Geld vom Tempest-Weltmeister Dr.Max Reichert restaurierte AERO II aber auch deshalb, weil sie zeigt, dass die meisten im Segelsport gemachten Erfindungen Irrwege sind, mit denen man die Physik von Wind und Welle zu überlisten trachtet. Was halt nicht geht.

So verfügt die AERO II aus dem Jahre 1937 neben dem nach Dr.Curry (in Deutschland) benannten Curryklemme über eine Bremse, mit der Dr.Curry bei Regatten die Fahrt aus seiner Jolle blitzartig rausnehmen konnte. Nanu, zu was das denn?

 

 

Wie kein anderer hat sich Dr.Curry damals vor dem 2.Weltkrieg mit den Möglichkeiten des Gleitzustands einer Jolle auseinandergesetzt und dabei als einer der ersten das ungeheure Geschwindigkeitspotential erkannt, wenn der Regattasegler die Jolle ins Gleiten bringen kann. Um aber schnell den Gleitzustand vor der Tonne beenden zu können, bremste er mittels zwei Heckflossen das Schiff ab. Wenn die Currybremse nicht ein so Großer wie Dr.Curry erfunden hätte, würde man sie sicher als Spinnerei abtun. Was sachlich wohl auch gerechtfertigt wäre, denn dieser Geniestreich ist genauso vom Markt verschwunden, wie 99 Prozent aller anderen Erfindungen in den letzten hundert Jahren.

Noch eine ungewöhnliche Rarität war auf dem YACHT-Sonderstand zu sehen:  Das Finn-Dinghy DARLING, mit der Willi Kuhweise zweimal Weltmeister in dieser damals populärsten Jollenklasse geworden ist. Hierzu sollte man wissen: Damals lautete ein allgemein gültiger Spruch: Wer mit dem Finn-Dinghy segeln kann, kommt mit allen Segelbooten zurecht. Was manchen Dickschiffeigner klarmachte, dass er sich zunächst mal um die Technik des Segeln kümmern sollte und dann erst um die Elektronik seines Dickschiffs.

Was aber Willi Kuhweide wohl für die Ewigkeit im deutschen Segelsport berühmt gemacht hat, ist die Tatsache, dass er 1964 die olympische Goldmedaille in dieser Königsklasse gewonnen hat und zwar als Mitglied einer gesamtdeutschen Mannschaft. Manchem ist es kalt über den Rücken gelaufen als der Lufthansa-Chefpilot Kuhweide persönlich von den damaligen Tagen und vor allem von den Ausscheidungsregatten mit Protest und Betrug gegen die DDR-Spitzensegler vor der eigentlichen Olympiade auf dem Yacht-Stand erzählte.

 

Die übrigen Exponate stimmten etwas wehmütig. Wie schnell doch Elektronik, die noch vor 2 Jahrzehnten als ein Quantensprung in der Navigation gefeiert war, ins Museum wandert! Oder: Wie schnell Grundhandwerkszeug der Seemannschaft, wie das Bleilot, Jahrhunderte bewährt, vergessen wird. Wer von den heutigen Seglern weiß noch, zu was die Aushöhlung am Boden des Bleigewichts dient, was also eine Lotspeise ist?

Trotzdem, viel hat sich nicht geändert, in den letzten 100 Jahren, wir segeln immer noch mit dem Wind. Aus meiner Sicht gab es eigentlich nur zwei erwähnenswerte Neuerungen, nämlich Chromstahl (Nirosta) und Kunststoff. Letzterer macht sich aber auch überall breit. Sei es bei den Segeln, bei den Bootsrümpfen oder beim Tauwerk. Oder auch bei der Kleidung. "Ölzeug" heißt nicht umsonst so. Denn damals musste Baumwolle erst mit ganz ordinärem Öl wasserdicht, mindestens aber wasserabstoßend, gemacht werden. Muss das in schlechtem Wetter auf einer engen Yacht gestunken haben!

Noch ein kleines Zuckerl hab ich in der Halle 16 entdeckt. Der Modellbauer Hirsch aus Österreich fertigt kunstvoll Schiffsmodelle nach Fotos für den Eigner, der sein Schiff auch auf dem Schreibtisch stehen haben möchte. Damit er während der Arbeit auch von wirklich Wichtigem träumen kann. Das ausgestellte Modell einer SUNBEAM 44 ist genauso schön wie das Original - nur kostet es weniger. Nämlich runde 2000 Euro. Katamaran-Modelle kosten 50 Prozent Aufpreis. Wie im richtigen Leben eben...

 

 

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