Automatisches Identifikationssystem (AIS) im Praxistest

von Hanspeter Wehrli


Hanspeter Wehrli, ein erfahrener Blauwassersegler ist seit vielen Jahren weltweit unterwegs mit seiner Frau Nathalie. An Bord seiner NATHAPE, einer topgepflegten Super-Maramu von Amel hat er seit einiger Zeit ein AIS-System für Yachten installiert - und hat es für uns in einer ziemlich abgelegenen Gegend - in den Gewässern zwischen Bora-Bora und Tahiti - getestet  Ein faszinierendes, weil extrem leistungsfähiges Gerät, das der Bequemlichkeit, vor allem aber der Sicherheit dient! Kann es aber das wesentlich teurere Radar ersetzen?    


AIS Automatic Identification System

AIS ist die Abkürzung für „Automatic Identification System“, also ein automatisches Identifizierungssystem für die Schifffahrt. Alle Schiffe über 300 GRT sind seit dem 1.1.2005 ausrüstungspflichtig und senden AIS Daten über 2 spezielle UKW-Kanäle. Sie senden ständig ihre dynamischen, statischen und reisespezifischen Daten. Diese Daten enthalten u.a. Angaben zu Namen, Rufzeichen, MMSI, Position, Kurs, Geschwindigkeit, Länge und Breite, Navigationsstatus, Art des Fahrzeuges etc. Alle mit einem Empfänger ausgerüsteten Fahrzeuge innerhalb der UKW Reichweite können diese Daten empfangen und für ihre eigenen Zwecke verwenden.

Wir Segler nutzen vom AIS nur einen kleinen Teil. Wer alle Details lesen möchte informiere sich im Web. Hiermit ist man bestens bedient:

AIS-Broschüre als PDF-Datei

AIS bei Wikipedia

 

AIS in der Bordpraxis

Die Software Yacht-AIS zeigt die AIS-Daten auf einem Computer als radarähnliches Fenster an. Die eigene Schiffsposition ist die Mitte des "Radarschirmes".

 

Das "Radarbild" an sich ist klar und die Interpretation selbstredend. Südlich sieht man das Frachtschiff VAEANU auf Kollisionskurs mit uns. Das Programm errechnet mögliche Kollisionen und gibt Alarm. Auf der linken Seite des Bildschirmes werden diese grafisch und rechts alle Daten des Schiffes angezeigt.

Aber da wir Segler gerne spielen und viel Zeit haben, machen wir das Fenster mit dem kostenlosen Programm Glass2K „durchsichtig“ und schieben es auf unsere elektronischen Karten. Auf dem Ergebnis kann man sehen, dass wir und der Frachter den Pass bei Bora Bora gemeinsam passieren wollen und das etwa zum selben Zeitpunkt.

 

So haben wir uns entschlossen, unsere Fahrt zu verlangsamen, damit der Frachter vor uns ungestört in den Pass einlaufen kann.

 

In der Realität hat dieser Vorgang so ausgesehen:

 

Wie das Beispiel zeigt, ist der optische Eindruck des Geschehens im Vergleich zu den AIS-Daten völlig nichtssagend. Nachts würde die Optik - zwei Dampferlichter und ROT  -noch weniger hergeben. Hinzu kommt, dass die Handhabung von AIS sehr einfach und eindeutig ist.  

Hard- und Software + Kosten

Die kostengünstigste Variante ist es, wenn die bestehenden Komponenten des Schiffes genutzt werden, d.h. die vorhandene VHF-Funkanlage und der bereits eingesetzte Computer. Zusätzlich zu diesen Geräten wird folgendes benötigt:  

  • Antennensplitter und AIS-Empfangsgerät: € 486.-

  • Software, um die AIS-Signale auf dem Computer anzuzeigen: € 89.-

 

Auf der NATHAPE haben wir folgendes installiert:  

 

Mit der Freeware Glass2k (einfach bei Google.de "Freeware Glass2k" eingeben und dann runterladen!) können Fenster „durchsichtig“, also  transparent angezeigt werden. So stellt man das YACHT-AIS Programm auf etwa denselben Maßstab wie die elektronischen Karten und schiebt das „durchsichtige“ Fenster über diese, damit man auf der Karte sehen kann, wo sich die Schiffe befinden.

Einbau

Der Einbau ist denkbar einfach und kann in kurzer Zeit erledigt werden. Man(n) braucht dazu nicht mal auf den Mast zu steigen ... Das Antennenkabel der bestehenden Funkanlage wird mit dem AIS-Splitter verbunden. Vom AIS-Splitter führt ein Kabel zum Antennenanschluss des Funkgerätes und ein weiteres zum Antennenanschluss des AIS-Empfangsgerätes. Die Stromversorgung dieser zwei Geräte (Splitter und Empfänger) wird dort, wo die Funkanlage die Elektrizität bezieht, angeschlossen. Als letztes muss lediglich das RS-232-Kabel des AIS-Empfangsgerätes an einer USB-RS232-Schnittstelle des Computers angeschlossen werden. Diese Schnittstelle muss einem COM-Port des Computers entsprechen. An einem zweiten COM-Port werden die GPS-Daten an das Programm übergeben. Es gibt da ein kleines Problem: Da auf einem PC nur eine Anwendung auf ein COM-Port zugreifen kann, sind zwei GPS-Geräte notwendig, wenn elektronische Navigation und AIS zusammen laufen. Wir haben bei uns zwei GPS installiert.  

Eine andere – vielleicht bessere – Variante wäre, sich die AIS-Daten vom elektronischen Navigationssystem anzeigen zu lassen. Da dann nur eine Applikation Daten von einem GPS bezieht, würde das zweite GPS überflüssig (und natürlich auch die Freeware Glass2K). Unsere Programmversion der elektronischen Navigation kann leider keine AIS-Daten verarbeiten.

Was dann noch fehlt, sind die vorbeiziehenden Schiffe. Aber daran soll es nicht fehlen ...  

Zusammenfassung

Die AIS-Daten werden auf einem radarähnlichen Bildschirm angezeigt, was aber nicht heißen soll, dass diese ein Radar ersetzen könnte. AIS-Daten werden nur von Schiffen gesandt, welche diese Geräte auch installiert haben, alle anderen fehlen. Ebenfalls werden keine Landmassen angezeigt. Das Radargerät zeigt „realtime“ an, was draußen abläuft. Das AIS kann somit nur als Ergänzung zum Radar dienen. Werden aber Schiffe auf dem AIS-Programm angezeigt, dann ist dieses wesentlich einfacher zu interpretieren, als dieselben Schiffe auf einem Radar.

In den letzten Jahren haben wir von mehreren Zusammenstössen von Segelschiffen mit Frachtern gehört. Wir selbst haben mitten im Pazifik, zwischen Ecuador und den Marquesas eine „Not-Wende“ hingelegt, um einem Zusammenstoss zu entgehen. In diesem Sinne ist die Installation des AIS eine große Hilfe, um Unfälle zu vermeiden.

Sehen ist aber nur die eine Hälfte ... gesehen werden wäre die andere. Um das zu erreichen, müsste man einen AIS-Sender auf dem eigenen Schiff installieren, damit es auf dem Bildschirm der anderen AIS-Benutzer ebenfalls gesehen werden kann. 

Wer mehr über die Reise von Nathape wissen will: www.nathape.com

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