Ein Lichtblick auf der Interboot 2007

von Bobby Schenk


Bootsaustellungen sind für jeden Yachtsmann immer ein Fest, besonders, wenn er viel Zeit mitbringt und in Ruhe über die Ausstellung schlendern kann. An die Interboot habe ich beste Erinnerungen, denn seit vielen Jahren kenne ich dieses Ereignis. In diesen Jahrzehnten hat sich die Bootsausstelung für den Süden ganz schön gemausert, was sicher auch am neuen Messegelände mit der übersichtlichen Hallenaufteilung "hier Motorboote", "da Segelyachten" liegt. Die Stadt Friedrichshafen hat in den letzten Jahren ein Zusätzliches getan und man fragt sich, warum andere Städte das nicht auch erreichen können: Ein leistungsfähiger Flughafen mit internationaler Anbindung, gleich gegenüber der Flughafenbahnhof - und das alles im unübersehbaren Zeichen des Zeppelins, der diese Schwabenstadt so geprägt hat. Viele sehnsüchtige Blicke haben das riesige (und doch im Vergleich zum großen Orginal Hindenburg winzige) Luftschiff verfolgt, als es täglich des öfteren zu Rundflügen aufgestiegen ist, denn für den Normalbesucher der Bootsausstellung wäre so eine halbstündige Luftwanderung Richtung Alpen unerschwinglich gewesen.

So weit so gut, zumal das Wetter auch noch mitgespielt hat, was eigentlich im späten September für diesen Landstrich normal ist. Und doch wird man etwas wegmütig, wenn man an die Besuchermassen noch vor einigen Jahrzehnten denkt, die schon mal 30 Prozent höher als heuer (und in den letzten Jahren) lagen. Und das hat nicht mit Friedrichshafen und seiner liebenswerten Interboot zu tun. Man kommt bei dem gesunkenem Interesse an der Yachtszene - und das gilt auch für die anderen großen Bootsmessen im deutschsprachigem Raum - nicht umhin, sich Gedanken nach dem WARUM zu machen - und findet doch keine einzelne treffende Antwort. Die wirtschaftliche Situation allein kann es nicht sein, denn diese spezielle Szene besteht ja eben nicht aus Leuten, die unter Hartz IV leiden. Es ist wohl auch das ungemein vielfältige Freizeitangebot an uns, das sich die Leute im Gegensatz zu früher sich verzetteln lässt.

Kurzum: Die Zahlen, auch wenn sie immer schön- und hochgerechnet werden, sprechen nicht von einem deutlichen Aufwärtstrend - was ja den Einzelnen unter uns, wenn er nicht gerade von der Szene lebt, nicht besonders beunruhigen muss. Die Interboot 2007 hat den (wahrscheinlich nicht ernsthaft vorhandenen) Trend auch wiedergegeben: Leere Gänge, vor allem an den Wochentagen, wirkten auf viele Aussteller frustrierend und das konnte auch nicht durch das freundliche Herbstklima wettgemacht werden. Was soll's? Finden wir uns doch damit ab und genießen die gehobene Exklusivität unseres Hobbys.

Und wenn es nur zum Träumen ist: Das Buch ist nach wie vor gefragt und am Stand der YACHT war immer ein immenser Andrang, den leeren Hallengängen zum Trotz, wenn es darum ging, über die "optimale Fahrtenyacht" informiert zu werden. Wobei es sicher interessant ist, dass geschätzte 80 Prozent der Zuhörer zum Thema Weltreiseyacht was hören wollten - und das hier im Binnenlande des Bodensees!

Was bedeutet, dass eine Segelyacht  weiterhin die große weite Welt verkörpert, mit der sich Träume erfüllen lassen, die der mehr landgebundenen Bevölkerung auf immer und ewig verschlossen bleiben.

Erfahrungsgemäß ist so eine Bootsausstellung nicht gerade eine Fundgrube für epochemachende Erfindungen. Und nur hier und da entdeckt man Exponate, die elektrisierend wirken. Jedenfalls auf mich. So erging es mir, als ich in Halle 3A den recht kleinen und unscheinbaren Stand der Firma Recon (recon-group.de) sah. Was mich dort elektrisierte, waren bewegte Bilder von Besuchern - weit weg am Ende des dunklen Gangs - die wie Schwarzweißbild-Negative aussahen, die einzelnen Besucher jedoch scharf und deutlich erkennbar abbildeten. Sowas ähnlichens hab ich schon vor vielen Jahren bei mir an Bord gesehen, als ich nämlich des Nachts mit einem sogenannten Nachtsichtgerät hantiert hatte. Worauf ich das Ding nie mehr in die Hand genommen hatte, da es - trotz seines Preises von rund 500 Mark - ausgesprochen nutzlos war. Es hatte sich um ein fernglasähnliches Ding aus russischer Fertigung gehandelt, von dem ich mir versprochen hatte, nachts beim Einfahren in eine Ankerbucht ein einigermaßen naturgetreues Abbild der Landschaft zu bekommen. Das war ein Trugschluss. Denn dieses Einrohr war zwar in der Lage gewesen, gelegentlich so was ähnliches zu produzieren, was wie ein grünliches Foto aussah, doch sobald eine etwas hellere Lichtquelle ins Bild rutschte, war alles nur noch hellgrünweißlich, wo gar nichts mehr zu erkennen war. So war dieses nutzlose, nicht gerade billige Ding ein Jahr in meiner Navigationsecke gelegen, was sein Leben glücklicherweise dadurch beendete, als die auslaufsichere Batterie, das tat, was diese ungemein effektiven Helfer für den Umsatz der elektronischen Industrie immer tun, nämlich mit ihrem Saft zuverlässig die Elektronik zu zerstören.

In den Jahren danach, als wir in den indonesischen Gewässern kreuzten, tauchte der Gedanke an ein leistungsfähiges Nachtsichtgerät wieder auf, denn, für europäische Segler unvorstellbar, es wimmelt dort geradezu von unbeleuchteten Hindernissen, seien es kleine Fischerboote ohne erkennbares Licht, ja Hütten auf dem Wasser und vor allem, Millionen von Fischerbojen, die dazu führen, dass man nachts eigentlich nicht unterwegs sein dürfte, weil diese Hindernisse mittels Radar nicht zuverlässig sichtbar gemacht werden können.

Ein leistungsfähige Nachtsichtgerät würde dieses Problem lösen können. Es müsste sowas sein, wie die amerikanischen Truppen bei der Verteidigung der Freiheit im Irak benutzen, oder mit denen bei uns die Rettungshubschrauberpiloten die Nacht zum Tag werden lassen. Also Nachtsichtgeraäte der sogenannten "Generation III". Wer einmal nächtens über die erwähnten Gewässer nervös geirrt ist, dem würde das auch den Anschaffungspreis von ein paar tausend Euros wert sein. Jedoch, jedermann kann in den USA diese Dinger kaufen, aber eben, weil Kriegsgerät, nicht legal aus dem Lande bringen. Und außer den USA hab ich in noch keinem Geschäft diese Nachtsichtgeräte der Generation III angeboten gesehen. Versandgeschäfte für Yacht-Zubehör wie West-Marine haben sie im Angebot, versenden sie aber ins Ausland nur gegen Exportgenehmigung - ein hoffnungsloses Unterfangen oder man findet gleich im Katalog den Hinweis: "Shipping outside of the US is prohibited".

Und so war ich also wie elektrisiert, als ich auf der Interboot, Wärmebildsysteme für Yachten zum Preis von 5500 Euro ausmachte, deren Bilder wirklich den Verdacht aufkommen lassen, sie könnten die Nacht zum Tage werden lassen. Ich bin mir darüber im Klaren, dass man auf der Ausstellung so ein Ding bei weitem nicht abschließend beurteilen kann. Aber, die Bilder vom Mann über Bord oder von einer Brücke mit durchaus hellen Lichtquellen im Hintergrund wirken wirklich überzeugend. Und das Angebot des Ausstellers, eine solche Yacht-Wärmebildkamera gegen Pfand probeweise installieren zu können (was technisch - anders als beim Radar mit der großen Antenne - sehr leicht möglich ist), deutet auf ein gutes Gewissen hin.

Damit man sich aber als Kaufinteressent von vorneherein Enttäuschungen erspart, folgendes: Diese Kameras haben keinen Sucher, wie wir das von den optischen Kameras gewohnt sind. Man benötigt, um den Bildausschnitt festlegen zu können, einen Monitor, was die Sache schon wieder recht unhandlich macht. Die Reichweite ist - theoretisch - (im Gegensatz zu Radar) unendlich, was die Hersteller offensichtlich dazu verführt hat (aber die haben sich sicher dabei was gedacht), die Yacht-Kamera mit einer Optik im leichten Telebereich auszustatten. Was sich wiederum mit dem fehlenden Sucher etwas beißt. Da die Wärmestrahlung für normales Glas (wie auch für Wasser) fast undurchdringlich ist, kann der Wunsch nach einem anderen (Germanium-) Objektiv, oder gar nach einem Zoom, ein recht teures, technisch schwer zu realisierendes Verlangen werden.

Also, wenn diese Geräte auch nur einigermaßen die in sie gesetzten Erwartungen auch in der Yacht-Praxis erfüllen, wären sie für den Nachtsegler eine große Unterstützung, um auch nachts kleinere Hindernisse rechtzeitig erkennen zu können. Die größeren sind ein Fall fürs Radar, das daneben keineswegs seine Daseinsberechtigung hat, ja in meinen Augen immer unverzichtbar ist.

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