Schule des (Segel-)Lebens

von Bobby Schenk

Jetzt mal ehrlich, der schönste Törn leidet oft darunter, dass zum Ende hin der schwierigste Teil bevorsteht. Kaum einer von uns ist als Skipper gegen das mulmige Gefühl gefeit, das sich schon Meilen vor dem Hafen einstellt. Es beschleicht einen die Sorge, ob man in dem neuen Hafen wohl zurechtkommt, wie man sich dem zugewiesenen Liegeplatz am besten nähert, wie der Wind wohl steht und das Hafenmanöver erschwert, ob jemand am Steg steht und hilft, oder ob dort ein paar Typen mit der Bierflasche in der Hand kommentarreich darauf warten, dass das Manöver vor den Augen der eigenen Crew in den Bach geht.

Wie schön wäre es, wenn man in der Hafeneinfahrt lässig das Kommando "Klar bei Leinen und Fender fürs Anlegen mit dem Heck zur Pier! " geben und dann ohne Geschrei in die Lücke am Steg rückwärts "einparken" könnte: "Leinen fest!"

Leider sieht die Praxis in der Regel anders aus. Und das liegt daran, dass wir zwar fanatische Segler sind, für die es nichts Schöneres gibt, als "Segel rauf!" und raumschots unter Vollzeug dahinzubrausen. Am besten mit einer zweistelligen Anzeige auf dem Speedometer. Aber wer übt schon Anlegemanöver, besonders ungern mit dem eigenen Schiff. Und schon gar nicht wird der erste Tag beim Chartertörn damit vertrödelt, dass man zum wiederholten Male in die Lücke am Steg einfährt und somit Erfahrungen im Anlegen, gelegentlich sogar auf Kosten des Vercharterers oder seiner Versicherung, sammelt.

Dabei würden wir doch mit blankem Unverständnis reagieren, wenn beispielsweise einem PKW-Fahrschüler das "Einparken" bei der Ausbildung erspart würde. Denn der Prüfer würde so einen doch nie auf die autofahrende Menschheit loslassen. Aber wir Segler bringen das fertig, und in (deutschen) Segelscheinprüfungen wird das Thema "Hafenmanöver" nur angeschnitten.

Und das, obwohl das Anlegen einer Yacht (von "unter Segel" will ich mal gar nicht reden) erheblich kostenriskanter und komplexer ist, als das Einparken mit dem PKW.

Letztere Aussage trifft natürlich nur zu, wenn man es nicht kann.

Vor vielen Jahren hatte ich das Glück, bei meinem großen Segellehrer Karl Sailer ein Skippertraining zu absolvieren. Damals hieß es noch anders, nämlich "praktischer Kurs“, aber die Idee dahinter ist die gleiche geblieben: Anlegen, ablegen, anlegen, ablegen, und das unter wechselnden Bedingungen. Mein gesamtes Segelleben habe ich von dieser harten Schule profitiert. Im Panamakanal, bei Hunderten von Ankermanövern, in ungezählten Marinas rings um die Welt. Und nur deshalb hatte ich damals gegenüber den meisten Weltumseglern - und die konnten segeln!- einen kleinen Vorsprung. Daraus ist übrigens mein Buch Hafenmanöver entstanden, mit über 30 Tausend verkauften Exemplaren wohl das Standardwerk zum Thema „An-und Ablegen mit Yachten“. Und das zeigt, wie vielen Seglern diese Probleme unter den Nägeln brennen.   

Inzwischen hab ich selbst (zusammen mit exzellenten Segel-Lehrern) Skippertrainings veranstaltet und konnte beobachten: Fast alle Teilnehmer waren Bootsbesitzer, Segler, die eigenständig Boote gechartert oder dies zumindest vorhatten. Fast alle hatten eins gemeinsam: Sie waren zu Beginn der Schulung extrem unsicher, vor jedem Manöver flatterten ihre Nerven. Aber mit jedem An- oder Ablegen unter Anleitung des Lehrers wuchs ihr Selbstvertrauen. Bis sie am Ende des Kurses ziemlich cool und auf Anhieb die Manöver meisterten. Mehrmals hintereinander. Und nicht nur das, die ursprüngliche Nervosität war echter Begeisterung gewichen.

Ein Schüler von damals ist mir in bleibender Erinnerung. Zunächst war er bar jeden Vertrauens in die eigenen Manövrierfähigkeiten. Er biss sich aber durch den Kurs und besuchte mich nach ein paar Jahren: Er hatte während dieses Skipper-Trainings so viel Selbstvertrauen gewonnen, dass er anschließend auf eigene Verantwortung eine Yacht charterte und mit Bravour einen Segeltörn in einem schwierigen Tiden-Revier absolvierte. Der Kamerad war kaum mehr wiederzuerkennen, so souverän war sein Auftreten.

In der Zwischenzeit hat sich auf diesem Gebiet einiges getan, was für die Zukunft wegweisend ist. Der Österreicher Michael Menard, ausgebildeter Mathematiker (was bei ihm nicht selten durchschlägt), nunmehr aber begeisterter Segel-Ausbilder, geht beim Thema Hafenmanöver ganz neue Wege. Zunächst hat er eine weltweit einmalige App entwickelt, mit der Hafenmanöver in allen Variationen und mit wählbaren Variablen (Wind, Fahrt etc) auf dem Tablet, Smartphone oder PC präzise gefahren und damit trainiert werden können. Im Prinzip ähnelt das der Ausbildung von Berufspiloten, die ebenfalls einen Teil der Ausbildung am Simulator erledigen müssen.

So können, in der Theorie, Denkfehler oder falsches Abschätzen von Wind, Fahrt und eventuell Strom viel naturbezogener in das Manöver einbezogen werden. Nicht genug damit, exzellente Kameramänner filmen den Ablauf der Manöver mit Hilfe von professionellen Drohnen aus der Luft. Und die dabei entstehenden Filme zeigen die Fehler des Skippers in Command unbarmherzig auf - siehe hier Zwischenzeitlich wurden Tausende von diesen Programmen in Europa vertrieben - sogar in Frankreich, obwohl die französischen Yachtsleute , wie man weiß, schon sehr eigene Meinungen zur Segeltechnik haben.

Michael veranstaltet seit einiger Zeit höchst erfolgreiche Skippertrainings unter Einsatz dieser Technik. Ich habe einige Tage lang an so einem Training teilgenommen und kann nur zusammenfassend sagen: That´s it !

Das ist es, wenn jemand auch nur die geringsten Unsicherheiten bei Hafenmanövern verspürt, und das tun wir doch alle, wenn wir nicht vorher Dutzende Male das An-und Ablegen geübt haben. Aber, wer macht das schon ohne Zwang - siehe oben?

Michaels Skipper-Trainings werden in der wettergeschützten (Wind kann allerdings reichlich wehen, gut für interessante Manöver) und nicht zu weit entfernt gelegenen Marina in Punat/Kroatien abgehalten. Die Marina ist zwar mit 2500 Liegeplätzen nicht gerade klein, aber wunderschön und top gepflegt. Die sanitären Anlagen sind bestens ausgestattet und blitzsauber. Das Angebot in den sehr hübschen Restaurants ist gut. Im zu Fuß erreichbaren Zentrum des Orts finden sich zahlreiche, teils richtig urige Kneipen. Und wer luxuriös, aber nicht überteuert, in exklusiven Suiten wohnen will, kann das in dem wenige Meter entfernten Hotel Karnajt.

Die Marina stellt einen ganzen Steg zur Verfügung , damit die Manöver-Eleven ohne Risisko für andere Pierlieger viele Dutzend Male mit ausgewachsenen Yachten (12 bis 15 Meter) ohne oder mit Bugstrahlruder, ohne oder mit Doppelruder, mit einem oder zwei Rümpfen unter der Aufsicht von Super-Profis an- und ablegen können. Und zwar eigenständig! Der Ausbilder steht nur mit am Ruder, um nur "im letzten Augenblick" einzugreifen. Was nach einiger Zeit meist nicht mehr nötig ist. Jeder weiß, aus gemachten Fehlern lernt es sich am besten, und das geht bei Michael so: Abends können die Luftaufnahmen durchgesehen und der Ablauf des Manövers - samt seinen Fehlern – am Bildschirm analysiert werden.

Was mich beeindruckt hat, ist die hochprofessionelle Einstellung von Michael und seinen Lehrern. Dem entsprechend ist das gesamte Skippertraining angelegt: Hier werden keine überholten Schulmeinungen vermittelt oder nachgeplappert, sondern moderne Erkenntnisse (wer weiß von uns schon, ob beim Doppelruder ein Radeffekt spürbar wird?). Andere Themen kommen ebenfalls nicht zu kurz: Das Anlegen und Bedienen des Sicherheitsgurts etwa oder das Abrufen von Wetternachrichten oder auch kurze Fragen, die in der Praxis eine große Rolle spielen, zum Beispiel: Was machen wir sofort, wenn ein Gewitter naht? (Wer hier länger als fünf Sekunden überlegen muss, ist ohnehin reif für einen praktischen Lehrgang!)

Ausgiebig wird das Eindampfen in die Spring gelehrt und gefahren. Nein, nicht nur in die Vorspring, sondern auch in Mittelspring oder Achterleine. Was letztlich ein viel einfacheres Manöver ergibt, und zwar auch bei schwierigen Bedingungen mit kleiner Mannschaft. Gelegenheit zum Üben ist reichlich. Denn pro Yacht sind nur 6 Personen vorgesehen. Und zwar für den ganzen Tag. Dass nebenbei Tipps von den in Skippertrainings extrem erfahrenen Lehrern (Weltumsegler, Berufsskipper) abfallen, ist selbstverständlich. Eindrucksvoll war bei der mehrtägigen Beobachtung der Manöver auch die Tatsache, wie schnell ursprünglich einander wildfremde Segler schon nach wenigen gemeinsamen Manövern zu einer schlagkräftigen Crew zusammenwuchsen.

Ich werde oft gefragt, wie man sich denn am besten vorbereitet, wenn man auf Langfahrt gehen will. Also, in seglerischer Weise ist man ungleich besser auf kommende Schwierigkeiten vorbereitet, als die meisten Weltumsegler, die den steinigen Weg "Try and Error" oder "Learning by Doing" wählen, wenn man mindestens einen Überführungstörn unter einem erfahrenen Skipper und ein Skippertraining bei Michael absolviert hat. Dann sollte man seglerisch selbst für eine Weltumsegelung fit sein.

Der Teilnehmerpreis von etwas über 400 Euro für das dreitägige Training ist also eine sehr gute Investition und mehr wert als manche elektronische Spielerei in der Navi-Ecke. In der Teilnahmegebühr sind nämlich auch die Übernachtungen - stilecht auf der Yacht - eingeschlossen. Auch sonst ist in dem „All-Inclusive-Training“ alles ausser das eigene Essen und Anfahrt eingeschlossen.

Ein Vorteil einer Teilnahmebestätigung an einem solchen Skippertraining ist übrigens auch die höhere Bereitschaft einer Bootsversicherung, das Risiko für Schäden zu übernehmen. Dass Vercharterer Kunden mit Erfahrung aus einem Skippertraining lieber sehen, als Nobodies mit einem deutschen Segelschein, liegt auf der Hand. Dass dies kein Wunschdenken ist, hat die bekannte Schiffsversicherung YACHTPOOL (Erfinderin des Sicherungsscheins) bewiesen, die diesem Skippertraining als erster Ausbildungsstätte das „Checked and Trusted“-Zertifikat verliehen hat. Alle Trainer werden in einem "Train the Trainer"-Seminar ausgebildet und haben die Berufsskipperhaftpflicht abgeschlossen. Die Trainings sind auch kautionsversichert.

Ich habe schon das Simulations-Programm von Michael sensationell und einzigartig gefunden, aber dieses Skippertraining begeistert mindestens genauso. Und das zu sagen fällt mir überhaupt nicht schwer, obwohl so ein Statement eigentlich meinen Interessen zuwider läuft: Schließlich sollte sich mein Buch HAFENMANÖVER weiterhin verkaufen.

Kurzum, wer wirklich Interesse daran hat, seine Yacht auf einem Törn in jeder Lage zu beherrschen, dem sei das Skippertraining dringend empfohlen. Am besten nimmt auch gleich die Ehefrau (Freundin) daran teil. Was nicht ungefährlich ist, denn ich hab in Punat erlebt, dass am Ende die Gattin bessere Manöver gefahren hat als der Master.

Aber Achtung: die nächsten Skippertrainings im kommenden Oktober sind verständlicherweise nahezu ausgebucht - siehe hier, aber im nächsten Frühjahr geht es weiter. Trotzdem gilt es, sich rechtzeitig anzumelden, wenn man mal lernen will, mit seiner Yacht sicher umzugehen. Immerhin hatte Michael im vergangenen Frühjahr an die einhundert Teilnehmer! Glauben Sie mir, ein gelungenes Manöver im engen Hafen befriedigt mehr als manches Meilenfressen!

Vorher sollte man sich auf Michaels Lernplattform „Skipper 360°“ umsehen, die ideale Ergänzung auch zur Vorbereitung zum Skippertraining. Dort kann man sämtliche Hafenmanöver als Video mit einmaligen Kameraeinstellungen aus der Luft und eingeblendeter Ruderstellung, kombiniert mit der Crew im Film vorab studieren. Diese Manöverstudien sind weltweit einmalig und vorher noch nie dagewesen. Der Clou: Der ganze Spaß kostet gerade mal etwas über vier Euro/Monat. Wenn man bedenkt, wie aufwändig die professionellen Fimaufnahmen und deren Verarbeitung gewesen sein müssen, dann ist dies „geschenkt“. Kein Buch, kein Artikel in einer Zeitschrift keine Serie von Zeichnungen kann einem die Hafenmanöver mit großen Segelyachten so realitätsnah bringen wie zum Beispiel dieses Video, das gleichzeitig die Frage beantwortet, ob sich der Skipper von der Mooringleine des Nachbarn freihalten kann:

 

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