Weltumseglerin und Apothekerin Karla Schenk hat mir Ihrem Beitrag Die Bordapotheke nicht nur die eigene Weltumsegelung und andere Extremtouren jahrzehntelang medizinisch "versorgt", sonder sicher auch schon zahlreichen Weltumseglern geholfen. Nunmehr hat  Prof. Dr.med.Stefan von Sommoggy Karla Schenks Apotheke auf den letzten Stand gebracht und um einige wertvolle Ratschläge ergänzt: 


 

Segler- (Reise-) Apotheke

nach Apothekerin Karla Schenk

modifiziert von Apotheker Christian von Sommoggy und Chirurg und Gefäß-Chirurg Prof. Dr.med.Stefan von Sommoggy (Chirurg und Gefäßchirurg), der auch den Medizin-Teil für ein Sahara-Reise-Buch geschrieben hat, das für alle Abenteuer-Reisen gilt (aktualisiert Stand 4_2010).

K für Küstensegeln, L zusätzlich für weite Ozeanreisen)

Erkrankungen/Verletzungen

Medikamentenvorschläge

Allergieen

 

L) Leichte Allergie, Juckreiz 

Fenistil Gel, Soventol HC, Cetrizin, Loratidin, Kalzium-Brausetabletten

K) Schwere Allergie

Fastjekt Autoinjektor, Methylprednisolon Tabletten, Antibiotika

L) Bakterielle Infektionen 

Ciprobay, Baycillin, Cefpodoxim

Atemwegserkrankungen

 

K) Reizhusten

Codipront-Kapseln

L) Husten

Acetylcystein, Ambroxol Tabletten, Codeinhaltige Medikamente

L) schwere Bronchitis

Ciprobay Tabletten

K) Asthma

Beta-2-Sympathomimetika zum Inhalieren (Salbutamol Dosieraerosol)

Augen

 

L) Bindehautentzündung 

Visadron Augentropfen

L) Eitrige Augen

Polyspectran Augen/Ohrentropfen

K) Starke Schmerzen bei Augenverletzung

Tramal long Tabletten

Beruhigung

 

L) Nervosität 

Bromazepam Tabletten

K) Starke Erregung

Diazepam Tabletten

Blase-Nieren

 

L) Harnwegsinfekt 

Ciprobay, viel Trinken

K) Nierenkolik

Buscopan plus Zäpfchen, Tramal long Tbl.

Hals-Nase-Ohren

 

L) Entzündungen des äußeren und mittleren Ohres

Polyspectran Augen/Ohrentropfen , Snup Nasenspray, Amoxicillin Tbl.

L) Schnupfen

Rhinospray, Snup Nasenspray

L) Halsschmerzen

Dorithricin Halstabletten (antibiotisch), Dobendan Strepsils Dolo Lutschtabletten (lokal betäubend und desinfizierend) 

K) Herzanfall/Angina pectoris

Nitrolinqual Spray /Kaps

Hautkrankheiten

 

K) Verbrennungen, Insektenstiche, Sonnenbrand 

Fenistil Gel 

L) Furunkel

Ilon-Abszeßsalbe

Wunden

 

K) Desinfektion von Wunden

Octenisept Lsg./Spray

K) Schmerzstillen

EMLA-Salbe

Schmerzen

 

L) Leichte Schmerzen

Paracetamol Tbl., Novalgin Drg., Dolopyrin Tbl.

K) Schwere Schmerzen

Tramal long Tabletten

L) Lokalanästhesie

Xylocain Ampullen (z.B. zur Wundversorgung)

K) Herzschmerz (Angina pectoris)

Nitrolingual Kps.

Seekrankheit /Übelkeit

 

K) Zur Vorbeugung

VomexTabl., Scopoderm Pflaster, Superpep Kaugummi

K) Schwere Seekrankheit, Erbrechen 

MCP Tbl., Tropfen, Zäpfchen

Verdauungsorgane

 

K) Sodbrennen, Gastritis

Maaloxan Kautbl., Antra

L) Magen/Darmverstimmung

MCP Tropfen

K) Durchfall 

Kohletbl. (viele einnehmen! z.B. 50 Stück in einem Wasserglas auflösen...), Loperamid Tabl., Perenterol Kps.

(= „gute“Darmkeime)

K) Bauchkrämpfe

Buscopan plus Zäpfchen

Diverse Erkrankungen

 

L) Blutergüsse, Prellungen, Zerrungen

Dolobene Gel, Chomelanum Salbe, Voltaren Emugel

L) Schwellungen, Entzündungen

Diclofenac Retardkapseln

L) Haemorrhoiden

Anaesthesin Creme

L) Gebärmutterblutungen

Methergin Tropfen

L) Fieber

Aspirin Tabletten/ Novalgin

K) Gallenkolik

Buscopan plus Zäpfchen

L) Blutungen

Druckverband ! Clauden Nasentamponade

K) Hexenschuß (akute Lumbago)

Diclofenac Retardkapseln / Wärme!

L) Thrombose (dickes Bein)

Dabigatran Kps.

 

Nur für den Arzt!

(na ja, im Notfall ist alles erlaubt)!

"Arzt-Medikamente"

(Einige Medikamente, die nur in die Hand des Arztes gehören, sollten getrennt von der Bordapotheke in einem verschlossenen Kasten aufbewahrt werden):

  •  schwere Infektionen: Cephalosporin Ampullen

  •  Schock, Kollaps: Ringerlösung, Kochsalzlösung Infusion

  •  schwere Allergien: Volon 40 mg Ampullen

  •  schwere Schmerzen: Tramal Ampullen

  •  starke Erregung: Valium Ampullen


Instrumente

  •  Fieberthermometer

  •  Einmalhandschuhe

  •  Splitterpinzette

  •  Einmalskalpell

  •  chirurgischer Wund- Klammerapparat (steriles Einmalgerät, am einfachsten!)

  •  Verbandschere

  •  Einmalspritzen 2ml, 5ml,20ml

  •  Einmalkanülen Gr.1, Gr. 14

  •  Safar-Tubus 

  •  Rekordspritze 5ml

  •  Schockdecke

  • Harnverhalt: PuFi (suprapubischer Blasenkatheter = oberhalb der Symphyse punktieren, muß einem vorher gezeigt worden sein, nur im Notfall!))

  • Kanüle zur Entlastung bei (Spannungs-) Pneumothorax  (nur Notfall natürlich)

 

Verbandsstoffe

  •  Dreiecktuch

  •  Watte

  •  Verbandpäckchen, groß, mittel

  •  Verbandmull

  •  Metalline Verbandtuch 60 x 80cm

  •  Metalline Verbandpäckchen

  •  Porofix Klammerpflaster

  •  Hansastrip (verschiedene Breiten)

  • SteriStrip (Wundversorgung ohne Nähen)

  •  Leukoflex (verschiedene Breiten) auch für Druckverbände,

  •   Mullbinden (verschiedene Breiten)

  •  Kompressions-Kurzzugsbinden 10cm, 5 cm (z.B. Idealbinde)

  • Tamponadestreifen

  •  Augenklappe, Lederfingerlinge

  •  Schienenmaterial

  •  Sicherheitsnadeln

  •  Blutstillende Watte (Clauden Gaze)

  • Kunststoffgips (3M Scotchcast u.ä. )

Für kleinere Hautverletzungen

  (in einem eigenen Verbandkästchen immer griffbereit zur Hand)

  •  verschiedene, wasserfeste Pflaster

  •  ein Breitbandantiseptikum (Octenisept)

  •  Sprühverband

  •  Schere

Geht die Fahrt in die Tropen, so soll unsere Apotheke ein Präparat zur Malaria-Prophylaxe enthalten. In heißen Gegenden werden Dragees und Kapseln leicht unbrauchbar. Zäpfchen kann man vor der Anwendung mitsamt der Hülse in Wasser abkühlen ("Härten" von Zäpfchen).


Medizinische Ratschläge für Abenteuerreisen

Die Tropeninstitute in München und Hamburg stellen Merkblätter zur Verfügung.

Für das Buch ABSEITS ALLER PISTEN hat Prof. Dr.med.Stefan von Sommoggy den Medizin-Teil geschrieben.... (Medikamente „upgedated“)

Ein Medizinratgeber für extreme Saharareisen muss sich beschränken: Weder kann ein Kurz-Medizinstudium vermittelt werden, noch kann auf alle möglichen Erkrankungen eingegangen werden.

 

 und nehmen sie eines der guten Bücher mit, die für die medizinische Versorgung auf Extremreisen geschrieben wurden z.B. "Wo es keinen Arzt gibt" (D. Werner), "Medi zinsurvival" (R. Nehberg). Diese und ähnliche Bücher sind bei den entsprechenden Reiseausrüstern erhältlich.

 

Auch im medizinischen Bereich gilt der Grundsatz aller Extrem-Rreisen: Keine Fehler machen!

Wichtiger als die Behandlung ist das Vermeiden von gesundheitlichen Risiken.

Wer in der Sahara oder in der sonnengleißenden Inselwelt der Tropen einen schweren Sonnenbrand oder einen Sonnenstich bekommt, ist für extreme Saharatouren auf eigene Faust nicht geeignet und sollte sich lieber Pauschalreisen zu wenden.

Zur Risikovermeidung gehört auch, unfallbedingte Verletzungen durch Vorausdenken zu vermeiden. Obwohl wir es selbst bei früheren Saharareisen auch machten, haben bei Extremreisen Spielereien wie das Abfahren mit Skiern von riesigen Sanddünen oder Spinnakerfliegen keinen Platz.

Eine verhängnisvolle Gefahr sind auch Verbrennungen, denen man durch bewussten Umgang mit Treibstoff oder beim Kochen in Badekleidung weitgehend begegnen kann.

Eigene chronische Erkrankungen, mit denen man gelernt hat umzugehen und zu leben, sind nicht unbedingt ein Hindernis für Extremreisen.

Auch eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) mit der man gelernt hat zu leben, ist kein Hinderungsgrund.

Ausgegangen werden darf davon, dass Erste Hilfe-Maßnahmen bei solchen Törns bekannt sind. Günstig wäre natürlich ein medizinisch ausgebildetes Mitglied bei einer Extremtour (Krankenschwester, Pfleger, Rettungssanitäter, Apotheker, Arzt).

Da nicht alle möglichen Erkrankungen angesprochen werden können, empfiehlt sich die Mitnahme verständlich geschriebener und mit klaren Behandlungsrichtlinien ausgestatteter Ratgeber

Im Folgenden einige grundsätzliche Ratschläge:

Auf allgemeine Hautpflege und Hygienemaßnahmen (Fettsalben, Lippenpflege, Zahnpflege. Genitalhygiene) wird nicht eingegangen, da auch hier selbstverständlich der Grundsatz der Risikovermeidung gilt. Auch bei der Trinkwasserhygiene gilt dieses Prinzip, um Durchfälle (Diarrhoen) zu vermeiden, genauso wie man nicht "zum Baden" in tropische Flüsse gehen sollte (Afrika!) und deshalb auch keine Wurmkrankheit (Bilharziose) bekommt.

Wie Sie einen Schnupfen, Husten oder eine Grippe behandeln, haben Sie im bisherigen Leben selbst gelernt. Genauso, wie sie zum Weiterkommen ihre Yacht mit allen verfügbaren Mitteln reparieren müssen, gilt dieser Grundsatz auch bei ihrer eigenen medizinischen Behandlung: Sie müssen weiterkommen können.

Hierzu gehört auch die Verwendung von Arzneimittel, die eigentlich nur in die Hand des Arztes gehören. Günstig ist, wenn sie die Wirkung einzelner Medikamente wie z.B. Antibiotika bereits bei früheren Erkrankungen sozusagen an sich erprobt haben und damit wissen, dass die nicht Unverträglichkeits-Erscheinungen gegen diese Medikamente haben.

Spezifische Medikamentenempfehlungen sollen nur ein Anhalt sein.

Ihr Hausarzt ist der ideale Ansprechpartner, ihr Apotheker ein kompetenter Berater auch für das preisgünstigste Präparat. Auf Dosierungsrichtlinien einzelner Medikamente wird nicht näher eingegangen, hierzu dient der "Waschzettel", der Originalverpackung des Medikaments, unbedingt aufheben! Schließen sie unbedingt eine Reiserückholversicherung ab (Flugrettung)! Das soll keine Reklame, sondern kann lebensrettend sein.

Ich habe selbst mehrfach auch aus entlegenen Wüstengebieten Leute zurückgeholt.

IMPFUNGEN

Voraussetzung ist eine Tetanusschutzimpfung, andere notwendige Impfungen hängen vom Reisegebiet ab und sind in Reisebüros und Impfanstalten leicht zu erfragen.

Äußerst empfehlenswert ist eine Impfung gegen Kinderlähmung (Poliomyelitis), da sich auch Erwachsene anstecken können und das Ansteckungsrisiko in unterentwickelten Ländern relativ hoch ist.

Prophylaxe gegen infektiöse Gelbsucht (Hepatitis A) durch Gamma Globulin Injektion, kurz vor der Abreise durch den Hausarzt, lohnt sich immer. Schutzwirkung ca. 6 Wochen auch gegen andere Infektionen (allerdings kein absoluter Schutz).

HIV ist wohl allen ausreichend bekannt.... .

Malariaprophylaxe:

Mückenstiche vermeiden ! Es werden je nach Resistenzlage verschiedene Medikamente empfohlen, siehe http://www.dtg.org/7.html.

Doxycyclin (100mg) ist in Deutschland als Mittel zur Malariaprophylaxe nicht zugelassen, obwohl es von der WHO und von anderen Ländern (z.B. USA, Australien) zur Prophylaxe empfohlen wird. Da die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit des Mittels durch zahlreiche Studien belegt wird, ist ein "off-label-use" prinzipiell möglich, vor allem, wenn hierfür Gründe vorliegen (z.B. Unverträglichkeit oder Kontraindikationen anderer Mittel).

SONNEN- UND HITZEFOLGEN

Sonnenbrand:

Sollte, wie bereits gesagt eigentlich vermieden werden, kann aber z.B. bei unumgänglichen Arbeiten beim Segeln, vor allem aber bewim Schnorcheln trotzdem auftreten. Es handelt sich grundsätzlich um eine Verbrennung, wie sie auch durch andere Hitzeeinwirkungen oder als Verbrühung auftreten kann. Je nach Stärke werden 4 Stadien unterschieden: 1.Hautrötung, 2. Blasenbildung, 3.Zerstörung der Hautoberfläche, 4.Verkohlung. Bei akuter Verbrennung die betroffene Stelle sofort mit kaltem Wasser kühlen, um ein "Nachverbrennen" abzustoppen. Herausragen des Zeichen sind die Schmerzen, deshalb erstens Schmerzmittel einnehmen und lokal Anaesthesin Creme oder EMLA-Salbe auftragen. Siehe weiter bei Brandwunden.

Hitzeschlag:

Folge eines Wärmestaus ihres Körpers ("der Kühler kocht") und äußert sich als Kreislaufschwäche bis hin zu Bewusstseinsstörung oder Bewusstlosigkeit. Die Haut fühlt sich dabei sehr heiß und trocken an, da der Körper nicht mehr in der Lage ist, durch Schweißabsonderung und damit durch Verdunstungskälte seine Temperatur zu regeln. Folglich müssen sie ihn durch extreme Maßnahmen runterkühlen: Schatten, Kleidung aus, nasse Tücher und Fächeln (wie der Kühlerventilator). Sonst wie Kreislaufkollaps behandeln.

Sonnenstich:

Ist eine strahlenbedingte Hirnhautreizung und äußert sich in heftigen Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, Kreislaufschwäche mit Pulsjagen, schwachem Puls (= niedriger Blutdruck), meist roter, heißer Kopf bei kalt-schweißigem Körper. Wie bei Hitzschlag, zusätzlich Schmerzmittel (z. B. 2 Tbl. Anco) und Cortisontabletten (2Tbl.)

Wasserhaushalt des Körpers:

Naturgemäß ist dies bei den extremen Temperaturschwankungen in den Tropen besonders wichtig. Zuwenig trinken können sie oft, zuviel trinken praktisch nie. Kalkulieren Sie die Wasservorräte sorgfältig: ab 2 Liter/Tag/Person und Tätigkeit und Jahreszeit. Leicht Übergewichtige haben gegenüber dem sehnigen hageren Typ hier endlich einmal den Vorteil eines größeren Spielraumes durch den höheren Wassergehalt von Fettgewebe. Mineraldrinks sind eine hervorragende Sache. Trockensubstanzen, die sie mit Wasser auf lösen können: Isostar, Biolectra Mineral Brause Tabletten. Fragen sie ihren Apotheker.

Brandwunden (gilt auch für Sonnenbrand):

Kühlen, anästhesierende Salbe (z.B. Xylocain Gel, EMLA-Salbe), Schmerzmittel. Blasen nicht öffnen oder abtragen, sie gehen von selbst auf und bilden solange eine schützende Schicht, die vor Infektionen bewahrt.

Wunde blutend:

Fast jede Blutung, auch eine arterielle (spritzende) kann durch Anlage eines Druckverbandes gestillt werden. Gezielter lokaler Druck ggf. mit den Fingern (steriler Handschuh) wirkt immer. "Abbinden" ist abzulehnen und allenfalls eine letzte verzweifelte Maßnahme bei unstillbarer Blutung. Formen sie aus sterilen Kompressen einen möglichst dicken und gezielt wirkenden "Ballen" und wickeln Sie diesen mit elastischer Binde an. Die Binde darf jedoch nicht schnüren. Damit ist fast jede Blutung zu stillen. Nach einigen Stunden steht die Blutung meistens spontan und ein Verbandswechsel mit Aufbringen von desinfizierender Salbe (Betaisodona Salbe) kann erfolgen. Bei verkrustetem und verbackenem Blut kann der Verband durch Anfeuchten mit Wasser (mit Octenisept- Lösung) leicht abgelöst werden.

Verschmutzte Wunde:

Mit Betaisodona Flüssigseife und Wasser reinigen, danach desinfizierende Salbe.

Klaffende tiefe Wunde:

Auf keinen Fall Nahtversuche. Beim Zuheilen einer offenen Wunde ohne Naht erleiden sie allenfalls einen Schönheitsdefekt. Bei Infektion einer verschlossenen Wunde, die einen Abszess bildet, können sie im septischen Schock sterben. Bei der Wundbehandlung gilt immer noch der Grundsatz: "Ubi pus ibi evacua" = wo Eiter ist, entleere ihn, d.h., Wunden sollen offen bleiben und von unten heraus zuheilen. Schönheitsideale haben auf den Ozeanen keinen Platz.

Behandlung von Durchfällen (Diarrhoe):

Sie muss schnell erfolgen und auch drastisch durchgeführt werden, da gerade unter den Temperaturverhältnissen in den Tropen der Flüssigkeitsverlust mit Verschiebungen der blutchemischen Zusammensetzung verhängnisvoll sein kann. Unschlagbares Mittel sind Kohletabletten (Aktivkohle), hierdurch werden Giftstoffe und Bakterien im Magen-Darm-Trakt resorbiert und unschädlich gemacht. Aktivkohle ist völlig ungiftig und kann in großen Mengen zu sich genommen werden. Vorschlag: Auch wenn es scheußlich schmeckt, 20 Kohletabletten in 1 Wasserglas und das 3x täglich, dann haben sie im Normalfall Ruhe. Wenn nicht, ist die Anwendung von Antibiotikum notwendig. Ideal sind hier Humatin Kapseln, z.B. 3x2 Kps. alle 8 Stunden. Dieses Antibiotikum wird aus dem Darm nicht resorbiert und beseitigt die Bakterien im Magen-Darm-Trakt, allerdings leider auch die notwendige normale Darmbesiedelung mit Keimen. Deshalb sollte man danach die Darmflora mit den normalen Darmkeimen wieder aufbauen (Perenterol-Kapseln). Wenn der Druchfall gar nicht zur Ruhe kommt (oder Sie ins Fahrzeug/Flugzeug müssen) Loperamid . Zu Beginn bin ich nicht so dafür, weil sich der Körper durch den Durchfall ja von toxischen Inhalten im Darm „befreien“ will.

Reiseapotheke:

Nicht eingegangen wird auf Medikamente die sie aufgrund einer ihnen bekannten persönlichen Erkrankung benötigen (z.B. Asthma).

Allgemein: Wie bereits erwähnt, benötigen sie auch stark wirksame Medikamente, die eigentlich in die Hand das Arztes gehören. Lassen sie sich von ihrem Hausarzt beraten, der ihnen auch die Medikamente besorgen kann.

Alle "Waschzettel" (die Packungsbeilagen) aufheben, sie enthalten wertvolle Informationen und Dosierrichtlinien!

Grundsätzlich sind Tabletten, Kapseln oder Dragees günstiger als Tropfen, da die Flaschen zerbrechen können.

Schmerzen

- leicht: Aspirin 500 mg Tbl. N=20, ben-u-ron Kps. N=20 - mittel: Gelonida Tbl.N=10, Anco Tbl. N=20 - stark: Dorythricin Tbl. , Tramal Trpf. 10ml oder Kapseln N=10.

Beruhigungsmittel: Valium 10 mg Tabletten N=10

Husten: codeinhaltige Kapseln oder Hustensaft (nur Codein stillt den Hustenreiz wirklich)

Magenschleimhautentzündung (Gastritis), Sodbrennen, Magen- beschwerden:

säurebildende Medikamente wie Maaloxan Tab. N=20 und Säurehemmer z.B. Antra N=10

Durchfall: 20 Kohletabletten in Wasser auflösen und bis zu 3 x am Tag trinken, natürliche Darmkeimpräperate (Perenterol Kapseln N=20). Loperamid Drg..

Zähne: siehe Schmerzmittel, bei herausgefallenden Füllungen: Cavit (Zahnfüllmaterial).

Übelkeit, Erbrechen: Paspertin Tropfen (30ml), Vomex A Zäpfchen (10 Supp)

Augen: Bei Bindehautentzündung Yxin Augentropfen (10 ml), bei eitriger Bindehautentzündung Antibiotikum Augensalbe (Refobacin Augentropfen (5ml) oder Salbe(5g)).

Nase: Bei Nasenbluten Clauden Nasentamponade zum Austamponieren der Nase. Schnupfen: Nasentropfen

Insektenstiche, Juckreiz, Allergie: Soventol Gel (50g), Tavegil Ta bletten (N=20) und Cortisontabletten (in schweren Fällen) (N=20), Fastinjekt Autoinjektor (bei Kreislaufversagen und Kollapsneigung)

Infektion: Antibiotikum (Ceporexin 1000 N=12 oder Panoral N=20, Baycillin Mega N=20, Doxycyclin Kps. 100mg (auch zur Malaria-Prophylaxe-,Therapie nach Mückenstichen) Nebacetin Salbe (2x15g)

Hautsalben: Fettcreme, Betaisodona Salbe (2x20g, 1 x100g), -Lö sung (120m1), Octenisept Lsg., Flüssigseife (120ml) für eiternde Wunden, bei Pilzin fektionen Canesten Creme (50g), bei Schwellungen, Verstauchungen z.B. Dolobene Gel (100g), Chomelanum Salbe, Voltaren Emugel Gel (100g).

Verbandsmaterial: Sterile Mullkompressen 10x10 cm, 10 Päck chen. Elastische Binden 18 cm breit, 5 Stück. Mullbinden 8 cm breit 5 Stück. Verbandspäckchen 5 Stück. Fettgaze (Betaisodona Wund gaze) 10x10 cm, 20 Stück. Polsterungsbinden 10 cm breit 5 Stück, Kunststoffgipsbinden 10 cm breit 8 Stück. Das übliche Pflastersortiment, Hansaplast, Hansapor, Leukostrip, Leukoplast, 1 Pinzette, 1 Splitterpinzette, 1 Schere.

Diese Angaben sind natürlich endlos erweiterbar, beruhen aber auf eigenen Erfahrungen, was am häufigsten gebraucht wird. Für jeden Eventualfall können sie sich, genauso wie ihre Yacht, nicht ausrüsten. Die spezifischen Medikamentenangaben sind nur Vorschläge und können durch analoge Präparate ersetzt werden. Bewusst wird darauf verzichtet, auf einzelne Krankheitsbilder einzugehen. Einen "Crashkurs" in der Medizin kann es nicht geben.

Nehmen sie eine vernünftige Reiseapotheke mit, die sie natürlich über die gemachten Vorschläge hinaus erweitern können. Lassen die sich von ihrem Arzt beraten und heften sie die Beipackzettel ab.

Noch einmal: Vernünftiges Verhalten und Risikovermeidung sind auch im medizinischen Bereich Voraussetzung für die erfolgreiche Durchführung einer Extremreise.

Generell gilt medizinisch gesehen, für Sie dasselbe wie für Ihr Auto oder Ihre Yacth: Auf Ozeanen (oder in der Sahara), abseits befahrener Routen müssen beide "am Laufen" bleiben, sonst haben Sie keine Chance. Nicht zuletzt macht dies ja den Reiz von extremen Abenteuer-Unternehmungen aus.

 

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