in den Wind gesprochen (78)

DER FLIEGENDE HOLLÄNDER

Hoffentlich gibt’s bald wieder Bootsausstellungen, auf denen man sich frei bewegen kann.

Unvergessen der geile Geruch nach Kunststoff, die endlosen Reihen wartenden Besucher vor den von der YACHT gepriesenen Schiffen, wo man kaum die Chance hatte, innerhalb der Messezeit auf die Yacht rauf und in den Salon runter zu kommen. Ein Rundblick auf den Segelboot-Park ergab dann meistens volle Cockpits, aber leere Decks. Und man sah kaum einen Kaufinteressenten auf dem Vorschiff.

Einer der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände befindet sich jedoch genau dort: das Ankergeschirr! Das am wenigsten beachtete Detail, obwohl es von essentieller Bedeutung ist auf seegehenden Yachten; gerade auf diesen wunderschönen Yachten, für die mit dem Attribut „für die weltweite Fahrt“ oder „fertig für eine Weltumsegelung“ geworben wird.

Ich räume ja ein, dem Neuling wir selbst während des Erwerbs eines doch so wichtigen Bootsführerscheins kaum was über´s Ankern erzählt, von einem bei der Prüfung vorzuführenden Ankermanöver ganz zu schweigen. Und bei der Vorbereitung des Charterurlaubs findet sich der Gedanke an ein Manöver vor Anker höchstens in der Anregung, auch mal eine Übernachtung in einer malerischen Bucht einzuplanen, weil das doch so romantisch ist. Ganz gelegentlich gibt’s aber auch Ausnahmen. Einer meiner Freunde, sicher einer der besten „Fahrtensegler“ mit Erfahrungen auf Charteryachten rund um die Welt (wie die meisten österreichischen Hochseesegler), bringt zum Charterurlaub schon mal seinen eigenen Anker mit. Gar nicht verkehrt!

Man kann den Vercharterern nicht zum Vorwurf machen, dass sie sich nur wenig um das Ankern mit allem Drum und Dran kümmern, denn – business as usual – die Urlaubssegler machen sich darüber kaum Gedanken. Meist wird bei der Anmeldung eher nach einem Bugstrahlruder als nach einem ordentlichen Ankergeschirr gefragt. Dabei geht’s ganz gut – jedenfalls für einen echten Hochseesegler – auch ohne diese Anlegehilfe, wie seit hundert Jahren ohne Elektrik. Doch ohne Anker oder mit zu schwachem Ankergeschirr geht’s eben nicht. Und dabei steht beim Chartern die Kaution und beim Eignerschiff sogar das Vermögen auf dem Spiel.

Bei meinem ersten Besuch auf einer Werft an der Ostsee wurde auf die Frage nach dem Ankergeschirr die Backskiste geöffnet und stolz mit dem Finger auf einen zusammengelegten Mini-Stockanker gezeigt (sogar mit Schnur aufgeschossen!) dran.

O.K., im dortigen Revier ist Ankern sicher die Ausnahme. Aber wenn´s brennt, sei es, dass die Marina übervoll oder im Sturm ein Einlaufen in den Hafen nicht mehr möglich ist, dann wünschte man sich nichts sehnlicher als ein starkes Ankergeschirr. In den Schadensberichten an die Versicherung ist häufig die Rede davon, dass aus eben diesen Gründen die Yacht, damals vor Anker, auf Slip gegangen ist.



Dabei wird jede Yacht auf Langtörn einmal in die Situation geraten, vor Anker gehen zu müssen, vor allem dann, wenn es in dieser Region noch gar keine Marinas gibt – das sind meistens auch die lohnendsten Ziele auf Blauwasserfahrt. Wenn die Yacht dann für das Ankern nicht ausgerüstet ist, sei es mangels richtiger Dimensionierung von Kette oder Ankerspill oder mangels der erforderlichen Anzahl von Ankern – eine Weltumsegelyacht braucht drei, Eric Hiscock hatte fünf an Bord -, ist der schönste Törn, wenn es schlecht läuft, zu Ende.

Ich glaube nicht, dass Richard Wagner ein Segelfan war, aber die ihm zugeschriebene Wortschöpfung vom Fliegenden Holländer passt exakt zu diesem Thema. Für diejenigen, die, wie ich, es nicht wissen, siehe Wikipedia: „Die Sage vom Fliegenden Holländer handelt von einem Kapitän, der durch einen Fluch dazu verdammt worden ist, bis zum Jüngsten Tag mit seinem Gepensterschiff auf dem Meer herum zu irren, ohne in einen Hafen einlaufen oder Erlösung im Tod finden zu können.“

Irgendwie denke ich da an so manche „moderne“ Hochseeyacht!

Die Bedeutung eines guten Ankergeschirrs kann man noch drastischer ausdrücken: Was für den Kunstflieger oder den Starfighterpiloten der Fallschirm ist, ist für den Yachtsmann der richtige Anker.

In den fast 20 Jahren auf den Weltmeeren habe ich sicher mehr als tausend Ankermanöver gefahren, darunter auch in einem ausgewachsenen Hurricane, aber niemals hat der (oder haben die) Anker versagt.

Damit kein Segelfreund zum Fliegenden Holländer wird, sollte er in meinem Buch ANKERN nachlesen, wie ich und viele andere von mir befragte Weltumsegler das zustande gebracht haben.

Nein, ich will das Buch ANKERN hier nicht verkaufen. Aber, weil es mir gar so wichtig ist, kann es hier vollkommen kostenlos heruntergeladen werden.

Für alle anderen Segler ist das sowieso in den Wind gesprochen,

Bobby Schenk



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