In den Wind gesprochen (4):

Hausmeister auf Yachten

Auf Ausstellungen kann man sie gut beobachten: Die Träumer, wenn sie zum ersten Mal zur Yacht ihrer Sehnsucht hochsteigen. Während die zukünftigen Bordfrauen Farben und Vorhänge kritisch überprüfen, kriegt Er beim Anblick der Technik große Augen. Und wenn sich dann gar der Deckel zur Maschine hebt, der Duft nach der neuen Motorenlackierung in seine Nase strömt, dann ist der Verkäufer seinem Ziel, die vielen hunderttausend Euros zu kassieren, schon sehr viel näher gekommen.

"So eine Yacht ist wie ein kleines Dorf", höre ich den Salesman beschwörend flüstern, "Sie sorgen für Strom, Wasser und Energie! Und alles, was Sie hierfür benötigen, stellt Ihnen die Werft zur Verfügung!"

Das ist glatt gelogen! Zwar zögert die Werft keine Sekunde, dem Kunden einen Generator, eine größere Maschine, eine zusätzliche Tiefkühltruhe, eine Waschmaschine oder einen Watermaker einzubauen, macht ja einen schönen Extra-Umsatz. Doch das eigentlich dazugehörige Personal stellt die Werft nicht zur Verfügung. Ja, meistens ist auf solchen "Eignerversionen" nicht mal der Platz vorgesehen, eine Crew unterzubringen. Der Vergleich mit dem Dorf ist verräterisch. Denn welches E- oder Wasser-Werk kommt schon ohne jeden Angestellten aus.

Da hatten wir es früher einfacher. Auf unseren acht bis zehn-Meter-Yachten gab es einen Hilfsmotor mit Lichtmaschine, die ein paar Ampere in die einzige Batterie lieferte - ausreichend für die Kompass- und zwei Leselampen. Gekocht und beleuchtet wurde mit Petroleum. Die Maschine, also "die Technik", konnte man mit der Kurbel starten, und wenn man die vorgeschriebenen Intervalle für den seltenen Ölwechsel wegen der wenigen Motorstunden "vergaß", passierte auch nichts. Kurzum, die technische Schiffsunterhaltung war neben dem Segeln kaum ein Problem. Gut, um gelegentliches Erneuern vom Antifouling kam man nicht ganz rum. Aber durch regelmäßiges Schnorcheln am Unterwasserschiff konnte man die Zeit zwischen den Anstrichen leicht auf ein paar Jahre strecken.

Heute schaut es auf den Durchschnitts-Langfahrtyachten ganz anders aus: Die Weltumsegler Norbert und Ingrid haben es auf den Punkt gebracht. Jahrelang hielten sie auf dem Blauwasserseminar zur Hanseboot einen Vortrag mit dem ernstgemeinten, doch bezeichnenden Titel: "Wie reparieren uns um die Welt". Dabei war ihre Yacht Harlekin, eine Snowgoose, nur 11 Meter lang und sicher in technischer Hinsicht bescheiden ausgerüstet. Und Norbert ist ein begabter Techniker. Alles eigentlich Voraussetzungen für einen reibungslosen Betrieb der Yacht. Und trotzdem - siehe Vortragsthema.

Dass Harlekin bei weitem kein Einzelfall, ja schon die Regel war, kann man in den Berichten unzähliger Weltumsegler nachlesen. Aber auch wenn gerade mal keine Reparaturen anfallen (selten), gehen die notwendigen Wartungsarbeiten auf modernen, hochtechnisierten "Segel"-Yachten an die Grenzen der Arbeitskraft. Gut den Ölwechsel an der Hauptmaschine alle 100 Stunden (bei meinem Auto sind es 30 Tausend Kilometer, wahrscheinlich werd ich mir den aber sparen) krieg ich schon noch hin, obwohl die 100 Stunden in Flautenlöchern ja schnell beisammen sind. Der Filterwechsel beim Tank, alle Monate empfohlen, ist schon etwas lästiger, weil ich da tief in den Motorraum kriechen muss. Aber der Watermaker kann richtig nervig werden: So wunderbar er ist, wenn man in jeder Gegend immer genügend Süßwasser einwandfreier Qualität zur Verfügung hat und nicht aufwendige Anlegemanöver an Tankstellen (soweit vorhanden) zur Übernahme von Frischwasser angewiesen ist, bezahlt man einen hohen Preis. Nicht nur geldmäßig, sondern wartungs- und damit zeitmäßig: 

Jede Woche (mindestens) sollte eine Rückspülung durchgeführt werden. Kein Problem, wenn man an Bord ist. Ist man aber zwischendurch in die Heimat gereist, muss sich jemand drum kümmern. Wenn nicht, wächst die (teure) Membrane zu und der Wassermacher wird unbrauchbar. Oder er muss mit Chemie gepickelt werden, was dann immerhin neun Monate durchhält. Dürfte sich auch dann empfehlen, wenn man am Wasserhahn in der Marina hängt. Die regelmäßigen, je nach Verschmutzung des Umgebungswassers, Filterwechsel fallen dagegen nur wenig ins Gewicht. "Use it or loose it" heißt es im Manual.

Hiermit ist nur der normale Wartungsaufwand für eine gut gepflegte Yacht angedeutet. Von den zahlreichen Reparaturen - siehe oben das Vortragsthema - und damit zusammenhängende Arbeiten wie Einbau, Teilebeschaffung, Umwege wegen Erreichbarkeit für Pakete ganz zu schweigen.

Eigentlich sind solche Menschen faszinierend: Da gibts Segelbegeisterte, die sich mit ihrer Hände Arbeit nach "oben" ranken. Sie sind so tüchtig, dass sie schließlich ihren eigenen Betrieb haben, wo sie sich nicht mehr ihre Hände schmutzig machen müssen. Sie verdienen soviel Geld, dass sie sich endlich die Yacht ihrer Träume leisten können. Und dann, nachdem sie "alles" erreicht haben, kriechen sie in den Motorenraum ihrer Yacht und machen sich wieder die Hände schmutzig. Nicht gerade eine Traum-Karriere!

Wie lässt sie sich vermeiden? Ganz einfach: Die Zauberworte heißen "Verzicht", "Verzicht" und nochmals "Verzicht". Nichts kommt in die Yacht, was nicht unbedingt nötig ist! Und hier kann jeder seine eigenen Maßstäbe anlegen. Aber ich kenn das Ergebnis schon: Es ist in den Wind gesprochen; schließlich reden wir von Spielzeugen.

Übrigens: Es ist auffällig, dass gerade die Langfahrtsegler mit den kleinen, bescheidenen Yachten um die 30 Fuß während der Hafen- und Ankerliegezeiten viel mehr Zeit für Ausflüge und ähnliche Unternehmungen haben, als die Skipper der "schönen, großen Yachten". Letztere, wenn sie mal so an die 60 Fuß kommen oder die gar überschreiten, sind zwar ohne Crew zu segeln, aber nicht mehr zu unterhalten. 

Dabei red ich noch nicht einmal vom Geld!

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