In den Wind gesprochen (17):

Schiffskauf: Money talks - nicht immer

 

Vor vielen Jahren gab es in England einen Yacht-Zubehörhändler, Thomas Foulkes Chandlery, dessen Schwarzweiß-Prospekte in etwa alles enthielten, was der Seemann so brauchte - vom Walker-Log angefangen über den leinernen Treibanker bis zur Ölkanne, mit der Öl nach Luv ausgebracht werden sollte, um bei Sturm die See zu glätten. Jawohl, das war eine in allen Lehrbüchern beschriebene Sturmtaktik! Viele seiner Artikel finden heute keinen Liebhaber mehr. Dass ich mich aber gerne an die armseligen und doch weltweit verschickten Prospekte erinnere, liegt an dem orginellen Spruch auf der Titelseite - ganz oben: "Write in any language - money talks!".

 

Der Satz hat noch heute, auch im Yachtgeschäft, unbestritten seine Gültigkeit. Da wird mir jeder Recht geben. Wie aber schauts auf der anderen Seite aus, beim Käufer, der das Geld gibt und den Gegenwert bekommt - oder, nicht selten, gar nichts? Schaun Sie doch mal in einen alten Ausstellungskatalog rein unter "Werften" oder "Yachtverkäufer" und überlegen Sie sich, wie viele davon verschwunden sind. Mit einem Paukenschlag - oder still und leise. Und  bedenken Sie , wieviel Geld manche Käufer verloren haben, weil eine Firma in Konkurs und damit das bestellte Schiff in die Konkursmasse gegangen ist - mit der Konsequenz, dass nur noch ein paar Prozentchen vom angezahlten Geld zurückgekommen sind - wenn überhaupt. Denn eines ist sicher: Wer ein Schiff bestellt und die notwendige Anzahlung (oft ein Drittel) geleistet hat, dem gehört nicht etwa ein Drittel des Schiffes (das noch gar nicht existiert, vielleicht nie existieren wird), sondern gar nichts. Es ist nicht untypisch beim Konkurs (oder verzögerter Insolvenz), dass sich sowohl die Werft, als auch die Schiffe, vor allem aber die Anzahlungen in Luft auflösen. Wie man sich dagegen absichert, darüber ist schon viel geschrieben worden. Die gängigsten Rezepte (Sperrkonto, Sicherungsübereignung und dergleichen) hängen meist von der Bonität der Werft ab. Einige Träumer kenne ich persönlich, die bei solchen Gelegenheiten alles, und damit auch ihre Lebensträume, verloren haben.

Ein alter Hut also! Ein neueres Problem ist die Art und Weise, wie sich die Werften, nicht etwa die Käufer, erfolgreich absichern können. Die dadurch entstehenden Gefahren haben viele Schiffshändler noch gar nicht erkannt. Schauen Sie sich mal als Schiffskäufer Ihren Kaufvertrag genau an: Wer steht dort als Verkäufer und ist damit Ihr Vertragspartner?  Ist es die Werft? Oder ist es der deutsche Verkäufer der Yacht, also der Vertragshändler? Kennen Sie den, seine Bonität? Manche Werften haben sich ja über viele Jahre ein gutes Renommée erworben, aber gilt dies auch für den Vertragshändler, der die Vertretung vor ein paar Monaten übernommen hat? Der vielleicht mit "Ihrer" Yacht die erste Provision (Größenordnung 8 bis 12 Prozent des Schiffspreises) verdient und damit seine Firma erst so richtig aufbauen möchte? Ich habe Papiere vor mir liegen, wonach ein deutscher Käufer einen Katamaran einer seriösen französischen Firma über deren deutschen Händler gekauft hat. Und sich dann gewundert hat, dass der voll bezahlte Kat nicht geliefert wurde. Die Erklärung war ganz einfach: Die Werft hat sich geweigert, den Kat im Wert von einer halben Million herauszurücken. Und zwar zu Recht, denn von den drei vereinbarten Raten sind in Frankreich nur zwei eingetroffen, die dritte blieb beim deutschen Verkäufer "hängen". Nachdem dieser zahlungsunfähig war, blieb dem deutschen Käufer nichts anderes übrig, als nochmals ein Drittel des Kaufpreises draufzulegen. Betrug? Ja. Aber wem hilft diese Erkenntnis?

Noch aktueller ist folgender Fall aus der jüngsten Vergangenheit. Er ist geeignet, einigen Käufern, die auf ihr Schiff warten, Bauchschmerzen zu bereiten. Ein bekannter österreichischer Händler verkauft  einem Landsmann einen größeren (neuen) Katamaran aus französischer Fertigung. Die lange Geschichte kurz und schmerzlich: Der Katamaran segelt unter dem Eigner bis nach Südostasien. Die Fahrt gestaltet sich so schwierig, dass Zweifel an der Seetüchtigkeit der Yacht entstehen. In Österreich kommt es zum Prozess gegen den Yachthändler (nicht gegen die Werft, die ja nicht Verkäuferin war). Man kommt zur Erkenntnis, dass Konstruktionsfehler vorliegen, die kaum zu beseitigen sind:

 

"Dieser Schaden ist mit wirtschaftlich vertretbarem Aufwand nicht behebbar."
 

und

 

"Zeitpunkt Dieser Schaden bestand der Veranlagung nach bereits bei der Übergabe der Yacht."

 

Der Yachtverkäufer, der ja an der fehlerhaften Konstruktion des Schiffes keine Schuld trägt , - auch ihm gilt mein Mitgefühl - muß dafür gerade stehen.

Es wird in der Auseinandersetzung von Seiten des Yachtverkäufers vorgetragen:

"Herr XXX ist also zur Zeit vollkommen zahlungsunfähig. Er besitzt auch keinerlei Grundstücke, Gebäude oder andere Sachwerte, auf die man zurückgreifen könnte."
 

Wollen wir mal zusammenfassen: Der Käufer kann nichts für dieses Unglück. Der Verkäufer trägt ebenfalls keine Schuld , auch wenn man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass er - man kann es verstehen – seinen rechtlichen(!) Verpflichtungen zu entfliehen versucht. Der eigentliche Verursacher dieses Fiaskos ist die Werft, die juristisch fein aus der Sache rauskommt. Denn der Händler müßte im Regress seinen Schaden gegenüber der Werft geltend machen, was nach menschlichem Ermessen ein paar Jahre und ein paar hunderttausend Euro (die der Yachthändler gar nicht hat) kosten würde.

Aber die Werft gibt sich großzügig: Sie hat ihrem Händler versprochen, dass sie ihn unterstützen wird  - moralisch. Ganz schön zynisch!
 

Die Lehre daraus: Prüfen, wer der Verkäufer ist, die Werft oder irgendein Herr XY, seit kurzer Zeit Händler der Werft? Selbst ein seriöser Händler kann mit seiner geringen Werft-Provision größere Schäden nicht abfedern. Mit Sperrkonten und Sicherungsübereignungen arbeiten! Zahlungen direkt an die Werft! Die Maxime des Teufels Lenin berücksichtigen: "Vertrauen ist gut,..."!

 

Oder ein vorhandenes Schiff (auf der Messe, aus zweiter Hand, aus einem Charterbetrieb) kaufen. Hier Schiff, hier Geld - money talks.

 

Für den Schaden von ein paar läppischen hundert Euros bei Ausfall des Vercharterers gibts einen Sicherungsschein. Warum nicht für Fälle, wo Käufer und Verkäufer einer Yacht dank der Unfähigkeit einer Werft in den Ruin getrieben werden können?

Aber, das ist wohl in den Wind gesprochen!

 

Bobby Schenk

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