In den Wind gesprochen (21):

Der Weg zum Langfahrt- und Blauwassersegler - hilft ein Seminar?

Es sind durchaus ernstzunehmende, rührende, Zuschriften, die ich regelmäßig bekomme: "Ich möchte um die Welt segeln, bin Neuling, wie soll ich mich darauf vorbereiten?" Oder so ähnlich. Der Laie würde darauf sicher schnoddrig antworten: "Zuerst mal segeln lernen!". Aber auch die Ratschläge von "Segelexperten" in diversen Foren sind nicht viel hilfreicher: "Zuerst mal einen Schein machen!" oder "mit dem Jollensegeln beginnen", oder - schon einen Hauch besser -  "an einem Chartertörn teilnehmen", und so fort.

All diesen Ratschlägen ist gemein, dass sie eben nicht von Fachleuten mit Blauwasser- oder Langfahrt-Erfahrung kommen, sondern meist von mehr oder weniger guten bis sehr guten Seglern. Auf was ich nämlich hinauswill, ist, dass es beim Blauwassersegeln in erster Linie nicht(!) ums Segeln geht, sondern um das Leben an Bord einer Segelyacht auf den Weltmeeren mit dazugehörigen Marinas, Häfen oder, und vor allem, Ankerplätzen. "Segeln" ist nur notwendiges Beiwerk, Zutat auf einer Weltumsegelung, fast nicht der Rede wert! Wenn ich ein Sachbuch übers Weltumsegeln schreiben würde, dann hätte dies vielleicht 400 Seiten, aber keine 20 Seiten würden sich mit der Segeltechnik befassen. Das mag nun manchen irritieren, der sich schon träumend auf einer Weltumsegelung sieht, wie sein schnittiges Schiff unter Vollzeug bei Backstagsbrise durch die Wellen schneidet und wie dann vielleicht der riesige Spinnaker die Yacht noch schneller über die Weltmeere zieht.

Denn mal ehrlich: Was lernt man denn in einem Segelgrundkurs? Einen Aufschießer, Regattaregeln, eine Kuhwende, Mann-über-Bordmanöver unter Segel. Alles Dinge, die man beim Blauwassersegeln bestimmt nicht braucht. Macht man einen staatlichen Schein, so findet eine geradezu läppische praktische Prüfung mit einem Motorboot statt, geradezu praxisfremd für das Langfahrtsegeln. Oder man paukt Gesetzesfragen, die auf den sieben Weltmeeren niemand interessieren, deren Anwendung in der Praxis bei der Auseinandersetzung mit der Großschifffahrt geradezu selbstmörderisch sein können, siehe den Totalschaden mit der amerikanischen Blauwasseryacht MAHDI vor Puttgarden. Damit jetzt nicht die Geschichte mit den Trauben und dem Fuchs hochkommt, sei betont, dass ich vor meiner Weltumsegelung sämtliche möglichen Scheine gemacht habe (wovon ich niemals auch nur einen vorzeigen musste). Gelernt für meine Langfahrtsegeleien habe ich dabei Null, wenn man mal von der Navigation absieht. Und die ist ja heute dank GPS kaum noch ein Thema. Das gegenüber dem reinen Segeln ungleich wichtigere Thema Energieversorgung wurde in keinem  Kurs berührt, beim Thema Medizin hieß es meist: "Den nächsten Arzt aufsuchen!" und beim Thema Funk, also bei der drahtlosen Kommunikation ging man davon aus, dass man ja nur auf die Sprechtaste drücken braucht und selbstverständlich die richtigen Phrasen benutzen darf. Das ist nur beispielhaft erwähnt, es existiert beim Blauwassersegeln darüber hinaus jede Menge Stoff, der eben nicht unmittelbar fürs Segeln, aber fürs Leben auf dem Wasser existenziell und nur von anderen Blauwassersegeln erhältlich ist. Dafür reicht es aber nicht, das Buch eines Weltumseglers (zum Beispiel meines) zu lesen, denn dort werden üblicherweise nur die eigenen ganz individuellen Erfahrungen wiedergegeben und nicht die riesige Palette an praktischen Erfahrungen, die zahlreiche Weltumsegler gemacht haben. Das sind nämlich die wirklichen Experten, Profis, für die ist Langfahrtsegeln so etwas wie ein Beruf, denn das betreiben sie rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Der einzige Unterschied zu einem bürgerlichem Beruf ist der, dass sie kein Gehalt beziehen. 

Alles, was ich in der Praxis später benötigt und angewandt habe, bekam ich von anderen, erfahrenen Seglern übermittelt. Nur von deren Wissen und Können hab ich wirklich profitiert. Allerdings, die wirklich wichtigen Wissensquellen, nämlich andere Weltumsegler, gab es damals kaum oder sie waren für uns in Deutschland persönlich unerreichbar wie zum Beispiel der wunderbare Engländer Eric Hiscock. Und so mussten wir, Karla und ich - learning the hard way - alles selbst ausprobieren, also Lernen durch Fehler machen. Auf einem meiner Blauwasserseminare, meinte die Weltumseglerin (und Ärztin) Dr.Kerstin Heller: "Bei der Suche nach den lebenswichtigen Sachen, haben wir jede Menge Geld ausgegeben, auch für Sachen, die völlig unnütz waren. Wir hatten keine zusammenfassende Information, z.B. ein Blauwasserseminar".

Und Ihr Skipper Bernd Heller ergänzte: "Wir hatten zum Beispiel einen Dieselgenerator an Bord, der 20 Tausend Mark gekostet hat. Den würden wir uns heut schenken, denn wir haben jetzt einen Windgenerator an Bord. Dafür könnte man sich den Riesenkasten, der nicht nur sehr teuer, sondern auch sehr schwer ist, schenken."

So macht es dann auch ein wenig stolz, wenn man solche Zuschriften erhält: "...konnten wir die geeignete Langfahrtyacht finden, dies wäre ohne ... Ihre Seminare so nicht zustande gekommen". Tatsächlich sind Blauwasserseminare die beste Gelegenheit an spezifische Erfahrungen von Weltumseglern (so denn welche unter den Referenten sind) heranzukommen. Was sich bestimmt bezahlt macht - siehe oben. Wenn ich nunmehr bezichtigt werde, Werbung für mein Blauwasserseminar zu machen, so liegt der Kritiker genau richtig. Tatsächlich haben mehr als tausend Fahrtensegler, Langfahrtsegler und Weltumsegler in spe meine Seminare besucht. Viele davon sind später tatsächlich um die Welt gesegelt, viele haben sich Tipps geholt, die sich in der Praxis oder beim Schiff und seiner Ausrüstung bezahlt gemacht haben. Und so kann ich die Teilnahme am nächsten (und vielleicht letzten) Blauwasserseminar am 29.9.2012 auf der INTERBOOT in Friedrichshafen nur dringend empfehlen. Eine bessere Vorbereitung (unter anderem) gibt es nicht, wenn man auf Blauwasserfahrt oder gar auf eine Weltumsegelung gehen möchte. (Zur Anmeldung hier klicken). 

Aber das ist sicher für viele "Experten" in den Wind gesprochen.

Bobby Schenk  

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