Russisches Roulette mit "Yachten"

 

Der Stolz Russlands?

Wenn man diesen Haufen in einer Marina auf den Kapverden liegen sah, wusste man wahrhaftig nicht, ob es sich um Schrott vom Wertstoffhof handelt oder vielleicht um eine vergammelte Fähre für den Nahverkehr in einem Entwicklungsland. Aber weit gefehlt! Es war der "Stolz Russlands" ("pride of russia"), wie ihn die Expeditionsteilnehmer kühn nannten. Geht mich zwar nichts an, aber als Russe wäre ich da beleidigt. Und als Segler sowieso.

Denn dieser schwimmende Gummielefant war das Expeditionsgefährt, mit dem drei Russen, nichts leichter als das, um die Welt segeln wollt en. Und zwar - alles andere wäre wohl zu kindisch - ganz schnell, in elf Monaten. Aber, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, nicht etwa nonstop, was zumindest zeitlich vorstellbar wäre, sondern über die Antarktis, wohl auch ums Kap Horn, dann in die Südsee und nach Australien, Indien und schließlich durchs Rote Meer. Zwar bestünde dort bei dem Zustand der Yacht kaum die Gefahr, dass Piraten nach diesem "Schiff" trachten. Aber trotzdem, dass es je wieder das Mittelmeer erreichen würde, durfte man bezweifeln.

Und wozu das Ganze? Hierüber gab die Pressemitteilung von Oleg Volinkin, dem "Expeditionsleiter", erschöpfend Auskunft: Um das historische, geographische und kulturelle Erbe Russlands als Gegenstand des nationalen Stolzes ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rufen.

Na, ja, ich kann mich nicht in die russische Seele von Oleg Volinkin versetzen. Aber als Aushängeschild für Russlands Marinekultur kann ich mir diesen Untersatz nicht vorstellen. Und dass er in den Roaring Fourties, wo schon ganz andere Schiffe und Yachten (solche, die den Namen verdienen) in Schwierigkeiten geraten sind, eine gute Figur machen könnte, auch nicht.

Aber Vorsicht vor voreiligen Urteilen: Sind die KONTIKI von Thor Heyerdahl oder seine gräsernen Sonnengottflöße Ra nicht auch über den Ozean gefahren? Sie haben das geschafft; zwar kurz, bevor sie am Absaufen waren, aber immerhin. Oder hat nicht der deutsche Abenteurer Rüdiger Nehberg mit einem Tretboot den Atlantik überquert? Ebenso wie der deutsche Arzt Hannes Lindemann im Einbaum und im Klepper-Faltboot oder auch der französische Arzt Alain Bombard im Schlauchboot? Von den inzwischen zahlreichen Ruderern und Ruderinnen mal ganz abgesehen. Der große Unterschied: Die genannten Seehelden (und -heldinnen) haben einen(!) Ozean, und zwar einen bekannt friedlichen, bezwungen. Der "Stolz Russlands" dagegen wollte gleich alle auf einer Weltumrundung liegenden Meere erobern. Und das nicht nur im Passat, sondern in den hohen südlichen Breiten, Kap Horn inklusive. Beim besten Willen, ich kann mir die "Russenstolz" in einem Sturm mit Wellenhöhen über zehn Metern nicht vorstellen. Meine Prophezeiung lautete damals: "Das schaffen sie nicht."

Die Expedition schien auch unter keinem guten Stern zu stehen. Unglücklicherweise ist ein Besatzungsmitglied, der Arzt ldar Aisin, bereits in der Marina auf den Kapverden verstorben.

Ich weiß nicht, was aus dieser Expedition geworden ist; ich hab nie wieder etwas über die „pride of russia“ gehört. Nicht mal die Suche bei Google, das ja sonst alles weiß, hat weitergeführt. Was letztlich vielleicht auch ein Zeichen dafür ist, dass nichts Schlimmes passiert ist.

Im übrigen habe ich eine Reihe von Russen auf ihren Yachten getroffen. Sicher bot die AKSAY, eine russische Yacht in Malaysien, einen etwas ungewöhnlichen Anblick, aber man wird ihr als Rettungsboot eines Ozeandampfers Seetüchtigkeit zugestehen müssen. Andere russische Hochseeyachten wie beispielsweise die THALASSA (rechtes Foto) aus Wladiwostok sehen absolut nicht gewöhnungsbedürftig aus.

Es wäre also grundverkehrt, vom "Stolz Russlands" auf die Yachtszene bei unseren russischen Freunden zu schließen.

Trotzdem: Den Abenteurern aus Russland ein "Mast-und Schotbruch!"

Nicht wörtlich gemeint! 

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