Thomas Dobernigg hat seinen letzten Törn angetreten

Mit großer Erschütterung hab ich gestern diese Nachricht über meinen Freund Thomas aufgenommen. Ich habe in meinem Leben nicht viele Menschen getroffen, die mir so viel Freundschaft entgegen brachten wie der Segler aus Österreich. Schon unser Kennenlernen war ungewöhnlich: Als ich vor einem Vierteljahrhundert eine Atlantikquerung ohne Instrumente plante und mutige Mitsegler suchte, da bat ein Reporter von der BILD-Zeitung in München um ein Interview. Nach den ersten Worten erklärte er: "Nein, das Interview mache ich nicht, wenn‘s ums Segeln geht, dann kommt sicher mein Chef Thomas."

Chef Thomas Dobernigg kam. Kaum hatte ich dann angedeutet, wie ich mir das Segel-Unternehmen vorstellte, tauschten Interviewer und ich die Rollen und Thomas fragte mich, ob nicht vielleicht er selbst mitkommen könne.

Der Törn war nicht nur unter dem seglerischen Aspekt ein voller Erfolg, sondern auch vom Menschlichen her ein echter Glücksfall, denn es entwickelte sich zwischen Thomas und mir ein enges Vertrauensverhältnis. Ich entdeckte bei ihm eine geradezu fanatische Liebe zum Fahrtensegeln. Die er bis zu seinem Lebensende beibehalten sollte und die bei seinen mannigfaltigen Interessen ganz oben angesiedelt war.

Als ich lange danach die Führung im Yacht Club Austria, dem größten österreichischen Segelclub, übernahm, erklärte sich Thomas ohne zu zögern bereit, mir in den Vorstand zu folgen. Bei dieser ehrenamtlichen Tätigkeit entwickelte er eine Loyalität, ohne Wenn und Aber, wie ich sie in dieser Intensität noch nie erlebt hatte. Gleichzeitig war er auch beruflich auf der Erfolgsspur, was zweifellos seiner Zielstrebigkeit und seinem übermäßigen Fleiß zu verdanken war. Folgerichtig wurde er zum Chefredakteur der TZ (einer der größten Tageszeitungen in München) berufen. Doch seine Geradlinigkeit, seine Unbestechlichkeit und sein unbeirrbarer Einsatz für Schwächere machten ihn nicht überall beliebt und so wechselte er in den Vorstand einer Aktiengesellschaft. Trotz dieser beruflichen Karriere schien es mir, dass die Leidenschaft fürs Fahrtensegeln in seinem Leben immer an erster Stelle stand. Und so konnte es nicht ausbleiben, dass er, nur so zur Freude am Passatsegeln, nochmals den großen Teich überquerte. Ein paar Jahre später gelang es ihm, was sicher sein Traum war, Hobby mit Beruf zu kombinieren. Er gründete unter Einsatz all seiner privaten Mittel eine Segelzeitung für Fahrtensegler. OCEAN7 (www.ocean7.at) war ausschließlich sein Werk, und bis vor kurzem war er der Chefredakteur dieses hervorragend gemachten Magazins. Sein Rückzug vor ein paar Wochen ließ aber ahnen, dass seine jahrzehntelange rücksichtslose Arbeitswut ihren Tribut forderte. Wenige Tage vor seiner Herzoperation war er aber offensichtlich guten Mutes. Er schrieb mir: "Ich bin positiv eingestellt und zuversichtlich, dass alles gut über die Bühne gehen wird." Was leider nicht der Fall war. Am 21.10.2016 ist einer meiner besten und treuesten Freunde eingeschlafen ohne wieder aufzuwachen.
Bobby Schenk

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