Was kostet eine Blauwasserreise? Das ist wohl die häufigste Frage, die an die Langfahrtsegler gerichtet wird. Das zeigt,wo der Schuh drückt. Klar, die Sehnsucht nach den Sieben Meeren ist übergroß, die monetäre Wirklichkeit jedoch oft ein wenig ernüchternd. Auf meiner Seite Who-is-Who-im-Weltumsegeln geben 80 Weltumsegler freimütig Auskunft, was ihre(!) Weltumsegelung gekostet hat. Diese Aussage ist zwar ziemlich aufschlussreich, aber jeder einzelne Träumer von den tropischen Ankerplätzen ist halt ein Individuum und dementsprechend anders sein Lebensstil - und  damit auch seine Ausgaben.

Nachfolgende Arbeit von Sabine Seren dagegen ist sehr aussagekräftig. Über nahezu vier Jahre an Bord hat sie akribisch, ausdauernd und lückenlos bis zum letzten Tag alle Ausgaben registriert, die beim Leben auf dem Wasser so angefallen sind - von den Marinagebühren über die Krankenkasse bis zum Toilettenpapier. Eine fantastische Fleißarbeit! Denn da kann sich jeder einen Begriff von diesen sympathischen Seglern machen und sich ausrechnen, inwieweit seine eigenen Bedürfnisse und damit seine zukünftigen Ausgaben von den Erfahrungen auf der BLUE FELIX abweichen. Auch auf dem nächsten Schenk-Blauwasserseminar (siehe hier) besteht die Möglichkeit, von den dortigen Weltumseglern zu erfahren, in welchem Umfang sich deren Ausgaben von denen der Crew auf der BLUE FELIX unterschieden haben.

Bobby Schenk


Die wirklichen Kosten auf Blauwasserfahrt

von Sabine und Sven Seren

Vier Jahre unterwegs mit „Blue Felix“ – eine Statistik

Wir, Sabine und Sven haben im April 2013 die Leinen unseres kleinen Segelkatamarans „Blue Felix“ in Holland los geworfen. Im April 2014 haben wir die Kanaren Richtung Kapverden verlassen, von wo wir im Mai 2014 nach franz. Guayana und Suriname gesegelt sind. Seit November 2014 sind wir in der Karibik unterwegs. Unsere Reise geht nun zu Ende, da es uns nach der Geburt unserer Tochter Lea Anfang letzten Jahres auf Martinique wieder „on shore“ zieht.

Ich, die Bordfrau Sabine, habe unsere Ausgaben während unserer ganzen Reise aufgeschrieben, um den Überblick über unsere Ausgaben nicht zu verlieren. Nun zum nahenden Ende unserer Reise bietet es sich an, Bilanz zu ziehen und die gesammelten Daten graphisch aufzuarbeiten. Dabei ergeben sich mitunter unerwartete und lustige Korrelationen.

Wir waren knappe 4 Jahre unterwegs, haben dabei mehr als 7600 sm zurückgelegt, haben 20 Länder bereist und 33 Inseln angelaufen. Dabei haben wir insgesamt ca. 1300 Liter Diesel verbraucht, allerdings gehen davon mehr als 200 Liter auf Kosten des ca. 1-2 Monate dauernden Kanalfahrens durch Holland auf der „Staande Mast Route“. Pro Tag haben wir durchschnittlich 5,3 sm zurückgelegt. Wären wir also jeden Tag zwei Stunden spazieren gegangen, hätten wir es streckenmäßig auch in die Karibik geschafft. Durchschnittlich haben wir ca. einen Liter Diesel pro Tag verbraucht. Für jede zurückgelegte Meile (auch die gesegelten!) errechnet sich so ein Verbrauch von 0,2 Litern. Unser Nächte verbrachten wir folgendermaßen: 65% vor Anker, 22% in Marinas oder an einem Steg, 7% an einer Mooring, 3% „on the hard“ und 3% aller Nächte verbrachten wir segelnd auf dem Meer. Hier zeigt sich mal wieder, dass man beim Fahrtensegeln die wenigste Zeit mit Segeln verbringt, sondern vor Anker oder im Hafen. Natürlich würden sich die Zahlen bei einer evtl. Weiterfahrt in den Pazifik etwas verschieben, da würde man doch einige Nächte mehr auf See verbringen.

In den knappen vier Jahren haben wir die Backbordmaschine ca. 380 Stunden im Einsatz gehabt, die Steuerbordmaschine knappe 400. Rein rechnerisch hat uns im Schnitt jede Maschinenstunde 1,7 l Diesel gekostet. 
30 Camping-Gaz-Flaschen à 3 kg haben wir verbraucht, d.h. durchschnittlich mussten wir alle 45 Tage eine neue anschließen. Wir benötigten pro Monat also ca. 2 kg Gas, um zu kochen. Am Backofen haben wir eine separate Gasflasche und diese wurde 7 Mal gewechselt, d.h. wir haben ca. ein halbes Kilo Gas pro Monat verbraucht und das hauptsächlich fürs Brotbacken.
Seit unserer Abfahrt in Deutschland haben wir für ca. 230 € Wasser getankt. Allerdings war Wasser in den Marinas in Europa meistens im Marina-Preis enthalten, es fielen dort also keine zusätzlichen Kosten für Wasser an.

Explizit mussten wir erst seit Mai 2014 für Wasser bezahlen, also in den letzten 32 Monaten. Seit wir Europa verlassen haben, haben wir monatlich gut 7 € für Wasser ausgegeben. Durch unsere Möglichkeit in kurzer Zeit viel Regenwasser sammeln zu können, mussten wir meistens nur Wasser tanken, wenn wir Besuch an Bord hatten und dadurch unser Wasserverbrauch deutlich erhöht war. In der Tat haben wir das letzte Mal im Mai letzten Jahres Wasser getankt. Für uns hätte sich eine Seewasserentsalzungsanlage, über die wir anfangs nachgedacht hatten, also niemals amortisiert.

196 Liter Benzin haben wir mit unserem Außenborder (6 PS, 4 Takt,) verbrannt, d.h. durchschnittlich ca. 4 Liter pro Monat. Allerdings haben wir das Dingi auch erst richtig nach den Kanaren benötigt, davor hielt sich dessen Einsatz in Grenzen, sodass wir eher einen durchschnittlichen Verbrauch von 6 Litern pro Monat hier in der Karibik erreichen, wo wir das Dingi täglich benutzen.

Ein- und Ausklarieren hat uns insgesamt und fast ausschließlich in der Karibik 254 € gekostet.

Auf unserer Reise haben wir zwei Sätze Servicebatterien verbraucht und je eine Starter- und Ankerwinsch-Batterie. Größere Reparaturen gab es keine und kleinere Reparaturen bei der wir Hilfe von außerhalb benötigt hätten, gab es auch nicht wirklich.

Auf den Tag umgerechnet haben wir täglich exakt 4 € in Marinas oder Moorings investiert. Wenn man bedenkt, dass wir, abgesehen von Hurrikan „Matthew“, seit mehr als 2 Jahren in keiner Marina waren, ist das überraschend viel.

Wir wurden nie bestohlen, angegriffen oder haben ähnlich schlimme Erfahrungen machen müssen. Natürlich hatten wir Glück, waren aber auch immer sehr vor- und umsichtig und haben nach Sonnenuntergang das Schiff sehr selten verlassen und auch unser Dingi selbst an den Davits immer angeschlossen.

Drogerieartikel haben uns ca. 870 € gekostet, das meiste davon haben wir wohl in Klopapier investiert .

Um unsere Wäsche an Land zu waschen haben wir ca. 500 € ausgegeben. Wir haben aber auch eine kleine Campingwaschmaschine an Bord, mit der wir die kleine Wäsche bei ausreichend viel Wasser an Bord selbst erledigen. Pro Monat kommen so ca. 11 € fürs Wäsche waschen zusammen.

Auf den ersten Blick wird klar, die „Ernährung“ von Mannschaft und Schiff ist unser größter Posten. Fast ein Drittel unserer Ausgaben fließen in Lebensmittel und Getränke.

Im Posten Schiffsunterhalt sind alle Arbeiten am Schiff, wie Kranen, Antifouling, Maschinenwartung, Motorenöl, etc. sowie alle Kleinteile und was man sonst so braucht, enthalten.

Ein weiterer großer Posten ist bei uns die Versicherung. Eine Kaskoversicherung hatten wir noch in Europa, aber diese trägt nur mit einem Prozent zu den Gesamtausgaben bzw. zu 7% zum Posten Versicherung bei. Fast 60% der Versicherungsausgaben gehen zu Lasten der Auslands-Krankenversicherung, das sind immerhin knapp 9% der Gesamtausgaben.

Als nächstgrößter Posten folgt Sonstiges mit gut 8%. Hierin ist alles was sonst nirgendwo zugeordnet werden kann: Postkarten, Geschenke in die Heimat, Vereinsgebühren, Kleidung, Küchenutensilien und eben alles andere was wir wohl so gebraucht haben.

Immerhin 8% unserer Ausgaben haben wir in Marinas und Moorings investiert, so gut wie alles davon in Europa. Knappe 5% haben wir bei Restaurant- oder Barbesuchen verjubelt. Das meiste wohl eher für Getränke als für Essen, da wir immer sehr gerne selbst gekocht haben. Drei Heimatflüge (Transatlantik), einmal sogar bereits mit Lea haben knapp 4% unseres Budgets verschlungen, inklusive aller Gebühren für Bahnfahrten etc.
Weitere 3% haben uns Landausflüge gekostet, d.h. das Ausleihen von Mietwägen, Busfahren, Eintritt, etc.

Die restlichen 8% teilen sich Ausgaben für Diesel und Benzin, Kosten für Medikamente und Arztbesuche, die nicht oder nur teilweise von der Versicherung erstattet wurden, Drogerie-Artikel, Gas zum Kochen und Backen, Wäsche waschen, Ein- und Ausklarieren, Kosten für Wasser, das wir in unsere Tanks gefüllt haben, sowie Kosten für Internet und Gebühren für unsere deutschen Handys. Und der allerkleinste Posten ist für Angelzubehör. Vielleicht haben wir auf unserer Reise, verglichen mit anderen, ja deshalb so wenige Fische gefangen...

Der gewiefte Leser wird sicher mittels Dreisatz die Gesamtausgaben errechnet (oder geschätzt) haben und auf die richtige Lösung gekommen sein: Nämlich insgesamt 66725 € für 44 Monate - macht ca. 1500 € pro Monat oder ca. 18 Tausend pro Jahr.

Diesen Artikel in englischer Sprache finden Sie auf der Webseite der Blue Felix - siehe hier.

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