Katamaran oder Einrumpfschiff ?
Entscheidungshilfe zum Kauf eines Fahrtenschiffes


Beim diesjährigen Bobby Schenk's Blauwasserseminar fand das Referat von Kerstin und Hans vom Katamaran Cinderella besonderen Anklang. Kein Wunder, steht doch fast jeder, der vom Schiff für weltweite Fahrten träumt vor der ersten, der wichtigsten, der grundsätzlichsten Frage: "Kat oder Mono?". Die Antwort geben Kerstin Pieper und Hans Schubert, die jahrelang, über 20 Tausend Meilen, mit dem Katamaran CINDERELLA die Welt besegelt haben - siehe deren Reise, die mit dem Weltumseglerpreis ausgezeichnet wurde, hier!

Vor allem drei Aspekte stehen bei der Frage, ob ein Mono oder ein Katamaran das bessere Langfahrtschiff ist, im Mittelpunkt: 

·         Sind Katamarane sicher?

·         Wie sind die Segeleigenschaften von Mehrrumpfschiffen im Vergleich zu Monos?

·         Sind Katamarane teurer?

 Sind Katamarane sicher?

 

Ob ein Schiff sicher ist, läßt sich nicht in einem Satz beantworten; zu unterschiedlich sind die Anforderungen an eine Yacht. Zwei Kriterien spielen aber eine herausragende Rolle: Kentersicherheit und Unsinkbarkeit. Deshalb ist es sinnvoll diese beiden Faktoren intensiver zu untersuchen:

Kentersicherheit

Laienhaft ausgedrückt, ist eine Yacht umso kentersicherer, je höher die erforderliche Kraft sein muss um das Schiff umzuwerfen. Wenn die Yacht - aus welchen Gründen auch immer - gekentert ist, stellt sich darüberhinaus die Frage, ob sich das Schiff von selbst aus dieser mißlichen Lage befreien kann und wieder aufrichtet? Inwieweit unterscheiden sich die beiden Schiffstypen in Bezug auf die Kentersicherheit? Aufschluss über diese Frage gibt folgende Grafik:

 

Die Grafik zeigt das unterschiedliche Kenterverhalten eines Katamarans im Vergleich zu einem Einrumpfschiff. Auf der Hochachse ist die notwendige Kraft dargestellt, welche erforderlich ist das jeweilige Schiff zum Kentern zu bringen. Die Querachse der Grafik zeigt die jeweilige „Schräglage“ (Krängung) des Schiffes von aufrecht über 90° quer bis schließlich kopfüber.  

Verfolgt man die beiden Kurven, so ist Folgendes unschwer zu erkennen: Die notwendige Kraft, um ein Mehrrumpfschiff (rot) zum Kentern zu bringen, beträgt das 2,5-fache der Kraft, die man braucht, um ein Einrumpfschiff  (blau) „umzuwerfen“. Wenn beide Schifftypen jedoch voll durchgekentert sind, bleiben beide kopfüber liegen.  

Es mag zwar trösten, daß die Kraft, um ein durchgekentertes Einrumpfschiff wieder aufzurichten geringer ist als bei einem Katamaran, aber in einer solchen Situation hilft dies meist wenig. Auch zeigen die Erfahrungen aus Durchkenterungen und einem Wiederaufrichten von Einrumpfschiffen, daß diese „Wracks“ meist von ihren Besatzungen aufgrund der massiven Schäden aufgegeben werden müssen.  

Unsinkbarkeit

Ein Schiff gilt als unsinkbar, wenn es im vollgelaufenen Zustand immer noch an der Oberfläche treibt und als „Rettungsfloß“ genutzt werden kann. Die Alternative dazu ist das Verharren in der engen Rettungsinsel. Unsinkbarkeit kann nur dann erreicht werden, wenn der Auftrieb des Schiffskörpers im vollgelaufenem Zustand höher ist als sein Gewicht, anderenfalls wird die Schwerkraft den Rumpf unweigerlich nach unten ziehen. 

Wie sieht es nun mit der „Unsinkbarkeit“ der beiden Schifftypen aus?

 Die Frage läßt sich für Einrumpfschiff leicht beantworten: 40% Bleiballast im Kiel sorgen bei einem vollgelaufenem Einrümpfer für eine kontinuierliches Sinken bis auf den Meeresboden. Bei einem Mehrrumpfschiff sorgt die per Bauvorschrift geforderte „Unsinkbarkeit“ durch im Schiffsrumpf verteilte Auftriebskörper und fehlende Ballastkiele dafür, daß das Schiff an der Meeresoberfläche treibt und als Rettungsfloß dienen kann.

 

Im Englischen - welches prägnante kurze Aussagen liebt - wird das oben Genannte treffend auf den Punkt gebracht: 

„Sink or Float!“ – „Sinken oder Treiben!“ - dieser Aussage ist nichts mehr hinzuzufügen! 

Also:  Katamarane kentern deutlich später und sind unsinkbar!

Wie sind die Segeleigenschaften von Mehrrumpfschiffen?

 Heißdiskutiert werden die Segeleigenschaften von Mehrrumpfschiffen. Zwar werden die meisten Segelrekorde von Katamaranen oder Trimaranen aufgestellt, trotzdem wird aber oft behauptet, dass Mehrrumpfschiffe schlechter segeln als Einrumpfschiffe. Erhellend in diesem Zusammenhang ist ein Blick auf die Polardiagramme der verschiedenen Schiffstypen. 

Ein Polardiagramm bildet die Geschwindigkeit einer Segelyacht bei gegebener Windgeschwindigkeit und Windwinkel ab. Da die Daten für Steuerbord und Backbord Kurse gleich sind, wird oft nur ein Halbkreis abgebildet. Ebenfalls können unterschiedliche Besegelungen aufgezeigt werden. 

Auf der dargestellten Grafik ist auf der linken Hälfte ein Einrumpfschiff, auf der rechten Hälfte ein Katamaran abgebildet. Die verschiedenfarbigen Linien zeigen die Geschwindigkeit der Yachten bei den entsprechenden Windgeschwindigkeiten und unterschiedlicher Besegelung. Vergleicht man die Segelperformance der Schiffe miteinander, läßt sich Folgendes unschwer erkennen: 

Nahezu über das gesamte Segelspektrum ist der Katamaran leistungsfähiger, vor allem im Raumschot-Bereich ist der Leistungsunterschied signifikant. Lediglich bei „Hart am Wind“ Kursen ist ein 3-5° Kursvorteil des Einrumpfschiffes erkennbar.

Diese eher theoretische Betrachtung mit Hilfe eines Polardiagramms muß im Segelalltag jedoch relativiert werden. Die angegebenen Geschwindigkeiten und Kurse lassen sich in der Praxis nur bei Idealbedingungen erzielen – ein werftneues und unbeladenes Schiff, keine Welle und konstanter Wind. Als Faustregel gilt: Jede Tonne Zuladung bedeutet 1 Knoten weniger Geschwindigkeit.

Darüberhinaus unterscheiden sich die einzelnen Yachtmodelle untereinander erheblich, egal ob Einrümpfer oder Multi. So lassen sich bei jedem Typ besonders gut und besonders schlecht segelnde Yachten ausmachen. Bei Diskussionen wird deshalb gerne ein bekanntermaßen nur mäßig segelndes Katamaran mit einem ausgewiesenen Regatta-Monohull verglichen.

Katamarane sind also über das nahezu gesamte Segelspektrum leistungsfähiger!

 Sind Katamarane teurer?

Wenn Katamarane sicher sind und besser segeln, bleibt eingefleischten Kat-Gegnern als letztem Trumpf nur noch der Hinweis, daß Mehrrumpfschiffe teurer seien. Um dieses Argument zu hinterfragen, sei zuerst die Frage erlaubt, wie man den Preis einer Yacht im Vergleich zu einem anderen Schiff objektiv bewerten kann?

Bei Häusern und Wohnungen gilt als anerkannte Bezugsgröße der Preis pro Quadratmeter. Kann man Segelyachten ebenfalls vergleichen, indem man deren Quadratmeterpreise vergleicht? Mangels anderer anerkannter Bezugsgrößen ist ein solcher Vergleich sicherlich legitim, sofern man Schiffe gleicher Bauqualität und Ausstattung miteinander vergleicht. 

Ve4rgleichen wir deshalb zwei Schiffe mit gleicher Quadratmeter-Zahl und Bauqualität: 

Vergleich Fountaine Pajot „LUCIA 40“ mit Beneteau „SENSE 51“

Die LUCIA 40 der französischen Katamaranwerft FOUNTAINE PAJOT ist ein typisches modernes Mehrrumpfschiff der 40-Fuss Klasse. In Serie hergestellt bietet das Schiff alles was ein Fahrtensegler von einem Katamaran erwartet:

 -          zwei geräumige Rümpfe mit 3-4 Doppelkabinen

-          geschützter Steuerstand und überdachtes Cockpit

-          großer ebenerdiger Salon mit Rundumblick

-          üppiger Stauraum

-          Beiboot an Davits zwischen den Rümpfen

-          Platz für Zubehör (Generator, Klima, Wassermacher, Waschmaschine ...)

Die BENETEAU SENSE 51 zeigt, welches Potential im Layout moderner Einrümpfer für einen Fahrtensegler steckt. Dieses auch als „Monomaran“ bezeichnete Schiff überträgt Elemente des Mehrrumpfkonzepts auf nur einen Rumpf:

 -          geräumiger Rumpf mit 3-4 Kabinen

-          geschütztes Cockpit mit Dach und Rundumschutz

-          Salon und Cockpit nur durch 2 Stufen getrennt

-         große Stauräume

-          Platz für Zubehör (wie oben)

 

Dividiert man den Basispreis der Schiffe mit deren Quadratmetern ergibt sich folgendes Bild:

                                                Katamaran LUCIA 40                       Monomaran“ SENSE 51

 ab 273.000,-- €                                 ab 304.000,-- €

 74 qm                                                73 qm

 3.670,-- Euro / qm                           4.165,-- Euro / qm

Der Vergleich der beiden Quadratmeter-Preise verdeutlicht, daß bei gleicher „Wohnfläche“ ein Katamaran nicht teurer als ein vergleichbares Einrumpfschiff ist! 

Katamarane sind nicht teurer!

Test vor dem Kauf

Bevor man sich entschließt ein Schiff zu kaufen, sollte man deshalb immer versuchen, vor dem Kauf das erstrebte Modell während einer Charterwoche intensiv zu testen!

Zum Schluss noch ein Wort zur Versöhnung der beiden unterschiedlichen Parteien, den Kat-Anhängern und den Einrumpf-Fans:

Lesen Sie sich doch einmal aufmerksam die Antworten der weit über einhundert von Bobby Schenk auf dieser Homepage befragten Weltumsegler bezüglich der Zufriedenheit mit ihrem Schiff durch: Who-is-who-im Weltumsegeln! Unabhängig von der Schiffsgröße und dem Schiffstyp, antworten nahezu alle Weltumsegler, daß sie mit ihrem Schiff sehr zufrieden waren. Es kommt offensichtlich nicht so sehr darauf an, welches Schiff man besitzt, sondern viel wichtiger ist, was man mit dem Schiff erlebt!

Hinweis: Nach Abschluss ihrer erfolgreichen Weltumsegelung mit einem Katamaran beraten die beiden Autoren dieses Artikels fachkundig zukünftige Fahrtensegler rund um deren Segelprojekte. Spezialisiert sind sie auf Mehrrumpfschiffe. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: Kerstin Pieper & Hans Schubert, pieperkerstin@gmx.de, 0176-390 96925


Anmerkung der Redaktion: Karla und Bobby Schenk haben 20 Jahre auf dem Wasser gelebt, 10 Jahre auf einem Einrumpfschiff und 10 Jahre auf einem Katamaran. Sie kennen also auch bestens die Unterschiede zwischen Mono und Kat. Karla hat hier einen viel beachteten Artikel über die 50 Vorteile eines Katamarans geschrieben und Bobby hat ein Vergleichsvideo gefertigt, in dem das Seeverhalten einer 15 Meter-Mono-Yacht einem 14 Meter-Katamaran bei gleichen Wind- und Wellenverhältnissen gegenübergestellt werden. Der Vergleich: Kat oder Mono? wurde inzwischen weit über 20tausend Mal abgerufen.

Am 23.11.2018 wird Schenk in Wörthsee (bei München) einen Vortrag über sein Seglerleben halten, in dem er auch seine Erfahrungen mit Monos und Kats eingehend erläutern wird -
Näheres hier!

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