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Erlebnisbericht für Freunde der Weltumsegler (7)

Echt nix für Warmduscher! Weltumsegler Britta und Michael erleben den Traum, den wohl viele Weltumsegler insgeheim träumen: Nämlich nach bestandener Weltumsegelung (siehe Who-is-Who-im-Weltumsegeln) auf der schönen SWAN 47 aus den sechziger Jahren VERA, nochmals los, aber dann zu den schönsten, faszinierendsten Plätzen auf der Welt. Und natürlich ganz ohne Zeitdruck! Allerdings, obwohl sie diesen herrlichen Teil der Welt ihren seglenden Freunden besonders schmackhaft machen wollen - ihre Reise ist etappenweise nichts für schwache Nerven. Glücklicherweise sind Britta und Michael hart im Nehmen. Die andere Seite der beiden - sehr sympathisch: Weil sie die endlose Eiseskälte, das stundenlange Umkurven von Treibeis und schließlich die totale Erschöpfung durchlitten haben, wissen sie die Wohltat eines bullernden Ofens, einen Schluck Whisky und eine Pasta bei Segelkameraden doppelt zu schätzen. Außerdem werden sie immer wieder entschädigt durch die grandiose Landschaft und die unterhaltsamen Darbietungen von Pinguinen und Buckelwalen.

Alle Berichte und Beiträge von Britta und Michael finden Sie hier!


Die ewige Suche nach dem Wetterfenster

041 - Nach Melchior Island

Hallo Ihr Lieben!

Bei entschieden kritikwürdigem Winterwetter verbringen wir noch einige Tage in der halbwegs sicheren Ankerbucht von »Port Lockroy«. Den besser aussehenden Wettermodellen zum Trotz weht es kräftig aus NE, Schneegriesel, Regen, schlechte Sicht, schlechte Stimmung. Die Angelsachsen haben ein gutes Wort dafür: »Anxiety«. Die Luft scheint irgendwie raus aus dieser Reise. Das Wummern der kalbenden Gletscher ringsum ist auch nichts für schwache Nerven. Und es sorgt für Eis in der Bucht, das uns mehrmals zum umankern zwingt. Uns bleibt eigentlich nur noch der Törn zurück nach Kap Horn, und »heim« nach Puerto Williams, quer über die verfluchte »Drake Passage«, die uns schon ein wenig auf dem Magen liegt. Per e-mail hören wir von der JONATHAN, die in »Pleneau« und »Vernadsky« mit dickem Eis zu kämpfen hat. Bloß gut das wir da raus sind. Die französische CARDINALE liegt in Enterprise Island sicher am Wrack der GOVERNOREN und repariert die defekte Ankerwinsch. Sie hat auch ein paar Ersatzteile für unsere Heizung an Bord, die wir vor einem halben Jahr zu Freunden nach Frankreich geordert hatten. Sollten wir die nicht schnell noch aufpicken? Immerhin hätten wir dann alles doppelt, dreifach und vierfach, sehr beruhigend, wenn man bedenkt, was ein neuerlicher Heizungsausfall an Bord der VERA in dieser Gegend bedeuten würde…

Immer wieder ein erhabener Anblick: Die majestätische Dreimastbark EUROPA in »Port Lockroy«.

Es sind knapp 50 Seemeilen von »Port Lockroy« nach »Enterprise Island«. Ein Teil der Strecke führt durch den engen, nach dem berühmten Polarforscher und ehemaligem Direktor der »Deutschen Seewarte« Georg von Neumayer benannten »Neumayer Kanal«. Bei deprimierend niedrigen Temperaturen, Schneefall und schlechter Sicht kurven wir stundenlang in Schleichfahrt um das dichte Treibeis, bis wir endlich in der »Gerlache Straße« offenes Wasser erreichen. Die Angelsachsen haben ein gutes Wort dafür: »Miserable«.

Durch den »Neumayer Kanal« an einem trüben, eisigen Morgen.

 

Die haben es bestimmt bequem: Zwei Expeditionsmotoryachten aus der Feder von Steve Dashew.

Durchgefroren und erledigt erreichen wir gegen Abend die Nordspitze von »Enterprise Island«. Durch das Fernglas sehen wir einen schwarzen Schoner auslaufen: Die CARDINALE! Es ist zum Haare raufen! Die Reparatur an der Ankerwinsch muss schneller als gedacht gelungen sein. Auf dem UKW Funk verabreden wir ein kurzes Rendezvous auf See, nur zum aufpicken unserer Kleinteile. Noch mal Glück gehabt. Einerseits. Andererseits hätte uns ein gemütliches Beisammensein auch nicht geschadet, vielleicht bei rotem Wein und einem guten Wildschweinbraten á la Créme, oder so. Zum Glück liegt die VIVEKA, ein großer Katamaran, am Wrack der alten GOVERNOREN, was uns das schwierige Einparken dort sehr erleichtert. Der Abend wird nett. Pasta an Bord der VERA mit der sehr netten dreiköpfigen Abenteuerfamilie aus Österreich.

Am frühen Morgen kommt eine e-mail herein: Unser bisheriges »Buddyboat«, die australische HAIYOU, hat ihr Wetterfenster über die »Drake Passage« verpasst und wartet nun auf uns in den »Melchior Islands«, die wir seit längerem als letzte Station auf unserer Antarktisreise ins Auge gefasst hatten. Wir verabschieden uns also herzlich von den netten Österreichern und legen mit frischen Kräften ab. Draussen herrscht Flaute, die aber leider nicht lange anhält. In der »Gerlache Straße« weht es mit 20 Knoten aus SW, also genau von vorn, dazu schlechte Sicht und krachender Seegang. Das kostet Sprit und ordentlich Nerven. Ein Segelrevier ist das hier eigentlich nicht so recht, schon wegen der vielen gefährlichen »Growler«. Durchgefroren und erledigt erreichen wir gegen Mittag den Eingang zum »Schollaert Kanal« und können rechts abbiegen. Unsere Lage bessert sich, und zwar dramatisch. Bald ist die Genua gesetzt und Herr VOLVO hat Pause. Die Sonne schaut heraus und wärmt unsere Knochen. Wir sonnen uns auf dem Brückendeck bei leise plätschernder Bugwelle und trinken Kaffee. Auf einem rund gewaschenen »Bergy Bit« spielt eine Herde Pinguine rutschen, was sehr lustig zu beobachten ist. Dazu prusten jede Menge Buckelwale um die VERA herum. Man trifft sich hier wohl wegen der besonders krillhaltigen Strömungsverhältnisse. Endlich die richtige Zeit und der richtige Ort, um diese faszinierenden Tiere einmal in Ruhe aus der Nähe zu beobachten. Bei Annäherung an die mitten in der »Dallmann Bay« gelegene Inselgruppe »Melchior Islands« sehen wir sogar einen weißen Buckelwal, in Begleitung eines Freundes. Und dann sind wir endlich in Sicherheit, wieder im Päckchen neben der HAIYOU, am besten und sichersten Platz im »Omega Channel«. Hohe Fels- und Eiswände ringsum, ein wahrhaft erhabenes Panorama.

Der Pinguinspielplatz im »Schollaert Kanal«.

 

»Whalewatching« im »Schollaert Kanal« (1)

 

»Whalewatching« im »Schollaert Kanal« (2)

 

»Whalewatching« im »Schollaert Kanal« (3): Der Weiße Wal, in Begleitung eines Kumpels.

Bald dinieren wir mit den verloren geglaubten Freunden auf der HAIYOU, ausführlich und bei bullerndem Ofen, trinken Sir Ernest Shakleton‘s Lieblingswhisky und beraten das weitere Vorgehen. Ein Wetterfenster für die »Drake Passage« ist in nächster Zeit nicht in Sicht. Nicht schlimm. Hier im »Omega Channel« kann man es gut aushalten, im Notfall auch einige Wochen. Wir melden uns (hoffentlich) bald wieder, mit einem neuen Newsletter.

»Omega Channel« in den »Melchior Islands«: VERA zwischen HAIYOU und ISATIS.

 

M auf den »Melchior Islands«.

 

Unsere Route von »Port Lockroy« durch den »Neumayer Kanal« nach »Enterprise Island« und weiter nach »Melchior Islands«.

Herzliche Grüße und alles erdenklich Gute wünschen Euch Britta und Michael / SY VERA / Melchior Islands / Antarctica / POS 64.19,2S - 062.55,0W