Wer nach dem folgenden Erlebnisbericht die Frage nach "Waffen an Bord" nochmals stellt, dem ist - Entschuldigung - nicht mehr zu helfen. Weltumsegler Knut Kähler (siehe auch hier) scheint ein robuster Typ zu sein, der solche Erlebnisse ganz gut wegstecken kann. Andere empfindlichere Gemüter wären ihr Leben lang stigmatisiert. Aber lassen wir ihn selbst zu Wort kommen: 

Bobby Schenk


Segelabenteuer:

 Im Gefängnis auf den Malediven

Knut Kähler

Auf meiner Weltumsegelung von Juni 1986 bis Oktober 1995 hatten wir Waffen an Bord unseres 78 Fuß Stagsegelschoners „Veleda“ sowie eine kleine bronzene (Signal-) Kanone. 

Auf Französisch geprägten Inseln war dies in der Regel recht einfach, da konnten die Waffen an Bord verbleiben. Auch Südamerika war da recht liberal. Auf englischen Inseln und sonstigen Ländern mussten die Waffen während des Aufenthaltes bei der Polizei eingelagert werden. Dies kann sehr zeitaufwändig sein, wenn bei der Ausklarierung z.B. der Polizist mit dem Schlüssel zum Waffenschrank gerade nicht da ist: Kommen Sie Morgen wieder ist dann die Antwort. Oder es kommt zu Kuriositäten wie z.B. in St. Vincent/Karibik, wo wir mit den drei Gewehren über der Schulter und der Munitionskiste von der Polizeiwache über den Markt zu dem Liegeplatz unseres Dinghis spazieren mussten. Die Einwohner starrten uns ungläubig an.

In Trinidad zum Karneval sagte man uns: Lasst die Waffen bloß an Bord, sie an Land zu transportieren ist jetzt viel zu gefährlich. Teilweise haben wir in der Karibik die Waffen einfach bei der jeweiligen Polizei gelassen bis wir auf dem Rückweg dort wieder vorbeikamen und sie dann erst abholten. In der Regel konnte die Signalpistole an Bord verbleiben, da sie nicht als Schusswaffe eingestuft wurde.

Die Waffen an Bord wurden einmal zur Abschreckung eingesetzt. 

Nur ein einziges Mal haben wir die Waffen als Abschreckung eingesetzt, als „Seeräuber“ in Einbäumen auf dem Demerara River in British Guyana versucht hatten an Bord zu klettern um das Dinghi und den Außenborder zu klauen.

Ich möchte nie in die Lage kommen mich mit einer Waffe verteidigen zu müssen, wozu ein Gewehr, außer auf größeren Distanzen, ohnehin unnütz ist. Und als untrainierter, gehemmter „Zivilist“ hat man gegen einen abgebrühten Kriminellen mit einer Waffe ohnehin keine Chance. Da würde eine Waffe alles nur noch schlimmer machen. Alles in allem sind Waffen an Bord also recht umständlich. Man könnte da auf die Idee kommen, sich einfach die Prozedur des Einklarierens zu erleichtern und die Waffen nicht angeben:

Verhängnisvolle Idee: Waffen nicht deklarieren

So versteckte ich vor dem Landfall auf Male, der Hauptinsel der Malediven, die Gewehre im Maschinenraum hinter dem großen Kraftstofftank. Beim Einklarieren gab ich nur die Signalpistole an, welche dann der Zoll von Bord nahm.

Wir fuhren einige Tauchtörns in den Malediven und verbrachten Sylvester auf dieser Insel. Ein Chartergast - ich nenne sie mal Christa - überredete mich, das Schrotgewehr und das Kleinkalibergewehr auszupacken, um damit um Mitternacht ein wenig zu schießen und das Neue Jahr einzuläuten. Da der Manager der Insel auch nichts dagegen hatte, machte ich dies ein wenig widerwillig.

Bevor ich die Waffen wieder verstecken wollte, wollte ich sie erst reinigen und ließ sie dazu in der Messe erst mal in einem Schrank stehen. Am Neujahrstag sollte es gleich nach dem Frühstück losgehen. Christa wollte unbedingt ein Atoll weiter nach Süden segeln. Ich wusste, dass wir dafür eine Genehmigung aus Male brauchten und erklärte ihr dieses. Das hätte bedeutet eine Tagesreise nach Male, einen Tag für die Genehmigung und einen Tag wieder zu den Inseln wo wir nun schon gerade waren. Für Christa bedeutete dies drei Tage Zeitverlust. So ließ ich mich in Anbetracht dieses einflussreichen Chartergastes dazu überreden ohne Genehmigung weiter nach Süden zu segeln.

Also gingen wir am 1.1. abends vor einer kleinen idyllischen Insel vor Anker, welche wir am nächsten Tag genauer inspizierten. Sie war abgesehen von unzähligen Hühnern unbewohnt. Da kam mir die Idee unseren mageren Speiseplan mit einem schönen Hühnerfrikassee zu verfeinern. Also schoss ich kurzerhand mit dem Kleinkalibergewehr – welches immer noch nicht verstaut war, zwei Hühner.

Schüsse auf zwei Hühner mit gravierenden Folgen

Am 3.1. gingen wir wieder Anker auf um in das Süd-Male-Atoll zurück zu segeln. Nach einigen Meilen kam von achtern ein Küstenwachboot auf und stoppte uns. Klar, sie fragten nach der Genehmigung. Ich stellte mich dumm: Davon weiß ich nichts. Sie forderten mich auf, zusammen mit ihnen nach Male zu fahren, welches ich zuerst verweigerte, da ich sagte, wir fahren sowieso nach Male, wollten aber heute Nacht noch im Süd-Male-Atoll ankern, da wir sonst im Dunkeln in Male ankommen würden und ich nächtliche Rifffahrten vermeide. Aufgrund der Weigerung wollten sie mich festnehmen und mir Handschellen anlegen, was aber nicht klappte, da sie nicht ganz um mein Handgelenk passten. Nun sah ich in drei Gewehrläufe und sie fragten mich, ob ich mich immer noch weigere. Durch diese überzeugenden Argumente gab ich nach und wir motorten bei wenig Wind neben dem Küstenwachboot nach Male. Dort kamen wir gegen 21.00 Uhr an und ankerten. Der Anker hatte noch gar nicht den Grund erreicht, da wurden wir von der Mannschaft des Zollbootes geentert. In dem Moment fielen mir die noch nicht wieder versteckten Gewehre ein, die ich durch die Ereignisse komplett vergessen hatte. Diese wurden durch den Zoll natürlich gleich gefunden – son schiet! Ich musste meinen Pass abgeben und sie zogen wieder von dannen. Weil sie keine Munition gefunden hatten, dachte ich mir, dass sie nochmal wiederkommen werden um danach zu suchen. Und genau so war es. Diesmal war ich aber besser vorbereitet und hatte die Päckchen mit der Munition in dem Radarscanner versteckt – man wundert sich wieviel Platz da unter der Haube ist!

Durchsuchung der Yacht und Ladung zur Gerichtsverhandlung

Am kommenden Morgen – Christa und ihr Verlobter hatten längst die Veleda verlassen und wurden nie wieder gesehen – kam der Zoll wieder längsseits und sie durchsuchten komplett das gesamte Schiff, was allein schon Stunden gedauert hat. Fanden aber weder die Munition noch das Jagdgewehr. Dann musste ich zum Verhör kommen. Sie hatten festgestellt, dass aus den Gewehren vor nicht langer Zeit geschossen worden war. Ich sagte aus, dass wir Sylvester durch zwei, drei Schüsse das Neue Jahr begrüßt hätten und dass dies die allerletzte Munition an Bord gewesen sei. Außerdem gehören die Gewehre meinen Miteignern.

Sie ermahnten mich dann, dass ich die Malediven nicht verlassen darf und auf die kommende Gerichtsverhandlung warten soll, was zwei bis drei Wochen dauern sollte.

" Für einen Fehler muss man geradestehen" - guter Charakterzug, aber zur falschen Zeit!

Ansonsten konnten wir uns in dem Gebiet des Nord-Male-Atolls vollkommen frei bewegen, so dass wir planmäßig den nächsten Törn fahren konnten. Ich besaß noch einen zweiten Pass und hätte des Nachts einfach die Malediven verlassen können, das hätte so schnell keiner gemerkt. Aber ich hatte einen Fehler gemacht und wollte mich dafür dann nun auch verantworten. So ankerte ich nach dem planmäßig letzten Tauchtörn vor einer von Male nur 5 sm entfernten Insel.

Ein Küstenwachboot überbrachte mir nach ein paar Tagen die Vorladung zur Gerichtsverhandlung. Ich steckte mir 1000 US$ ein und fuhr mit dem Dinghi nach Male rüber. In dem Gerichtsgebäude wurde ich gefragt, ob ich einen Dolmetscher mitgebracht hätte, was ich verneinte. Dann wurde die ca. einstündige Verhandlung auf singhalesisch abgehalten, von dem ich natürlich kein Wort verstand.

Gerichtsverhandlung auf Singhalesisch - ohne Dolmetscher und mit Schockurteil.

Als ich am Ende der Verhandlung fragte was denn nun ist, sagte man mir, dass ich gerade zu elfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Elf Jahre wegen Terrorismus, denn wenn jemand unangemeldete Waffen besitzt, ist er nach dem Gesetz ein Terrorist. Und ein halbes Jahr wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt. Der Richter könne kein anderes Urteil fällen, da er sich nach dem Gesetz richten muss, aber er hätte jeweils die Minimumstrafe gegeben.

Ich fiel aus allen Wolken, denn ich hatte mit einer Geldstrafe gerechnet. Aber elfeinhalb Jahre im Gefängnis auf den Malediven sitzen? Ich erwiderte, dass ich doch gewiss kein Terrorist sei und ob man gegen dieses Urteil Einspruch einlegen kann. Der einzige der den Richterspruch abändern kann, wäre der Präsident hieß es. Ich war davon überzeugt, dass ich den Herrn wohl umstimmen kann, mich keine elfeinhalb Jahre durchzufüttern.

Ab ins Gefängnis der Malediven, aber immerhin Folterinstrumente entfernt!

Anschließend wurde ich abgeführt und hatte gerade noch die Möglichkeit meinem Bootsmann, der an Bord geblieben war, eine Nachricht auf Englisch zu schreiben. Mit einer Dhau wurde ich zusammen mit anderen Gefangenen auf die ca. zwei Stunden entfernte Gefängnisinsel verbracht. Dort musste ich mein Geld, meine Uhr und meinen Gürtel gegen eine Quittung abgeben.
Untergebracht wurde ich allein in einem gemauerten Gebäude mit Wellblechdach, indem normalerweise 20 Gefangene untergebracht waren. Man hatte ein richtiges Bett mit neuer Matratze hineingestellt mit einem Miefquirl darüber und noch schnell die Folterinstrumente vor dem Eingang entfernt.

Außerdem wurde ich gewarnt mit keinem anderen Gefangenen, welche etwas weiter entfernt in anderen Gebäuden einsaßen, Kontakt aufzunehmen.
Waschen konnte ich mich mit dem Wasser aus einem Brunnen vor dem Gebäude. Außerdem konnte ich mich tagsüber frei bewegen und wurde nur von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang eingeschlossen – also totales VIP Programm.

Das Gnadengesuch

Ich erbat mir ein Blatt Papier und etwas zum Schreiben, erkundigte mich nach dem Namen des Präsidenten und schrieb ihm einen Brief, in dem ich erklärte, dass ich selbstverständlich kein Terrorist bin und habe mich dafür entschuldigt, dass ich die Waffen bei der Einklarierung nicht angegeben hatte.

Mein Bootsmann musste einen Gesprächstermin beantragen, da ich dies nicht konnte. So wurde ich zwei Tage später wieder nach Male zu dem Gesprächstermin gebracht, wo wir unsere Informationen unter Aufsicht in Englisch ausgetauscht haben. Er erzählte mir, dass er mit meiner Freundin in Hamburg Kontakt hat und sie versucht über das Auswärtige Amt Hilfe zu bekommen.

Nach zwei Wochen Haft die Erlösung gegen Geld!

Es vergingen zwei weitere langweilige Wochen auf der Gefängnisinsel mit drei Mal am Tag Tunfischcurry, an sich lecker, aber auf Dauer auch ein wenig langweilig. So brachte ich dem Gefängniskoch bei, zum Frühstück Spiegeleier zu machen und auch mal einige andere Gewürze zu verwenden.

Nach insgesamt zweieinhalb Wochen wurde ich wieder nach Male gebracht und im Gefängnis-Departement wurde mir mitgeteilt, dass mir der Präsident vergeben hat und die elfeinhalb Jahre Gefängnis in eine Geldstrafe von 4000 US$ umgewandelt hat. So viel Geld hatten wir in cash nicht an Bord und meine 1000 US$ cash waren erst mal weg. Mit der AMEX Kreditkarte konnte man damals nur 1000 US$ pro Woche in der Bank abheben, was ich auch gleich machen konnte. Da fehlten mir mit dem restlichen Geld an Bord immer noch über 2000 US$.

Deutsche Botschaft leiht kein Geld, aber deutscher Botschafter ist ein Mensch.

Zeitgleich schwamm jemand zur Veleda, die immer noch vor der gleichen Insel ankerte und klopfte an den Rumpf, so dass der Bootsmann an Deck kam. Er sagte, er wäre der deutsche Botschafter aus Colombo/Sri Lanka und wollte mit einem Herrn Kähler sprechen. So beantragte der deutsche Botschafter einen Gesprächstermin bei der Gefängnisabteilung in Male und ich traf den Botschafter und erzählte ihm was bis jetzt passiert war und das ich nur noch gute 2000 US$ cash brauchte um aus dem Gefängnis zu kommen. Und ob er mir das Geld nicht vorstrecken könne, bis ich mit der AMEX Karte die Summe innerhalb der nächsten zwei Wochen abgeholt habe. Nein das ginge nicht! Die Deutsche Botschaft kann kein Geld vorstrecken oder auslegen! Ich sagte dann, dass ich ihm auch als Garantie Euroschecks geben kann. Die könne er zwar nicht annehmen, sagte mir aber zu, diese in dem Tauchresort gegen Bargeld tauschen zu können. Damit hatte ich dann das Bargeld zusammen, und wurde frei gelassen und bekam auch meine 1000 US$ und die Uhr wieder.

Als Kuriosum sei noch zu erwähnen, dass ich die beiden Gewehre wieder bekam, aber die ordnungsgemäß einklarierte Signalpistole konnte nicht wieder aufgefunden werden. Ich habe dann dem Präsidenten ausrichten lassen, dass er sie gerne behalten darf und ich es vorziehe nun abzusegeln. Später in Deutschland musste ich die Signalpistole dann offiziell als gestohlen melden, da der Verbleib der Pistole auf Grund eines nicht wieder Auffindens nicht akzeptiert wurde.

Die Lehre: Auf der neuen Yacht keine Waffen mehr! 

Als ich jetzt mein neues Schiff in 2014/15 wieder ausrüstete, war klar, dass auf keinen Fall wieder Waffen an Bord kommen – mit Ausnahme der Signalpistole, die ich vor 25 Jahren ersetzt hatte. Zumal jetzt nach ca. 25 Jahren weltweit die Bestimmungen und Antiterrorgesetze wesentlich verschärft worden sind.

Falls jemand trotz des erheblichen Aufwandes Waffen an Bord nehmen möchte, kann ich nur raten diese immer beim Einklarieren anzumelden. Auf den Malediven ist die Sache noch verhältnismäßig glimpflich abgelaufen, woanders könnte die Yacht beschlagnahmt werden, oder man sitzt tatsächlich eine lange Gefängnisstrafe ab.

Anmerkung d.R.:

Knut scheint ja irgendwie hart im Nehmen und die Ruhe selbst zu sein, bei der Aussicht, ein halbes Leben im Kerker zu verbringen. Aber jede Medaille hat zwei Seiten und die hat seine damalige Freundin und jetzige Ehefrau, die Ärztin Dr.Bianka Martens erlebt. Hier schildert sie, wie sie das Drama miterlebt und durchlitten hat:

"Knut sollte in den Malediven noch einen Törn fahren dort, dann wollte er für einige Wochen nach Hamburg kommen. Mit dieser guten Aussicht saß ich also einige Wochen später am Abend zu Hause, als Uwe anrief. Ich ahnte bereits Böses und fragte, ob Knut nicht kommt. Die Antwort war: "Hast Du Wein im Haus? Hä? Dann mach’ doch mal die Flasche auf, schenk Dir ein und trink einen Schluck."

Dann rückte er mit der Sprache heraus. Sie waren vor einigen Tagen, auf Drängen der Chartergäste, zu einer einsamen Insel gefahren. Dort hatte Knut ein Huhn geschossen, das frei herum lief. Die an Bord befindlichen Gewehre hatte er beim Zoll nicht angegeben, da immer gesagt wurde, man würde sie nicht wiederbekommen. Bei einer Schiffsdurchsuchung durch die Küstenwache sei er erwischt worden und an dem Tag war die Gerichtsverhandlung gewesen. Nur es war nicht wie erwartet – zu einer Geldstrafe gekommen. Das Gericht hatte ihn zu elfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Nun war er auf die Gefängnisinsel verbracht worden und Uwe hatte keinen Kontakt mehr zu ihm. Uwe wollte versuchen das in den nächsten Tagen zu verändern. Ich sollte versuchen von Deutschland aus etwas zu unternehmen.

Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Mein Gott! Das war ja fast lebenslänglich. Das konnte doch nicht sein. Ich sank auf den Stuhl. Zunächst rief ich, es war nachts, beim Notdienst des Auswärtigen Amtes an. Aber da war eben der Notdienst dran. Ich solle am Morgen erneut anrufen sagte man mir. Zunächst sei ja keine Gefahr im Verzug. Ich aber fragte mich, war es nicht eine Diktatur dort? Wird in den Gefängnissen womöglich gefoltert?

Ich rief unsere Freunde an und sie kamen auch gleich mit einer zweiten Flasche Wein daher. Wir saßen da bis spät in die Nacht und berieten. Mit zunehmendem Weingenuss kamen immer abstrusere Ideen zu Tage. Könnte man nicht eine Befreiungsaktion mit irgendwelchen Geheimdiensten organisieren? Wie kommt man denn an den Mossad? Oder Werner Mauss? Wie viel wird so etwas kosten? Sollte man eine Zeitung einschalten?
Am nächsten Morgen konnte ich endlich wieder beim Auswärtigen Amt anrufen. Die Aussage war: Wenn er doch ein Huhn geschossen hat, ist er ja schuldig. Da kann man nichts machen. Ich könnte aber versuchen den nächsten deutschen Botschafter in Sri Lanka anzurufen. Das versuchte ich nun, aber er war einfach telefonisch nicht zu erreichen. Ich wurde immer verzweifelter und fragte erneut bei dem Auswärtigen Amt an. Diesmal sagte man mir, dass sie nun wirklich wichtigere Fälle hätten, wie zum Beispiel Bundesbürger mit Marihuana-Besitz, die in Asien im Gefängnis sitzen und auf die Todesstrafe warteten.

In diesen Wochen nahm ich ca. acht kg ab und konnte mich nur schwer auf meine Arbeit auf der Intensivstation konzentrieren. Es war eine schreckliche Zeit! Die Tage vergingen. Eines Nachts kam eine Patientin mit einer schweren Lungenentzündung auf die Station. Ich hatte Dienst und der Ehemann gab mir seine Karte. Er war sehr besorgt, beschwor mich auf seine Frau aufzupassen und bei einer Änderung sofort anzurufen. Ich sagte natürlich zu, warf einen Blick auf die Karte und las unter seinem Namen: "Deutscher Reedereiverband". Da hatte ich auch eine Bitte. Ich erzählte ihm meine Geschichte und er sagte: Keine Sorge, da haben wir schon ganz andere Fälle herausgeholt. Ich lasse von mir hören. Am nächsten Morgen bei der Chefvisite rief das Auswärtige Amt direkt auf der Intensivstation an. Mein Chef war am Telefon, gab mir den Hörer und sagte lakonisch: Wenn Sie einen Sekretär brauchen, sagen Sie mir einfach Bescheid.

Er hatte schon recht, viel meiner Zeit ging für Telefonate und Anschreiben an offizielle Stellen drauf. Aber er hat mich gewähren lassen und am Ende trug es dann auch Früchte. Denn plötzlich hörte sich alles ganz anders an. Sehr freundlich bat man mich ein Fax mit den Details zu senden, man werde sich kümmern. Die Sache kam in die Gänge. Kurze Zeit später bekam ich Nachricht, dass Knut gegen Zahlung von 4000 $ frei gelassen werden würde. Wenig dachte ich gegen elfeinhalb Jahre. Meine ganze Familie hatte bereits um Hypotheken auf ihren Besitz nachgefragt. Das Geld anzuweisen gestaltete sich allerdings schwierig. Weitere Tage vergingen bis ich Knut endlich Ende März 1992 am Flughafen in Hamburg in die Arme schließen konnte. Sein Kommentar war: "Warum hast Du Dich denn so aufgeregt, es war wirklich eine interessante Erfahrung."

Da habe ich geschworen, beim nächsten Mal rufe ich persönlich den Präsidenten von Takatukaland oder sonst wo an, um ihn zu bitten den Kerl doch noch ein wenig dazubehalten."

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