Abenteuer Yachtkauf



Die ewige Suche nach der "Traum-Yacht"

Die Geschichte erzähl ich deshalb ganz ehrlich, mit ein paar Einzelheiten, damit niemand glauben soll, bei anderen sei es etwas Leichtes, zu einem neuen Schiff zu kommen. Vielleicht erahnt der eine oder andere dann, was ihm blüht, wenn er seinen "Lebenstraum" verwirklichen möchte. Wenn sich jemand ob dieser Details langweilt, ist er ja nicht verpflichtet weiterzulesen (das ist der Vorteil gegenüber einem Buch, für das man eine Menge Geld ausgegeben hat und deshalb schon Anspruch auf Unterhaltung hat).

Inseraten-Studium...

Manchmal fragt man sich, ob nicht die schönste Zeit die ist, wo man sich durchringt vom Gedanken an eine lebensentscheidendende Geldausgabe bis zur Entscheidung, ein Yacht zu kaufen, nicht die Allerbeste beim segeln ist. Die Vorfreude, ist ja bekannt, überdeckt oft die spätere "richtige" Freude an einer Neuanschaffung.

Es gibt wohl keinen Skipper, der, gerade ohne Schiff (immer nur eine Zwischenstation bei einem Segler), nicht aufmerksam die Verkaufsanzeigen liest. Aber, ehrlich, einen Ruck hat es mir selten dabei gegeben. Die Anzeigen ohne Preisangabe ignoriere ich ohnehin. Denn ausschließlich das Verhältnis von Preis und Leistung, im Falle einer Yacht also in erster Linie die Größe, macht doch den echten Wert einer Yacht aus. Eine Ketsch mit 15 Meter über Alles für 150 Tausend ist hochinteressant, während ein Preis von einer Million weiterblättern ließe. Warum sind manche Verkäufer so dumm? Oder gibt es tatsächlich welche, die auf Sprüche wie "schweren Herzens trenne ich mich", "besser als neu" und so fort noch reinfallen? Erschwerend in meinem Fall kommt noch dazu, daß ich mir ja Einiges an Vorgaben auferlegt habe, siehe unter "ideale Fahrtenyacht". Klar, genau die Yacht, die ich mir als "ideal" vorstelle, gibt es ohnehin nicht, da sind wir Segler viel zu große Idealisten als daß sich die Vorstellungen eines Verkäufers und des Käufers, also meine, decken würden. Ein wenig Kompromiß wäre ich ja schon eingegangen. Aber nur ganz wenig! Denn ich gehöre halt zu den Menschen, die eine besondere Freude daran haben, etwas Neues zu erwerben, was mich fast immer, leider, ziemlich teuer zu stehen kommt. Einige Details an den angebotenen Yachten haben sofort zur Ablehnung geführt, was nur jemand verstehen kann, der damit schon leidvolle Erfahrungen, wenn auch nur beim Zuschauen, erlebt hat.

Das wären absolute Kaufhinderungsgründe gewesen:

  • Ein Teakdeck, erst recht auf einer Stahlyacht
  • ein Zweimaster
  • ein Holzschiff
  • eine Yacht mit Generator

  • oder auch schon eine 24-Volt-Anlage.

Allmählich wird klar, warum mich kein Inserat so angesprochen hat, daß ich auch angerufen hätte. Halt, daß ich nicht lüge: Unsere THALASSAII, mit der wir 1982 von Tahiti ums Kap Hoorn nach Mallorca gesegelt waren, stand wieder zum Verkauf. Immer noch halte ich dieses Schiff für uns(!) für ein Idealschiff, jedenfalls in dem Zustand, in dem wir sie gesegelt hatten. Aber was hatten die Eigner danach mit dem Schiff angestellt? Was war alles umgebaut worden? Im Charterdienst soll es gewesen sein, mit vielen Kojen, die nachträglich eingebracht worden waren. Nein, fragen wir gar nicht danach!

Keine Second-Hand-Yacht!

Kurzum, wir verabschiedeten uns von dem Gedanken, eine Second-Hand-Yacht zu kaufen, eine neue sollte her. Das Budget sollte dies zulassen, so dachten wir, wenn wir in der Größenordnung bei 50 Fuß blieben und nicht gerade mit den als besonders teuer geltenden nordischen Yachten (Schweden, Dänemark, Finnland) liebäugeln würden, die ohnehin nicht so nach unserem Geschmack waren. Wie gesagt, Teakdeck betrachte ich heute(!) als irgendetwas Verlogenes. Also startete die Suche von Neuem. Es durfte ruhig etwas Gediegeneres sein, altmodisch, langkielig oder so. Auf eine amerikanische Werft wies mich ein Leser hin. Meine schüchterne Anfrage nach einem Prospekt bekam keine Antwort. Und überhaupt Übersee? Schließlich mußte die neue Yacht eine CE-Zertifizierung haben. Zwar wollten Carla und ich zunächst mal nicht in Europa segeln, aber irgendwann wollen wir ja zurückkommen können und dann nicht wegen fehlendem CE-Zeichen des Landes Europa verwiesen werden.

OK, wie sah es hierzulande aus? Bavaria, sicher preiswert, Qualität mir unbekannt, bot eine "bessere" Version von der BAVARIA 50 an, eine Bavaria 51 Ocean, erheblich teurer als die "normale" 50er, vielleicht war das was?

Was mich hier und immer wieder verblüffte, waren die langen Lieferzeiten, die immer sofort ins Gespräch gebracht wurden. War das die "neue Armut" in Deutschland? Die niedrigen Zinsen oder die Flucht in Sachwerte?

Mehr als die Übersendung eines Prospektes mit einer Zeichnung der Yacht wollte man bei Bavaria in mich wohl nicht investieren. Mein Kaufwunsch war ansonsten ungehört.

Da traf ich auf der Tullner Messe Manfred Schöchl, Besitzer der Sunbeam-Werft, der mir seine SUNBEAM 44 zeigte. Tolles Schiff, feinste Handwerksarbeit! Er bat mich, für ihn so eine Art Langfahrtyacht zu konzipieren, denn in den wesentlichen Punkten ("keine Klimaanlage") waren wir uns hundertprozentig einig. "Weißt, mit glauben die Kunden das immer nicht, wenn ich Ihnen rate, Ihr Schiff so einfach wie möglich auszustatten, aber vielleicht kannst Du sie überzeugen!"

Warum aus einer SUNBEAM nichts wurde

Kurze Zeit später kreuzten Carla und ich in derSunbeam-Wert in Mattsee auf. Das ist ja richtig hoch droben in den Alpen, dachte ich, und amüsierte mich bei dem Gedanken, wie kurz es erst her war, als man glaubte, Yachten könne man nur an der Küste kaufen. Zutiefst beeindruckte mich die Werft und die Schöchls. Vom Konstruktionsbüro angefangen (wo Manfred mir seine Konstruktionen am Computer vorführte) bis zur vollklimatisierten Werfthalle (vor allem wegen der Arbeitsbedingungen für seine Arbeiter), erst recht die handwerkliche Ausführung, war alles vom Edelsten. Doch: Jedes mal, wenn ich die Rede auf meinen geplanten 50-Füßer bringen wollte, wich Manfred aus: "Ich bin nicht interessiert an einem Schiff für Dich, sondern nur an einer Sunbeamyacht a la Schenk." Der Grund war sicher nicht, dass er mich nicht leiden konnte, sondern schlicht und einfach, dass seine Werft eine Yacht in dieser Größe vom Platz her, von der Hallengröße her, nicht bauen konnte. Alleine das Wasserbecken, in den alle Sunbeam-Yachten vor der Auslieferung getestet werden, ist halt keine 50 Fuß lang. Schade.

Schade, vor allem deshalb, weil mir seine Mittelcockpit-Yacht, die 42C von der Inneneinrichtung geradezu ideal für eine Langfahrtyacht erschien. Und das Teakdeck hätte man ja weglassen können.

Nach Frankreich, in den Bereich der "Massenproduktion" (im Yachtbau spricht man davon bei 300 Stück im Jahr, im Autobau bei 300 Stück in der Stunde), wollte ich mich nicht begeben, obwohl ich im Chartergeschäft eine Menge französischer Yachten erlebt hatte, die um einiges besser (und moderner) waren, als ansonsten in seriöser deutscher Handarbeit hergestellt werden kann.

Das war es vielleicht: Konstruieren und bauen lassen

Also, vielleicht funktioniert die ganz altmodische Masche? Konstrukteur beauftragen und nach dem Design die Yacht bauen lassen! Wobei ich natürlich insgeheim hoffte, der Konstrukteur würde schon irgendwie eine geeignete Werft mitbringen.

In Holland bauen sie sicher Yachten nach meinem Geschmack, dachte ich mir. Ich mailte den bekannten Konstrukteur Dick Zaal an. Seine Antwort:

Dear Mr. Schenk,
Thank you for your interest in my designs.
Assuming you are THE Bobby Schenk and there for sailing the oceans of this
world. Then unfortunately I have no suitable design in grp or aluminium, which
might raise your fancy, in the size you request, in my portfolio of standard designs.
Although I have several designs for aluminium construction, they are all below the target length you have in mind. For Grp construction I don't have any for one off construction in this size, I am sure you are already aware of my Contest designs, of which the 48 is within your length brackets.
With kind regards,
Dick Zaal

Koopmanns wurde mir empfohlen, Koopmans in Lelystad. Ja, oft schon hatte ich dort oben auf meine Frage, wer denn diese schöne Yacht konstruiert habe, gehört: "Das ist ein Koopmans-Riß!"

Zwei Koopmans gibt es, Vater und Sohn. Kurzer Anruf, ja, Vater holt uns vom Flugplatz ab.

Es regnete und saukalt war es in diesem Frühjahr. "Können wir nicht als erstes Ihre persönliche Yacht sehen?", bohrte Carla und ich gleich noch im Auto. Klar, "aber sie ist in einem unaufgeräumten Zustand, wir sind gerade von unserer Reise zurückgekommen!" "Reise" ist gut! Arktis, Antarktis, Kap Hoorn, das waren die Stationen. Mehr Worte notwendig?

Im Hafen von Lelystad lag sie. Aluminium, Tagestank, kurzum, das ist es, was ich suche. Vielleicht ein wenig schmal, aber das würde sich schon regeln lassen. Bei Cafe und Kuchen im Keller, und Konstruktionsbüro, kommen wir mit Koopmans schnell überein. Er spricht über seinen Sohn (einem bekannten Konstrukteur und Segler in der holländischen Regattaszene), mit sichtlichem Stolz: "Er will alles besser machen als ich und benutzt den Computer für die Konstruktionen. Aber dann berechnet er, was ich ohne Computer schon geahnt habe!"

Seine Preise wären o.k., die fehlende Breite würde er auch hinbringen, obwohl: "...da haben wir bei starker Krängung das Problem mit der Ruderanströmung..."

Geradezu unerschöpflich ist die Auswahl seiner Erfahrung, seiner bereits vorhandenen Konstruktionen, eine schöner wie die andere. Einen Band gibt er mir, das steht drauf: "jachten 12.50 m. tot 15.00 m."

Wir blättern: Das könnte sie sein!

Ja, und welche Werft solle sie bauen und außerdem haben wir nur einen bestimmten Betrag? Er wiegt den Kopf und meldet Zweifel an, ob dieser Betrag ausreichen kann. Und mit der Werft, ja, da würde er ein paar kennen, die könnten das machen, aber Bauaufsicht und so könne er nicht übernehmen. Das verstehen wir.

Dringend: Werft gesucht!

Also, einen erstklassigen Konstrukteur für unsere Traumyacht hatten wir nun, aber wie sah es mit der Werft aus? Ich emailte, faxte, telefonierte, - alles Fehlanzeige! Entweder lagen die Werften im Preis jenseits meiner Vorstellungen (und Möglichkeiten) oder sie waren schlicht ausgebucht. Das überraschte, denn angeblich ist die wirtschaftliche Situation in Deutschland desolat. Vielleicht war die Ursache für den Run auf Neubauten auch der niedrige Zinssatz, der derzeit für Finanzierungen fällig wird. Trotzdem, ein monetärer Hintergrund muss ja da sein, auch wenn mit Krediten gearbeitet wird.

Eine Schiffsbaubetrieb aus Norddeutschland war frei und hatte auch die Kapazität, hätte sicher auch zu einem Entwurf Koopmans "Ja" gesagt. Aber, die dazugehörige Werft war in Polen. Konnten Polen eine moderne Hochseeyacht bauen? Warum nicht! Zumal mir ein Freund erzählt hatte, daß er vor kurzem ein Kunst-Flugzeug aus polnischer Fertigung geflogen hatte und das sei das Beste an Qualität gewesen, was er je gesteuert hatte. Und Yachtbauen ist sicher einfacher als ein sensibles Kunstflugzeug zu basteln, wo es auf jedes Gramm Gewicht ankommt. Aber die fehlende Erfahrung der Werft verunsicherte mich. Ist ein Hausbau schon ein Abenteuer, wie sollte das mit einer Yacht gut gehen?

Werftbesuch

Ein Bekannter von mir suchte seinerseits eine Yacht, seine Wahl war auf eine 53er Oyster gefallen und so flogen wir zusammen nach Ipswich zur Werft.

Oyster-Yachten genießen unter Fahrtenseglern den Ruf von hervorragenden Reiseyachten höchster Qualität, aber auch sehr hoher Preise. Und so wusste ich, dass eine solche Yacht wohl nicht in Frage kommen würde. Aber, wenn man an allen Ecken sparen würde, und vielleicht die nächstkleinere Größe wählen würde, wer weiß?

Einer der Verkaufsargumente von Oyster ist die angebliche Flexibilität, Kundenwünsche zu erfüllen. Deshalb schien es für mich auch kein Problem zu sein, dass alle Oyster-Yachten mit Teakdeck ausgestattet und daß 24-Volt-Anlagen Standard waren. In den Kaufgesprächen mit meinem Bekannten fiel mir aber schon auf, dass es mit dem Entgegenkommen bei Sonderwünschen in Wirklichkeit nicht so weit her war. Freilich, angebotenes Zubehör konnte man nach Herzenslust bestellen (und bezahlen), aber wenn es ans "Eingemachte" ging, der 12-Volt-Anlege zum Beispiel, dann hieß es schnell: "Damit haben wir keine guten Erfahrungen gemacht, aber wir bauen es Ihnen schon ein, aber dann auf Ihre Verantwortung!" Und wer wollte so ein Risiko schon auf sich nehmen?

Ein Blick in die Fertigungshallen ließ uns die hohen Preise von Oyster etwas verständlicher werden. Da saßen eine Reihe von älteren Herren im Graumann, blinzelten über die runden Nickelbrillen hinweg und bearbeiteten Teakholzteile liebevoll mit dem Sandpapier. Ein anderer, einen zerknitterten Schaltplan in der Hand, stocherte mit dem Lötkolben in Kabelgewirren herum. Zeit schien keine besondere Rolle zu spielen und irgendwie erinnerte die ganze Szene an die Jack-Daniels-Whiskey-Reklame, wo ja auch die Zeit die Qualität reifen läßt. Und das äußere Erscheinungsbild von Oyster-Yachten ist ja auch bestechend.

Das Probesegeln mit einer Oyster 56 war satt und eindrucksvoll. Denn wie hier zwei Firmenangestellte den Riesenkasten aus dem engen Hafen mit Hilfe des Bugstrahlruders rausbugsierten, die Segel, auch das Groß, mit ein paar Knopfdrücken über die elektrischen Winden setzten, war schon lässig. Auch als es draußen richtig aufbriste, sieben Windstärken oder so, und wir gegen die hackige See anbolzten, dass die Seen reihenweise in der Frühlingssonne über das Vorschiff glitzernd einstiegen, vernahmen wir nur ein leises Summen und schon wieder waren Groß und Vorsegel den Windverhältnissen entsprechend eingestellt.

Und dabei saßen wir alle - vom Klappverdeck staubtrocken gehalten - im Cockpit. Das Ölzeug war nur wegen der Temperatur notwendig, selbst als die Oyster 56 krachend in die gegenlaufende See einsetzte. Ihr hohes Gewicht verlieh ihr die immer noch harmonische Bewegung, obwohl das Speedo bei beachtlichen 8 Knoten stand - gegenan bitteschön!

Aber: Als die beiden Sailors die Yacht mit dem Bugstrahlruder wieder zurückbugsiert hatten, wiesen sie stolz darauf hin, dass man auf diesem Drei-Stunden-Törn "nur" 10 Prozent der Batteriekapazität verbraucht habe.

Der "geschulte", trotzdem recht sympathische Verkäufer, gab sich alle Mühe, auch mich zu überzeugen, doch eine Oyster zu kaufen. Jedoch, ich ließ ich mich vorsichtshalber gar nicht darauf ein, nach einem Preis für eine 43er zu fragen. Mein Bekannter konnte sich (damals) auch noch nicht entscheiden, zu unterschreiben. Unser Verkäufer tat sich schwer, seine Enttäuschung darüber zu verbergen. Da spielte er einen letzten Trumpf aus. Am Steg waren inzwischen Fernsehaufnahmen für die Präsentation des neuen Jaguar Cabriolet im Gange. Unser Verkäufer deutete auf den von Scheinwerfern bestrahlten Steg und bot an: "Wenn Sie jetzt unterschreiben, dann bekommen Sie diesen Wagen als kostenlose Dreingabe!"

Logisch, die Antwort meines Bekannten, selbst gewiefter Geschäftsmann: "Dann muss die Verdienstspanne aber enorm sein?" Doch schlagfertig schüttelte sein Gegenüber den Kopf und verwies auf ganz besonders gute Beziehungen zu Jaguar. Inzwischen wurde ein Oyster 53 bestellt und mein Bekannter bekommt zum Preis von rund zwanzig Jaguars eine Yacht, die ihm sicher viel Freude machen wird.

Und wir hatten immer noch keine Yacht gefunden, selbst, wenn ich von meinen Vorstellungen einer "idealen Fahrtenyacht" erhebliche Abstriche machte. Eine Aluminium-Yacht sollte es ja ursprünglich sein. Und die einzige mir bekannte Werft (für meine Verhältnisse) war in Frankreich, nämlich Alubat. Die Werft, die die bekannten Sonata-Ovni-Yachten baut. Also, Termin vereinbaren und nichts wie hin!

Wie Schuppen von den Augen!

Angekommen in Les Sables, Atlantikküste, 100 Kilometer nördlich von La Rochelle, gab es erst mal lange Gesichter, als wir (Carla und Freund Kurt Ecker) in der Werft Alubat eintrafen. Man erzählte uns, von einer Terminsabsprache nichts zu wissen. Nach längerem Hin und Her, erklärte sich der Werftboss bereit, mit uns zu reden. Aber da war noch das sprachliche Problem. Kathrin, Angestellte bei der am gleichen Ort ansässigen Konkurrenz-Werft Feeling (Kyrie), wurde herbeigeholt, und sie sprang als Dolmetscherin mit exzellentem Deutsch ein. Ich kannte Kathrin, hatte ich sie doch vor 10 Jahren in Ägypten beim Eckercup kennen gelernt, als sie dort für den Representanten der Feeling-Werft ins Deutsche dolmetschte. Dessen Namen: Eric Tabarly. Seine Schweigsamkeit war berühmt und berüchtigt zugleich.

Das hatte der Werftchef von Alubat mit dem erst kürzlich ertrunkenem französischen Seehelden gemeinsam: Das Gespräch zog sich wie Kaugummi. Dabei war ich gut mit Informationen eingedeckt, hatte mich doch Jimmy Cornell, damaliger Veranstalter des ARC, entsprechend informiert. Der hatte sich kurz zuvor eine Alubat 435 (43 Fuß) eben in dieser Werft bauen lassen und war auch damit zufrieden.

Wir wollten eine 455 (45 Fuß) bestellen, weil mir vor allem das starke Aluminium gefiel. Sicher, die Yachten, die da auf dem Hof und in der Halle herumstanden, wirkten mit dem wuchtigen, doch praktischen "Überrollbügel" für Beiboot und Antennen am Heck, nicht gerade elegant. Auch die Kielschwert-Lösung war nicht nach unserem Geschmack, konnte ich mir nur schlecht vorstellen, auf einen Platz zu segeln, wo ich mich mit 1,30 Meter hintraue und mit zwei Meter nicht. Aber, wer weiß das schon?

Ich solle mal meine Sonderwünsche durchgeben, brummelte der Werftboß. Bis wann? Das habe kein Eile, die Lieferzeit sei ohnehin 2 Jahre!

Schwer zu glauben, wenn man immer das Gejammer hört über die schlechte wirtschaftliche Situation in Europa! Aber, das war kein Verkaufstrick, das war echt. Zwei lange Jahre? Zusätzlich an Land! Nein, bloß das nicht, wir wollten ja wieder lossegeln! Und besonders schön waren die Yachten auf dem Hof ja auch wieder nicht. So trösteten wir uns, als wir mißmutig von dannen zogen.

Nachmittags besuchten wir die Feeling-Werft. Charmant führte uns Kathrin durch die Hallen. Der "Duft" nach frisch angerührtem Polyester stieg in die Nase, was bei mir immer Sehnsucht nach der großen Fahrt erzeugt. Schließlich war unsere erste Weltumsegelyacht THALASSA mit ihren zehn Metern Länge auch aus GfK. Die schönen Feeling-Schiffe beeindruckten von der Bauqualität, waren aber vom technischen Layout nicht sehr nahe dran an meinen Vorstellungen. Deshalb schien es mir nicht möglich, meine Sonderwünsche hier zu realisieren.

So war also unser Ausflug nach Les Sables ein ziemlicher Reinfall und am anderen Morgen wollten wir nach Hause fliegen. Wir drängelten Kurt wegen des schlechten Flugwetters und wollten möglichst früh weg. Kurt hatte nur noch einen kurzen Termin in der Katamaran-Werft Jeantot, welche die vor allem in den USA renommierten Privilege-Katamarane herstellt. Na ja, war vielleicht mal interessant, schnell noch die Geburtsstätte von Katamaranen zu besichtigen. Wir hatten einige Ferien bei Wolfgang Hausner auf seinem Kat TABOO in den Cayman-Islands und auf den Philippinen verbracht und waren von den Segeleigenschaften dieses 17 Meter-Katamarans sehr beeindruckt. In Tahiti bin ich mit dem ersten Kat von Wolfgang, ebenfalls TABOO, und nur 10 Meter lang, rumgesegelt. Klasse! Aber wer kann schon solche Kats bauen? Einige Kats hatten wir auch auf den Weltumsegler-Ankerplätzen angetroffen und waren, natürlich, von dem Platzangebot immer wieder beeindruckt. Die Langfahrt-Yachties auf zwei Rümpfen ließen aber auch keinen Zweifel aufkommen, dass die erreichbaren Geschwindigkeiten, die Etmale bei all der Zuladung auf einer Langfahrtyacht im Bereich von guten Einrumpfyachten lagen.

Katherine von Jeantot, ein andere Kathrin, führte uns durch die Werft. Die Werfthallen von Jeantot waren neu. Paarweise glitzerten riesige Rümpfe im Scheinwerferlicht. In weißen Kluften bewegten sich freundliche Arbeiter mit Preßluft-Tools über die schwankenden Laufbretter zu den Rohbau-Kats. Im Salon einer 43er (Privilege 435) zählte ich mehr als ein Dutzend Leute, ohne, daß er überfüllt gewirkt hätte. Kann ich mal den Motor sehen? "Den Steuerbordmotor oder den an Backbord?"

Ein Blick in die Tiefe zeigte mir ziemlich verlassen den Yanmar-Vierzylinder mit irre Platz drumherum. Listig warf Katherine ihr Netz aus: "Weil wir keine so große Werft sind, können wir auch bestens Extrawünsche erfüllen!" Meine Gegenfrage: "Hat einer Eurer Kats schon mal umgeschmissen?"

Das war ja wohl etwas, was - natürlich - jeder Kaufinteressent fragt. Und so konnte es sich Katherine, ganz Verkäuferin, leisten, das Thema von sich aus nicht anzurühren, auf sich zukommen lassen: "Wir haben 350 Yachten gebaut, und noch nie ist eine gekentert!". Ich war kein Kaufinteressent, aber ein paar Prospekte und Preislisten sollte ich wohl mitnehmen. Schadet ja nichts.

Zu Hause besorgte ich mir ein Video von einer Atlantiküberquerung mit einer 50-Fuß-Privilege. Drei Stunden lang hatte da ein Segler die Kamera draufgehalten. Ungeeignet für einen Familienabend, mich aber faszinierte das Video. Da sah man zum Beispiel eine fröhliche Gruppe Männer beim Frühstück am Tisch sitzen und von hinten rollten mit 7 Beaufort gischtige Seen heran. Die Obstsaftgläser blieben eisern stehen, auch die Kaffekanne, aus der gelegentlich der Kaffee hochspritzte. Ich schnitt mir eine Filmszene zurecht: Linkes Halbbild: Blick auf den Frühstückstisch bei 7Bft auf dem 50-Fuß-Kat. Rechtes Halbbild: Blick auf das Cockpit der 56-Fuß-Sarita, ebenfalls bei achterlichen 7 Bft! Schienenkat und Rolling Home standen sich gegenüber.

Ein Abstecher zur Bootsmesse nach Cannes verunsicherte weiter. An einem der großen Stege lagen mindestens 20 Katamarane, keiner unter 40 Fuß, meistens größer. Es scheint eine riesige Gemeinde von Kat-Fans zu existieren, jedenfalls drängten sich die Menschen auf dem Steg, stießen Begeisterungsschreie beim Betreten der riesigen Kat-Salons aus.

Ja, "betreten" ist das richtige Wort. Da, wo man beim Monohuller, in den Salon, sozusagen "in den Keller" steigt, öffnet man beim Kat die Türe - und geht rein. Und dann der Sicherheitsaspekt: Ruderbruch? Beim Kat gibts zwei davon! Was ist, wenn die Maschine verreckt? Siehe oben. Wie viel wiegt eigentlich so ein Kat? Um die 12 Tonnen. Nicht viel für ein Schiff mit 14.30 Länge (und 7.40 Breite)! Na klar, es muß ja auch kein Blei transportieren wie eine Einrumpfyacht. Nur ein Aber, ich machte mir keine Illusionen: Das mit der völligen Unempfindlichkeit gegen Seekrankheit stimmt nicht ganz, schließlich nimmt der Kat jede größere See zweimal. Trotzdem: Mein Freund Martin kotzte sich die Seele aus dem Leib, was ihn zwang, das Segeln aufzugeben. Dann probierte er es nochmals mit einem Kat, und siehe da, das Segeln hatte ihn wieder.

All das ging mir in diesen Tagen durch den Kopf: Du wirst doch nicht...? Na ja, wenn man all dies bedenkt, und die langen Lieferzeiten bei Einrumpfschiffen, und die zwei Ruder und Maschinen, und das Platzangebot und der Preis, der gerade für ein Einrumpfboot gleicher Länge, nicht Breite, gereicht hätte - und die fehlende Krängung (ich war nie begeistert von den schrägen Vögeln unter den Hochseeyachten), also, wenn man allmählich eine Einrumpfyacht als halben Katamaran ansieht mit ihrem Segelangebot auf der Kante oder im Keller, dann sollte man sich vielleicht das Ganze doch mal überlegen!

In Wirklichkeit hatte uns das Katfieber schon längst erfasst und wir waren taub geworden gegenüber den Warnungen unserer Freunde: "Katamarane sind keine richtigen Segelschiffe!" Aber da waren eine Reihe von Kats um die Welt gesegelt, Kollege Kaluscha und Bullmer aus München, die Fallado ums Kap Hoorn und vor allem Wolfgang Hausner, die hatten doch alle prächtige Reisen mit ihren Kats gemacht - und nicht nur in Schönwettergebieten!

Warum also nicht selbst auf Weltumsegelung gehen und offen vergleichen mit unseren früheren Weltreisen auf Einrumpfschiffen? Inzwischen steht der Liefertermin für die neue THALASSA, einer Privilege 465 von Jeantot.Die Farben auch schon: Wie bei unserer früheren THALASSA II: Weiß mit roten Längsstreifen!

 

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