YACHT-Leser fragen, Bobby Schenk antwortet


Frage von Karlheinz Kastner

Lieber Karlheinz Kastner,

die Frage ist wohl berechtigt. Aber nicht so leicht zu beantworten, denn die Erfordernisse sind von Land zu Land nicht immer gleich und niemand ist davor geschützt, auf einen Beamten zu treffen, der beim Frühstück Gnatsch mit seiner Frau gehabt hat und nunmehr seinen Frust an den Yachtsleuten auslässt, die ohnehin keiner geregelten Arbeit nachgehen und ohnehin nur Ärger machen.

Aber unter "normalen" Verhältnissen reichen wenige Papiere aus.

Ein Muss ist selbstverständlich der gültige Reisepass mit dem entsprechenden Visum, falls ein Land ein solches verlangt. Man glaube nicht, dass man halt mal einfach hinfährt und dann weitersieht. Manche Länder nehmen das bitter ernst, beispielsweise Australien. Dort könnte schon passieren, dass man erst gar nicht anlanden darf, wenn das notwendige Visum fehlt. Zumal man es sich vorher innerhalb von Minuten aus dem Internet besorgen kann, zumindest für die ersten drei Monate. Freilich gilt das nur, wenn man zu den "guten Ländern" zählt. Das Internet ist auch die beste Quelle, sich über Visumserfordernisse zu erkundigen. Und sei es per Email mit anderen Yachtsleuten voraus, die das Land kurz vorher schon angelaufen haben. 

Man achte auch darauf, dass das Passfoto einigermaßen mit der Wirklichkeit übereinstimmt. In den USA hatte ein Skipper einmal erhebliche Schwierigkeiten, als er sich vor Erscheinen der Immigration-Leute landfein gemacht hatte und den Beamten sein glattrasiertes Kinn präsentierte, während das Bildchen im Pass einen vollbärtigen Seemann zeigte. Nur mit Mühe waren die Herrschaften in Uniform von der Identität zu überzeugen. "Umgekehrt" wärs mittels Rasierklinge leichter gewesen.

"Schiffspapiere" sind ein Muss! Wer im Seeschiffsregister eingetragen ist, hat es leicht, denn er hat das "beste" Schiffspapier. Wir geben ungern das Orginal aus der Hand, denn viele Marinas und auch manchmal die Behörden verlangen die Hinterlegung für die Dauer des Aufenthalts, was für den Zustand dies wertvollen Papiers nicht gerade förderlich ist. Und murren, wenn man ihnen offensichtliche Kopien in die Hand drückt.

Bis jetzt hat mir noch jedes Mal die Behauptung geholfen, das Original wäre zu Hause. Besser ist es wohl, eine schöne Farbkopie anzufertigen und diese auszuhändigen, weil sie nicht so leicht als Kopie zu erkennen ist. Wer in keinem Schiffsregister eingetragen ist, verwende einen Standerschein (zum Beispiel vom Transocean oder vom österreichischen YCA) oder auch von einem anderen Verein, notfalls vom ADAC. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das zu ernsthaften Schwierigkeiten führen wird. Allerdings ist in diesem Fall zu empfehlen, dass irgendein Eigentumsnachweis für die Yacht greifbar ist, zum Beispiel der Kaufvertrag oder die Rechnung für das Schiff.

Viele Länder verlangen zwingend eine Haftpflichtversicherung für das Schiff und einen Nachweis darüber, dass sie gültig ist. Nachdem eine solche preiswerte Versicherung sich ohnehin empfiehlt, sollte man sie abschließen und den Nachweis darüber an Bord mit sich führen.

Nach weiteren Papieren für das Schiff, zum Beispiel für die Funkanlage, bin ich noch nie gefragt worden. Sehr oft aber nach der Funkanlage selbst und dem Rufzeichen. Vernünftigerweise haben aber derartige Fragen nicht den Zweck, die Berechtigung zu kontrollieren, sondern entspringen der Fürsorge für die Besucheryacht, berücksichtigen ausschließlich den Sicherheitsaspekt.  

Ebenso bin ich erst ein einziges Mal (ausgerechnet in der Türkei) nach einem "Schein" für den Skipper gefragt worden. Das liegt daran, dass es eine Reihe von Ländern, auch in Europa, gibt, in denen ein solcher staatlicher(!) Befähigungsnachweis schlicht nicht existiert und somit auch nicht verlangt werden kann. Empfehlenswert wäre aber trotzdem, irgendeinen Schein in der Hinterhand zu haben, selbst wenn dieser "offiziell" nicht anerkannt ist. Der Beamte in Vanuatu wird nicht in der Lage sein, das zu beurteilen und wird sich das deshalb auch nicht anmaßen.

Was anderes ist es, wenn Waffen an Bord sind. Heute ist man in diesen Fragen viel sensibler als noch vor ein paar Jahren und so empfiehlt es sich, dazugehörige Papiere präsentieren zu können. Der Europäische Waffenpass beispielsweise hat, wie der Name sagt, nur in Europa Gültigkeit, wird aber von den Behörden durchaus anerkannt, zumal er - im Gegensatz zu den deutschen Waffenscheinen (Waffenbesitzkarte) - mehrsprachig ist. Hierbei fällt auf, dass wir beim Thema Waffen eine ähnliche Situation wie bei den Segelscheinen haben, dass nämlich in manchen Ländern (USA) keine besonderen Papiere für die einfacheren Waffen notwendig sind. Aber eine Schusswaffe ist eben heikler.

Weitere Papiere sind nicht notwendig. Aber sehr empfehlenswert ist es, auf dem Computer ausdruckfertige Crewlisten (mit Passnummer), sowie ein Verzeichnis sämtlicher elektronischer und optische Ausrüstungsgegenstände parat zu haben, was beispielsweise in Neukaledonien verlangt wurde. Und zwar mit Seriennummer und Beschreibung. Es spielt für die Laune der Beamten an Bord eine große Rolle, ob sie innerhalb von Minuten derartige Listen bekommen oder ob sie Stunden darauf warten müssen, bis der Skipper von den Objektiven seiner Fotoapparate die Nummern abgeschrieben hat.

Ebenfalls hilfreich sind Listen von den Spirituosen und den Zigaretten an Bord. Man kann sich leicht vorstellen, dass es einigen Beamten (und der Crew) nicht gefällt, wenn sie in engen Schapps die Schnapflaschen zählen müssen.

Beamte, die mit den notwendigen Listen schnell bedient werden, verlassen das Schiff in garantiert besserer Laune, was ja uns wieder zugute kommt.

Im übrigen haben wir ganz selten Beamte erlebt, die uns das Leben schwer gemacht haben. Was auch daran liegt, dass es umgekehrt nicht anders war.

Smooth sailing!
Bobby Schenk

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