YACHT-Leser fragen, Bobby Schenk antwortet


Frage von Stähli Heinrich

Hallo Herr Stähli,

die Antwort haben Sie sich fast schon selbst gegeben. Indem Sie nämlich geschrieben haben, Sie wollen "elektronische" Geräte betreiben. In dieser Allgemeinheit kommt dafür nur reiner Sinusstrom in Frage, damit Sie beim Betrieb von "elektronischen Geräten", datunter fallen auch schon Geräte mit elektronischer Regelung eine einwandfreie Funktion der Geräte (TV, elektronisch geregelte Bohrmachinen und was es sonst noch alles gibt) bekommen.

Ein Inverter - zu deutsch Wechselrichter - macht aus 12-Volt-Gleichstrom 220-Volt-Wechselstrom. Auf den ersten Blick eine geniale Sache, , jedenfalls so wie diese Geräte auf den Bootsausstellungen demonstriert werden. Da steht - meist eine vergammelt aussehende - 12-Volt-Batterie herum, an die mit zwei großen Klemmen der "Inverter" mit seiner Haushaltssteckdose angeschlossen ist. Abwechselnd steckt dann der Verkäufer irgendein "Powertool" (motorbetriebenes Werkzeug), also Bohrmaschine, Schwingschleifer oder ähnliches rein, das dann gleich lossurrt.

Dass dabei gigantische Strommengen aus der Batterie entnommen werden und dass die Batterie sicher jeden Tag(!) an der Steckdose hängt, das bindet der smarte Verkäufer dem Publikum nicht auf die Nase. Eine kleine 400-Watt-Bohrmaschine saugt aus der armen Batterie nämlich schon an die 35 Ampere. Wenn sie läuft.

Freilich, preiswert sind diese Wechselrichter. Mit ein paar hundert Euro ist man schon dabei, also viel weniger, als man für einen Jockel, oder gar Generator ausgeben müsste.

Aber: Schon wenn der Bohrmaschine eine elektronische Drehzahlregelung vorgeschaltet ist, dann kann es sein, dass so ein einfacher Inverter, der nur Wechselstrom mit modifizerter Sinusform (Trapezform) produzieren kann, die Bohrmaschine nicht mehr schafft.

Generell kann man dagegen sagen, dass Wechselrichter mit einem reinen sinusförmigen Wechselstrom alle Geräte betreiben können, die wir auch von zu Hause kennen, also Stereoanlagen, Fernseher, DVD-Player, Ladegeräte aller Art - um nur einige zu nennen, die heute selbstverständlich auf nahezu allen Yachten, vor allem auf jenen in "Ihrer" Größe zu finden sind.

Die Qualität des Stroms ist das eine Problem, die Anzahl der Ampere das andere. Denn: Viele Wechselstrom-Geräte, die mit einem Motor betrieben werden, benötigen einen erheblichen Anlaufstrom, der nicht ein paar Prozent mehr Strom beträgt, sondern ein Vielfaches vom vom benötigten Dauerstrom. Der Leiter einer Firma, die Kühlanlagen in Yachten und Fischerboote einbaut, hat mir verraten, dass sie in ihrem Betrieb für den AC-Kühlkompressor sicherheitshalber das Sechsfache(!) des normalen Stroms als Anlaufstrom kalkulieren. Danach wäre - so man den 600-Watt-Kühlkompressor mit Wechselstrom aus der Batterie betreiben möchte, ein Inverter mit einer Spitzenleistung von 3,6 KW nötig, der beim Anlaufen des Kompressors immerhin gigantische 300 Ampere zieht, also in der Größenordnung eines Anlassermotors liegt!

Grundsätzlich gilt für Yachten "unserer" Größe: Wechselrichter, die so eine Leistung - Sinusstrom, Spitzen über 3 KW - bringen, sind preislich schon in einer Gegend von ein paar tausend Euro angesiedelt. Aber er rentiert sich für eine 44-Fuß-Yacht!

Eines lässt sich generell sagen: Inverter eignen sich nicht zum Heizen oder Kühlen - soviel Strom gibt es nicht auf Segelyachten.

Seit elektronisch geregelte Wechselrichter (früher wurden Dynamos per Gleichstrommotor von der Batterie angetrieben) in ihrem Wirkungsgrad zwischen 80 ind 90 Prozent liegen. ist bei vielen elektronischen Geräten nicht mehr einzusehen, warum entweder ein spezieller Yacht-DVD-Player für 12 Volt angeschafft werden muss, wenn auch ein preiswerter Player  aus dem Sonderangebot des Elektronikmarkt für 50 Euro aus der Steckdose des Inverters betrieben werden kann. Mühselige Umrüstungen auf 12 Volt entfallen damit und bei den 20 Watt Verbrauch, fällt auch der Stromhunger nicht besorgniserregend ins Gewicht. Dieser Text entsteht im Moment auf einem Computer, der mit seinem 220-Volt-Lader am Inverter hängt. Die Ampereanzeige für die Batterieladung steht - dank der Solarzellen - deutlich im Plus.

Es ist ein gutes Gefühl, im Supermarkt jedes Gerät mitnehmen zu können, das anderen an Land die Arbeit erleichtert und den Lebenskomfort erhöht: Stichwort Mikrowelle. Von Ahnungslosen immer noch als Symbol der Verweichlichung und Luxus an Bord von Yachten genannt: So ein Schmarrn! Im Sonderangebot kostet so ein Ding keine 100 Euro mehr, bringt aber an Bord ein große Menge von Vorteilen: Innerhalb von ein paar Minuten ist das Teewasser erwärmt, eine Suppe gekocht, das Fleisch aus der Kühlung aufgetaut. Und zwar ohne übermäßige Hitzeentwicklung in der Kajüte, was besonders in den Tropen ein großer Vorteil ist. Außerdem erspare ich mir die offene Flamme des Gaskochers mit seinen (unsichtbaren) Problemen.

Der lautlose Wechselrichter hat aber sogar in der Marina Vorteile. Fliegt dort, was nicht gerade selten ist, die Sicherung raus, lässt sich mit dem Inverter für die Übergangszeit der gewohnte Komfort aufrecht erhalten!

Und noch ein Vorteil fällt mir ein. In manchen Yachthäfen in Übersee gibt es ja die skurrilsten Stromangebote - siehe hier. In Tahiti waren es 220 Volt und 60 Hertz. Was der Waschmaschine an Bord gar nicht schmeckte. Mit dem Inverter kein Problem. Denn der im Inverter integrierte Batterielader zeigt sich von den "60 Hertz" unbeeindruckt, während er die Waschmaschine mit 220 Volt und 50 Hertz versorgte!

Mit freundlichen Grüßen!
Bobby Schenk

 
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