YACHT-Leser fragen, Bobby Schenk antwortet


Salve St.Rott,

da, befürchte ich, kann ich Ihnen keine Patentlösung anbieten. Zumal dieses Problem ja noch nicht mal an Land gelöst ist, wenn Ihre Abfalltonne geleert wird. Der Müll löst sich ja anschließend nicht in reiner Luft auf, wenn er bei Ihnen zu Hause abtransportiert wird.

Außerdem werden wir zu unterscheiden haben, wie sich das Müllproblem auf einem Tagestörn oder auf Langfahrt darstellt.

Bei Tagestörns werden Sie den Müll wieder dahin bringen, wo Sie ihn zusammen mit dem Proviant geholt haben, nämlich an Land. Marinas nehmen Ihnen dieses Problem mehr oder weniger willig ab. Wirtshäuser in Ankerbuchten ebenso, wenn Sie dort auch Ihr Geld lassen und nicht bloß den Wirten den Müll vor die Tür schmeißen. In der Türkei wird der Müll in den Ankerbuchten von kleinen Booten abgeholt, in vielen Revieren am Mittelmeer ist das ähnlich.

Mit ganz anderen Problemen haben Sie es auf Langfahrt zu tun, wenn Sie wochen-, ja monatelang unterwegs sind. Wie Sie richtig schreiben, geht es nicht, auch nur den Müll von 14 Tagen in der Küche, sprich "Kombüse" zu lagern. Auf dem Boot auch kaum, was bis vor 20 oder 30 Jahren dazu geführt hat, dass jeglicher Müll über Bord von Yachten gegangen ist. Das war zu einer Zeit, als man sich in dieser Hinsicht allgemein keine Gedanken gemacht hat. Auch die Politiker bei uns zu Hause nicht, wobei ich daran erinnern darf, dass das berühmte SPD-Parteiprogramm, maßgeblich noch in den siebziger Jahren, benannt nach Godesberg, weder die Worte "Natur" noch "Umwelt" enthalten hat. In der Großschifffahrt gab es damals nur Müllschlucker, die geradewegs in den größten Müllcontainer der Welt geführt haben, nämlich ins Meer.

Heute ist es anders, auch auf Yachten. Da gilt es erstens, so wenig müllproduktiv wie möglich zu sein. Das geht beim Einkauf im Supermarkt an, wo wir am besten - und so weit wie irgendwie möglich - das Verpackungsmaterial gleich an Land lassen. Wo es unvermeidbar ist, und wo wir die Wahl haben, entscheide man sich für Metall und gegen Plastik. Denn das Meer wird mit Metall leichter fertig als mit Kunststoffen. Denn irgendwann wird die Dose doch im Meer landen. Das gilt vor allem in Inselgebieten. Denn die Menschen in abgelegenen Gebieten haben ja genau die gleichen Probleme mit dem Müll, wie wir auch. Machen wir uns nichts vor: Wenn wir Insulaner einer Südseeinsel, wo eine Müllabfuhr schlicht nicht existiert, mit unserem Müll "beglücken", dann werden - je nach Fortschritt der Zivilisation - unsere Müllsäcke auf der anderen Seite der Insel wieder dem Meer übergeben, oder der Müll per Feuer in die Atmosphäre gejagt. Soweit der Müll verbrennt. Und Blech- oder Alu-Dosen tun das ja bekanntlich nicht.

Man kann sich Teile des Mülls auch entledigen, ohne ein allzu schlechtes Gewissen haben zu müssen. Dazu gehören alle "verderblichen" Waren - ja, auch Fäkalien, die ja ohnehin außenbords entsorgt werden. Das Meer wird im Wege des Abbaus schon mit ihnen fertig, diesbezüglich ist die Selbstreinigungskraft der Ozeane in den Gegenden, wo sich gemeinhin die Blauwassersegler aufhalten noch voll intakt. Bevor nun der eine oder andere einen hysterischen Anfall kriegt, sollte er bedenken, dass beispielsweise nur Französisch Polynesien in der Südsee die Fläche von ganz Europa bedeckt, aber nicht eine Einwohnerzahl von weit über einer halben Milliarde von Menschen, wie hier, dort leben, sondern nicht mal dreihunderttausend Menschen; und Industrie, die schlimmste Umweltvernichterin, gibt es so gut wie keine.

Das gilt natürlich nicht für die stark frequentierten Gewässer am Mittelmeer. Aber man wird dort ja nicht tage- oder wochenlang dort auf See sein, ohne Möglichkeit zur Abfallentsorgung.

Wenn man also möglichst wenig potentiellen Müll an Bord nimmt, biologischen Müll den Fischen überlässt und den Restabfall händisch zusammenpresst, wie man es bei Bierdosen ja schon gewohnt ist, so werden die Abfallsäcke nicht so voluminös werden, dass kein Platz mehr für den Seetransport zum nächsten Ziel ist. Aber, damit hat man das Problem ja nur weitertransportiert und man honoriere den Gastgeber (Marina, Hafen, Insulaner) großzügig, damit er einem das Problem dann auch abnimmt. Weil es eine Patentlösung im Moment nicht gibt.

Immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel

Bobby Schenk

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