YACHT-Leser fragen, Bobby Schenk antwortet


2.4.2013

Guten Tag, Gitta und Rainer,

hören Sie auf die "bessere Hälfte"! Und auf den Voreigner!

Es ist jammerschade, dass die großen Werften Ihre Yachten nicht serienmäßig mit einem Tagestank ausstatten. Aber die Gründe liegen auf der Hand: Kostet nur Geld, das preistreibend in die Kalkulation eingeht, und der Käufer kann den Mehrwert dieser Installation gar nicht ermessen - so wie Sie!

Aber, man sollte sich doch fragen, warum viele Berufsfischer (Eigner von mittleren Fischerbooten - so unter 20 Meter) einer solchen Installation vertrauen? Nebenbei: Meine letzten zwei Yachten, darunter ebenfalls eine Suncost, hatten selbstverständlich einen Tagestank. Bei dem Privilege-Katamaran habe ich auf einem Einbau eines Tagestanks bestanden. Dabei habe ich zunächst feststellen müssen, dass die Werft eine solche Modifikation nicht sehr häufig vornimmt. Weil die zukünftigen Eigner den Wert solcher Ausrüstung gar nicht schätzen oder eben nicht kennen.

Was ist nun ein Tagestank? Nein, er ist nicht dafür da, den Sprit für einen Tag zu liefern. Den Namen hat er im übertragenen Sinne, nämlich ein Tank für kürzere Strecken, für überschaubare Zeitabschnitte. Das ist aber nicht das Wesentliche eines solchen Diesel-Vorratsbehälters. Er wurde "erfunden", um bei Dieselbetrieb von einer störanfälligen Förderpumpe unabhängig zu sein. So führen selbst kleine Undichtigkeiten zum Ansaugen von Luft und dadurch zum Stillstand der Maschine. Deshalb pumpt man eine vergleichsweise geringe Menge Diesel in den Tagestank, der über der Maschine angebracht ist. Von dort aus kann dann der Brennstoff auf Grund seiner Schwerkraft ohne Einschaltung einer Förderpumpe zur Einspritzpumpe des Diesels fließen.

Ob das Umtanken vom Hauptdieseltank in den Tagestank per Handpumpe oder per Elektropumpe erfolgt, ist zunächst gleichgültig. Am besten, aber nicht notwendig ist beides. Auf meiner 15-Meter-Yacht THALASSAII musste per Hand gepumpt werden, was aber quasi selbsterzieherischen Hintergrund hatte: Wer nicht segelt, sondern mit der Maschine rumfährt, soll auch dafür körperlich arbeiten.

Die Unabhängigkeit einer Förderpumpe ist aber nicht der einzige Vorteil eines Tagestanks. Mit keinem anderen System lässt sich auf so einfache Weise der Dieseltreibstoff auf Reinheit und Menge kontrollieren. Zwar kann man damit nicht exakt den Verbrauch messen, denn ein Teil des Diesels, der der Maschine zugeführt wird, fließt ja in den unter der Maschine liegenden Haupttank zurück. Aber man bekommt mit der Zeit ein gute Idee für die Reichweite, denn am Schauglas des Tagestanks lässt sich die Menge ziemlich genau ablesen, ohne auf eine mehr als ungenaue Füllstandsanzeige des Haupttanks angewiesen zu sein. Siehe Abbildungen (entnommen meinem Buch Blauwassersegeln).

Deshalb ist auch die Gefahr des Leerfahrens des Tanks (und des damit verbundenen Stillstandes der Maschine) gering, wenn man die Füllstandröhre des Tagestanks im Auge behält. Ja, man kann den Haupttank bis zum letzten Tropfen leerfahren. Am Tagestank lässt sich dann die Qualität des Diesels beurteilen, ob Dreck oder Wasser in ihm ist. Was man dann über die Drainage am Boden des Tagestanks ablassen kann. Gemeinhin traut man sich ja nie, den Haupttank (fast) leerzufahren, weil man ja immer Dreck und Wasser am seinem Boden - zu Recht - vermutet. Dies auch dann, wenn man noch so sorgfältig den Diesel bei seinem Einfüllen filtert. Hinzu kommt, dass bei lang benutztem (Haupt-)Tank die Gefahr besteht, dass sich Bakterien am Boden des Tanks im dortigen Wasser (das sich nie ganz vermeiden lässt) bilden, die dann zum Verstopfen der Filter, aber auch der Leitungen führen können. Die Maschine bleibt dann stehen - und das garantiert im unpassendsten Moment. Zwar schützt hiervon auch der Tagestank nicht hundertprozentig, doch ist die Gefahr ungleich geringer, als ohne Einschaltung eines "Zwischentanks".

Noch zwei Vorteile: Der Haupttank lässt sich zum Zwecke der Reinigung komplett leerpumpen, ohne dass die Funktionsfähigkeit der Maschine in Frage gestellt ist - solange sich noch Treibstoff im Tagestank ist. Mal ehrlich, zahlreiche Eigner reinigen niemals den Haupttank und verlassen sich darauf - mit leicht mulmigen Gefühl - , dass unten am Boden des Tanks schon "alles in Ordnung". Wie läßt es sich sonst erklären, dass in einigen Marinas Firmen sind, die sich auf Tankreinigungen spezialisiert haben?

Und schließlich: Wenn man am Tagestank eine gefilterte Rückleitung zum Haupttank installiert, lässt sich ein Kreislauf des Treibstoffs erreichen, mittels der man den Diesel "reinigen" kann, indem man (dann aber elektrisch) in Zeitabständen den Diesel umpumpt. Am sinnvollsten geschieht unterwegs, wo durch die Schiffsbewegungen Wasser und Dreck im Diesel am Boden des Haupttanks hochgewirbelt werden. Australische Fischer nennen das "polishing"

Auf einen Nachteil des Tagestanks muß hingewiesen werden. Bricht im Maschinenraum Feuer aus, das die Treibstoffleitung zur Hauptmaschine zerstört, so findet das Feuer erst recht durch den auslaufenden Diesel Nahrung. Deshalb setzt die sachgemäße Installation eines Tagestanks voraus, dass in diesem Falle der Tagestank automatisch zugesperrt wird. Die Füllstandsröhre sollte ohnehin mit einem Sperrventil gesichert sein, das nur bei Kontrollen aufgemacht wird.

Aber ansonsten ist der Tagestank ein feine Sache!

Mit freundlichen Grüßen

Bobby Schenk

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