YACHT-Leser fragen, Bobby Schenk antwortet


3.2.2014

Sehr geehrter Herr Lohner,

die Anführungszeichen bei der "idealen" Langfahrtyacht verraten schon, dass Sie sich im Klaren sind: Eine absolute Antwort auf diese Frage kann es nicht geben. Höchstens ein paar Anmerkungen.

Betrachten wir die Problematik zunächst ohne den (ganz wichtigen) Aspekt der Finanzierung und der Kosten. Anschließend kann ich mich immer noch fragen: Kann/will ich mir so eine Yacht leisten?

In der Szene gibt es alles - von Prunk bis Exotisch

Wenn man hier an den Küstengewässern segelt, vermag man sich kaum vorzustellen, welche Boote unter Segeln auf den Weltmeeren unterwegs sind. Sehen wir uns nur die PETER PAN an, die immerhin von Schweden über Australien nach Thailand von ihrem nicht so jungen Skipper gesegelt wurde - was, nebenbei gesagt, für eine meisterliche Seemannschaft spricht. Aber wer von uns würde sich das schon zutrauen?

Oder betrachten wir den doch sehr kurzen offenen und zusammenlegbaren Katamaran, mit dem zwei junge Amerikaner  über die Karibik bretterten. Sowas käme für mich erst recht nicht in Frage, nicht einmal vor einigen Jahrzehnten.  Sie hören schon heraus, dass die Größe einer Yacht von der Sportlichkeit ihrer Mannschaft abhängt. Auch wenn es mancher Küstensegler nicht glaubt: In einem bestimmtem Rahmen ist eine Fahrtenyacht umso einfacher und bequemer zu handhaben, je größer sie ist. Die Schiffsbewegungen sind naturgemäß ruhiger, der Komfort ist größer und im Gegensatz zu den Anfangszeiten der Blauwassersegelei benötigen große Segelflächen keine muskelbepackten Arme mehr. Die mächtigen Dreigang-Winschen, ob per Hand bedient oder elektrisch/hydraulisch angetrieben, machen es möglich.

Das Lebensalter bestimmt mit

Selbstverständlich gibt es Grenzen nach oben. Denn wir wollen ja unabhängig bleiben auch von einer "fremden" Crew. Aber innerhalb dieser Bandbreite kann ich mit Zahlen aufwarten. Die Engländer haben dafür schon vor vielen Jahren eine Formel gefunden. Sie besagt: Die Länge einer Fahrtenyacht in Fuß soll dem Alter des Skippers entsprechen. Das kommt den wahren Gegebenheiten schon sehr nahe. Die meisten Yachten um die 60 Fuß werden von ähnlich alten Skippern gesegelt. Ausnahmen bestätigen die Regel. In dieser sehr angenäherten Formel steckt auch der Hinweis, dass größere Yachten auch bequemer sind. Nach unten gibt es, wie die Peter Pan zeigt, kaum Grenzen, auch wenn mir so ein Schiffchen immer schon viel zu klein gewesen wäre - unabhängig von meinen Lebensjahren.

Nach oben allerdings sieht es anders aus. Yachten über 60 Fuß hätte ich mir niemals zugetraut, auch und vor allem, jetzt kommt doch das Geld ins Spiel, wegen der Kosten und Reparaturen, die bei einer solchen Schiffsgröße und Kompliziertheit einer solchen Maschine unausweichlich sind. Darüber hinaus braucht es eine (bezahlte) Crew und viele Euros. Sicher sind einige übergroße Yachten auf den Weltmeeren auch ohne Crew unterwegs, aber sie sind nicht mal im einstelligen Prozentbereich. Ein Beispiel für diese Außenseiter ist das Ehepaar, das sich die einstige erfolgreiche (Siegerin beim Whitbread Race um die Welt) 25 Meter lange Flyer angeschafft hat. Mutig!

Der Rahmen wird also abgesteckt nach oben, so um die 15 Meter. Und jetzt hilft ein Blick auf das Bankkonto. Ich persönlich würde mir bis 14 Meter leisten, je größer umso besser - das Alter macht die Yacht größer. Nach unten, und das ist wieder ganz subjektiv, wäre bei mir mit neun Metern Schluss gewesen - wohlgemerkt fürs Blauwassersegeln.

Sicherheit?

Und die Sicherheit, steigt die nicht mit der Größe einer Yacht? Halten wir doch fest: Solange eine seegehende Yacht nicht kentern kann und auch ansonsten nicht sinkt solange die Schale heilbleibt, ist sie nach unseren Maßstäben "sicher". Dabei spielen ein paar Meter Schiffslänge hin oder her keine Rolle. Es mag sein, dass einer kleineren Yacht schon wenige Sturmstärken zusetzen, doch wird dies wegen der heftigen Schiffsbewegungen mehr subjektiv empfunden. Andererseits ist die kurze Yacht der langen überlegen, wenn es um die Flexibilität bei Hafenmanövern oder am Ankerplatz geht.

Anders allerdings sieht es bei Mehrrumpfbooten aus, die ja konstruktionsbedingt nicht kentersicher sind. Da sinkt diese Gefahr mit zunehmender Größe, weil das Kentern eine Folge der Höhe, der Steilheit der See und - nebenbei des Windes ist. Hier würde ich(!) für mich eine Grenze von 12 oder 13 Meter nach unten setzen.

Der Bereich der "besten" Größe ist also ziemlich weit und das ist gut so, denn es ermöglicht zahlreichen jüngeren Leuten die Welt auf die schönste aller Reisearten kennen zu lernen, nämlich unter Segel auf den Ozeanen. Das wünsche ich Ihnen auch.

Herzliche Grüße

Bobby Schenk

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