YACHT-Leser fragen, Bobby Schenk antwortet


22.4.2014

Sehr geehrte Frau Susanne P.,

interessante Fragen!

a) Üblicherweise wird man anstreben, dass die Kette des Hauptankers und die Trosse des Zweitankers (ich geh davon aus, dass Sie nur Trosse ausfahren, Kette geht nicht) einen Winkel so um die dreißig bis sechzig Grad bilden. Viel größer sollte der Winkel nicht sein, denn die Belastung der beiden Ankergeschirre wächst mit der Größe des Winkels, wenn der Wind genau von Vorne kommt. Man könnte nun mit ein paar Winkelfunktionen leicht ausrechnen, welcher Schwojwinkel sich rein geometrisch daraus ergibt. Aber das wäre graue Theorie und man müsste auch die Länge von Kette und Trosse in Rechnung stellen. Außerdem bestünde bei einem großen seitlichen Einfallswinkel die Gefahr, dass die Yacht - und damit Trosse oder Kette über den anderen Anker hinwegtreiben. Zu berücksichtigen ist auch, dass die sich Windrichtungen in der Praxis stark verändern können, selbst dann, wenn wir einen "stetigen" starken Wind haben. das ist eben Natur und kein Test im Windkanal. Ändert also der Wind sehr stark die Richtung, erkennbar auch an der stetig durchhängenden Trosse oder Kette, sollten wir in den sauren Apfel beißen und einen der Anker, am besten den mit der Trosse neu ausbringen.

b) Bei einigen hundert Ankermanövern kann ich mich nicht erinnern, jemals den zweiten Anker nicht per Beiboot ausgefahren zu haben. Und damit hab ich ausschließlich gute Erfahrungen gemacht. Meine Zweitanker haben ein Gewicht bis 25 Kilogramm gehabt und ich hab nie erlebt, dass mir das "Aushebeln" (griffiger Ausdruck, den Sie da gebrauchen) mittels Bananaboot nicht gelungen ist. Allerdings hab ich zu diesem Manöver zuletzt das größere Bananaboot benutzt. Die Hebelkraft, die Sie durch Gewichtsverlagerung im Beiboot - nach Dichtholen und "Belegen" über die Kante der Beiboot-Seitenwand erzeugen können, ist ganz enorm. Wichtig ist hierbei Geduld, vor allem dann, wenn sich der Anker im Schlick festgesogen hat. Meist sieht man es an den aufsteigenden Luftblasen, dass der Anker "kommt". Ungeduldig sollte man nicht werden, wenn sich nicht gleich was rührt. Und erst recht erzielt man keinen Erfolg, wenn man mit den Armen an der Trosse reißt. Die Hebelwirkung des Beibootes ist ungleich stärker, als man allein durch Muskelkraft Erfolg haben kann. Man sollte jedenfalls beim Bananaboot sich nicht dadurch irritieren lassen, dass die Seitenwand "einknickt". Das macht dem Klappboot nichts aus.

Also, auch einen 30Kilogramm-Anker würde ich mir für dieses Manöver gerade noch zutrauen. Selbstverständlich versucht man nicht, einen derartig schweren Anker nach dem Ausbrechen ins Beiboot zu wuchten. Der Mann (die Frau) auf dem Vorschiff wird mittels Ankertrosse das Beiboot mit darunter hängendem Anker per Hand zur Yacht zurückzuziehen, wo dann der Anker mit Bordmitteln (zum Beispiel) eines Falls aufs Deck geborgen werden kann.

Auch andere Beiboote, wie diese ältere Gig auf der Zeichnung von John Bassiner (siehe oben) aus meinem Buch  ANKERN (hier) eignet sich ganz gut für dieses Manöver. Notfalls auch ein Schlauchboot mit festem Boden (Carib-Dhingy). Ungeeignet sind europäische Schlauchbbote ohne festem Boden.

Mit freundlichen Grüßen

Bobby Schenk

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