YACHT-Leser fragen, Bobby Schenk antwortet


29.6.2014

Hallo Herr H.,
klare Frage, leichte Antwort!

Wir sprechen hier von einer Weltumsegelung auf der klassischen Route. Ein kurzer Blick zurück in die Zeiten von E.Hiscock, dem Mentor aller Weltumsegler: Danach sollte sich eine Weltumsegelung nach folgenden Kriterien richten:

1) Vermeidung von Hurricanes
2) Vermeidung von Hurricanes
3) Vermeidung von Hurricanes
4) Routen-Auswahl, um weiträumige Gegenwinde zu vermeiden

So ist die klassische Weltumsegelungs-Route im Passat entstanden, die Sie ja segeln wollen. Wenn in Zeiten nach Hiscock davon abgewichen wurde, so liegt das nicht an politischen Gegebenheiten, sondern meist an Weltumsegler-Rallies, wo Flotten von betreuten Seglern in Rekordzeiten um die Welt gejagt werden, was solche Grupenveranstaltungen erst so richtig lukrativ macht - für die Veranstalter. Und die Rally-Routen finden dann Nachahmer im privaten Bereich, weil angenommen wird, die Veranstalter hätten sich dabei etwas gedacht. Was ja auch stimmt, siehe oben!

So ist zum Beispiel die Route durchs Rote Meer im 21.Jahrhundert fast Standard geworden, eine Strecke, die man früher als zu extrem gescheut hat, und zwar nicht wegen der Seeräuber, sondern wegen der widrigen Winde, und hat deshalb das Kap der Stürme (Kap der Guten Hoffnung) als Wegpunkt und damit ein zusätzliches Jahr auf der Weltumsegelung auf sich genommen. Die See und das Wetter haben sich seit dieser Zeit nicht wesentlich geändert - ganz im Gegenteil, die Gefahr von Zyklonen ist eher größer geworden.

Also, Hurricanes gilt es zu vermeiden. Wobei nicht unterschlagen wird, dass es eine ganze Reihe von "erfolgreichen" Weltumsegelungen gibt, die - Hurricane-Zeit hin oder her - munter während der schlechten Jahreszeit gesegelt wurden, ohne dass was passiert ist. Ich kann ja auch mit dem Auto bei Rotlicht über die Kreuzung rasen - ohne dass etwas passiert ist.
Nicht jeder Hurricane ist für eine kleine Yacht tödlich. Ich hab auch mal geglaubt, dass man mit guter Seemannschaft einem solchen Naturereignis trotzen kann, zum Beispiel, indem man sich auf die offene See hinaushält. Erst als Karla und ich in einen ausgewachsenen Hurricane gerieten ("Bebe", wo im Radio von 150 Knoten Windgeschwindigkeit die Rede war) ist mir klar geworden, dass in einem solchen Wetterereignis Situationen entstehen können, wo es kein Überleben mehr gibt.

Daraus ergibt sich für eine Weltumsegelung auf der Passatroute folgender Zeitplan, damit wahrscheinlich gewährleistet ist, dass man sich während der Hurricane-Saison in einem sicheren Hafen, nach Möglichkeit außerhalb des Orkan-Bereichs befindet. Das bedeutet, dass man nicht vor dem 1.Oktober über den Atlantik segeln sollte und dann die weitere Planung in erster Linie danach ausrichtet, wann auf der Westseite der Südsee die Hurricanezeit beginnt. Das ist regelmäßig, also nicht ohne Ausnahme, der 1. November. Bis zu diesem Zeitpunkt sollte man also aus einer (statistischen) Hurricanezugbahn verschwunden sein - oder Zugriff auf einen hurricanesicheren Hafen (was es wahrscheinlich gar nicht gibt) haben.

Damit Sie von der schönen Zeit in der Südsee - das Highlight auf einer friedlichen Weltumsegelung - möglichst viel haben, sollten Sie also frühzeitig durch den Panama-Kanal fahren, also zum Beispiel noch im Januar. Das bedeutet eine kurze Zeit in Westindien. Die meisten Weltumsegler sind darüber - nachträglich - nicht besonders traurig. Denn: Angekommen in Westindien und zum ersten Mal verzaubert von wunderbaren tropischen Ankerplätzen, glaubt man leicht, es gäbe keine Steigerung. Falsch, Sie kennen da die Südsee noch nicht und deren freundliche Bewohner, was umsomehr auffällt, weil in Westindien auf den ehemals englischen Inseln, Unfreundlichkeit, Feindseligkeit und böse Abzockerei durch die Einheimischen Methode hat.

Also mein Rat: Zeitgewinn in der Südsee und damit schnelles Verlassen der Antillen. Wollen Sie dann nach Galapagos, was ja auf dem Weg nach Polynesien lieg, sollten Sie März oder früher anpeilen. Dann haben Sie genügend Zeit, um über die zauberhaften Marquesas letztlich Tahiti zum 14.Juli, den großen Festtag zu erreichen. Im Zeitplan steht dann: Vor dem Beginn der Hurricanezeit um den 1.November die Passatregion verlassen! Oder sich nach einer sicheren Zuflucht umzusehen. Dann können Sie in das hurricanesichere Neuseeland oder/und Australien (am besten südlich von Queensland) weiterwandern und dort die Orkanzeit abzusitzen. Sind Sie dann durch das Nadelöhr zwischen Australien und Neuguinea (also wahrscheinlich: Torresstraße) durch, haben Sie genügend Zeit, um sich wieder ein halbes Jahr nach dem Beginn der Hurricanezeit auf der Westseite des Indischen Ozeans zu richten: Weihnachten in Kapstadt!

Ab da ist es unproblematisch, wenn Sie nach Hause (Mittelmeer?) wollen. Vor Mitte Mai wäre ich allerdings nicht auf den Azoren wegen des bis dahin rauen Wetters.

Die aufgezeigte Route ist der leichteste und sicherste Weg mit einer Yacht um die Welt - statistisch gesehen.

Mast- und Schotbruch und herzliche Grüße.
Bobby Schenk

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