YACHT-Leser fragen, Bobby Schenk antwortet


6.7.2014

Hallo Erwin,

aber selbstverständlich kann ich Dir zu etwas raten:

Zu ein bisschen mehr Respekt und Demut vor der Natur! So locker mal "sicher und sportlich" um die Welt sausen, ja, das hätten wir alle gerne. Du schreibst, als ob es um einen Tagesausflug am Vatertag ginge. Aber, ohne die Sache zu dramatisieren, eine Weltumsegelung ist mehr als das. Auch wenn die Vielzahl der heute durchgeführten Umrundungen vermeintlich so ein Unternehmen zu einer mehr oder weniger sportlichen (Dein Worte)  Exkursion degradieren.

Noch immer, und so wird es auch bleiben, ist eine Weltumsegelung eine jahrelange, ununterbrochene Beschäftigung und Auseinandersetzung mit der Natur und der Bootsbautechnik, genauer gesagt, mit der Schiffsausrüstung. Jedenfalls bei privaten Welt-Törns. Und die sichere Führung der Yacht ist ein Handwerk, das einen bestimmten Zeitaufwand erfordert, um es zu erlernen. Wenn Du damit angefangen hast, erst dann, kannst Du Dir ein eigenes Bild davon machen, worauf es bei der Auswahl eines Schiffes ankommt. Es hat wenig Sinn, sich bei Bekannten (woher beziehen die ihr Wissen?) durchzufragen, welches Schiff für eine sichere und "sportliche" (was ist das?) Weltumsegelung in Frage kommt. Als "sportlich" aus meiner Sicht, bezeichne ich übrigens jede Weltumsegelung, ob mit einem Racer Tagesetmale von über 500 Seemeilen abgerissen werden, oder ob jemand mit einem Neun-Meter-Schifferl jahrelang um die Welt trödelt. Denn irgendwann auf einem so langen Törn geht es bei den unvermeidlichen Stürmen nicht nur körperlich, sondern auch seelisch hart zu.

Die Auswahl der in Frage kommenden Schiffe, Katamarane natürlich (Deine Vorstellung!), zeigt schon, dass Du ganz am Anfang Deiner Lehrzeit als Weltumsegler stehst. 12 oder 15 Meter sollen es sein? Das ist so, wie wenn man einen Autoverkäufer nach einem Rally-Auto oder einem Wohnwagen fragt. Alu oder Epoxy stehen auch zur Auswahl. Warum glaubst Du, bauen renommierte Werften ihre Schiff aus Kunststoff, andere aus Metall? Die Frage gilt auch bei Mehrrumpfbooten. Die Antwort ist sicher vielschichtig und nicht mit ein paar Sätzen zu beantworten. Aber man kann davon ausgehen, dass jeder Schiffbauer eine Menge sehr guter und nicht nur geschäftlicher Gründe hat, wie er sein Schiff baut. Keine Ahnung, welche der Gründe für Dich als Käufer bei der Auswahl zutreffen würde.

Nein, wenn Du einen gutgemeinten Rat (schließlich hast Du mich ja gefragt) hören möchtest: Du wirst nicht darum rumkommen, Dir selbst eine fundierte(!)  Meinung zu bilden. Und das geht nicht, indem Du Dich nur bei Bekannten, Verkäufern oder in Segelforen rumhörst, sondern, indem Du in die Fahrtenseglerszene einsteigst. Dazu gehört an erster Stelle, dass Du mal auf einem Segelschiff längere Zeit mit fährst. Wenn Du zum Beispiel auf einem Überführungstörn einer Chartergesellschaft wochenlang teilgenommen hast, kannst Du Dir schon Antworten auf einen Teil der Fragen selber geben. Und Deine Antworten werden - im Gegensatz zu den vorurteilsschwangeren Auskünften Deiner Bekannten - gut begründbar sein.

Alles Gute! Und wenn Du an dem Thema dranbleibst und Dich nicht nur durchfragst, hast Du schöne Jahre vor Dir.   

Beste Grüße
Bobby Schenk

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