YACHT-Leser fragen, Bobby Schenk antwortet


26.1.2015

Hallo, Herr Pötschner,

Sie haben mich nach meiner Meinung gefragt und deshalb möchte ich Ihnen auch eine klare Antwort geben: Zwar haben Sie nicht angegeben, was Sie mit dem Schiff vorhaben, aber aus dem Vergleich zu anderen derartigen Fragen gehe ich davon aus, dass Sie nicht planen, in nördlichen Gefilden herumzusegeln. Dort wäre nämlich die Farbe von Rumpf und Deck durchaus vertretbar und aus sachlicher Sicht nicht zu beanstanden, also eine Entscheidung nach ästhetischen Maßstäben.

Sollten Sie aber - wie viele Fragensteller -  davon träumen, auf Langfahrt in warme Gebiete (Mittelmeer, Tropen) zu gehen, rate ich Ihnen dringend davon ab, die Farben Ihres Schiffes so zu belassen. Wie Sie aus zahlreichen Büchern von Langfahrt- und Weltumseglern ersehen können, gibt es außer der Segelei generell zwei Probleme: das erste ist der ständige Kampf um die richtige und effektive Energiegewinnung, das zweite ist die Schlacht gegen das aggressive UV-Licht und daraus folgender Hitze, die schon mal zum Leben kaum erträglich sein kann. Im Freien bei Windstille und erst recht im Schiff. Oft wird die Meinung geäußert, das Problem wäre mit der richtigen Isolierung des Schiffes zu lösen, aber das ist so nicht richtig. Es muss zu allererst vermieden werden, dass das Schiff die Hitze überhaupt absorbiert.

Wenn Sie - auch in unseren Breiten - mal Hausdächer inspizieren und dort Behälter oder Röhren entdecken, die der Sonne ausgesetzt sind, dann sind das fast immer Warmwasserbereiter mit Sonnenenergieversorgung. Und welche Farbe haben die immer? Eben. Sie sind so schwarz wie Ihr schönes Schiff. Würde man ein aus irgendwelchen Gründen Schiff bauen, das in den Tropen im Innern möglichst heiß werden soll, wäre es mit Sicherheit außen schwarz bemalt. Zwar ist die Rumpffarbe nicht ganz so dramatisch zu sehen wie die Farbe des Decks, doch greift das UV-Licht über die Reflexion am Wasserspiegel und schrägem Sonnenstand immer noch effektiv an. Was die Lichtstrahlung auch am Rumpf anstellen kann, sehen Sie am Bug dieser Yacht. Entgegen dem Rat des Werftchefs bestand die Eignerin nämlich darauf, den Rumpf der Yacht in einem leuchtendem Blau zu haben. Was daraus nach 2 Jahren Weltumsegelung geworden ist, zeigt das Bild.

Noch interessanter aber sind die Auswirkungen der Licht-und Hitzestrahlung, wenn Sie in den Tropen abwechselnd die Temperatur von weißem Kunststoff und vom Teakholz in daneben messen. Der Temperaturunterschied ist gewaltig, in einem Fall 42 Grad, im anderen 51 Grad. Das mag vielen nicht so dramatisch erscheinen, doch bedeutet das einen erheblichen Unterschied im täglichen Leben und damit im Wohlergehen. Auf dem Kunststoff kann ich nämlich noch ohne weiteres darüber barfuß laufen, beim Teakdeck muss ich schon Schuhe tragen, was beim Leben in den Tropen nicht nur Folgen für die Bequemlichkeit hat, sondern auch für die Hygiene. Sie können sich leicht ausmalen, was das für die Temperatur im Innern des Schiffes ausmacht.

Der gewaltige Unterschied folgt also nicht aus den Materialien, sondern in erster Linie aus der Farbe. Unlängst war ich auf einem (nur) hellgrau gestrichenem Deck eines riesigen Katamarans, der in der Sonne mit bloßen Füssen nicht mehr betreten werden konnte.

Aus diesen Gründen hat zum Beispiel der Eigner der stählernen Luxusyacht auf dem Foto das ursprünglich verlegte Teakdeck entfernen lassen und das Stahldeck weiß gestrichen. Eine aufwendige Operation von einigen zigtausend Dollars, aber mit eindrucksvollem Erfolg, wie er mir versicherte: "Jetzt kann ich endlich auf meiner schönen Yacht so leben, wie ich es mir immer erträumt habe.

es hat also schon einen Grund, warum die meisten Yachten in den Tropen in langweiligem weiß gehalten werden.

Zum Kutterstag folgendes: Ich würde mich freuen, wenn ich ein solches auf meiner letzten Yacht gehabt hätte. Als Karla und ich vor vielen Jahren nonstop von Tahiti nach Argentinien (um Kap Hoorn) gesegelt sind, mussten wir uns wochenlang in den hohen Breiten, also den brüllenden Vierzigern aufhalten und mit stürmischen Winden zurecht kommen. Eine nicht leichte Aufgabe ohne Rollsegel. Aber dank unseres Kutterstags konnten wir je nach Windstärke und Richtung, besonders bei starken Winden, die Beseglung wunderbar den Gegebenheiten anpassen, sodass es auch für eine zahlenmäßig schwache Mannschaft von zwei Personen kein Kunststück war, die 22 Tonnen Stahl durch die Roaring Fourties zu bugsieren.

.Mit freundlichen Grüßen

Bobby Schenk

 

 

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