YACHT-Leser fragen, Bobby Schenk antwortet


30.3.2015

Guten Tag die Herren Härri und Malecek,

Sie sind nicht die Einzigen, die diese Frage nach der Lebensdauer des Riggs und damit der Wanten und Stagen stellen. Gleich mal vorweg: Das lässt sich nicht pauschal sagen!

Und genau genommen, gäbe es gar keinen Anlaß für so eine Frage, wenn nicht immer wieder der Hinweis auf die Versicherungen im Raume steht.

Ganz klar, eine Versicherung ist nicht gezwungen, mit einem Bootseigner einen Vertrag, eben den Versicherungsvertrag abzuschließen. Sie wird es dann tun, wenn sie Vorteile aus einem solchen Vertag ziehen kann. Das ist immer dann der Fall, wenn der Pool groß, die Prämie möglichst hoch und das Risiko eines Schadensfalles möglichst klein ist. Innerhalb dieses Rahmens kann es schon mal sein, dass eine Versicherung darauf besteht, ein altes "Rigg" gegen ein neues auszutauschen. Damit würde sich der Wert der Yacht, und damit logischerweise auch die Prämie erhöhen. Wenn eine Versicherung derartiges ohne konkreten Anlass verlangen würde, würde ich von der Vertragsfreiheit Gebrauch machen und mich nach einer anderen Versicherung umsehen. Der große Versicherungsmakler Pantaeneus erklärt auf Nachfrage, dass er sich allenfalls zusichern läßt, dass das "Rigg" in Ordnung ist, wird aber nicht verlangen, dass nach einer bestimmten Anzahl von Jahren Wanten und Stagen, erst recht nicht das "Rigg" (zu dem ja auch Mast und andere Spieren zählen)  auszutauschen seien, um die Yacht zu versichern.

Selbstverständlich beurteilt eine Versicherung vor Abschluß einer Versicherung den Gesamtzustand der Yacht, zu dem auch das "Rigg" gehört. Und es obliegt ihr, vor Abschluß des Vertrages das Schadensrisiko abzuschätzen. Das bei einer neuen Yacht sicher nach der Lebenserfahrung geringer ist als bei einer 20- oder 30-jährigen Yacht. Ein Teil des Risikos nur betrifft das Rigg.

Aber nun zur Kernfrage? Altert überhaupt ein modernes "Rigg"? Gegenfrage: Altert ein Stahlrumpf, altert ein Aluminiummast? Altern Wanten und Stagen aus Niro? Altert die Maschine? Ein ganz klares: "Nein!"

Der Stahlrumpf verrostet vielleicht, wenn er nicht ausreichend geschützt oder beschädigt ist. Der Aluminiummast hat vielleicht nicht mehr die ursprüngliche Stärke, wenn er beschädigt, teilweise korrodiert ist. Wanten und Stagen sind auszutauschen wenn sie beschädigt oder überbeansprucht sind, die Maschine oder Teile von ihr ist am Ende, wenn sie ihre Lebensdauer nach vielen tausend Stunden abgefahren hat und sich ein Austausch der durch langen Gebrauch abgenutzten Bestandteile nicht mehr rentiert.

Nirostamateriel, aus dem unsere Wanten und Stagen sind, wird nicht durch die Anzahl der Jahre geschwächt, sondern durch Korrosion oder Überbeanspruchung. Erstere Ursache kann man beim modernene "Nirosta"-Material (Chrimstahl) ausschließen. Bleibt die Über-Beanspruchung. Dass es dabei auf die Art des Einsatzes ankommt und nicht auf den Zeitablauf, liegt wohl auf der Hand. Ein Rigg, auch der Mast, wird sicher ganz anders beansprucht, ob es sich nun auf einem Volvo-Racer befindet, der permanent auf Höchstleistung auch durch schweren Seegang geprügelt wird oder auf einer Luxusyacht, die in einem Mittelmeerhafen vor sich hin dümpelt und die meiste Zeit damit verbringt, dass ihr Eigner einmal im Jahr auf ihr seinen Urlaub verbringt. Ob eine Yacht sich ständig auf Weltumsegelung befindet, oder ob sie mal drei Monate (im besten Fall) auf der Ostsee beschauliche Törns absolviert. Ob eine Yacht im Charterbusiness 22 Wochen im Jahr eingesetzt und malträtiert wird, oder ob ein Rigg 10 Jahre lang neben einer Ausbauschale im Schuppen rumligt - dieses Beispiel stammt aus dem Gespräch mit Pantaeneus.

Also, die Mär, von der nach Jahren einzuschätzenden Lebensdauer eines modernen Niro-Riggs ist Unsinn und höchstens Vorwand einer praxisfremden Verischerung, das Risiko gegen Null zu minimieren, was ja dem Geist einer Versicherung zuwiederläuft.

Wann aber muß man sich Sorge ums Rigg machen? Wann ist ein Rigg geschwächt? Sicher nicht, wenn es einen hohen Geburtstag feiert!

Beim Mast und den Spieren sollte man nach Rissen oder Korrosionsschäden schauen. Letztere wären meist Metallausblühungen, die aber nicht unbedingt zu ernstzunehmenden Schwächungen des Materials führen müssen. Bolzen sollten nicht zu große Materialverluste in den zu ihnen passenden Ausbuchtungen gearbeitet haben. In die Wanten und Stagen sollte man der Reihe soviel Lose geben, damit man sehen kann, ob dann deutlich sichtbare Knicke vorhanden sind (wogegen "NiroMaterial" viel empfindlicher ist, als normale Drahtwanten). Gebrochene Kardeele deuten auf eine Schwächung des Riggs hin und müssen zumindest zum Austausch des betreffenden Drahtes führen. Am wichtigsten vielleicht, weil leicht zu übersehen, ist die Kontrolle mit der Lupe der Terminals, besonders der gewalzten Endstücke.- siehe Bilder der Vergrößerungen links und rechts.

Findet man solche Anhaltspunkte für eine Schwächung des stehenden Gutes, dann sollte man einen Fachmann, am besten einen Seilermeister, zu Rate ziehen. Er wird sicher dazu drängen, fragwürdige Wanten und Stagen zur Gänze auf keinen Fall mehr weiterzuverwenden und auszutauschen. 

Mast-und Schotbruch

Bobby Schenk

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