YACHT-Leser fragen, Bobby Schenk antwortet


25.05.2015

Guten Tag Herr Malecek, gleich mal vorweg:

bei einem "neuen" gebrauchten Schiff älteren Datums, würde ich mir Sorgen machen, so wie Sie auch, ob die Tankverhältnisse in Ordnung sind. Gerade heute, wo die "Dieselpest" ein großes Thema ist. Darüber einfach wegzugehen, so nach dem Motto "bei mir bestimmt nicht", wäre leichtsinnig. Und schon mancher (so wie ich früher), der gar nicht damit gerechnet hatte, steht plötzlich in der Flaute 100 Meter vom Felsen entfernt und ohne Wind und Maschine da.

"Dieselpest" sind eigentlich recht harmlose Bakterien. Solange Sie nicht die Treibstofffilter zusetzen. Wenn Sie nun meinen, das das ja nicht die Katastrophe sei, denn Filter kann man schnell reinigen, die Filterpatrone austauschen, oder den vielleicht vorhandenen Bypasss durch einen parallelen Filter nutzen, so haben Sie sich, so wie ich, getäuscht. Denn lange bevor die Bakterien meine Filter überhaupt erst erreicht haben, haben sie sich in die Treibstoffleitung eingenistet und diese dann im unpassendsten Moment zugesetzt und kein Tröpfchen Diesel mehr durchgelassen (siehe hier zur Dieselpest und die begrenzten Möglichkeiten, sich zu schützen).

Gerade in Mittelmeerländern wie Kroatien sind in letzter Zeit zahllose Fälle aufgetreten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit darauf schließen lassen, dass das von Ihnen ins Auge gefaßte Boot ebenfalls davon befallen ist. Eine gründliche Reinigung von Tank und(!) Treibstoffleitungen ist dringend zu empfehlen.

Da es sich um eine regelrechte Infektion (wie bei einer Krankheit) handelt, ist es mit einem Auswischen des Tanks und Entfernen der möglicherwiese sichtbaren Verunreinigung nicht getan. Zumal Sie das Innere der Leitungen gar nicht in Augenschein nehmen können. Ausserdem ist das unbedingt notwendige vollständige Entleeren eines häufig schwer erreichbaren Dieseltanks ohnehin eine Sauarbeit. Wohin mit dem Diesel? In einem 500-Liter-Tank sind hundert Liter Diesel nicht sehr viel, wenn Sie ihn aber entfernen müssen, dann füllen Sie damit immerhin fünf Kanister. Und ob Sie das ohne Verschütten bewerkstelligen können, bezweifle ich. Wahrscheinlich werden hundert Köpfe auf den anderen Yachten im Hafen nach ihnen suchen, wenn sich das Wasser um Ihr Schiff herum bunt färbt.

Vor allem aber, ist es mit dem Leeren des Tanks allein ja nicht getan. Hat Ihre Yacht Metall-Tanks, dann haben Sie ohnehin schlechte Karten. Denn der Dreck (die Bakterien) - Foto links -  werden sich in die Schweißnähte und in die elektrolytischen Anfressungen (Foto rechts) so eingenistet haben, dass sie diese dort gar nicht durch noch so gründliches Wischen herausbekommen. Da bleibt Ihnen nur ein chemischer Angriff. Benzin wird gelegentlich hierfür empfohlen. das aber ist der Zeitpunkt, wo Sie sich von der Idee des  Selbermachens verabschieden sollten. Da muß eine Spezielfirma her, die für solche Fälle gerüstet sind und bereits entsprechende Erfahrungen gesammelt hat. Also ist das Geld hierfür nicht nur gut angelegt, sondern auch unbedingt notwendig.

Damit ist es aber noch nicht getan. Denn es gilt ja, in der Zukunft den Tank sauber zu halten. Was es hierfür heute(!) für Möglichkeiten gibt, wurde ebenfalls in dem erwähnten Artikel beschrieben. Nur so viel vorweg: Die vielgepriesenen Additive zum Diesel sind keine Garantie gegen den "schwarzen Tod", so die treffende australische Bezeichnung. Wie ich aus eigener leidvoller Erfahrung weiß.

Immer einen sauberen Diesel wünsche ich Ihnen!

Bobby Schenk

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