Besucher fragen, Bobby Schenk antwortet


20. August 2016

Hallo Sebastian,

tatsächlich gibt es zu Ihrer Frage wenig Schrifttum. Das liegt in erster Linie daran, dass die Werften diktieren, wie eine Yacht auszusehen hat. Was nicht unbedingt das Schlechteste ist, denn wenndas ausschließlich Kunden zu bestimmen hätten, wären die Weltmeere voll mit weißen Elefanten.

Zur Sache: Bei einer Yacht unter 10 Metern wird sich die Frage nach dem "richtigen" Cockpit erst gar nicht stellen, denn da müssen meist rein: Vorschiffskojen, Tisch und "Hundekojen".

Ein Mittelcockpit würde hier den Erfordernissen für das "Leben an Bord" zu viel zu viel Platz wegnehmen. Vor allem aber wäre der Platz achtern von einem Mittelcockpit nicht mehr sinnvoll zu nutzen.

Also, erst ab einer Schiffslänge von etwa 12 Metern stellt sich überhaupt die Frage: Mittel- oder Achter-Cockpit?

Die "Standard-Lösung" ist ja wohl das Cockpit am Ende der Yacht. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass seegehende Yachten über die letzten Jahrzehnte immer mehr gewachsen sind, während die ursprüngliche Anordnung "Vorschiff - Wohnraum - Cockpit" beibehalten wurde. Erst bei höheren Schiffsgrößen machte man sich darüber Gedanken, ob man denn den Platz in der Mitte der Yacht nicht auch als Cockpit nutzen könnte.

Ganz klar: Eine "richtige" Lösung gibt es nicht. Ich hab selbst alle Variationen auf mehrjährigen Ozeanreisen kennengelernt, und so bin ich für mich(!) zu bestimmten Vorlieben gelangt.

Um es klarzustellen: Meine Meinung hierzu gilt nur für Fahrtenschiffe. Offene Spiegel am Cockpit, die ja nur signalisieren, dass es ziemlich wurscht ist, was auf einer rasanten Regattayacht achtern passiert, sollten auf unseren Fahrtenyachten tabu sein, habe ich auch nur selten gesehen.

Wenn man aber über Fahrtenschiffe spricht, dann muss  man sich auch ehrlich eingestehen, dass es sich hier nicht um Rennyachten handelt, die reihenweise die Ozeane bezwingen, sondern um "swimming homes" - wie unser aller Vorbild Eric Hiscock aus England seine Yachten bezeichnete. Eine Yacht ist also nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern auch Wohnung, Unterkunft, Lebensraum. Und das nicht nur so nebenbei, sondern in erster Linie!

Das hab ich schon x-mal vorgerechnet: Vier Fünftel der Zeit verbringt eine bewohnte Langfahrtyacht, und damit ihre Herrschaften, im Hafen oder vor Anker. Und - logisch - das sollte dann auch im Wesentlichen die Wahl beeinflussen. Denn in dieser Zeit befindet man sich, jedenfalls in den Tropen oder im Mittelmeer ja nicht im stickigen Schiffsinneren, sondern, eben, im Cockpit.

Obgleich ich, das gilt jetzt für unterwegs, wenn es die Länge zuläßt, dem Centercockpit den Vorzug geben würde. Segeln wir über die Ozeane, so haben wir es in erster Linie mit achterlichen Winden zu tun, sodass das Argument, ein Achtercockpit würde beim Einsetzen gegenan mehr vor überkommenden Seen schützen, ziemlich gegenstandslos wird. Vom Seegang her habe ich nur zweimal erlebt, wie von achtern eine nachlaufende See eingestiegen ist, die allerdings viel Unheil angerichtet und die Cockpitbesatzung auf die Reling gesetzt hat.  Bei einem Mittelcockpit wäre das nicht passiert.

Für viele ein weiterer Vorteil des Cockpits in der Mitte: Die Schiffsbewegungenaind im Cockpit sind auf See erheblich gemäßigter, da es sich in der Nähe des Gewichtsschwerpunktes der Yacht. Ausserdem bietet das Centercockpit achtern auf dem Dach einen zusätzlichen Laderaum, auf dem unterwegs Beiboot, Rettungsinsel, Dieselkanister etc untergebracht werden kann. Nicht schön, aber praktisch! 

Warum ich mich also bei Yachten so ab 13 Meter mehr für ein Mittelcockpit entscheiden würde, läge in erster Linie an der Bewohnbarkeit. Nicht umsonst findet man bei solchen Yachten am Schiffsende die sogenannte "Eignerkabine". Mit diesem Begriff wird ja gegenüber den "Gästekojen" und gar den Vorschiffskojen signalisiert, dass es sich hier um was Besseres handelt. Und sowas kann nur vernünftig realisiert werden, wenn dieser Teil des Schiffes nicht durch ein Cockpit belegt ist. Auch ist es vor Anker in den Tropen leichter, den kühlenden Passat  ins Mittelcockpit zu holen, als bei einem Cockpit am Ende der Yacht.

Also, um es auf einen Nenner zu bringen, meine Meinung: Bei Langfahrtyachten unter 12 Metern Länge: Achterliches Cockpit. Darüber, vor allem dann, wenn unten ein Durchgang zur Achterkabine realisiert werden kann, ein Mittelcockpit. Was zusätzlich zur Wohnlichkeit an der breitesten Stelle des Schiffes den Vorteil hat, dass kaum Seen einsteigen können.

Übrigens: zum Feiern, für Gäste beim Sundowner oder auch zum Schnaken mit anderen Seglern ist das Cockpit achtern der ideale Platz.

Cheerio!

Bobby Schenk

 

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