Besucher fragen, Bobby Schenk antwortet


26.03.2017

Lieber Werner,

Du hast schon recht mit Deinem "Zufall". Da bespreche ich ein neues Computerprogramm für bewegte Hafenmanöver, in diesem Fall "Anlegen am Steg bei ablandigem Wind" - siehe hier - , das ich weder vorher bei anderen in Natura gesehen habe noch in der gesamten deutschsprachigen Literatur finde und dann erscheint auf YACHT-Online genau zur selben Zeit das gleiche Manöver in Form eines Lesertipps (siehe hier!), unterscheidet sich allerdings von"meinem" in einem ganz wesentlichen Punkt. Auf YACHT-Online wird das Manöver "Anlegen bei ablandigem Wind mittels Mittelspring" mit auflandigem Ruder angelegt, beim Manöver, wie es in der einmaligen Software "Skipper-Trainer" von Michael Menard gefahren wird, mit ablandigem Ruder. Die wichtigere Frage allerdings ist dann, welches der beiden Manöver sicher und damit das richtige ist? Ich denke, da lässt sich eine Antwort finden:

Auf der Zeichnung des Lesertipps (links - von YACHT-Online) wird nach dem Ausbringen der Spring auf die Mittelklampe oder auf die Winsch das Ruder gelegt und zwar landeinwärts. Im grafischen Manöverablauf auf dem sensationellen Hafenmanöver-Simulator von Michael Menard (Blue2.at - Skipper 360.at) wird ebenfalls das Ruder zum Längseitsgehen gedreht, aber zum Schluss ablandig, also vom Steg weg.

Da es Michaels Programm erlaubt, Hafenmanöver mit eigenen Parametern (Wind, Gas, Ruderlage) zu simulieren, spielen wir halt mal beide Möglichkeiten durch, wobei wir uns hier das vorhergehende Rückwärtsfahren zur Pier zum Belegen einer Mittelspring sparen:

Im ersten Video benutzen wir bei mittlerem Wind das Ruder auflandig, so wie auf der YACHT-Seite abgebildet:

Nach dem Zurückdampfen gegen den Wind wird vom Heck aus eine Leine zum Steg ausgebracht und als Mittelspring belegt.

Sodann dampft die Yacht mit mittlerem Gas in die Mittelspring ein, die Yacht beginnt sich flott zu drehen - trotz des ablandigen Windes - und kollidiert am Vorschiff mit der Pier,  wenn das Manöver nicht  abgebrochen wird.

 Das sieht gar nicht gut aus, zumal auf der Zeichnung beim Lesertipp keine Fender ausgebracht sind. Sicher, man könnte dann schon irgendwie anlegen wenn der Bug sehr gut abgefendert wäre. Aber wir machen uns anschließend noch eine Menge zusätzlicher Arbeit, bis es letztlich gelingen wird, die Yacht schön längsseits zu bekommen. Mühen unter den Kommentaren der Zuschauer, die wir uns hätten ersparen können, wenn wir mit ablandigem Ruder gefahren wären!

Beim nächsten Video, so wie es der Simulator von Michael Menard empfiehlt (rechts), wird nämlich genau das Gegenteil gewählt, der Rudergänger legt nach einem kurzen auflandigen Ruderschlag zum Erreichen der Schräglage gegenüber dem Steg für fast die gesamte Dauer des Manövers das Ruder vom Steg weg, also ablandig. Schauen wir, was passiert:

Nach dem Losdampfen wird das Ruder landeinwärts gelegt, um den Angriffswinkel der Mittelspring wirksamer zu erzeugen.

Anschließend legt der Rudergänger das Ruder von der Pier weg. Wo es dann für das ganze Manöver verbleibt.

Sachte legt sich die Yacht dann automatisch längsseits an die Pier, ohne mit dem Vorschiff zum Steg zu drehen!

 Das Ruder bleibt also bis zum Schluß ablandig und die Yacht liegt unaufgeregt am Ende des Manövers schulmäßig parallel zum Steg, fertig um Leinen zu übergeben und festzumachen!

Nun könnte man auf die Idee kommen, diese Software sei auf solch schöne und bequeme Lösungen hin programmiert (man kennt solche Tricks ja von unserem Vorzigekonzern VW, dem "verlässlichen Patner für alle Lebenslagen") und es würde so augenscheinlich klappen. Nein, denn das Programm arbeitet mit den auftretenden Kräften und bewegt danach nach physikalischen Naturgesetzen die Yacht auf dem Bildschirm. Das läßt sich leicht durch unbestechliche Filmaufnahmen aus der Hafenpraxis beweisen. Der professionelle Drohneneinsatz gibt uns einen Einblick in das Manöver, wie er zum Beispiel durch Zeichnungen nie erreicht werden kann: 

Auf diesen beiden Filmsequenzen ist deutlich zu sehen, dass das Manöver nach dem Schräg-/Parallelstellen der Yacht zur Pier mit ablandigem Ruder durchgeführt wird. Bei der zweiten Filmsequenz mit stärkerem ablandigem Wind verläßt der Rudergänger sogar den Ruderstand, die Maschine legt die Yacht mit ablandigem Ruder automatisch längseits an die Pier. Elegant!

  Wie von Zauberhand ist die Yacht hier "einhand" angelegt worden, dank des ablandigen Ruders und ein wenig Spielerei am Gashebel und am Ruder.

Ein wirklich sensationelles Programm für PC, Tablet oder Smartphone zum Lernen, Üben und sich auf die Bordpraxis preiswert (um die 25 Euro) vorbereiten.

Deshalb ist das Arbeiten, besser gesagt "Spielen" mit diesem Simulator wesentlich effektiver und einprägsamer als die Benutzung eines Lesebuchs über Hafenmanöver, weil man hier sofort die Auswirkungen der unrichtigen Durchführung eines Hafenmanövers bildhaft vor Augen geführt bekommt. Es ist so wie beim Fliegen: Man lernt ungleich besser am Simulator als aus einem Buch. Dieses Programm ist derzeit einzigartig und ich habe deshalb den Autor (der auch vielbesuchte Skippertrainings durchführt) in die erlesene Runde von Referenten bei meinem nächsten (und letzten) Bobby Schenk's Blauwasserseminar aufgenommen.

Mast-und Schotbruch

Bobby Schenk.

 

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