Langfahrtsegeln mit der THALASSA - Transatlantik!


Die eigentliche Atlantiküberquerung der THALASSA hat begonnen. Dank eines Tracecare-Transponders an Bord, der vollautomatisch die jeweilige Position der Yacht - nebst Temperatur und Bordspannung - direkt über Satellit ins Internet einspeichert, kann jedermann den jeweiligen Standort der THALASSA abrufen und so den Reiseverlauf verfolgen. Nur hier klicken.

Der Vorteil einer Atlantiküberquerung von den Kapverden aus ist die Startposition. Bei "normalen" Wetter befindet man sich nämlich bereits im Passat (englisch: trade winds), der für eine solche Atlantiküberquerung notwendig ist, weil er stetig mit gleicher Stärke aus dem östlichen Quadranten bläst, jedenfalls sollte er das tun.


   Montag, der 10.12.01 - am Ziel

   Samstag, der 8.12.01 - Endspurt

   Freitag, der 7.12.01 - 2 Wochen auf See

   Donnerstag, der 6.12.01 - auf Schleichfahrt

   Mittwoch, der 5.12.01 - Energiebilanz nach 12 Tagen auf See

   Montag, der 3.12.01 - Parasail-Spinnaker überlebt 40-Knoten-Böe

   Freitag, der 30.11.01 - was kommt mit in die Rettungsinsel, wenn...?

   Donnerstag, der 29.11.01 - unser Wohnzimmer ist 14 Knoten schnell

   Mittwoch, der 28.11.01 - reichen vier Tage spinnakersegeln?

   Dienstag, der 27.11.01 - Traum-Spinnaker-Segeln im Passat

   Montag, der 26.11.01 - Abschied von den Gaunern - zurück im Passat

26.11.01 - Abschied von den Gaunern - zurück im Passat

Eigentlich haben Carla und ich die besten Erinnerungen an die Kapverden. Sind wir doch vor 10 Jahren mit einem kleinen einmotorigen Flugzeug von Sal/Kapverden über 3000 Kilometer weit nach Brasilien geflogen. Eben unter Ausnutzung des Passatwindes, denn hätten wir die 20 Knoten Rückenwind nicht gehabt, hätte der Sprit niemals über den Ozean gereicht und wir wären damals nicht mit ein paar Gallonen Benzin in Recife/Brasilien gelandet, sondern schon  vorher in den Fluten des Südatlantiks.

So gehörten eigentlich unsere Sympathien den Kapverden. Was wir allerdings in Mindelo die letzten 2 Wochen erlebt haben, ist so unglaublich, dass ich leicht zu diesem Superlativ greife:

Es war der schlimmste Ankerplatz unseres Lebens, es waren zwei Horrorwochen.

Das lag nicht an den paar Atlantik-Rallies, die auch die Kapverden "besuchten". Eine neue Spezies Segler sucht hier die Ankerplätze heim, wie wir sie so nicht kannten. Nur soviel: Die berüchtigten Herrentörn-Mannschaften auf Charterschiffen sind harmlose Seewanderer im Vergleich zu vielen Teilnehmern dieser Rallies. Am schlimmsten waren dieses Mal die Bestzungen englischer Yachten, die - neben der Totenkopfflagge - zwar stolz die Marineflagge Ihrer Majestät jeden Abend einholten, aber zum Thema Seemannschaft nicht nur ein gestörtes sondern gar kein Verhältnis hatten. Im übrigen wollen wir über das Verhalten dieser offensichtlich ständig in Alkoholschwaden wabernden Sailors so charakterisieren: Hooligans auf dem Wasser.

Nein das war nicht das Problem. Auch nicht der junge Franzose, der mit seinem Eisenkübel von 10 Metern Länge bei Windstärke eins und bestem Ankergrund auf vier Metern Tiefe nachts in unsere vor 2 Ankern liegende THALASSA trieb. Er hatte circa 5 Meter Kette gesteckt.

Erst recht spielt für meine Beurteilung von Mindelo keine Rolle, dass hier während unserer Anwesenheit ein 52 Jahre alter deutscher Segler, mit deutscher Charteryacht unterwegs, von einem Hai zerfleischt wurde, als er nach dem Anker blicken wollte. Solche tödlichen Unfälle passieren halt.

Was nicht zu verkraften war, war die kriminelle Energie, die auf diesem Ankerplatz seitens der Einheimischen zu Hause ist. Als man schon vor 40 Jahren die hohe Kriminalitätsrate auf den Kapverden beklagte, entschuldigte man sie mit der bitteren Armut. Inzwischen sind die Capverdischen Inseln unabhängig und mittels Entwicklungshilfe zwar nicht zu einem reichen Land hochgemästet worden, doch von Armut ist nicht mehr viel zu sehen. Man denkt über die Streichung dieser Hilfen nach.

Mindelo, einer der wenigen guten Ankerplätze mit bescheidenen Einkaufsmöglichkeiten auf den Kapverden, ist für zahlreiche Yachten zum Sprungbrett für die Atlantiküberquerung geworden.

Ich rate jeder Yacht ganz dringend davon ab, jetzt und in naher Zukunft Mindelo anzulaufen.

Der drastische Hinweis ist notwendig, denn, wie sich herausgestellt hat, waren die bisherigen Berichte über diesen Platz einfach nicht deutlich genug, stattdessen schön gefärbt, was zur Folge hatte, dass viele (dazu gehören auch wir) den Ernst der Situation nicht erkennen haben können -  und bitter dafür bezahlen mussten.

Das ganze Unglück fing damit an, dass wir am helllichten Tag von einer Horde von 12 bis 14 Jahre alten Kindern am Beibootsteg überfallen wurden. Die Kids erleichterten uns mit Hilfe ihrer Eisenhaken um ein paar hundert Dolar und um unsere Kreditkarte. Es war kein Trost für uns, dass die Polizei bestätigte: "The children are very dangerous!"

Keine Kreditkarten, kein Bargeld! Anruf zu Hause: "Lieber Nicolai, bring uns Cash mit!"
Nicolai kam abends um 9 Uhr auf unsere Yacht, fünf Stunden später war er 3000 Dollar ärmer. Ein Dieb war bei verschlossener Niedergangstüre durch die geschlossene, aber nicht verschlossene Luke eingestiegen, hatte sich seelenruhig unten in der Achterkabine aus der Hose des daneben schlafenden Nicolais bedient.

Okay, bitter, haben wir(!) halt doppeltes Pech gehabt. Könnte man noch sagen.

Wie sich am nächsten Morgen herausgestellt hat, waren von den vorhandenen 20 Yachten immerhin sechs, also 30 Prozent, ziemlich zur gleichen Zeit überfallen worden. Eine Belgierin ertappte einen Dieb, wurde aber von ihm mit Fußtritten im Gesicht verletzt. Jetzt plötzlich wurden auch andere Fälle aus jüngster Zeit bekannt, wonach solche "Unfälle" von Zeit zu Zeit auf der Tagesordnung waren.

Ab da verließen wir die Yacht kaum noch. Carla bekam schon Angstzustände, wenn ihr auf der Straße ein Kind folgte. Normalerweise essen wir abends praktisch immer am Ankerplatz im Restaurant, aber in Mindelo wagten wir es nicht ein einziges Mal, abends von Bord zu gehen. Über nacht wurden Außenborder und Beiboot immer an Deck gelagert.

Nun sollte man meinen, dass nach einer solchen Nacht Ruhe einkehrt, also die Überfälle nachlassen. Schon in der nächsten Nacht ging es wieder auf. Täter wurden fotografiert, zum Teil als Schwimmer in der Navigationsecke erwischt und so fort.

Wir hätten den Ankerplatz schon längst verlassen, wenn wir nicht auf die Ankunft von Freunden warten hätten müssen. Endlich - am Mittwoch kam Wolfgang aus Linz. In der Nacht dann wieder die üblichen Schreiereien am Ankerplatz. Aber dieses Mal hatte sich einer der Ganoven verrechnet. Er hatte schwimmend mit einem langen Messer, eine neue Dimension, sich als Opfer den Katamaran KATHAIS (Bild) ausgesucht, der unter anderem mit 10 sportlichen Franzosen bemannt war. Zwar brachte der Räuber zwei von ihnen Schnittverletzungen bei, doch konnte er schließlich überwältigt werden. Der Räuber war so stark, dass die Segler  die Winschen zu Hilfe nehmen mussten, um den "Verbrecher" (politisch korrekt: "Intensivkriminellen") zu fesseln. Die weithin zu hörenden Schmerzensschreie deuteten darauf hin, dass die Franzosen nicht besonders rücksichtsvoll vorgegangen sind. Dann kam die Polizei. Sie musste, mangels eigenem Boot, mit Beiboot auf den Katamaran gebracht werden, wo sie ein wohlverschnürtes Paket in Empfang nahm.

Selbstverständlich gibt es in Mindelo auch Segler, die noch nicht überfallen worden waren und die vielleicht sagen - was sie nicht böse meinen: "Also, so schlimm ist das nicht, uns hat man nichts getan." Deren Meinung!

Tatsache ist, dass jedenfalls zur Zeit unseres Aufenthalts, jeder Segel eine Fifty-Fifty-Chance hatte, ausgeraubt, überfallen oder bestohlen zu werden. Von den üblichen Schutzgeldzahlungen an junge Männer wegen "Beiboot bewachen" oder "Schiff aufpassen" mal gar nicht zu reden.

Noch ein Punkt: Wie uns zahlreiche Leute auf den Kapverden versicherten, sei die Kriminalität in den letzten Jahren stark zurückgegangen... 

Endlich, endlich kam Claude aus Luxemburg an, wir konnten aus Mindelo flüchten.Das Schönste an den Kapverden war für uns das Absegeln. Fast schon zu sehen vom Ankerplatz war der Horizont, der den Weg nach Amerika, nach Trinidad wies. Keine Untiefe, keine Insel liegt dazwischen. Deshalb Segel hoch, der Passat blies schon im Kanal Sao Vicente zwischen der gleichnamigen Inseln und dem gegenüberliegenden San Antao, wo der unglückliche Jockel Lehmann beim Versuch einer Non-Stop-Weltumsegelung strandete (und später in Mindelo - logisch - ausgeraubt) wurde. Obwohl jeder vor dieser Düse wegen des Venturieffektes vor den starken Winden gewarnt hatte, konnte sich der Passat nicht entschließen, mehr als 3 Bft in die Schmetterlingsbesegelung zu blasen.

Bald lag die letzte Huk hinter uns, und wir konnten den Kurs auf Trinidad absetzen - 265 Grad. Bei dieser Art von Segeln ist keine Seekarte nötig, sie würde ja nichts als Wasser zeigen: 

Wegen der hektischen Abreise aus Mindelo wurden erst jetzt die Rollenverteilung auf der THALASSA besprochen: Jeder -ausser Skipper - ist abwechselnd einen Tag Koch. Der "Koch von morgen" ist Abspüler. Wacheinteilung gibt es nur für die Nacht. Alle zweieinhalb Stunden wechseln die beiden Wachen Carla und Wolfgang/Claude. Wachbeginn 22 Uhr OZ.

Jetzt sind wir seit zwei Tagen unterwegs, marschieren unter Spinnaker mit fünf bis acht Knoten bei exakt achterlichem Wind. Eine Wettervorhersage haben wir über Iridium erhalten. Unsere Freunde Hanspeter und Nathalie von der NATHAPE aus Gibraltar sandten uns ein SMS übers Iridium: "NW 20 Knoten für die nächsten drei Tage!"

Was will man mehr? Die traumatischen Erlebnisse in Mindelo liegen 350 Meilen achteraus.

27.11.01 - Traum-Spinnaker-Segeln im Passat

Welch ein Segeln! Seit drei vollen Tagen rauschen wir unter Spinnaker dahin. Der Passat weht ständig mit 15 bis 20 Knoten - entsprechend der Vorhersage (was beim Passat nicht schwierig ist)  - dahin. Wir haben zwei Spinnaker an Bord, einmal unseren bewährten konventionellen Premio-Spinnaker und einen Parasail-Spinnaker zum Testen. Letzterer ist eine Neukonstruktion, die behauptet, dem herkömmlichen Spinnaker vor allem beim Fahrtensegeln überlegen zu sein. Durch seinen zusätzlichen Auftriebsflügel - abgeschaut bei der Gleitschirmfliegerei - soll er auch das Vorschiff entlasten und vor allem die Schaukelei vor dem Wind abmildern. Mal sehen...

Letzteres ist bei einem Kat nicht sehr ausschlaggebend, denn die Rollerei entfällt. Liest man übrigens in den älteren Segelbüchern nach, war da immer ein Gejammere beim Passatsegeln - wegen des Rollens. Hier sind die Vorteile des Katamarans besonders augenfällig. Mittags kommt keiner auf die Idee, beispielsweise die Getränkeflaschen etwa nicht auf den Tisch zu stellen. Keine fällt um.

Das Speedometer fasziniert. Vorwindskurse sind nicht die Domäne des Kats. Wenn man aber gemütlich zu Tisch sitzt und die Speedonadel zwischen 6 und 11 Knoten schwankt, dann hat man das Gefühl etwas geschenkt zu bekommen. Und tatsächlich - in den ersten drei Tagen haben wir schon 450 Seemeilen zurückgelegt, in den letzten 24 Stunden 180 Meilen.

Dank unserer Spinnaker! Ein ungewohnter Job ist es schon, die  Riesenmenge Tuch auf dem Vorschiff fürs Setzen vorzubereiten. Nach oben bringen wir die Spis sicherlich, ein Alptraum aber wäre es, die paar hundert Quadratmeter nicht mehr runterholen zu können. Bis jetzt ist das noch nicht passiert. Mit jeder Stunde fühlen wir uns mit den Tüchern wohler. Andere Segel ziehen wir erst gar nicht hoch. Inzwischen haben wir auch ein paar Tricks gefunden, den Spi, der auf einem Katamaran ohne Baum gefahren wird, zu shiften, ohne das Segel runterholen zu müssen. Trotzdem landet es einmal am Tag an Deck, um Beschläge und Tuch auf Schamfilen etc zu überprüfen.

Im  übrigen fühlen wir uns mit den Riesentüchern wohler, nachdem zusätzlich 2starke Männer, Wolfgang und Claude, an Bord sind.

Noch 1700 Meilen nach Trinidad!

28.11.01 - Vier Tage Spinnaker oben

Claude (links) hat Geburtstag, was ihn aber nicht vom Fron des Kochdienstes befreit. Das Sirloin kann sich dann auch sehen - und schmecken - lassen. Es ist für mich als ehemaligem Monosegler noch immer ein ungewohntes Gefühl, unter Spinnaker mit acht, neun Knoten dahinzurauschen und dabei an einem voll gedeckten Tisch gemütlich zu Mittag essen. Nichts fliegt davon!

Gegen abend brist der Wind deutlich auf. Gelegentlich tauchen auf dem Windmesser schon mal "20 Knoten" (scheinbar) auf. Wenn dann der Kat die Wellenhügel runterrutscht, klettert das Speedo bis auf 12 Knoten. Noch kein Grund, den Spi wegzunehmen, zumal der nächste Schritt Genua hieße! Und unter Genua allein sind nicht mehr als 6 Knoten drin. Wir wollen nicht undankbar sein, immerhin haben wir seit der Abfahrt stetigen Wind.

Logisch bleibt der Spi auch nachts stehen. Wolfgang (rechts) ist trotz seiner eingeschränkten Segelerfahrung ein Meister im Trimmen. Immer wieder findet er eine Möglichkeit, den baumlosen Spinnaker noch ein bisschen besser stehen zu lassen. Er hat Riesenspaß am Segeln. Kein Kunststück, zählt Segeln im Passat doch zu den schönsten Naturerlebnissen.

Schiffsverkehr ist nicht mehr. Am ersten Tag hatten wir noch ein paar Yachten passiert, darunter den ausgeraubten Katamaran KATHAIS. Am zweiten und am dritten Tag wurde dann noch nachts weit weg jeweils ein Schiff ausgemacht. Das war es dann. Trotzdem wird aufmerksam Wache gegangen, man weiß ja nie...

Am Morgen wird der Wind heftiger. Es ist Zeit, den Spi einzuholen - nach vier Tagen. Dank Bergeschlauch holen Wolfgang und ich das Riesensegel problemlos runter. Gut so. Dann, wie erwartet, geht unsere Geschwindigkeit unter der Genua auf sechs Knoten zurück. Vorbei ist es mit einem Rekordetmal (mein bestes war bisher auf der dem Mono THALASSA II 193 sm), aber immerhin springen noch 173 Meilen raus -  über 620 Meilen in vier Tagen macht mehr als 150 Meilen pro Tag. Nicht schlecht für den Kurs platt vor dem Laken.

Obwohl wir am Nachmittag den Spi wieder raufziehen, entscheiden wir uns für die Nacht wiederum für die bvlanke Genua. Man weiß ja nie, was in den Böen drin ist, die sich mit dunklen Wolken am Horizont abzeichnen. Der Gedanke, nachts die Bergeleinen des Spinnakerschlauchs nicht entwirren zu können, beunruhigt uns. Denn das Salinglicht geht - wie der Name sagt - nur bis zur Saling, darüber sieht man nur noch ein finsteres Loch und keine Leinen.

Es wird, jedenfalls bis jetzt, zwei Uhr morgens, eine ruhige Nacht.

29.11.01 - Unser Wohnzimmer ist 14 Knoten schnell

Nur ein Etmal von 130 Seemeilen. Das ist die "Strafe" dafür, dass wir den Spinnaker über Nacht unten gelassen haben. Stattdessen hatten wir eine geruhsame Nacht. Nicht ganz, weil drei(!) Schiffe ziemlich mit uns auf Kollisionskurs waren. Gegen neun Uhr zogen wir den Spinnaker wieder hoch und rauschten vor dem aufbrisenden Wind dahin. Bei "25 Knoten auf dem Windmesser ist Schluss für den Spinnaker", setzten wir uns selbst das Limit. Das entspricht einem wahren Wind von rund 35 Knoten. 20, 21, einmal 23 Knoten zeigte der Windmesser. Das Speedo ging kaum noch unter 10 Knoten. "Dreizehn komma acht" rief Carla triumphierend, die den Automaten immer so nachstellte, dass der Wind schön achterlich blieb.

Nicht, weil uns das zu schnell wurde, sondern, weil der Wind die THALASSA langsam vom Sollkurs wegdrehte, holten wir den Spi runter. Mit Bergeschlauch kein Problem  für 2 Leute - wenn sich die Bergeleinen nicht vertörnen. Trotzdem waren wir etwas erleichtert, als die gute Fahrtenbesegelung - Groß und Genua - wieder oben waren. Und die Geschwindigkeit stimmte immer noch, wenn auch nicht mehr zweistelligen.

Apropos Speed: Jeder zweite, mindestens, der sich nach unserem Kat erkundigt, stellt als erstes die Frage, wie schnell so eine PRIVILEGE sei. Als ob das wirklich interessant wäre? Für uns ist die THALASSA unser schwimmendes Zuhause, also Schlafzimmer, Küche, Wohnzimmer in Einem. Wollte ich schon mal von jemanden wissen, wie schnell sein Wohnzimmer ist?

Viel interessanter ist doch die Aussicht vom "Balkon" - beim Sundowner!

 

30.11.01 - was kommt in die Rettungsinsel, wenn?

Klar macht man sich auf so einem Atlantiktörn Gedanken: Wie das aussieht, wenn man aussteigen müsste. Was allerdings auf einem Katamaran und erst recht auf einer angeblich "unsinkbaren" Privilege nicht sehr wahrscheinlich ist. In der Segelliteratur wimmelt es geradezu von Beispielen, wo eine Yacht voreilig zugunsten der Rettungsinsel verlassen worden ist. Diese lehren, dass die Rettungsinsel wirklich die allerletzte Alternative ist. Auf einem Kat schon gar. Denn selbst wenn beispielsweise ein Rumpf leckgeschlagen ist und richtig Wasser macht, bedeutet das ja noch lange nicht, dass das ganze Schiff untergeht.

Immerhin ist ein Schreckensszenario vorstellbar, wo auch bei einem Zweirümpfer definitiv "Ende" ist: Feuer!

Dann bleiben nur Beiboote und die Rettungsinsel. Logisch, das erste, was mitkommt ist Wasser. Daran hat die ganze Überlebenstechnik der letzten Jahre nichts geändert. Der Mensch kann einen Monat ohne Essen auskommen, ohne Trinkwasser überlebt er nur ein paar Tage. Deshalb sind auf der THALASSA rund um die Rettungsinsel im Cockpitboden zahlreiche Wasserflaschen griffbereit gestaut. Doch was kommt dann?

Wir vier auf der THALASSA haben es diskutiert und wie so oft bei solchen Trockenübungen kommen doch ganz überraschende Gedankengänge heraus: Das zweitwichtigste Ding - soviel war klar - ist die Epirb, die nach Auslösung noch für 48 Stunden Notrufe gut ist. Denn was hilft die beste NAVTEC GLOBAL 3, die die Retter ruft, wenn sie sie nach dem falschen Ort, nämlich der Untergangsstelle, lockt und nicht zur längst abgetriebenen Rettungsinsel. Selbstverständlich ist es reines Wunschdenken, wenn man glaubt, sofort nach Auslösen der GLOBAL 3 würde irgendwo ein Suchflugzeug aufsteigen, um die Schiffbrüchigen rauszufischen. Aber Handelsschiffe in der Nähe - und hier geistern ein Menge rum, wie wir nachts gesehen haben - werden umgeleitet.

Dann kommt ein Hand-Watermaker in die Rettungsinsel. Ich habe so ein Ding mal getestet. Ohne große Anstrengung war es damit möglich, in 10 Minuten aus dem Meerwasser einen Becher Trinkwasser zu machen.

Was sonst noch? Wolfgang hatte eine tolle Idee, an die wir nicht gedacht hatten, die aber doch sehr naheliegend ist. In die Rettungsinsel muss(!!!) das Iridium, das Satellitenhandy. Als wir vor Jahren von Tahiti um Kap Horn ins Mittelmeer (mit einem Stop) 14 Tausend Meilen gesegelt waren, hatte ich in einem Überlebenscontainer einen kleinen (wie ich meinte) Kurzwellen-(Amateur-) Sender eingepackt. Mit diesem wäre es - vielleicht - möglich gewesen, Verbindung zum Land aufzunehmen. Was für ein Aufwand! Eine Motorrad-Batterie sollte den Strom liefern, 10 Meter Draht wollte ich "irgendwo" als Antenne befestigen und mit einer Matchbox sollte diese Notantenne abgestimmt werden. War ich froh, dass ich das nie in der Praxis ausprobieren hab müssen. Mit dem (trockenen) Handy wäre es eine Sache von Sekunden, jemand vom Seenotfall zu benachrichtigen oder die Art des Unglücks exakt an die Außenwelt zu übermitteln.

Mit dem Iridium (mit dem übrigens auch diese Seite ins Internet übertragen wird) geht es wie mit jedem normalen Handy: Einschalten und wählen! Wenn das Ding mit 4000.- DM nur nicht so teuer wäre! Dann könnte man vielleicht die Idee weiterverfolgen, zum Beispiel, es gleich mit in die Rettungsinsel einpacken lassen. Die Lithiumbatterien halten ein paar Jahre die Ladung. Oder mit einem kleinen Solarlader im Falle des Falles aufladen... Und so weiter...

Aber lassen wir diese Gedanken, der Passat bläst immer noch stetig, wenn auch leiser. Gestern waren es noch fast 150 Seemeilen Etmal und voraus - 1260 Seemeilen weit - liegt Trinidad.

 

3.12.01 - Spinnaker überlebt 40-Knoten-Böe!

Das Wetter im Passat, soweit keine Störung vorliegt, stellt kein Problem dar. Und so nahm es noch vor 20 Jahren niemand tragisch, dass es kaum eine Möglichkeit gab, an "das Wetter" bei einer Passat-Atlantik-Überquerung ranzukommen. Es gab es schlicht nirgends. Denn die gefunkten Wetterberichte deckten ja nur die Gebiete ab, wo Schifffahrt stattfand und das war sicher nicht die Passatroute, wo sich im November ein paar Dutzend - höchstens - Yachten rumtrieben. So kümmerte man sich an Bord auch wenig ums Wetter. Einer der wenigen Hilfen hierbei war der Barograph. Nicht der Barometer, denn der kann die für den Passat typische Druckwelle höchstens dann anzeigen, wenn man in regelmäßigen Intervallen die Werte mitschreibt und aufzeichnet. Wenn allerdings der Seegang zu heftig wurde, dann schrieben viele Barographen derart tintenfette Linien aufs Papier, dass die Kurven kaum zu erkennen waren - trotz der viel gerühmten Öldämpfung, was nichts anderes war als ein Blech am Schreibarm in einem mit Öl gefüllten Döschen.

 

Anders heute die elektronische Aufzeichnung: So zeichnet der Meteoliner das gleichmäßige Auf und Ab des Luftdrucks im Passat. Würde man nicht die Kurve überblicken, dann würde man über den steilen Druckverlauf gelegentlich erschrecken. Mit dem Barografen hingegen lässt sich so einigermaßen sicher feststellen, dass der Passat "ungestört" ist.

Gelegentlichen Passatstörungen, die ein paar Mal pro Saison vorkommen, können damit schnell erkannt werden. Das ist wichtig, denn aus Passatstörungen können sich, selbst außerhalb der "Hurricanzeit" selten tropische Depressionen und dann folgerichtig - noch seltener - Stürme oder gar Hurrikans entstehen. Was wir nicht hoffen, denn ein tropischer Orkan ist auf offener See für jede Yacht eine Sache auf Tod oder Leben.

Es gibt eine Regel, die besagt, wenn der Luftdruck nur um drei Hectopascal von der Sollkurve abweicht, dann ist dies ein ernstes Warnzeichen im Hinblick drohender tropischer Depression. Als wir einst in einen der schwersten Hurricans, die je in der Südsee verzeichnet worden waren, gerieten, hätte dieses Warnzeichen allerdings nichts genutzt. Denn zu diesem Zeitpunkt wäre es wegen der steilen Dünung längst zu spät gewesen, um zu flüchten. Hurricane BEBE überraschte damals mit seinen 150 Knoten den ganzen Ankerplatz in Suva.

Betrachten wir den Druckverlauf am Barografen über mehrere Tage (rechts), dann sieht man, wie gleichmäßig die Passat-Wellen durchziehen - ein Zeichen, dass Passatstörungen nicht in Sicht sind.

Trotz der "einfachen" Wettersituation freut man sich, dass man zusätzlich metereologische Informationen auf das Schiff bekommt. Ganz bequem kriegen wir auf der THALASSA das neueste Wetter. Da klingelt es auf dem Satelliten-Handy zum Zeichen, dass eine Message eingegangen ist:

die nächsten drei Tage O 20 Knoten, stationäres Tief über 24°N, 60°W

Täglich versorgen uns so Nathalie und Hanspeter von der NATHAPE in Gibraltar mit dem letzten Wetter. Sie holen sichs - wo sonst? - aus dem Internet, gehen auf die Seite iridium.de und senden uns mit unserer Telefonnummer - kostenlos - das Wetter aufs Iridium-Display. Danke Nathalie und Hanspeter!

Wir könnten mit dem Iridium das Wetter selber aus dem Internet holen, aber das ist halt noch sehr gebührenintensiv. Obwohl, relativiert, ist es eigentlich nicht zu teuer, wenn man bedenkt, was man sonst für einen Geräte- und Zeitaufwand treiben müsste, um an ein vernünftiges Wetter ranzukommen. Diese Wetterkarte (links) hab ich von der Mitte des Atlantiks aus dem Internet bekommen. Der Zeitaufwand betrug circa zwei Minuten, macht also vier Mark. Wichtig dabei ist ein neueres Iridium-Handy (4000.- DM) das auch vernünftig Daten austauschen kann, nämlich mit bis zu 9600 bbs. Einen Trick zum Billigsurfen  hat mir Hanspeter verraten: Im Internet Explorer unter "EXTRAS" und "INTERNETOPTIONEN" "Bilderanzeigen" ausschalten. Die zeitaufwendigen Grafiken werden dann gar nicht erst runtergeladen. Kommt dann die (noch unsichtbare) Wetterkarte, wird sie mit der rechten Maustaste angeklickt und "Bild anzeigen" ausgewählt. Mit einem Screenschot wird das Ganze in einem Sekundenbruchteil abgespeichert. Fertig!

Wettermäßig sind wir, ums modern auszudrücken, also überqualifizert. Was nicht heißt, dass es auch böse Überraschungen geben kann. Denn die kleinen lokalen Störungen  - Schauer - erfahren wir aus der Großwetterlage nicht. Da gilt halt immer noch: Augen und Ohren offen halten. Immer hilft das aber auch nichts. Zwar entwickeln sich aus den grauen Schauerwolken mit den Regenwänden keine Sturmböen, aber heftig kann es da drunter auch zugehen. In den letzten Tagen haben wir fast ausschließlich den Parasail-Spinnaker mit dem typischen "Vorflügel" gesegelt, ohne Groß, wie es uns empfohlen worden war. "Sie können ihn ruhig auch bei sechs Windstärken, sogar bei sieben oben lassen, selbst Böen von "acht" müsste er überstehen", meinte sein Erfinder. Na Servus...

Untertags kein Problem, die Schauer waren von weit schon sichtbar. Nachts allerdings waren eventuelle Böen nicht zu erkennen. Zwar checkte ich am Radar die Intensität der kleinen Wolken, die von hinten heranrückten. Aber eine hatte es besonders in sich. Ehe wir es uns versahen, waren wir von weißem Regen eingehüllt und der Windmesser stieg in einer Sekunde auf über 30 Knoten. Macht, wenn man die 12 Knoten Schiffsgeschwindigkeit dazurechnet, weit über 30 Knoten. Keine Idee mehr, den Spi runterzuholen, der war jetzt hart wie ein Brett und das Fieren der Schoten hätte in einem zerstörenden brüllenden Segel-Geknatter geendet. So blickten wir atemlos auf den Windmesser, der sich der 40-Knoten-Marke näherte und warteten auf das Unvermeidliche. Nämlich das Auflösen der Spinnakerbahnen.

Als die Böe wieder auf die üblichen 15 bis 20 Knoten zusammengesackt war, betrachteten wir den Spi. Unglaublich, aber er war noch ganz. Über das sonstige Verhalten des Parasail-Spinnakers und seine Eignung als Passatsegel-Ersatz unter Ernstfall-Bedingungen werde ich am Ziel einen ausführlichen Bericht abgeben.

Noch runde 800 Meilen nach Trinidad! Oder 750 Meilen nach Tobago - Wolfgang hat einen Flug ab Tobago. Anyway, wir freuen uns auf Westindien.

5.12.01 - Energiebilanz nach 12 Tagen auf See

Nach zehn Tagen auf See ist es Zeit, eine Bilanz zu ziehen, eine Energiebilanz. Immerhin wurden 20 Tonnen Schiff fast 3000 Kilometer weit bewegt, elektrisch gelenkt, beleuchtet, 800(!) Liter Süßwasser produziert und die Mannschaft mit kalten Getränken und fast täglich mit einem tiefgefrorenen Steak versorgt. Okey, wir hatten bis jetzt mit dem Wind Glück: Keine Flaute - nur achterliche Richtungen. Aber das ist im Passat nichts Ungewöhnliches.

Andererseits wurde durch den Spinnaker ein Teil unserer Solarzellen abgedeckt, sodass die Maschine fast täglich ran musste. Das Ergebnis dürfte aber schon beeindruckend sein. Insgesamt haben wir bis heute runde 20 Liter Diesel verbraucht, also um die 20.- DM. Da wäre man zu Hause froh, wenn dies die ganze Rechnung für Strom und Heizung wäre.

Apropos Segel: Auch das dürfte interessieren: In zehn Tagen wurde das Großsegel vielleicht 8 Stunden lang gefahren, ansonsten wurde zu 90 Prozent der Spinnaker und zu 10 Prozent die Genua gesegelt. Was beweist, wie ungeeignet unser Sloop-Rigg für Vorwindkurse ist.

Das sind die "Sportler" beim "Mittagstisch"! Wenn ich da an unsere Monozeiten zurückdenke, wird mir ganz anders. Damals rollten wir im Passat über den Atlantik: 30 Grad nach Backbord - 2 Sekunden - 30 Grad nach Steuerbord. Unter gleichen Bedingungen auf dem Kat bleiben die Flaschen stehen. Das alles nicht etwa in der Flaute unter Maschine, sondern unter Spinnaker bei 20 Knoten Wind von achtern bei 7 Knoten und einem Etmal von - wieder - fast 150 Meilen.

Deshalb: Noch 500 Meilen nach Trinidad.

 

6.12.01 - auf Schleichfahrt

Wir sind zufrieden, obwohl der Wind - entsprechend der Vorhersage von Peter und Nathalie - auf "0 bis 15 Knoten" zurückgegangen ist. Meist pendelt er so um die 10-Knoten-Marke (scheinbar). Dass dabei keine Spitzengeschwindigkeiten herauskommen können, ist klar. Der Speedometer zeigt um die 4 Knoten an, oft auch darunter. Aber es ist gemütlich. Der Parasail-Spinnaker steht eisern, fällt nie zusammen und die THALASSA torkelt dank ihrer zwei Rümpfe nicht durch die Gegend. Dass es bei solchen Bedingungen auch anders sein kann, zeigt ein kurzer Ausschnitt aus einem Bericht bei ähnlichen Bedingungen in der gleichen Gegend der Atlantiküberquererin Janoschka:

"...in der Regel 2 - 3 Bft, dafür - aufgrund eines Tropicalstorms - eine recht rauhe See. Wir haben es teilweise vorgezogen, einfach beizudrehen, da wir das Geknalle der Segel nicht mehr hören konnten. Gesegelt sind wir meistens mit einem Reff im Groß, nicht weil der Wind so stark war, nein, wir wollten unser Groß schonen..."

Wir haben das Groß gleich gar nicht oben, es ist in den letzten acht Tagen nicht mehr zum Einsatz gekommen, sondern wir sind ausschließlich unter dem Parasail-Spinnaker gesegelt. Tag und Nacht. Manchmal, wenn auf Nachtwache der Mond durch die Düse dieses Segels scheint, erschrecke ich: "Ui, jetzt hats ihn zerissen!" Aber dann kommt mir schnell, dass wir eben dieser Düse den stabilen Stand des Segeln zu verdanken haben. Trotz des wenigen Windes hat es uns heute wieder ein Etmal von rund 130 Konten beschert. Aber die Geschwindigkeit nimmt doch stetig ab. Immer häufiger und unüberhörbarer werden die Fragen meiner Mitsegler, wie schnell die THALASSA "eigentlich unter Maschine" sei. Auf diesem Ohr bin ich etwas schwerhörig, schließlich sind wir ein Segelschiff.

Noch über 400 Meilen nach Trinidad.

7.12.01 - zwei Wochen auf See

"Ihr seid am Rande des Tiefs und habt Flaute bis 15 Knoten aus SO. Noch 335 Seemeilen nach Trinidad!", las ich vom Display des Iridiums ab. Jetzt wenn Du uns noch den Kurs geben würdest, lieber Hanspeter, dann bräuchten wir gar nicht mehr navigieren.

Hanspeter hat unsere Position - 10-Meter-genau - aus dem Internet von Tracecare (siehe oben), die viermal am Tag über Satellit aktualisiert wird. Nicht nur, dass dies eine nette Spielerei ist, es stellt auch einen Sicherheitsfaktor dar, denn es ist ein Unterschied, ob im Seenotfall die letzte Position zwei Wochen oder zwei Stunden alt ist.

Aber an so was denkt an Bord der THALASSA wohl niemand. Dort herrscht easy life. Mögen manche denken, dass der Atlantik erobert wird, indem verwegene Segler im Ölzeug übers Vorschiff robben, sieht die Wirklichkeit etwas anders aus. Seit vielen Tagen ist der Parasail-Spinnaker nun oben und wurde heut morgen geschiftet, damit der Kompasskurs am Automaten von 230 Grad (bei fast 20 Grad Mißweisung) besser passt. Es ist wirklich faszinierend, was dieses Segel aus dem bisschen Wind herausholt: Über vier Knoten bei ein paar Knoten scheinbaren Wind (links). Das macht und verspricht ein Etmal von über 100 Seemeilen.

Ansonsten fleezt jeder rum, liegt in der Koje oder im Cockpit und liest oder pennt. Das Vorschiff wird kaum eines Blickes gewürdigt, es sei denn, jemand macht es sich im Bugkorb bequem. Dieser harte Tagesablauf wird nur durch das Essen oder - abends - durch den Sundowner unterbrochen.

Heute war Wolfgang Koch. Der hat zu Beginn am meisten gejammert, als er davon gehört hat, dass abwechselnd jeder kochen muss. Es gab "Penne ala Rabiata" (zu deutsch: "scharfe Makkaroni"). Wolfgangs lautstarke Kommentare zu seiner Küchentätigkeit - "nun schneide ich die Zwiebel klein" - ließen allerdings vorab auf ein fünfgängiges Haubenmenü schließen. Trotzdem, es war ausgezeichnet und Wolfgang war ob des Gelingens seines Werks so euphorisch, dass zu befürchten ist, dass er demnächst die Leitung der Kantine in seinen eigenen Betrieben übernehmen wird.

Das laue Passatlüftchen bescherte uns - wie versprochen - wieder ein Etmal von 119 Seemeilen. Keine 300 Seemeilen zum Ziel.

8.12.01 - zwei Wochen auf See

Schauer, wohin man blickt. Meistens ist nichts drin, aber ganz gut fühlen wir uns nicht, wenn von hinten her die Walzen kommen. Der Wind dreht in jedem Fall beim Durchzug einer Regenfront, sodass wir beim spinnakern geringe Kurs-Kompromisse eingehen müssen. Das blöde daran ist, dass man nie genau weiß, ob nicht doch eine Menge Wind in so einer Wolke drinsteckt. Die 40-Knoten-Böe vor ein paar Tagen steckt uns noch in den Knochen. Andererseits kann man nicht jedesmal bei den ersten Regentropfen den Spi runterholen, da kämen wir nicht mehr vorwärts.

Abends sind es nicht einmal mehr 200 Meilen zu unserem Ankerplatz in Port of Spain.

Obwohl die Hurricane-Saison zu Ende ist, scheint in Trinidad noch ne Menge los zu sein. Michael Bouza, aus Deutschland vor 15 Jahren nach Trinidad gekommen und dort "hängengeblieben", außerdem Vertreter für unseren Watermaker, hat - übers Iridium - für uns schon mal einen Platz in der Marina Crews Inn reserviert. Leider nur für ein paar Tage, da ansonsten alles ausgebucht ist. Lass uns mal ankommen...

10.12.01 - Landfall in Westindien

Der Rest ist schnell erzählt: Am späten Vormittag machen wir an Backbord voraus plötzlich ganz deutlich Tobago aus. Dort, wo es sein muss.

Ein bisschen hat das GPS ja die Romantik zerstört. Ich erinnere mich an das wunderschöne Buch "Hundeleben in Herrlichkeit" von Elga und Ernst-Jürgen Koch (erstes deutsches Weltumseglerpaar), wo diese den ersten Landfall bei ihrer Weltumsegelung beschreiben. Von Tränen war da die Rede. Und es war nicht kitschig. Schließlich rechnete man damals mit den Gestirnen ja irgendwie ins Mystische hinein, die Positionen waren nichts anderes als aufs Papier gekritzelte Zahlen.

Dann, ein paar Stunden später, der echte Landfall. Am späten Nachmittag, backbord voraus, liegt Trinidad, später von der untergehenden Sonne beschienen.

Geduld! Nachts möchte ich auf keinen Fall einlaufen. Das bedeutet, dass ich beim ersten Morgengrauen, am Dragons Mouth sein muss. Also: Spinnaker runter und Genua setzen. Drei Knoten Fahrt reichen, denn wir haben zwei Knoten Strom mit uns. So müsste das Timing genau aufgehen.

Tatsächlich: Um 6 Uhr Ortszeit graut der Morgen und mein Computer gibt mir auf der elektronischen Seekarte den Standort genau vor der Einfahrt. Genua runter, Maschine an! Der Rest ist Routine. Über Kanal 68 rufe ich die Marina Cruise Inn, wo ein Platz für uns bestellt ist. Mein ETA möchte die Lady wissen: 15 Minuten und dann liegen wir am Steg.

Es ist brütend heiß, früh am Tag und wir bester Stimmung, aber auch  todmüde. Die Witwe, tiefgekühlt,  erweckt uns kurz zum Leben und im Restaurant auf der anderen Seite des Stegs konsumieren wir das erste Karib-Bier. Dann noch eins und dann noch eins. Und dann: Schlafen.

Ende einer Atlantiküberquerung. Das bleibt vorrangig im Gedächtnis: Fünfzehneinhalb Tage für 2150 Seemeilen sind nicht schlecht, aber auch nicht aufregend. Das schon: Nicht eine Minute hatten wir Flaute, das Groß wurde einmal für ein paar Stunden gesetzt, die Genua  - vorsichtshalber - eine Nacht lang, alles andere, also wirklich runde 14 Tage, zog uns der Parasail-Spinnaker über den Ozean. Wolfgang, der sich vielleicht einen Katamaran anschafft, meint, der Parasail sei seine erste Anschaffung. Er hat eine Wette, ein Festessen, verloren: Er war der Meinung, niemals würde der Spi in Westindien noch intakt sein.

Vor uns am Steg liegt eine McGregor 65, gerade über den Atlantik gesegelt. Ihr Eigner meint: "Das Groß mussten wir runternehmen, die Rollerei hätte es zerstört. Es war schlimm!" Ich werfe einen verstohlenen Blick in mein Cockpit, wo neben dem Veuve noch die Gläser von gestern abend rumstehen.

Aber sonst hatten Carla und ich eine tolle Crew, danke Wolfgang und Claude!

 

 

 

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