Unter Segeln 4 Jahre um die Welt - in Stichworten


Ruth und Hannes Hartjenstein

und ihre Vitevite:

 


Unsere vierjährige Weltumsegelung war eine glatte Umrundung, kein schweres Schlechtwetter - eher zu wenig Wind.

Der chronologische Ablauf:

ATLANTIK:

Da wir schon spät dran waren (August 1997) mussten wir im wahrsten Sinne des Wortes 'Gas geben'. Bei schwachen Winden und Flaute ging es durch den engl. Kanal und über die Biskaya. Danach ging es weiter Richtung Porto Santo (Madeira). 80 NM vor dem Ziel hatten wir dann 8-9 Windstärken auf den Kopf - es ging nichts mehr. Eine gute Möglichkeit unsere Neuerwerbung, den Para-Anker,  auszuprobieren. Eine tolle Sache - wunderschönes Liegen vor diesem Fallschirmanker. Wir decken den Tisch zum Abendessen wie im Hafen und gehen später in die Kojen. Am nächsten morgen der Blick auf den GPS - nur 2 NM Abdrift - wie schön. Das Bergen des Para-Ankers ist kein Problem ......

Am Abend fällt der Bügelanker vor der 'Goldenen Meile' in Porto Santo.

KANARISCHE INSELN:

Drei Monate bleiben wir auf diesen Inseln, versorgen uns noch einmal mit Proviant und Diesel und auf geht's, neuen Zielen entgegen. Wir haben uns entschlossen, auf den Kap Verden einen Zwischenstopp zu machen.

MINDELO/SAO VICENTE/KAP VERDEN:


Am 1. Weihnachstag gehen wir hier vor Anker. VITE VITE hat einen neuen Anstrich bekommen - unser Schiff ist vom Masttopp bis zur Wasserlinie rot. Der Wind hat die Sahara transportiert und bei uns abgeladen. An dieser 'Fracht' haben wir noch lange zu knabbern!


KLEINE ANTILLEN:

Barbados war unsere erste Insel nach der Nordatlantik-Passage. Der richtige Ort, um sich auf die Karibik einzustimmen. Über Martinique, Bequia, Mayreau, Tobago Cays, Union Islands, Carriacou und Grenada segelten wir nach Trinidad. Dort musste VITE VITE aus dem Wasser um einen neuen Unterwasseranstrich zu bekommen.

VENEZUELA:

Für diesen Abschnitt hatten wir Zeit und beschlossen, die außenliegenden Inseln zu erforschen. Los Testigos mit einer intakten Unterwasserwelt hatte uns eine Woche zu Gast. Ein 50 Meilenritt Richtung SW führte uns nach Margarita. Was für eine Enttäuschung für Ruth und Hannes - hatten wir diese Insel 5 Jahre vorher doch als Zollparadies kennen gelernt und jetzt.......!!!!

Auf zu neuen Inseln - Isla Tortuga mit den vielen Wracks vor der Haustür war nicht sehr einladend. Dafür lag 10 NM weiter westwärts eine kleine Insel mit einem Leuchtturm und zwei Fischercamps (auf Sand gebaut). Ein idyllischer Platz und nach unserem Geschmack. Böse Zungen behaupten, dass wir den Anker nicht mehr aus dem Grund bekämen. Letzten Endes hat es aber doch geklappt -  es wurde weitergesegelt in das Naturschutzgebiet Los Roques. Von den Behörden gibt es strenge Auflagen zum Schutz der Unterwasserwelt. Uns gefielen nur zwei Ankerplätze. Sehr schnell fanden wir uns auf den Aves wieder, der letzte Außenposten von Venezuela. Das war schon nach unserem Geschmack - viele kleine und saubere Inseln in klarem Wasser und kaum Touristen. Ausserdem gibt es gute Tauch- und Schnorchelplätze.

ABC-INSELN:

Bonaire war unsere erste angelaufene Insel. Welch ein Aufatmen: Sauberkeit, freundliche Bewohner, einfache Behördengänge und gutes Warenangebot. Das Preis-/Leistungsverhältnis ist ok. Ein Platz zum Verweilen - wollten wir nicht rund, so könntet Ihr uns noch heute dort antreffen.

Curacao war für uns ein Arbeitsstopp. VITE VITE musste aus dem Wasser. Das Unterwasserschiff war sehr stark bewachsen und musste gereinigt und neu gestrichen werden (auf Trinidad hatte man uns ein heimisches Antifoulingprodukt angeschnackt - nicht sehr effektiv)

ST. BLAS-INSELN:

Anfang Dezember 1998 wurde die letzte Etappe in der westlichen Karibik angepeilt und abgespult, um dann in die St. Blas Inseln/Panama einzusegeln. Am Ankerplatz erwische uns ein schweres Gewitter der Güteklasse 1A. Der Blitz schlug in unseren Geräteträger und marschierte
über die Stromkabel in die Verteilung und dann in viele Geräte - Schadenssumme 10.000,- DM. Versicherungsselbstbehalt: 10.000,- DM, wie schön. Am schlimmsten war für uns die Beschaffung nebst Wartezeiten.

PANAMA:


Von den St.Blas Inseln segelten wir nach Colon. Die Kanalpassage war kein Problem. Bei Günter (dem Oberfunker) auf Contadora/Las Perlas machten wir einen Zwischenstopp.

 

 

GALAPAGOS:

Drei Wochen für zwei Inseln waren schon zu viel. Wir hatten 28 Tage Aufenthaltserlaubnis bekommen. Wir waren überrascht wie grün die Inseln sind, das hatten wir nicht erwartet. Auf Galapagos kann man sich auch wieder gut verproviantieren.

MARQUESAS:


Unser erster Ankerplatz war auf der südlichsten Insel 'FATU HIVA' und es war auch der schönste. Hier hatten wir den ersten Kontakt mit den Polynesiern. Auf einem anderen Ankerplatz sahen wir Rochen - so gross, dass sie man gerade zwischen unsere Rümpfe passten. Es war ein unglaublicher Anblick.

TUAMOTUS:

Rückblickend war dies der Höhepunkt der Reise. Unser schönstes Atoll war Toau/Anse Amyot. Hier lagen wir über drei Wochen. Sehr netten und engen Kontakt hatten wir mit der Familie Rosette und Taupiri. Zusammen haben wir getaucht, gefischt, gegessen, getrunken und nachts Cokoskrabben gefangen - einfach super.

TAHITI:

Hier musste Hannes ins Krankenhaus - Nierensteinoperation, ist alles gut verlaufen und die Kosten hat auch die TO-Krankenkasse anstandslos übernommen. Im Übrigen war Tahiti schön - aber teuer.

MOOREA:

Die schönste der Gesellschaftsinseln, viele verträumte Ankerbuchten. An der Ostseite begleiteten uns Wale die uns aber nicht behinderten.

RAIATEA:

Ein guter Platz, um mit dem Kat aus dem Wasser zu gehen. Ein neuer Unterwasseranstrich war fällig.

BORA BORA:

Wunderschöne Ankerplätze am Außenriff. Sehr fischreich. 

WESTERN SAMOA:

Samoa war einmal Deutsch (für kurze Zeit). Es ist auffallend sauber und die Bewohner sind sehr freundlich. Auch die niedrigen Preise waren eine Wohltat. Hier bleibt die Kombüse kalt - wir gehen an Land essen.

TUVALU/FUNAFUTI:

Ab Samoa sind wir ungefähr eineinhalb Stunden gesegelt und dann motort............. bis in den Pass von Funafuti - über 800 NM. Die See war glatt wie in der Badewanne. Auf Funafuti hatten wir dann Probleme mit dem Getriebe und mussten ein neues Teil aus DL kommen lassen. Die Natur und Ankerplätze haben uns wieder einmal gut gefallen (blaue Seesterne und Korallen in allen Farben). Als Erste haben wir hier das Jahr 2000 begrüßt.

KIRIBATI:

Da es uns in Neuseeland zu kalt ist, wollen wir die Hurrikansaison hier verbringen. Der Trip von Funafuti nach Kiribati war unsere schnellste Reise unter Segeln. Auf ca. 850 NM erzielten wir einen Schnitt von 7,8 Knoten. Da hatte alles gepasst. In Kiribati hatten wir viel Abwechslung durch neue Freunde von der Deutschen Seemannsschule. Inzwischen wurde es April, es zieht uns weiter.


SOLOMON-INSELN:

Zwischenstopp auf der Insel Christobal. Die Inseln sind sehr arm, aber die Leute sehr nett. Auf der Insel gibt es keine Infrastruktur, keine Autos oder andere Fahrzeuge außer Kanus. Eine Wohltat für uns.

PAPUA-NEWGUINEA:

Hier in Port Moresbey wollten wir nur Diesel bunkern und blieben 4 Wochen. Der 2. Motor hatte den gleichen Getriebeschaden - wie gehabt. Hier können wir uns in einer Dreherei ein Teil anfertigen lassen. Am nächsten Tag war wieder alles ok. - inklusive Ein- und Ausbau. Hannes hat geschwitzt und viel geflucht.

AUSTRALIEN:

Auf geht's in die Torresstraße. Nach 3 Übernachtungen hinter geschützten Inseln sind wir durch. Es folgt noch das lange Stück Nordküste Australien bis Darwin. Bevor wir in die Marine einschleusen können, wird VITE VITE auf 'Black Muscheln' untersucht. Alle Wasserauslässe werden mit Chemikalien gespült. Dann ist nach 14 Stunde alles in Ordnung. Auffallend war die Freundlichkeit der Behördenmitarbeiter, zeitweise waren 14 Leute beim Einchecken an Bord. In der Marina haben wir nette Kontakte geknüpft. Technische Besorgungen waren ebenfalls kein Problem. Hier haben wir auch einige Ausflüge in Parks usw. unternommen.

COCOS KEELING:

Im August 2000 haben wir uns von Darwin 'gelöst' und uns in das ca. 500 NM entfernte Ashmore-Reef begeben. Ein unbedingtes Muss für Taucher und Schnorchler, eine noch völlig intakte und vielseitige Unterwasserwelt. Dieses Naturschutzgebiet gehört zu Australien. Das Wetter spielte mit und wir konnten zweieinhalb Tage unter Spinnaker segeln. Cocos Keeling ist sehr sauber und eines der letzten Atolle mitten im Indischen Ozean, also noch einmal ein bißchen 'Südsee'. Politisch gehört es noch zu Australien.

RODRIGUES:

Diese kleine Vulkaninsel liegt nördlich von Mauritius, von wo es auch verwaltet wird. Die Leute sind supernett und freundlich. Es gibt keine Kriminalität - die Häuser und Wohnungen werden nicht verschlossen.

MADAGASKAR:

Über den Norden der Insel segeln wir entlang der Westküste auf die Insel Nossi-Be und klarieren in Hellville ein, viel Papier und viel Geld. Der Nordwesten hat wunderbare Tauchplätze. Südlich von Nossi-Be haben wir sehr schöne und geschützte Ankerplätze gefunden. Ende Oktober geht es weiter in Richtung Südafrika.

RICHARDSBAY/RSA:

Ohne den berüchtigten 'Südwester' und ohne 20m hohe Seen kamen wir hier am 7. November an. Von hier aus unternahmen wir einen 3-tägigen Ausflug in einen privaten Naturpark. Es war sehr beeindruckend durch die vielen wilden Tiere, die alle gut genährt waren. Nun beginnt das Warten auf ein günstiges Wetterfenster um weiter nach Cape Town zu kommen.

CAPE TOWN:

Über Durban, Port Elizabeth, ein Ankerplatz geht es rund Cap Agulhas, und nachts bei viel Wind und Seegang rund 'Cape God Hope'. Die Naturgewalten waren kein Problem aber die Kälte!! Wir haben mächtig gefroren da wir zu faul waren uns vernünftig einzupacken. So kamen wir am 5. Januar 2001 bei prächtigem Sonnenschein in der 'Waterfront-Marina' (unter dem Tafelberg gelegen) an.

6 Wochen Cape Town waren für Landausflüge und diverse Besorgungen angesagt.

NAMIBIA:

Ehemals und "noch immer" Deutsch! Lüderitz war ein Reinfall - kein Platz für uns, fahren weiter nach Walvisbay. Von hier aus unternahmen wir Landausflüge im Mietauto in die älteste Wüste der Welt mit den höchsten Dünen bis zu 350 m.  Wir hatten nicht gewusst, daß eine Wüste so schön sein kann. unseren zweiten Ausflug unternahmen wir in die Etoscha-Pfanne. Wenn man die riesigen Herden nicht mit eigenen Augen gesehen hätte - es ist nicht zu glauben, zwei- bis dreitausend Springblöcke auf einem Flecken oder zwanzig bis dreißig Giraffen in einer Herde - es ist überwältigend.

ST. HELENA:

Mitten im Südatlantik und speziell in dieser Gegend hatten wir die meisten GPS-Signale. Alle ausgewählten Satelliten hatten volle Balkenstärke - unglaublich. Jamestown ist eine schöne alte familiäre Stadt. Erstaunt waren wir über das Innere der Insel - so grün hatten wir es uns nicht vorgestellt. Ein Platz zum Verweilen.

SALVADOR/BRASIL:

Im Mai kamen wir dort an und wollten 14 Tage bleiben - im September sind wir weitergezogen, das sagt schon einiges. Alle haben uns mit den Überfällen in Brasilien verrückt gemacht und wir haben hier an einigen Plätzen das Schiff offen lassen können. Hier kann man billig leben und das schönste Obst und Gemüse bekommen. Für uns war es ein schöner Aufenthalt.

TRINIDAD:

Über Cabedelo/Brasilien ging es im Eiltempo nach Tobago. Und wie es dann so ist, wenn es pressiert, stolpern wir in der ersten Nacht über eine Fischerleine und sie sitzt fest im Propeller. Am Morgen wird sie herausgeschnitten, glücklicherweise hatten wir ruhiges Wetter. Das war unser erstes und einzigstes Hindernis auf 32.245 NM.

Am 25. Oktober 2001 gab es dann den Schnittpunkt auf der Seekarte - der Kreis hat sich geschlossen. Für die Statistik die wichtigsten Passagen:

2 mal Nullmeridian

4 mal Äquator

1 mal Datumslinie

1 mal Panama-Kanal

1 mal Kap Agulhas

1 mal Kap der Guten Hoffnung

 

Das war unsere Weltumsegelung im Zeitrafferstil. Jetzt sitzen wir hier in Trinidad und suchen für unsere gute ViteVite (heißt:"schnell-schnell") neue Eigentümer. ViteVite ist startbereit für die nächste Weltumsegelung. Wer sich für technische Details des Katamarans interessiert, findet sie unter: www.vitevite.gmxhome.de
Unsere E-Mail-Anschrift: vitevite@gmx.net.

Herzliche Grüße senden Euch Ruth + Hannes

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