Die Circumnavigators - Who is Who im Weltumsegeln(26)


Ketsch GARUDA II

 

Schiffsname: GARUDA II

Vornamen:  Jörg, Jutta, Frank und verschiedene Verwandte und Freunde im Wechsel 

Beruf: Arzt

Nationalität: Deutsch

Schiffstyp und Größe:

Swan 76 Nautor , Länge 76 Fuß, Tiefgang 3,40 m, Baujahr 1976

Route der Weltumsegelung : 

1982 bis 1984: Mittelmeer, Kanaren, Karibik, Panamakanal, Südsee, Fidschi, Australien, Indonesien, Malediven, Südafrika, Brasilien, Karibik

 

Zehn Fragen an die Weltumsegler

1) Warst Du a) mit dem Schiff zufrieden, b) was wäre Dein Traumschiff?
a) Ja

b) Hochseetauglicher  Motorsegler (kursstabiler Langkieler) mit gut zugängiger einfacher Technik und festem Dach über dem Steuerstand und Achterdeck, ausreichend groß um Kinder und Freunde etappenweise mitzunehmen

2)Jährliche Kosten für a) Lebensunterhalt, b) Schiffsunterhalt?
a) als eingeladener Skipper keine wesentlichen Kosten, nur geringe eigene Ausgaben in Form von Andenken und Essen gehen etc.

b) aufgrund größerer Reparaturen der zum damaligen Zeitpunkt nicht optimal ausgereiften technischen Ausrüstung (Wassermacher, Autopilot, Generator, Kühlsystem, Elektrik) relativ hohe Kosten. Dennoch waren die Unterhaltskosten geringer als in den beiden Jahren zuvor, als das Schiff im Hafen von Antibes lag.

3) Welche Ausrüstungsgegenstände haben sich a) gut bewährt, b) welche machten Ärger?
a) Schiff, Takelage, Maschine (Mercedes), Nähmaschine für Segel.

b) Segel  -  Groß und Besan mussten im 2. Jahr nachgenäht werden, da die Fäden unter dem UV-Licht litten. Autopilot – versagte nach der 1. Woche, alle Reparaturen waren nur von kurzfristigem Erfolg. Generator – setzte immer wieder unverhofft aus (vermutlich überlastet -> Austausch) Wassermacher – hat so gut wie nie funktioniert (inzwischen veraltetes Modell)  Kühlsystem – war wohl nicht für Segeln bei Schräglage und Seegang konzipiert und musste komplett ausgetauscht werden, da wir gelegentlich längere Zeit mit halbem oder am Wind segelten und für den Kühlvorgang dann mehrere Stunden den Kurs ändern mussten. Satnav – versagte nach einem Jahr den Dienst (GPS gab es damals noch nicht weltweit) Ankerwinsch und einige Deckswinschen waren, trotz regelmäßiger Wartung, von Korrosionen und Elektrolyse befallen.

4) Welche zusätzlichen Ausrüstungsgegenstände hättest Du Dir gewünscht?
Wenn alles funktionierte waren wir bestens ausgerüstet, evtl. Solarzellen und Wind- oder Wellengenerator.

5) Welche Versicherungen hattest Du a) für Dich, b) fürs Schiff?

a) Privathaftpflicht und Krankenversicherung

b) Vollkaskoversicherung (wurde nicht in Anspruch genommen)

6) Was waren für Dich a) die besten Plätze, b) die schlechtesten Plätze?
a) Noumea – schöner Strand, spannende Unterwasserwelt, Malediven – durch freundschaftlichen Kontakt mit einem Resortbesitzer hervorragende Proviantierung (aus Ceylon) und alle Annehmlichkeiten des Hotels genossen, Sydney,
Südafrika, letztendlich würde ich aber keinen dieser Plätze meinem derzeitigen Dauerliegeplatz in der Türkei vorziehen.

b) Amerikanisch Samoa, Hafen von Jakarta.

7) Wurden Deine Erwartungen erfüllt?
Unsere Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Einmal weg von zu Hause ist der Blickwinkel völlig verändert. Anfangs versucht man noch Nachrichten zu hören oder eine deutsche Zeitung zu ergattern, doch dann verschiebt sich der Horizont. Am Schönsten fand ich die längeren Passagen auf See, wenn von der Hektik des Hafens gelöst, hat man sich an den Wachrhythmus gewöhnt hat und die Kompassnadel Tag und Nacht auf West steht.

8) Was würdest Du beim "nächsten Mal" anders machen?
Keinen festen Fahrplan, mehr Zeit an schönen Plätzen verweilen. Eine sinnvolle zusätzliche Aufgabe, z.B. „Arzt vor Ort“.

9) schlimmste Erlebnisse?
In Indonesien erhielten wir per Luftfracht einen neuen Generator. Der Transport vom Flughafen zum Freihafen  kostete ebensoviel Schmiergeld wie die gesamten Frachtkosten. Außerdem wurde uns im Hafen von Jakarta der Dinghimotor gestohlen und zwar von der Reling abgeschraubt, direkt neben meinem Schlafplatz im Freien.

Auf dem Wasser gab es keine negativen Erfahrungen, vielleicht auch deshalb weil der Autopilot defekt war und somit der Wachhabende auch ständig Ruder ging. Oder doch…. Ein beinahe Unfall hatten wir. Bei 35 Knoten Wind unter Spinnaker fuhren wir hinter der GARUDA II Wasserski, die einzeln an dünnen Leinen gesichert waren. Beim Versuch Mono zu fahren stürzte „Rupse“ und wir hätten ihn beinahe verloren. Inzwischen, einige Jahre reifer, würde ich solchen Leichtsinn nicht mehr zulassen und mich mehr an die Seemannschaft halten.

10) Wie ging  Dein Leben weiter?
Durch die Reise habe ich viel erlebt und gelernt. Durch die Weltumseglung und das Regattasegeln rund um die Welt bin ich erst mit 34 Jahren ins Berufsleben eingestiegen, mit dem Vorteil, niemals das Gefühl zu haben, ich hätte etwas verpasst. Beruflich bin ich zur Zeit sehr ausgelastet mit einer großen orthopädischen Praxis, drei Altenheimen und einem Charterschiff (26 Meter langer Motorsegler) in der Türkei www.fit-and-sail.de Eine Weltumseglung würde ich jederzeit wieder machen und wenn alles klappt,  plane ich mit 60 nochmals, auf große Reise zu gehen. Also bis in 5 Jahren.

 

Nachbemerkung:

Dr. Jörg Diesch ist unter den Seglern eine Ausnahmeerscheinung. Er kennt die Welt des Blauwassersegelns genauso gut wie den Leistungssport unter Segeln. Das dürfte einzigartig sein: Nicht nur, dass er als Fahrtensegler gemütlich die Welt umrundet hat, sondern er war auch in der Jolle als Regattasegler außerordentlich erfolgreich. Zusammen mit seinem Bruder Eckart Diesch wurde er nicht nur Weltmeister im Flying Dutchman, sondern er holte sich auch die Krone für jeden Sportler, nämlich die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Toronto/Kanada.

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