Die Circumnavigators - Who is Who im Weltumsegeln(27)


Sloop WHITE WITCH

Schiffsname: WHITE WITCH

Vornamen:  Manfred (jetzt 66) und Marianne (jetzt 63, sie war insgesamt 3 Jahre dabei)
Beruf: Dipl. Ing. und Salesassistentin

Nationalität: Deutsch

Schiffstyp und Größe:

Hallberg Rassy 352, Sloop, Baujahr 1984, Fiber Glasrumpf, 10,45m lang, 3,35m breit, 1,65 m Tiefgang, Mittelkieler, Werft Hallberg Rassy, Ellös / Schweden

Route der Weltumsegelung : 

2000: Kauf der White Witch in St. Maarten/Karibik, allein über den Atlantik bis Azoren, drei Crews überführten White Witch bis Pula /Kroatien, Vorbereitung zur Weltumsegelung

2001: Mittelmeer mit Kroatien, Griechenland, Türkei, Italien, Spanien, Gibraltar, Tanger, Agadir / Marokko, Lanzarote, Kanarische Inseln über den Atlantik mit 2 Freunden nach St. Maarten/Karibik

2002: Karibik mit Virgin Islands, Puerto Rico; die Inselkette runter nach Trinidad, Tobago, Los Rockes, Aves, Puerto la Cruz / Venezuela, Kuba, San Blas Inseln, Panama

2003: Balboa, Colon / Panamakanal, Contadora, Galapagos, Marquesas, Tuamotos, Franz. Polynesien mit Papeete, Bora Bora, Morea, Suvarrow / Cooks Islands, Samoa, Tonga, Fidschi, Neuseeland, Australien

2004: Neeseeland, Fidschi, Vanuatu, Neu Kaledonien, Papua New Guinea, Torresstreat, Darwin /Australien, Bali, Indonesien, Singapur, Malakka Streat, Malaysia, Phuket / Thailand

2005: Thailand, Malaysia, Sunda Streat, Chagos, Madagaskar, Mayotte, Ostküste Südafrika von Durban nach Simonstown / Kapstadt2006: Simonstown, Kap der guten Hoffnung, Kapstadt - zurück über den Atlantik über St. Helena nach Trinidad / Karibik
 

Insgesamt ca 43.800 Seemeilen

Zehn Fragen an den Weltumsegler

1) Warst Du a) mit dem Schiff zufrieden, b) was wäre Dein Traumschiff?

a) Ich war mit meiner braven White Witch rundherum zufrieden. Für ihre Länge segelt sie schnell, ist allen Wetterbedingungen gewachsen und pflegeleicht. Für 2 Personen ein echtes Traumschiff.

b) Anfänglich wollte ich immer ein größeres Schiff mit mehr Lebensraum haben. Nur merkte ich schnell, um wie viel höher der dafür zu zahlende Preis wäre. Die Liebe zur  WW wuchs und ich wollte kein anderes Schiff mehr haben.

2)Jährliche Kosten für a) Lebensunterhalt, b) Schiffsunterhalt?

a) Der Lebensunterhalt, ca. 15.000 Euro /Jahr, ist über alles gesehen mit dem in  Deutschland zu vergleichen. Wir waren anfänglich sehr sparsam, unter anderem wegen des damaligen USD-Kurses, haben aber nach und nach beschlossen, großzügiger zu sein. Das betrifft vor allem Reisen in den Ländern, Automiete etc..

b) Der Schiffsunterhalt schlug mehr zu Buche, als ich zunächst eingeplant hatte. Hohen Anteil hatten dabei die Kasko-Versicherung (die im Pazifik und Indischen Ozean doppelt so hoch ist wie im Nordatlantik) und die Ersatzteile, deren Transportkosten teilweise höher waren als ihr eigener Wert. Außerdem muss das Schiff in den warmen Regionen alle 1,5 Jahre aus dem Wasser, um das Antifouling zu erneuern.

3) Welche Ausrüstungsgegenstände haben sich a) gut bewährt, b) welche machten Ärger?

a) Besonders gut bewährt hat sich.

- Die Windsteueranlage Pacific Plus, die unermüdlich und energielos über viele tausend Meilen lautlos ihren Dienst tat.

- Die elektronischen Seekarten und das dazugehörige Navigationssystem, an das ich mich zunächst gewöhnen musste. In den letzten 4 Jahren benutzte ich dann meine 500 Seekarten nur bei Bedarf.

- Das Heraufladen von Wegpunkten und Routen aus dem Navisystem in das GPS-System. Erspart manuelle Fehlereingaben und ist eine Sicherung gegen den Ausfall des Computers.

- Das von mir installierte Biminitop mit SS-Gestell bot nicht nur Schutz vor Sonne, UV-Strahlung (und die ist stark auf der Südhalbkugel), Regen und Wind. Wie ich erst später in stürmischem Wetter bemerkte, gab mir außerdem das Gestell als Alleinsegler bei jedem Wetter sicheren Halt, wenn ich mich aus dem Cockpit an Deck hangeln musste.

- Kommunikation gehört zum Segeln, insbesondere, wenn Frau, Familie und Freunde zuhause sind, aber in Freude und Sorge alles miterleben wollen. Daher ist Sailmail ein wirklich hervorragendes Email-System für maritime Anwender. Weltweit gab es nie größere Schwierigkeiten beim Senden/Empfangen von Emails.

b) Was machte Ärger?

- Den größten Ärger hatte ich, als mein Diesel-Motor wochenlang dahinsiechte, und letztlich, nach vielen Heilungsversuchen, ausgewechselt werden musste. Andererseits machte es mir viel Spaß, mit meinem Freund Joachim den neuen Motor selber einbauen und in Betrieb nehmen zu können.

- Mein Barograph zeigte nie richtig an und ließ sich auch nach 2 erfolglosen Reparaturversuchen in Deutschland (verbunden mit den logistischen Versandproblemen /-kosten) nicht mehr in Gang setzen.
Erst nachdem ich mich selbst daran versucht hatte, besann er sich eines besseren und läuft jetzt gut. Zur Sicherheit hatte ich mir aber längst einen elektronischen Barographen zugelegt (übrigens sehr wichtig in den hohen Breiten).

- Der UV-Schutz meines Vorsegels löste sich schon nach 2 Jahren Gebrauch auf. Nachdem ich ihn erneuern ließ, segle ich mit dem Segel immer noch herum.

- der immer wieder nicht funktionierende Watermaker

4) Welche zusätzlichen Ausrüstungsgegenstände hättest Du Dir gewünscht?

Eigentlich nichts weiter, mal abgesehen davon, dass ich natürliche gerne ein Tiefkühlfach und Eis gehabt hätte. Aber dafür gleich ein größeres Schiff mit Generator etc. zu kaufen, war ich nicht bereit. System KISS (keep it simple) auf „hohem Niveau“ halte ich dann doch für besser.

5) Welche Versicherungen hattest Du a) für Dich, b) fürs Schiff?

a) Auslandskrankenversicherung für ca. 450 Euro/Jahr (Pantaenius)
b) Haftpflicht (Preuss) und Kaskoversicherung (Pantaenius) mit Selbstbeteiligung (Kosten unterschiedlich je nach Fahrgebiet für das Schiff)

6) Was waren für Dich a) die besten Plätze, b) die schlechtesten Plätze?

a) Das muß ich unterteilen. Die schönsten Plätze - nimmt man alles über alles - waren für mich Thailand, Süd-Afrika und Kuba. Thailand, wegen seiner liebenswerten, freundlichen Menschen, billigen Lebenshaltung, geringen Kriminalität und fehlenden Hurrikans oder Zyklons (wenn wir auch am 26.12.2004) genau im Zentrum der Tsunami Katastrophe lagen). Vom seglerischen her eindeutig die langen, einsamen Passatstrecken in den 3 großen Ozeanen.

b) einige Plätze in der Karibik: teuer, unfreundliche Menschen.

7) Wurden Deine Erwartungen erfüllt?

Eindeutig ja. Wie schön kann die Welt, wie liebenswert ihre Menschen doch sein. Vielerorts erlebt man noch diese Ursprünglichkeit. Der Blickwinkel verschiebt sich zugunsten der Armen dieser Welt (die sich häufig gar nicht unwohl fühlen mit dem, was sie haben). Und ich verstehe heute besser, in welch wunderbarem, reichen Land wir in Deutschland leben. Das sieht man aber erst aus der Ferne.

8) Was würdest Du beim "nächsten Mal" anders machen?

Wenn es ginge, würde ich früher anfangen, mir mehr Zeit nehmen. Ich würde auch weniger planen, sondern alles mehr auf mich zukommen lassen. Nur bekommt man diese Erkenntnis der „Langsamkeit“ wohl erst während so eines Törns. Vorher steckt man doch zu sehr im gehetzten, stressbeladenen und durchprogrammierten Alltag.

9) schlimmste Erlebnisse?

- Ich lief direkt vor Savu Savu / Fidji Insel auf ein Korallenriff und dachte, jetzt ist alles aus. White Witch würde sinken, da mich keiner herunterziehen wird. Wie durch ein Wunder konnte ich mich bemerkbar machen, es meldeten sich Leute eines Tauchressorts, sie kamen mit einem großen Motorboot und zogen mich nach 10 Stunden ängstlichen Wartens und Hoffens vom Riff herunter. White Witch war wie durch ein Wunder kaum verletzt und hatte keinen Wassereinbruch. Am nächsten Tag kam schlechtes Wetter auf, da hätte es sicher keine Rettung mehr gegeben. So habe ich mein zweites Leben geschenkt bekommen.

- die Ausfahrt aus der Lagune von Knysna /Südafrika ist berüchtigt schmal, mit Rocks besetzt. Auflaufender Schwell lässt schnell eine Brandung von einigen Metern entstehen. In diese geriet ich beim Herausfahren und dachte einige Sekunden, mit White Witch unter den meterhohen Wellen zu versinken. Es ging aber gut.

10) Wie geht Dein Leben weiter?

Zunächst einmal freue ich mich wieder, nachhause fliegen zu dürfen in die Arme meiner lieben Frau Marianne. Ihr gilt auch all mein Dank für ihre Toleranz, bereitwillige Hilfe, ihre Besuche und ihr geniales Organisationstalent. Dann bringe ich White Witch für den neuen Eigner von Trinidad über Kapstadt nach Perth/Australien, habe also noch ein herausforderndes Nachspiel vor mir. Danach werde ich mich hoffentlich wieder gut in Deutschland einleben. Ich denke aber schon, da ich mich auch wieder ganz meiner Golfleidenschaft widmen kann. Alles andere lasse ich mal auf mich zukommen.

All diese Eindrücke und Erlebnisse sind auf der Webseite von White Witch nachzulesen (www.White-Witch.de).    

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Page by Bobby Schenk
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