Die Circumnavigators - Who is Who im Weltumsegeln(44)


Just do it

Schiffsname: Just do it

Crew: Anke (49) - Martin (51)
Berufe:  Anke: Dipl.-Ing. Landespflege - Martin: Landschaftsarchitekt
 Nationalität:   Deutsch

Schiffstyp und Größe:

Reinke Super 11, Alu, ASY-Twinkiele, Heckverlängerung 
11,96 m, 3,47 m, 1,40 (langfahrtgerecht beladen)

Konstrukteur: Kurt Reinke

Werft: Eigenbau

Erstwasserung 1992, von uns dritter Hand erworben in 1998

Route der Weltumsegelung : 

Juli 2004 - Oktober 2009
Bremen - Holland - Südengland - Galizien - Portugal - Kanaren - Kapverden - Brasilien von Fernando de Noronha/Salvador nach Süden - Uruguay - Buenos Aires - 
Rio Parana - Rio Paraguay bis Asuncion und wieder zurück - Beagle-Kanal - Kap Horn - 
Magellan-Straße - Patagonische Kanäle - chilenische Küste bis Antofagasta - Peru - Galapagos - Marquesas - Tuamotos - Gesellschaftsinseln - Niue - Tonga - Fiji - Vanuatu - Papua-Neuguinea - Bali - Kalimantan - Singapur - Malaysia - Thailand - Malediven - Oman - Jemen - Eritrea - Sudan - Ägypten - Israel - Türkei - Griechenland - Sizilien - Mallorca - Gibraltar - Portugal ... usw. bis Bremen

 

Zehn Fragen an die Weltumsegler

1) Wart Ihr a) mit dem Schiff zufrieden, b) was wäre Euer Traumschiff?

a) Mit dem Schiff waren wir sehr zufrieden. Allen Vorurteilen zum Trotz segelt unsere Reinke zügig und auch gut am Wind. Voraussetzung sind allerdings eine Heckverlängerung für besseren Wasserablauf, Faltpopeller und sauberes Unterwasserschiff. Vor allem segelt Just do it extrem trocken.  Wir empfanden unsere Super 11 bei jedem Wetter als sicher. Das Boot war so stabil, daß wir kein Wetter erlebten, bei dem wir nicht mehr gekocht haben. Wir hatten niemals grünes Wasser an Deck. Nur ein einziges Mal auf der ganzen Reise füllte eine Welle das Cockpit (halb) während Boote in der Nachbarschaft "Landunter" meldeten. Hatten wir nur Glück? Das Boot ließ sich bei jedem Wetter problemlos beidrehen. Mehrere Grundberührungen - darunter zwei heftige: eine mit über 6 kn auf eine vertikale Sandwand, ein anderes Mal mit über 5 kn auf einen Felsen - steckte Just do it absolut schadlos weg. Der geringe Tiefgang erlaubte, tief in flachste Küsten- und Flußreviere einzudringen.
Nicht zufrieden waren wir mit dem Kettenkasten (zu klein, zu weit vorn) und dem engen seitlichen Durchstieg aufs Vorschiff und daß wir beim Reffen des Groß sowohl im Cockpit (Leine) als auch am Mast (Haken) arbeiten mußten. Alles Mängel, die man nicht dem Konstrukteur anlasten darf, sondern den Vorbesitzern bzw. uns, da wir sie vor der Reise nicht beseitigten.

b) was wäre Euer Traumschiff?

Tja, schwer zu sagen. Aufgrund der guten Erfahrung könnte es wieder eine Reinke 
sein. Möglicherweise modifiziert. Also Alu-Knickspanter zwischen 14 u. 16 m, im Linienriß 
etwas modernisiert, d.h. mit breiterem Heck, Twinkiele oder Bikiele (geringer Tiefgang), 
evtl. Doppelruder, Decksalon incl. Steuerstand (für Nutzer im Ölzeug), zweitem Salon unter 
Deck ...
Und da das alles viel Geld kostet kann es auch die gute alte Just do it bleiben, mit  kleinen Modifikationen.

2)Jährliche Kosten für a) Lebensunterhalt, b) Schiffsunterhalt?

a) ca.18.000 Euro für 2 Personen (viele Landausflüge und jährliche Heimflüge schlugen zu Buche)

b) ca. 6.000 Euro (incl. einiger Investitionen während der Fahrt und Kasko-
Versicherung in den ersten Jahren)

3) Welche Ausrüstungsgegenstände haben sich a) gut bewährt, b) welche machten Ärger?

a) Der unermüdliche Daimler-Benz OM 616. Aktiver Radartransponder, später aktives AIS (Class B). Das Banana-Boot erwies sich in den rauen Revieren Feuerlands allen Schlauchbooten weit überlegen, da durch Felsen, Muscheln usw. praktisch unzerstörbar. NoName Laptop von Tchibo. Das Ankergeschirr (Bügelanker Edelstahl, Powerball, Duplex-Kette) war stets zuverlässig, wo es ankerfähigen Grund gab. Hydranet-Groß und Genua. Unsere komplette Segelgarderobe von der Segelwerkstatt Stade machte keine Probleme, die über unvermeidbaren Verschleiß hinausging (Schamfilen). Kein Riß, keine offene Naht!!! Erstaunlicherweise ebenfalls gut bewährt hat sich der (wohl zu Recht) oft gescholtene und für unser Boot völlig unterdimensionierte Autohelm ST 4000 Radpilot. Windpilot Pacific bis auf den Radadapter (s.u.). Aquair-Schleppgenerator.

b)  Die Goldene Zitrone geht an die kugelgelagerten Umlenkblöcke. Die (weißen) Kugeln erwiesen sich als nicht UV-beständig und zerbröselten unter der tropischen Sonne. Schwarze und braune Kugeln blieben intakt. Der Radadapter der Windsteueranlage neigte wiederholt zum Durchrutschen. Wir haben ihn schließlich festgesetzt. Unterwegs nachgerüsteter Windex(e) taugten nix. Beim Herd versagte die Piezo-Zündung, was die Benutzung des Backofens erschwerte. Navi-PC mit integriertem DVD/CD-Laufwerk. Wir gaben ihn schließlich zurück. Der neue ohne integriertes Laufwerk arbeitet nun seit 18 Monaten einwandfrei. Kühlwasserpumpen für die Maschine. Wiederholt leckten die Dichtungen am Antriebsschaft. Sowohl bei der Original-Pumpe, der Ersatzpumpe und der schließlich frustriert gekauften Ersatz-Ersatzpumpe.

4) Welche zusätzlichen Ausrüstungsgegenstände hättet Ihr Euch gewünscht?

Nichts wesentliches. Höchstens eine Heckankerwinsch für Patagonien. Ansonsten umfaßt die Wunschliste nur Fun-Artikel: Komplette Tauchausrüstung, Filmkamera, Unterwassergehäuse für Kamera und Filmkamera, Aufnahmegerät.

5) Welche Versicherungen hattet Ihr a) für Euch, b) fürs Schiff?

a) Reisekrankenversicherung (erst TO bzw.Württembergische, gegen Ende ADAC), Privat-Haftpflicht

b) Haftpflicht-Versicherung und anfangs eine Kasko-Versicherung. Letztere gekündigt, weil zu teuer.

6) Was waren für Euch a) die besten Plätze, b) die schlechtesten Plätze?

a) Eigentlich war alles gut und mehr als gut. Man muß sich nur auf die Gegebenheiten und die Menschen einlassen. Toll waren die Kapverden mit ihren Menschen, Brasilien erst recht, einschl. Rio, natürlich Argentinien. Und Chile. Und Callao und Galapagos und und und ... Doch wenn wir wählen müßten wohin noch mal, dann gibt es nur eine Antwort: Feuerland und Patagonien!

b) Die gab es eigentlich nicht, obwohl, Martin schließt sich dem statement der Vera-Crew an: Egypt sucks.

7) wurden Eure Erwartungen erfüllt?

Wir hatten gar nicht so viel Erwartungen sondern wollten uns einfach offen auf alles einlassen, was da komme. So haben wir´s auch gehalten und sind 100-prozentig zufrieden. Erstaunt hat uns, daß letztlich die Begegnung mit Menschen einen höheren Stellenwert einnahm als das Naturerlebnis.

8) Was würdet Ihr beim "nächsten Mal" anders machen?

Nichts. Und wir würden auch starten, wenn das Boot noch unfertig oder suboptimal ist.

9) Schlimmste Erlebnisse?

Ein Messer am Hals des Skippers in Rio. Gehört in die Kategorie "selber schuld". Wer so blöd ist, im Dunkeln durch einen unbeleuchteten Park zu laufen ...
Slippender Anker in der Caleta 
Ideal. Rahmenbedingungen: Nacht, 30 kn Wind, Winddreher (Legerwall), strömender Regen, kein Licht, null Sicht und überall unsichtbare Felsen. Endete mit dem Ramming des einzigen anderen Ankerliegers (kein Ankerlicht) in der Bucht. Motto: so begrüßt man nach wochenlanger Einsamkeit das erste Boot.

10) Wie geht Euer Leben weiter?

Anke arbeitet wieder an ihrem alten Arbeitsplatz, Martin 
sortiert sich gerade neu. Ja, und dann träumen wir schon mal von neuen Törns. Martin: bescheiden bis Leningrad, unbescheiden bis Kirkenes im Winter, Island und Grönland, Antarktis, der Nordpazifik mit Japan und Alaska. Anke: Vanuatu, abgelegene Ecken in der Südsee, Marquesas again, Südamerika again, aber diesmal auf dem Rio Paraguay bis Corumbá und anschließend diesmal auch in die Antarktis ... Wer mehr wissen will, der schaue auf www.sy-justdoit.de

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