Die Circumnavigators - Who is Who im Weltumsegeln(54)


MAUNA KEA

Schiffsname: Mauna Kea

Crew: Peter (eigentlich Karl-Heinz) und Beate Kammler

(Peter: Ingenieur und Kaufmann; Beate: Lehrerin)

 Nationalität:   deutsch

Schiffstyp und Größe:

Schiffstyp: Nicholson 38, Ketsch, Bj 1968, LOA 11,5 m,  LWL 8,2 m, Breite 3,2 m

Tiefgang 1,6 m (ohne Beates Muschelsammlung), Verdrängung 7,2 t, Motor 40 PS Perkins 4-104

Segelfläche 64 qm.

Route der Weltumsegelung :

Mallorca, Gibraltar, Kanaren, Kapverden, Karibik, Panama, Galapagos, Französisch-Polynesien, Rarotonga, Fidschi, Neukaledonien, Australien, Bali, Timor, Christmas Island, Cocos Island, Mauritius, Südafrika, Angola, Azoren, Mallorca.

Reisedauer: 1969 - 1973

Zehn Fragen an die Weltumsegler

1) Wart Ihr a) mit dem Schiff zufrieden, b) was wäre Euer Traumschiff?

a) Im Prinzip ja, aber das Schiff war nur bedingt tauglich für eine so lange Reise. Das Mittelcockpit war so kurz, dass man sich nicht ausstrecken konnte. Auch ist eine Achterkajüte auf so einem kleinen Schiff Unsinn wenn nur zwei Leute drauf sind. Am Ruder konnte man nur stehen, nicht sitzen. Alles meine Schuld, das hätte ich vorher wissen müssen.

b) Beate war beim Segeln immer voll dabei mit Kopf, Herz und Hand. Gleichwohl, Ihr Traumschiff ist wahrscheinlich eher die 135 Meter lange "Sea Cloud". Ist ja auch okay. Mein Traumschiff ist die neue Mauna Kea, ein für mich gebauter Stagsegelschoner aus Alu. Der Rumpf ist von Philip Rhodes gezeichnet, alles andere (Schoner-Rigg, Deck und Innenraum) von mir. Nun ist es wirklich kein Kunststück, ein 14-Meter-Schiff für zwei Leute auszulegen: Langes Cockpit, Steuermannssitz, eine breite Doppelkoje für den Hafen, zwei Schlafplätze tief im Schwerpunkt für die Zeit auf See. Einen Ofen hatten wir nicht weil ich mir geschworen hatte, nur noch zwischen den Wendekreisen zu segeln.

2)Jährliche Kosten für a) Lebensunterhalt, b) Schiffsunterhalt?

a) Wir waren sparsam, aber nicht knauserig. Für den Lebensunterhalt gaben wir jährlich 6000 Mark aus - ganz ungefähr.

b) Jährlich 4000 Mark

3) Welche Ausrüstungsgegenstände haben sich a) gut bewährt, b) welche machten Ärger?

a) Eigentlich alle, insbesondere aber die ARIES Windsteuerung.

b) Der Kühlschrank war eigentlich unbrauchbar weil er so viel Strom verbraucht hat.

4) Welche zusätzlichen Ausrüstungsgegenstände hättet Ihr Euch gewünscht?

Keine. Damals waren die Schiffe noch nicht mit allem möglichen Kram ausgerüstet ohne den heute viele Leute glauben nicht auskommen zu können. Satelliten-Navigation gab es ohnehin noch nicht.

5) Welche Versicherungen hattet Ihr a) für Euch, b) fürs Schiff?

a) Wenn ich mich richtig erinnere hatten wir eine weltweit gültige Krankenversicherung, 
haben sie aber nicht gebraucht.
b) keine. Lloyds wollte eine exorbitanten Zuschlag haben für die Transozeanstrecken. Da haben wir dankend abgelehnt. Zumal wir im Schadensfall kaum Gelegenheit gehabt hätten, die Summe selbst in Empfang zu nehmen.

6) Was waren für Euch a) die besten Plätze, b) die schlechtesten Plätze?

a) Galapagos und Französisch-Polynesien. Für mich waren es auch die langen Strecken auf See. 

Manche Segler berichten vom ewigen Kampf gegen haushohe Wellen und heulenden Sturm. Sowas gibt es natürlich, aber das ist eher selten. Das eigentliche Abenteuer geht nach innen; die Perspektiven verschieben sich. Das nächste Land ist Lichtjahre entfernt, die Sterne kann man mit der ausgestreckten Hand berühren. Manche Menschen verändert das nachhaltig, andere nur vorübergehend.

b) die schlechtesten Plätze?
Eigentlich keine. Damals wurde für die Yachten und deren Crews wirklich überall noch der rote Teppich ausgerollt.

7) wurden Eure Erwartungen erfüllt?

Ja im Übermaß

8) Was würdet Ihr beim "nächsten Mal" anders machen?

Nichts, außer dass ich die Reise lieber mit der zweiten Mauna Kea gemacht hätte. Ist ja dann später auch passiert.

9) Schlimmste Erlebnisse?

Hurrikan Bebe hatte Kurs auf uns genommen, zwischen Fidschi und Neukaledonien.
Am Ende ist es aber noch mal gut gegangen. Er hat sich lieber Fidschi ausgesucht.

10) Wie geht Euer Leben weiter?

Beates weiterer Lebensweg ist ja allen Seglern weitgehend bekannt.

Also zu mir: Zum Weltumsegeln kommt man auf verschiedene Weise, allerdings gab es damals kaum Vorturner. Bei mir war Jack London der Auslöser. Genau gesagt: die Romanfigur des David Grief aus "Ein Sohn der Sonne". Da habe ich mir also im zarten Alter von 14 Jahren den Atlas gegriffen und erst mal einen Namen für mein Schiff ausgesucht: Mauna Kea. Dann hat es nur noch zwanzig Jahre gedauert bis es losgehen konnte. 

Heute ist es ganz normal, dass Leute alles hinter sich lassen und auf ein Segelschiff gehen. Ende der sechziger Jahre war das nicht so: Nach allgemeinem Verständnis hatten solche Leute einen erheblichen Webfehler. Wer dennoch aufbrach war wirklich besessen.

Über ein Jahr nach der Rückkehr von der Weltumsegelung haben Beate und ich uns getrennt. Zuerst habe ich erst mal meine marode Firma wieder aufgepäppelt, dann bin ich dann mit einem neu gebauten Schiff wieder auf Fahrt gegangen. Diesmal war es ein Stagsegelschoner. Ein solches Rigg ist sehr gut allein oder zu zweit zu bedienen. Auch passt für mich ein Schoner eben besser in den Pazifik – Jack London lässt grüßen. Der Bau des Schiffes war nicht ganz einfach, was hauptsächlich an meiner Pingeligkeit lag. Bei der Taufe hatten wir alle Tränen in den Augen. Ich vor Freude, die Werftleute vor Erleichterung dass sie mich los waren. 

Endlich dann: In der Karibik, auf einem ansprechenden 14-Meter Schiff, 45 Jahre alt, Junggeselle – das ist ein schwerer Job, aber irgendjemand muss es ja machen! In dieser Zeit schreibe ich ein Buch, "Das Atoll". Immerhin wird der Roman im Halbjahr des Erscheinens das zweitbestverkaufte Buch beim Ullstein-Verlag, nach Heinz Rühmanns Memoiren.

Bei einem Besuch in Berlin lerne ich meine jetzige Frau Dagmar kennen. Ein halbes Jahr bleiben wir noch in der Karibik, und dann segeln wir gemächlich westwärts: Venezuela, Panama, Galapagos. Die Anspannung auf der ersten Reise ist nun einer ruhigen Gelassenheit gewichen. Ein ganzes Jahr in Französisch-Polynesien ist der Höhepunkt. Danach geht es weiter Richtung Tonga, Fidschi, und schließlich Neuseeland. Dort lassen wir endgültig den Anker fallen.

Ein Grundstück mit einem achtzig Jahre alten Haus wird gekauft, 18 Kühe sind auch dabei. Als City-Boy weiß ich nur, dass bei der Kuh der Schwanz hinten ist. Da müssen wir schnell lernen. Ein paar Jahre später, nachdem wir mühsam Haus, Schuppen und Zäune renoviert haben, kaufen wir eine größere Farm, eine Stunde nördlich von Auckland, womit Theater und Konzert wieder in Reichweite sind. Diesmal haben wir 100 Rinder, allerdings ist das eher ein Hobby. Das Einkommen deckt mal gerade die Grundsteuer und das Düngemittel. Aber irgendwer muss das Gras ja fressen!

Obwohl das Leben auf einer Farm dem Segeln genau entgegengesetzt ist, gibt es erstaunliche Parallelen: Man ist 24 Stunden am Tag zusammen, so nahe an der Natur wie es eben geht, abhängig vom Wetter, die Nachbarn sind weit weg. Nur unsere Kühe können es an Eleganz nicht mit den Delphinen aufnehmen.

Vor fünf Jahren (2006) haben wir gedacht, dass wir nun genug gefarmt haben. Auch war ich gerade 70 geworden. Wir haben also drei Viertel der Farm verkauft, und auf dem einbehalten Teil des Landes ein neues Haus gebaut. Das Grundstück ist immer noch 150-tausend Quadratmeter groß; das reicht damit einem Nachbars Hund nicht an die Haustür pinkelt. Um uns herum sind andere Lifestyle-Farmen und auch Weingüter. Letztere mit den dazugehörigen Probierstuben und Restaurants. 

Allerdings fliegen wir jedes Jahr für ein paar Monate nach Berlin und machen von dort unsere Ausflüge. Im Bistro an der Ecke, wo ich Dagmar kennen gelernt habe, gießen sie mir immer schon den Morgenkaffee ein wenn ich um die Ecke komme. Soweit, so gut.

Ob ich dem Segeln nachtrauere? Manchmal schon! Aber im Innern weiß ich, dass es eher der Wunsch ist, die alten Zeiten, insbesondere die zweite Reise, noch einmal zu leben. Und weil das unmöglich ist, werde ich mich hüten auf eine Suche zu gehen die vergeblich bleiben müsste..

 

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