Die Circumnavigators - Who is Who im Weltumsegeln(63)


Momo

Schiffsname: Momo


Crew: Brigitte Moser, Jg 50, Kauffrau und Uwe Moser, Jg49, Werbefotograf
 Nationalität:  deutsch

Schiffstyp und Größe:

Koopmans 40, Stahl,12 m lang, 3,95 m breit, Tiefgang 1,80 m, Kuttertakelung, Entwurf Dick Koopmans ,gebaut 1995-97 bei DeDelta, Rotterdam

Route der Weltumsegelung :

2009-2012

Route: Fehmarn, engl. Kanal, Spanien Portugal Madeira, Kanaren, St.Lucia, Grenada, ABC Inseln, Panama, Galapagos, Marquesas, Tuamotus, Society Islands, Suwarrow Atoll, Samoa, Tonga, Neuseeland, Neukaledonien, Australien, Christmas Island, Cocos Keeling, Rodrigues, Mauritius, La Reunion, Südafrika, Namibia, St. Helena, Ascencion Island Fernando de Noronha, French Guyana, Grenada

Zehn Fragen an die Weltumsegler

1) Wart Ihr a) mit dem Schiff zufrieden, b) was wäre Euer Traumschiff?

a) Das Schiff ist extrem seegängig und segelt schnell und sehr trocken.
Wir haben uns immer sicher gefühlt auch z. B. Im Indischen Ozean, wo wir 
sehr hohen Seegang und ständig Kreuzseen hatten. Das kleine, sehr 
seegerechte Cockpit geht allerdings etwas zu Lasten des Komforts. Also von den Segeleigenschaften her hätten wir uns kein besseres Schiff wünschen können. Zum drauf leben sollte es (in unserem Alter) etwas größer sein!

b) Zwei Meter länger, nicht mehr aus Stahl (zuviel Zeitaufwand für die Instandhaltung), stärkere Maschine (unsere hat 50 PS, das ist bei 16-17 to eindeutig zu wenig!). Also z.B. eine 45 Fuss Koopmans in Alu, evtl von Hutting! Ist aber leider unbezahlbar!

2)Jährliche Kosten für a) Lebensunterhalt, b) Schiffsunterhalt?

a) Lebensunterhalt?

Die Kosten für den Lebensunterhalt waren niedrig, weil wir sehr selten ins Restaurant gegangen sind und auch sonst sparsam gelebt haben. Insgesamt waren es wohl ca. 20 000 Euro in drei Jahren.

b) Schiffsunterhalt?

Die Kosten für den Schiffsunterhalt waren hoch, weil wir unterwegs unter anderem unsere Stromversorgung mit Solarpaneelen und neuen Ladegeräten aufgerüstet haben und in Neuseeland das Schiff unter Wasser sandstrahlen und über Wasser neu lackieren liessen. In NZL ausserdem komplett neues stehendes Gut (was nicht verhindert hat, dass wir kurz vor Vollendung unserer Weltumsegelung, wegen eines gebrochenen Toggles unser komplettes Rigg verloren haben, inkl. vier Segeln). Ausserdem hatten wir zweimal Totalschaden an der Einspritzpumpe. Das hat sich dann schön „, wie wir Schwaben sagen, zusammen geläppert“, alles in Allem so um die 60 000 Euro

3) Welche Ausrüstungsgegenstände haben sich a) gut bewährt, b) welche machten Ärger?

a) gut bewährt? 
Sehr bewährt haben sich unsere Passatsegel, die wir als „Twins“ auf der Rollanlage gefahren haben. Für eine Zweier Crew nach unserer Meinung die beste Beseglung auf Downwind Kursen, auch heute noch! Leicht von einer Person zu reffen, das verlängert die Nachtruhe entscheidend.
Sehr gut auch unsere Windfahnensteuerung (Windpilot) Sie übernahm 95% der Arbeit am Ruder. Perfekt und ohne jede Störung hat auch unser SSB Radio mit Pactormodem gearbeitet. So haben wir z. B. Aus dem Indischen Ozean in UKW Qualität mit Amateurfunkstationen in Frankfurt und Stuttgart gesprochen. SSB Radio ist auch im Zeitalter von Iridium, Inmarsat und Co für eine solche Reise unerlässlich. Wacker gehalten hat sich auch unser PVC Dinghy, obwohl uns viele prophezeit hatten, es würde sich schon in der ersten Saison in der Karibik auflösen. Das beste Gerät zur Stromerzeugung war unser Ampair Schleppgenerarator, der 24 h am Tag Strom geliefert hat und zwar ca. 5 A bei sechs Knoten Fahrt durchs Wasser. Sehr gut auch unser 2KW Honda Generator, der in Panama 2 Wochen lang unsere einzige Stromquelle war (kein Wind, keine Sonne).

b) welche machten Ärger?
Ärger hat vor allem die Einspritzpumpe gemacht, aber das lag wohl an verschmutztem Diesel. Sehr geärgert haben uns die Rettungswesten eines namhaften deutschen Herstellers. Die darin verwendeten Salztabletten für die Automatikauslösung sind in den Tropen ungeeignet. 12 Fehlauslösungen hatten wir insgesamt, nur auf Grund der hohen Luftfeuchtigkeit und das obwohl wir die Ersatztabletten in Tupperdosen gelagert hatten. Wenn man bedenkt, was die Ersatzkartuschen kosten (wenn sie überhaupt erhältlich sind), ist das schon sehr ärgerlich. Sehr ärgerlich war auch, dass es nahezu unmöglich war ältere (gekaufte) Cmap Karten für Maxsea auf einem neuen Rechner zu installieren. Wir haben dann nur noch mit OpenCPN navigiert, das alles kann, was man braucht und ausserdem kostenlos ist!

4) Welche zusätzlichen Ausrüstungsgegenstände hättet Ihr Euch gewünscht?

Wir hätten gerne eine stärkere Maschine gehabt und ohne Wassermacher würden wir auch nicht mehr losfahren, ausserdem würden wir ein aktives AIS installieren (wir hatten nur ein passives). Ein Festbodendinghy mit 10 – 15 PS hinten dran wäre toll, wenn es das Stauproblem auf dem 40 Fuss Schiff nicht gäbe.

5) Welche Versicherungen hatte Ihr a) für Euch, b) fürs Schiff?

a) für Euch?
Wir waren über die Fa. Preuss bei der Hanse-Merkur krankenversichert.

b) fürs Schiff?
Haftpflicht und Kaskoversicherung hatten wir von der ESA-Allianz. Die Schadensabwicklung, als wir unser Rigg verloren war sehr gut!

6) Was waren für Euch a) die besten Plätze, b) die schlechtesten Plätze?

a) Die besten Plätze waren die spanische Atlantikküste, Madeira, San Blas, die Marquesas und die Tuamotus, Tonga, das Great Barrier Reef, Cocos Keeling, St. Helena und Ascension Island

b) Wirklich schlechte Plätze gab es eigentlich nicht. Am ehesten noch Panama, aber das lag sicher auch daran, dass wir dort grosse Probleme hatten, vom Affenbiss über Autounfall, Bänderriss und defekter Einspritzpumpe. Nicht besonders wohlgefühlt haben wir uns in Durban SA. Die Stadt ist nicht „weissenfreundlich“. Ach ja, sehr schlecht ist uns Cherbourg in Frankreich in Erinnerung. Dort wurden wir drei Stunden lang auf unfreundlichste Art und Weise vom Zoll gefilzt!

7) wurden Eure Erwartungen erfüllt?

Wir wollen es anders ausdrücken: Wir sind losgefahren und waren gespannt, was uns erwartet und was wir dann erlebt und gesehen haben, hat alle Erwartungen, so sie denn vorhanden waren, weitaus übertroffen!

8) Was würdet Ihr beim "nächsten Mal" anders machen?

Erst mal würde ich (Uwe) eine mindestens 3-jährige Lehre zum 
Elektrikelektronikerfeinundgrobmechanikerklemptnermaler machen. So musste ich alles unterwegs lernen, was manchmal mühsam war.
Auch wir würden, wie die Thule Crew, ein Jahr länger einplanen, um mehr Zeit im Pazifik und Indonesien zu haben. Und wir würden auf jeden Fall eine stärkere Maschine einbauen. Die Route war für die erste Runde absolut ok!

9) Schlimmste Erlebnisse?

1) Einlaufen in den Passe de Dumbea ins Barriere Riff von Neukaledonien bei Nacht, ohne Maschine, 30 Knoten Wind und strömendem Regen mit anschliessendem Aufkreuzen nach Noumea.
Affenbisse und Aquaplaningunfall mit dem Taxi in Panama und natürlich der Mastverlust 200 Meilen vor der Küste von Französisch Guayana.

2) Die schönsten Erlebnisse hatten wir mit der Gemeinschaft der Fahrtensegler, jenseits des Panamakanals. Die Kameradschaft und Hilfsbereitschaft auf See und am Ankerplatz waren einfach toll. Das gibt es an Land nicht. Danke an alle für diese Erfahrung!

10) Wie geht Euer Leben weiter?

Nach nur drei Jahren ist das kein Problem. Brigitte freut sich über die Enkel und ich kann wieder auf Skitour gehen. Beide freuen wir uns über vier Jahreszeiten. Tausende von Fotos wollen einer sinnvollen Verwendung zugeführt werden. Ich (Uwe) werde sicher weiter segeln, nicht mit dem eigenen Schiff (Momo ist verkauft), aber vielleicht ergibt sich ja die eine oder andere Aufgabe als Skipper.

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Page by Bobby Schenk
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