YACHT-Leser fragen, Bobby Schenk antwortet



Frage von R.S. (Name wurde auf Wunsch des Fragenstellers gekürzt)

Hi R.,

so ganz sicher bin ich mir nicht, ob Sie das alles so meinen, wie Sie es mit orgineller, doch ungewöhnlicher Sprache zu den Elektronen bringen. Sei´s drum, Zuschriften ähnlichen Inhalts hab ich schon zuhauf bekommen und der Tenor ist eigentlich immer der Gleiche:

" Ich komme mit dieser Gesellschaft nicht zurecht, niemand hat mich lieb, die Typen um mich herum bereiten mir nur Schwierigkeiten und draußen, irgendwo unter Palmen ist alles viel einfacher und besser. Kurzum: Ihr könnt mich alle und Ihr werdet schon sehen, wie leicht das alles zu lösen ist. Ich bau (kauf) mir ein Schiff und laß alle Probleme im Kielwasser zurück. Und auf der anderen Seite des Ozeans, da wartet auf mich die große Freiheit und vor allem die Eingeborenen, die ganz lieb zu mir sind, weil ich ihnen sicher gute Ratschläge geben kann, wie sie ihr Leben noch viel mehr schöner gestalten können..."

Aber ich hab nicht nur jede Menge solcher Briefschreiber getroffen, sondern auch einige, freilich viel weniger, die immerhin losgesegelt, ausgestiegen, sind - meist mit vernichtendem Ergebnis. Warum? Weil das Leben auf einem Schiff, möchte man nicht in irgendeiner stinkigen Ankerlagune total vergammeln, sehr viel schwieriger ist, als das Dahintreiben in unserer Gesellschaft. Hier ist alles geordnet, alles für uns aufbereitet, und das Einzige was diese "Ellenbogengesellschaft" von uns erwartet, wenig Arbeit (und das nicht immer) und mehr oder weniger viel Steuern. Sogar das Ende, das Begräbnis ist irgendwie per Friedhofssatzungen, Leichenschau etc vor-organisiert.

Draußen auf See dagegen bist du allein für alles verantwortlich. Du produzierst deinen Strom, dein Wasser, deine Nahrung und wenn es irgendwo hapert, kannst du nicht per Handy nach einem Handwerker winseln. Wirst du krank, dann kann dich eine Freundin Anki zwar pflegen, doch heilen mußt du dich selber.

Und die "Eingeborenen"! Die haben selbstverständlich nur darauf gewartet, daß du ihnen Animationen am Computer vorspielst oder gescheite Ratschläge erteilst. Und, wenn deine leichtverdienten Ersparnisse doch mal achteraus verschwinden, dann scheucht dich der immigration-man von deinem Ankerplatz, damit du den Einheimischen ja keine Arbeit wegnimmst. Aufenthaltsgenehmigung kriegst du dann auch keine mehr, Asyl erst recht nicht. Das sind die Fakten!

Ich hab es hundertmal erlebt, daß diese lässigen - auch von mir früher - bewunderten Aussteigertypen, denen irdische Werte selbstverständlich völlig gleichgültig sind, recht elend abgetaucht sind. Deshalb glaube ich: Wer mit den läppischen Schwierigkeiten hier nicht zu Rande kommt, hat "draußen in der Wildnis" keine Überlebenschance. Sorry!

Eine Geschichte paßt hierzu, die mir ein bekannter holländischer Weltumsegler erzählt hat: Da kam auf einer Bootsausstellung zu ihm eine Möchtegern-Aussteiger und fragte nach seinen Chancen. Die knappe Antwort: "Tausend träumen davon, hunderte segeln los, einer kommt an - nicht Sie!"

In diesem Sinne Bobby Schenk

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