Blauwassersegler-Lieblingsrezepte (26)

BORSCHTSCH - Spezialität aus dem Osten

 SY THALASSA 

Die kleine hübsche Marina auf der malaiischen Insel Langkawi an der Malakka-Strasse ist wie immer gut belegt mit weitgereisten Fahrtenseglern aus Europa, den U.S.A und Urlaubern aus Neuseeland oder Australien.

Darunter entdecke ich eine schmucke Oceanis52 mit dem Namen THALASSA. Zwei misslaunig dreinblickende Typen hocken im Cockpit. Auf die Frage:" Where are you from?", kommt die Antwort "Russia". Schnell merke ich, als Reporterin bin ich hier auf dem falschen Dampfer. Mein Russisch beschränkt sich auf vier Worte: Strasduje Pan, Neznaju,Spassiva und Doswidania, was soviel heisst, wie Guten Tag mein Herr - weiss nicht - danke - auf Wiedersehn. Die Englischkenntnisse der beiden Sailors sind ebenfalls gleich null. Bei der Vorstellung, stellt sich heraus: Der Skipper heißt Wladimir und der Heimathafen der S.Y.THALASSA ist Wladiwostok. Aber wo mag das wohl liegen in diesem riesigen Reich und welche Route sind die beiden Segler gefahren um nach Malaysia zu kommen, in den Indischen Ozean und in die Andaman See. 

Ich versuche mich zu verständigen, um herauszufinden, ob die beiden Jungs aus dem hohen Norden Russlands um Europa und Südafrika geschippert sind, oder aus dem Schwarzen Meer über die Türkei durch das Rote Meer in den Indischen Ozean?

Da verlies das Crewmitglied gelangweilt, grusslos das Cockpit. Meine Frage muss ihm wohl zu dumm gewesen sein, denn Wladiwostock liegt an der Ostküste des gigantischen Landes der ehemaligen Sowjetunion am Japanischen Meer im Nordpazifik. Die hübsche, fernöstliche Hafenstadt, ist das Tor zwischen Eurasien und dem Pazifik.

Die beiden Segler haben eine interessante, wenn auch harte und gefährliche Reise hinter sich. Sie starteten in den stürmischen Westerlies und segelten durch das Ost- und Süd-chinesische Meer. Dieses Gebiet gehört zu den gefährlichsten Routen für Fahrtensegler und war schon zu früheren Zeiten die Hochburg der Piraterie. Hurricans gibt es dort das ganze Jahr.

Sie besuchten, von Yachten selten angelaufene Plätze, wie Korea, Japan, Taipeh, die Philippinen, Ost- und West-Malaysia, welche in der einschlägigen Segelliteratur noch nicht beschrieben sind. Im Geheimen war ich ihnen neidisch. 

Meine Frage nach der Bordküche wird wortkarg beantwortet: Wir kaufen, was wir finden, hauen alles in einen Topf und kochen so etwas ähnliches wie Borschtsch. Hauptsache, wir werden satt. 

Dieser Eintopf ist das russische Nationalgericht; es ist ein einfaches, billiges, schmackhaftes und sättigendes Essen, das auch in der Seefahrt häufig Tradition hat, wie bei uns der Labskaus.

Hier ist das Rezept:

 

BORSCHTSCH
für 4 Personen oder 2 hungrige Segler.

ZUTATEN

Rindsbrühe, 1 Lorbeerblatt,2 Pfefferkörner, 1 geschnittene Zwiebel, 1 Knoblauchzehe, 2 Mohrrüben in Scheiben, 1/2 Weisskohl fein geschnitten, 3 mittlere Kartoffeln gewürfelt, 1 Tomate, etwas Tomatenmark, Rote Beete frisch oder aus dem Glas, Creme´fraiche oder Yoghurt, gerockneter Dill oder Petersilie. Als Fleischzutaten eignen sich Reste, gebratener Speck, Corned beef, auch Würstchen,geräuchert oder aus der Dose.

Gemüse und Gewürze in der Rinderbrühe nicht zu weich kochen, die Rote Beete noch im Glas zerkleinern und mit der Flüssigkeit unter den Eintopf mischen und nicht mehr kochen. In Suppenteller geben und mit einem Klecks Yoghurt oder Creme fraiché garnieren und mit gertrocknetem Dill oder Persilie bestreuen.

Was trinken die Russen dazu? Natürlich einen shot, so nennt man einen Wodka, der in Restaurants gleich in grösseren Karaffen auf den Tischen steht.In Supermärkten wird dieser Schnaps in 2 l Kartons angeboten. 

Na sdarowje!

 

 

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