Ich hab' da mal ne Frage - for Ladies only (07)


Ursula

Ursula Münchinger, SY ASSAI:

Ich lebe seit knapp drei Jahren mit meinem Mann auf unserem Segelboot. Losgefahren sind wir in Stuttgart, über Neckar und Rhein nach Holland. Von dort aus durch den englischen Kanal, die Biskaya und die portugiesische Küste hinunter. Dann mit einem größeren Boot von Griechenland durch das Mittelmeer an die Algarve. Hier überarbeiten wir das Boot, bekämpfen die Osmose und wollen dann im kommenden Jahr über den Atlantik. Gelernt habe ich das Segeln auf und rund um Elba und Korsika."
 


ICH HAB´DA MAL NE FRAGE - FOR LADIES ONLY 


FRAGEBOGEN


1) Was war für Dich die Motivation segeln zu lernen und mit einer Yacht auf Törn zu gehen?

Segeln ist für mich die Freiheit, die Welt zu sehen und gleichzeitig mein zu Hause mitzunehmen. Eine Idee, die mich seit jeher fasziniert hat. Getrieben von Neugier und Lebenslust fühle ich mich nicht wohl für immer an einem Fleck zu leben. Die Welt ist groß und ich will sie erleben und sehen.


2) Auf welcher Yacht würdest Du gerne segeln?

Auf unserer Moody. Ich finde dieses Boot perfekt. Sie ist groß genug für uns zwei und bei Bedarf auch unsere Freunde, die wir gerne willkommen heißen. Wie jedes Boot braucht sie viel Liebe und Aufmerksamkeit, aber das ist ja normal.

3) Mit wem würdest Du gerne über den Atlantik segeln?

Mit meinem Mann Alex. Da das Boot groß genug ist für drei oder vier Leute, gerne auch mit Freunden. Das erleichtert das Wachegehen.

4) Wirst Du seekrank? Was tust Du um diese Unannehmlichkeit zu vermeiden?

Glücklicher Weise werde ich nur selten seekrank. Wenn es mit doch flau wird, gehe ich ins Cockpit und konzentriere mich auf den Horizont. Hilft das nicht, dann muss ich Ruder gehen, mich auf das steuern zu konzentrieren hilft immer.

5) Welcher Segelschriftsteller hat Dich am meisten begeistert?

Schwierige Frage. Ich habe mehr online gelesen. Hier natürlich Bobby Schenk's Seite, den Blog der jungen Erdmanns, die Videos der Sailing La Vagabonde und  Guido Dwersteg. Eins meiner Lieblingsbücher ist von Astrid Erdmann "die Weltumseglerin". 

6) Welche Vorzüge hast Du, um auch harte Segeltörns durchzustehen?

Meine Sturheit. Grundsätzlich versuchen wir, Schwerwetter zu vermeiden und haben das bislang auch immer ganz gut hinbekommen. Wenn wir feststellen, dass es doch schlechter ist, als wir dachten, gucken wir, ob wir den Kurs ändern können, der es erträglich macht oder im Notfall auch umzudrehen.

7) Welche Musik hörst Du am liebsten an Bord?

Musik im Allgemeinen hilft mir vor allem durch die Nachtfahrten. Hier ist erlaubt, was gefällt und was gerade meiner aktuellen Laune entspricht. Stealth, Reinhard Mey, Divine, alles rockige.

8) Wer bestimmt bei Euch an Bord, wo es lang geht?

Wir beide. Wir besprechen vor dem Ablegen, wo es hingehen soll und versuchen, uns daran zu halten. Kommt es anders als gedacht, hat derjenige am Ruder die Entscheidungsgewalt. Komme ich mal nicht klar, hilft Alex mir und trifft auch mal die harten Entscheidungen.

9) Überfällt Dich manchmal das Heimweh?

Nein, das Boot ist mein zu Hause. Und ehrlich gesagt fühle ich mich da wohl, wo Alex ist. Wir sind jetzt schon so lange auf so engem Raum zusammen, dass es mir fast seltsam vorkommt, alleine zu sein. Mir fehlen durchaus meine Freunde und die Familie, aber Deutschland fehlt mir nicht. Glücklicher Weise hilft das Internet uns, mittels unserer Homepage www.svassai.com Kontakt zu halten.

10) Was vermisst Du, fern der Heimat in der dritten Welt, Afrika, Südamerika oder Südostasien?

Die Spülmaschine, die vermisse ich wirklich. Spülen ist wirklich nicht meine Lieblingsarbeit. Ansonsten auch mal ein Mettwurstbrötchen, deutsche Wurst und Kinderschokolade (durchaus zu erhalten, aber viel zu teuer). Dinge wie Spätzle und Laugenbretzeln kann ich inzwischen selber gut machen. 

11) Mit welchem Segler oder Seglerin hättest Du gerne ein Dinner for Two?

Wilfrid Erdmann. Ob es jetzt ein Dinner for two sein muss, ist fraglich, aber ein Gespräch würde mich schon reizen.

12) Bringt das ungewöhnliche Leben auf so engem Raum manchmal Zoff an Bord?

Klar. Immer wieder, aber es wird langsam besser. Wir sind beide eher "Meinungsstark", um nicht zu sagen stur. Beide lernen wir uns jeden Tag ein wenig besser kennen und mit den Schrullen des anderen umzugehen. Es ist eine Sache, eine Beziehung an Land zu haben, eine andere diese an Bord eines Schiffes zu leben. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

13) Wie sieht Dein Speiseplan unterwegs aus?

Unterwegs sind wir beide nicht die großen Esser. Da gibt es viel Obst, wie Äpfel und Bananen. Alles, was schnell geht ist gut, Kekse, hartgekochte Eier, Reis und Nudeln mit Gemüse oder auch Brot. Bei langen Passagen koche ich vor, Eintöpfe und Suppen. Die gehen schnell aufzuwärmen und halten warm.

14) Fürchtest Du Dich auf offener See, hast Du Angst um Dein Leben?

Ab und zu habe ich Angst, ja. Aber nicht unbedingt um mein Leben, sondern um das Boot. Dann muss ich mich selber beruhigen und mir klar machen, dass wir ein gutes und sicheres Boot haben und es nichts gibt, worum ich mir Sorgen machen muss. Manchmal komme ich in eine Art "Angststarre", die eine Weile anhält, dann aber in Aktion umgewandelt wird.

15) Wie ist Deine Meinung zu Waffen an Bord?

Schwieriges Thema, dass wir lange besprochen haben, bevor wir losgefahren sind. Letztendlich haben wir uns gegen Waffen an Bord entschlossen. Ich habe eine Abneigung gegen Schusswaffen und auch wenn ich von einer getötet werden kann, will ich keine abfeuern. Sollten uns andere bedrohen, greife ich lieber zu starkem Pfefferspray oder dem Baseballschläger. Alle anderen, die mir mit einer Waffe drohen, wissen vermutlich besser damit umzugehen als ich und sind wohl eher geneigt, ihre einzusetzen, wenn sie eine Waffe in meiner Hand sehen, als wenn ich keine habe.

16) Wo geht Deine nächste Reise hin und welches wäre Dein Traumziel?

Die nächste Reise geht es erstmal nach Marokko, dann hoffentlich über den Atlantik. Mein Traumziel sind die Inseln im Pazifik und Neuseeland.

17) Was ist das Schönste am Segeln?

Das Ankommen und neue Plätze erkunden. Auch die Menschen, die man dabei kennen lernt, sind für mich inzwischen Freunde fürs Leben geworden. Es ist schön zu sehen, wie das gemeinsame Interesse andere "Standesdünkel" verblassen lässt. Wir haben alle möglichen Leute kennen gelernt, vom Milliönar der total glücklich in unserem kleinen Boot saß und sich an seine Segleranfänge erinnerte, bishin zu Leuten, die nur noch 50 Euro für die nächsten drei Monate hatten. Ich mag es, dass wir alle "im gleichen Boot" sitzen.

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