Rückblick: Blauwasserseminar 2007


Das Referenten-Team

Die Referenten, von links nach rechts:

Sven (RAROIA), Ingrid (HARLEKIN), Karla (THALASSA), Norbert (HARLEKIN), Annette (RAROIA), Bernd (MENEVADO), Bobby, Kerstin (MENEVADO), Luca (MENEVADO) und Johannes (MAVERICK)

Das Seminar:

Zum vierten Mal veranstaltete die YACHT zusammen mit der Hanseboot Bobby Schenk`s Blauwasserseminar. Die Besetzung mit den Referenten war dem Thema angemessen hochklassig. Insgesamt gaben 9 Weltumsegler und ein Atlantiküberquerer ihre Erfahrungen während der beiden Tage an die 150 Seminarteilnehmer weiter. Das Seminar war - wie in den vergangenen Jahren bereits zwei Monate vor der Messe in Hamburg bereits ausgebucht, was einerseits auf das große Interesse an dieser Veranstaltung hindeutet, andererseits viel darüber aussagt, wie viele unter den Seglern vom ganz großen Törn träumen. Interessant auch die Tatsache, dass nahezu alle Seminarteilnehmer als Paar auftraten, wodurch deren Lebensplanung ziemlich transparent wird.

Der Ablauf:

YACHT-Chefredakteur Jochen Rieker hatte in seiner Einführungsrede schon darauf hingewiesen, dass die Besucher wohl einen anderen Eindruck vermittelt bekommen würden, als der Binnen- oder Küstensegler die Szene im Mittelmeer oder an den deutschen Küsten sieht.

Dementsprechend lud Bobby Schenk mit seinen Bildern die Besucher zu einem lückenlosen Rundgang in eine preiswerte Marina ein, in der sich ausschließlich Blauwassersegler befinden. Serienyachten, wie sie hierzulande in den Marinas das Bild beherrschen, wurden hierbei kaum gesichtet, auch nicht Yachten, deren Hersteller gerne damit werben, dass ihre Erzeugnisse die idealen Blauwasseryachten seien. Im übrigen wies Bobby daraufhin, dass man hier im Seminar Realitäten vermitteln wolle, denn dass Blauwassersegeln eine Art, schön zu leben sei, wisse man ohnehin. Hier ginge es darum, die zukünftigen Ozean- und Weltumsegler auf die Wirklichkeit und nicht auf Träume vorzubereiten.

Ingrid und Norbert berichteten von ihrer fast 10-jährigen Weltumsegelung ehrlich unter dem Titel "Wir reparieren uns um die Welt". Ein Bericht, der manchen Besucher schockte, denn man mag es sich - gerade auf einer Bootsmesse - kaum vorstellen, dass ein großer Teil der Zeit bei einer Weltumsegelung für Reparaturen und Bootsunterhalt draufgeht. So haben viele Besucher sich den Traum von einer Weltumsegelung nicht vorgestellt. Aber Ingrid war ehrlich: Weltumsegelung heißt, sein Boot an den schönsten Plätzen der Welt reparieren. Dass dieses bewusst gewählte, schockierende Thema (man sollte auf sowas innerlich vorbereitet sein)  durchaus den wahren Gegebenheiten  entspricht, bestätigen die Weltumsegler Annette und Sven in ihrem Bildbericht. Vor allem aber gaben sie Rezepte weiter, wie man eine Weltumsegelung mit 300 Euro pro Monat finanziert. Einer der Tricks, um die Ausgaben niedrig zu halten: Nach einem DDR-Kochbuch kochen!

Weltumseglerin Dr.Kerstin Heller bereitete die Zuhörer auf die medizinischen Probleme eines Lebens auf dem Wasser vor. In Ihrer Schreckens-Hitliste zählte sie all die Gefahren auf, mit denen Weltumsegler konfrontiert werden könnten. Die Referenten konnten Kerstin leicht bestätigen, dass dies leider kein grundloses Schreckensszenario war, sondern dass eine Menge der aufgezeigten Punkte in das Leben der Referenten bereits eingegriffen hatte, wie Schigellen-Ruhr, Malaria, tropische Geschwüre und so fort. Umso aufmerksamer verfolgten die Zuhörer die aufgezeigten Vorbeugemaßnahmen.

Weltumseglerin und Kap Horniere Carla Schenk gab Tipps, wie sich die Skipper das Leben mit den Behörden erleichtern könnten (nämlich die Frau bei den Offiziellen Skipperin spielen lassen!) und wie man am besten eine Blauwasserreise so plant, dass man den tödlichen Orkanen aus dem Weg gehen könne.

Klar, dass während der beiden Seminartage noch zahlreiche weitere Themen angesprochen wurden, die für eine Blauwasserreise praktische Bedeutung haben könnten. Weltumsegler Bobby Schenk brachte die Frage nach der optimalen Langzeityacht auf den Punkt: "Unzählige gelungene Reisen haben bewiesen, dass nahezu jedes Schiff, gleich welcher Größe und welchen Typs für eine Blauwasserreise taugt ist, wenn sich der Skipper dazu eignet." 

Genau das bewies  Johannes Erdmann, der in einem erfrischenden Vortrag berichtete, wie er als 19-jähriger Abiturient, eine 8-Meter-Yacht für wenig Geld bei Ebay ersteigert hatte, damit erfolgreich den Atlantik überquerte und die Yacht über Ebay wieder losbrachte, sodass er mit dem Ersteigerungserlös einen Teil seiner Ausgaben abdecken konnte.

Eines wurde den Seminarteilnehmern nachdrücklich von den Referenten klargemacht: In jedem Fall muss die Yacht auf eine Blauwasserreise zweckmäßig vorbereitet sein. Dieses Kriterium erfüllt nahezu keine der Yachten, die auf den großen Bootsausstellungen (hier: Hanseboot) vorgestellt werden.

In einem Merkzettel, der den Seminarteilnehmern unter anderem ausgehändigt wurde,  wurden die wesentlichen Punkte aufgeführt, die von der Ausrüstung her bei der Aufrüstung zu einer Blauwasseryacht bedacht werden sollten.

Wie gehts weiter?

Auf Grund des außerordentlichen Interesses an diesem Seminar, nunmehr über viele Jahre hinweg, gab die Leitung der Hanseboot bekannt, dass dieses Seminar nächstes Jahr erneut veranstaltet wird und zwar am 25./26.102008.

 

Aufrüstung einer „segelfertigen“ Yacht

zu einer Blauwasseryacht

(Stichworte vom Blauwasserseminar)  

1) Sicherheit

Rettungsinsel plus Epirb

 2) Ankergeschirr

 Starke elektrische Ankerwinde

Hauptanker: Schwerer Anker plus Kette (mindestens 60 Meter)

Zweitanker: Schwerer Anker plus Trosse (60 Meter aufwärts)

Verwarpanker: mittelschwerer Anker plus Trosse

Robustes(!) Schlauchboot (Caribe!) oder Klappboot,

beide mit leichter Staumöglichkeit und 2-Takter-Außenborder

3) Besegelung

Spezialsegel für tagelanges Vorwindsegeln ohne Notwendigkeit des Rudergehens

 (Passatsegel oder Doppelfock oder Spi oder Parasailor)

 4) Selbststeueranlage

Windsteueranlage und eventuell elektrischer Automat

5) Navigation

Notebook, zwei Hand-GPS, Plastiksextant, Radar und AIS

6) Kommunikation

Emailfähige(!) Funkanlage, notfalls Satelliten-Handy (z.B. Iridium)

7) Elektrizität

Hochleistungsregler, Positionslampen mit LEDs bestücken

Solarpaneele und evtl. Windgenerator (Kiss)

Landstrom 220 Volt, 50 Hertz, Ladegerät 12 V, Inverter 2000 Watt

8) Sonnenschutz

Windstarkes Sonnensegel fürs Cockpit (mindestens)

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