Ecker-Cup 2007- tausend Meilen von Zadar nach Samos (1)


Jetzt ist es soweit. Der Ecker-Cup, beliebteste Langstreckenregatta, jedenfalls im Mittelmeerraum, findet nach 17-jähriger Tradition, zum letzten Mal statt. Über 1000 Meilen geht das Race quer durchs Mittelmeer. Willkommen ist jeder Segler, unabhängig von Nationalität, Beruf oder Alter. Es ist auch gleichgültig, ob er mit eigenem Segelschiff, oder ob er mit einer Charteryacht antritt. Ebenso interessiert niemand, bei welcher Firma er das Schiff findet, mit dem er sich die besten Chancen ausrechnet. Was er allerdings mitbringen muss sind zwei Wochen Urlaub und -sehr erwünscht - eine sportlich-faire Einstellung.

Ecker-Cup - ein Volksfest unter Segel

"Dies ist absolut der letzte Cup!" Kurt Ecker, Charterunternehmer aus dem kleinen Ried in Österreich, desto trotz wohl das größte deutschsprachige Unternehmen seiner Art, wird nicht müde, seine Umgebung zu beschwören. Das sind dann die Momente, wo die Ecker-Crew (und seine Familie - siehe Foto) an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gerät. Das war gelegentlich in den letzten Tagen der Fall. Schließlich ist es keine Kleinigkeit, eine Regatta über zwei Wochen lang für knapp an die hundert Hochseeyachten, zu organisieren. Und wer hier abwertend von "wieder mal so eine Firmenregatta" spricht, dem fehlt etwas der Überblick." Denn "der Kurt", der schießt beim Startschuss nicht einfach so mal 600 Segler auf die Strecke, sondern betreut sie mit mehreren Begleitschiffen und einer halben Hundertschaft an Servicepersonal, die eigentlich dringend am Hauptsitz der Firma benötigt würden, quer durchs Mittelmeer. Da sind Mechaniker, Hostessen, Segelmacher am Werk - alles kostenlos für die Raceteilnehmer - , nur für einen Zweck, nämlich jedem teilnehmenden Fahrtensegler eine erfolgreiche Teilnahme über die ganze Strecke zu ermöglichen. Und wie die Siegerehrung im fernen Alexandrien, Malta, Tunesien, in Israel, Marmaris, oder jetzt in Samos beschallt werden soll, ja das ist auch eines der vielen Problemchen, die gelöst werden müssen - von der Logistikfrage, wie anschließend hundert Yachten nach Hause geschafft werden müssen, mal ganz abgesehen.

Warum aber hat er sich das alles angetan, der Kurt? Okay, der Name Ecker-Cup (der übrigens offiziell "1000-Meilen-Race" heißt), und damit seine Firma haben sich ins Bewusstsein der Fahrtensegler im Mittelmeerraum katapultiert. Aber sonst? Wie gesagt, nach Kurt ist es der absolut letzte Cup.


Zwei Vorschriften garantieren eine Fahrtensegel-Regatta
 

17 Jahre also hat der Kurt gesagt, es sei der letzte Cup (dieses Mal klingt es allerdings sehr ernst). Und der Charakter der Regatta ist gleich geblieben. Eine Veranstaltung - streng für Fahrtensegler! Zwei Vorschriften haben dafür gesorgt: Spi ist verboten, und Maschine ist erlaubt, allerdings mit entsprechendem Handycap, das heißt, jeder kann so viel motoren wie er will, doch jede Motorstunde kostet die dreifache Zeit. Dies hat die sogenannten "ernsthaften Regattasegler" erfolgreich vom Cup ferngehalten. Was durchaus im Sinne des Veranstalters und nahezu aller Teilnehmer ist. Ziel erreicht: Der Ecker-Cup ist zu einer Veranstaltung für Fahrtensegler mit Sportsgeist geworden. Jeder kann mitmachen. Was ich schmerzhaft spüren konnte, als mich mein Zahnarzt beim Bohren fragte, ob er denn auch mal beim Ecker-Cup mitsegeln könne. Meine Antwort: Ein gurgelndes "Ja"!

Und obwohl die "großen" Segler durch Abwesenheit glänzen, geht es manchmal zu wie beim America's Cup. Sponsoring ist ein großes Thema. Die eine Yacht hat den Banner einer Brauerei am Achterstag (Uiii, die Flaggenetikette!), und verrät verschmitzt, dass da schon so 100 Liter Bier rübergekommen sind, die andere Yacht hat den Großbaum vollgepflastert mit Logos vom heimischen Installationsgeschäft, Tagesblatt, bis zur Sparkasse, die die Crewmitglieder auch auf dem Leiberl (veralterter österreichischer Begriff für das deutsche Wort T-Shirt) tragen. Seid mir nicht bös, aber die gesponserte Salami vom Metzger am Marktplatz in Ried im Innkreis imponiert mir mehr als die 50 Millionen von Porsche oder Mercedes (die ich übrigens mitfinanziert hab) für deutsche America´s Cup-Spielereien!

Bei der pompösen Startfeier (Festmenü für 44 Euro in der Startgebühr inbegriffen) lassen sich schon mal ein paar Crews nach ihrer Taktik ausfragen: Einhelliger Tenor: Trotz der angesagten Flaute ist mit Motorstunden zu geizen! "Paganini" von der Tankerkomerc aus Kroatien und einziger Teilnehmer an allen Ecker-Cups kann seine Nervosität kaum noch verbergen. Aus seinem Umfeld wird mir zugeflüstert, dass sie ihn endlich loshaben wollen, weil er jedermann seit vielen Tagen auf die Nerven geht mit seinen endlosen Diskussionen über die richtige Taktik: "Seit eineinhalb Jahren zähle ich die Tage bis zum Start"

Vorjahressieger Hubert Mayer ("der schönste Moment in meinem Leben war das Erklingen der Nationalhymne bei der Siegesfeier") verrät, dass er nach langem Suchen eine etwas langsamere Dofour 455 (wegen der geringeren Segelfläche) bei einer Charterfirma in Mödling gefunden hat, die er aber wegen der Yardstickzahl nach vorne segeln möchte. "Wenn nach der ersten Nacht der tote Punkt kommt, dann musst wachsam sein, da wird das Rennen entschieden!"

Wolfgang von der CARLANA, einer schmucken (und wahrscheinlich chancenlosen) Hallberg Rassy 48 hat mit modernen Segeln aufgerüstet und sich lauter Segellehrer als Crew geholt. Stolz zeigt er mir sein Iridiumhandy, mit dem er auch dann die Infos von seinem befreundeten Wetterrouter zu Hause am PC bekommt, wenn die GSM-Handys nicht mehr durchkommen.

Ja, und dann gibt es noch ein paar reine Selbstsponsoren, wie die Stammtischgruppe aus Deutschland, die einen Sparverein vor drei Jahren gegründet hatte, um die Teilnahme am Ecker-Cup zu finanzieren. Nachdem der Cup um drei Jahre verschoben werden musste, unter anderem, weil das ursprüngliche Ziel Libanon im politischen Chaos versunken war, war die eigentlich knapp kalkulierte Cup-Kasse übergequollen.

Beim Start mit den Offiziellen von Zadar zur ersten von zwei Etappen waren sie alle da. Auch der Wind mit zaghaften 15 Knoten. Glück für die MOTIVA 45S des deutschen Dr.Martin Schwerdtfeger, die man wahrlich nicht als Flautenläuferin einschätzen konnte. Aber nach ein paar Stunden traf die Wetterprognose voll ein: "Flaute von vorne" und den ersten kamen Zweifel, ob die Parole vom Maschinensparen hier zutreffend war.

Auf dem Begleitschiff ADORNATE hatte die Begleitmannschaft unter Kurt Ecker direkt ein schlechtes Gewissen, als den 25 Personen das Abendmenü beim Sonnenuntergang  aufgetischt wurde, während sicherlich die meisten Mannschaften Meter für Meter die wenigen Windstriche abzusegeln versuchten. Für solches Wetter war von der Wettfahrtleitung eine Deadline, also eine "Todeslinie" im Zielhafen Katakolon vorgesehen, um mindestens sicherzustelln, dass die 2.Etappe dort pünktlich wieder gestartet werden konnte. Aber, um auch den besonders unter widrigen Windverhältnissen leidenden Yachten noch die weitere Teilnahme zu ermöglichen, sollten auch die in der Wertung bleiben, die die Deadline nicht schaffen würden - allerdings mit einer Strafe von einer Stunde auf die schlechteste Yacht noch innerhalb der Deadline gewerteten Yacht. Diese zugunsten der schwächeren Yachten geschaffene Bestimmung sollte noch für Unruhe sorgen - siehe unten.

Wer ist wo?

Ansonsten konnte man auf der ADORNATE den Verlauf des Rennens fast life verfolgen. Da hatten ein paar Informatiker von der Uni Erlangen ein über 17 Jahre fast unlösbares Problem gelöst, das immer wieder für zahlreiche Diskussionen bei den Vorbereitungen für den Cup gesorgt hatten: Nämlich die Positionsbestimmung der einzelnen Teilnehmeryachten für die "Außenwelt" - und für die anderen Teilnehmer. Von täglichen Roll-Calls bis Einsatz von Kurzwellen-Seefunk war über die Jahre alles im Spiel - mit äußerst mäßigem Erfolg. Wie man es auch anstellt, das Regattafeld wird sich immer so auseinanderziehen, dass zahlreiche Yachten für das "Mutterschiff" nicht mehr erreichbar waren. UKW-Funk auf Schiffen ist halt ziemlich rudimentär. Und der Einsatz von Satelliten verbat sich aus finanziellen und letztlich auch aus Softwaregründen.

Und plötzlich war alles so leicht gewesen. Die Hochschulsegelgruppe Erlangen unter Dr. Werner Frie von der Yacht SYNTYCHE legte die perfekte Lösung vor und zwar uneigennützig, effektiv und ohne zusätzlichen Hardware-Aufwand. Die Lösung: Die vorhandenen Funkgeräte effektiv einzusetzen. Nein, nicht den veralterten Seefunk, sondern ganz moderne Funkgeräte, die - nebenbei gesagt - nur ein paar Euro kosten, weltweit senden können und - welch Wunder - ohne jeden vom Verkehrsministerium oder gar vom Deutschen Segelverband ausgegebenen Scheinen benutzt werden dürfen: Handys.

Wie funktioniert es? Jede Crew sendet ein paar Mal am Tag ein SMS mit der Position nach Ried, dort werden die Daten auf einer Karte ins Internet gestellt und schon kann jeder auf der ganzen Welt im Internet die Karte ansehen. Jeder, auch die ADORNATE, auf der Herbert Förstl (Bild) die Positionsdaten dann auf den Bildschirm projiziert und die Crews, natürlich nur solange GSM-Verbindung zur Küste von Kroatien, Albanien und Griechenland. Zugegeben mit einer Unterbrechung der Sendeverbindung von ein paar Stunden. Genial!


Die letzten werden die ersten sein!

So stehts in der Bibel. Aber in keiner Segelanweisung!. Darüber wird noch ein Wort zu verlieren sein.

Wie erwartet lagen die Maschinensparer weit hinter den ersten Ankömmlingen, die den Hebel auf den Tisch gelegt hatten. "Ich wollt einmal erster sein", meinte der First Home. Gefällt mir, diese Einstellung, obwohl es wohl nur zu einer Platzierung im hinteren Drittel reichen würde. Vorne, wie erwartet, die Könner und ein paar faustdicke Überraschungen. Die traurigste: Die Yacht SARDINIA, eine Dufour 44, mit Skipper Walter Hager hatte sich zur Überraschung aller an die Spitze gesetzt - mit nur 15 Motorstunden - und, kann die zweite Etappe nicht mehr in Angriff nehmen. Ein dubioser Kielbolzen mit nicht mehr beherrschbarem Wassereintritt ins Schiff war das Ende für diese fairen Verlierer beim Ecker-Cup.

Zweite, nicht unerwartet, die AktienPower von Mayer, an dritter Stelle, der ehemalige Cup-Gewinner, SEA CLOUD, eine Elan 43, und an vierter Stelle schon - für mich die eigentlich Überraschung - die behäbige Stahlyacht Motiva 45 mit Dr. Schwerdtfeger, wahrlich keine Flautenkönigin. Die CARLANA an 6. Stelle hat sicher noch Chancen auf den Gesamtsieg, während der Kroate "Paganini", ein Favorit der Herzen, einen Husarenritt benötigt, um sich vom 11.Platz noch vorzuarbeiten. Aber nichts ist unmöglich - für die Fortsetzung ist Sturm angesagt.


 
Fotos u.a.:Dr.Axel Platz

zur Home-Page

Page by Bobby Schenk
E-Mail: mail@bobbyschenk.de
URL of this Page is: https://www.bobbyschenk.de/n000/ecker1.html

Impressum und Datenschutzerklärung