in den Wind gesprochen (78)

Der typische Segler
oder
seine Selbstfindung

Treffende Karikaturen für (oder gegen) Segler gibt es nicht geradezu üppig. Die Älteren werden sich vielleicht noch an die Bilder des englischen - leider verstorbenen - Sailors Mike Peyton erinnern, der in seinen Bildern unsere Welt am und auf dem Wasser, auf dem und unter dem Schiff so treffend darstellte, dass auch der ernsteste Yachtchef schmunzeln musste. Was Mike Peyton in zahlreichen Bilderchen präsentierte, hat diese Zeichnerin auf ein Blatt gebannt - erschienen in der beachtenswerten österreichischen Yacht-Zeitschrift OCEAN SEVEN. Man muss annehmen, dass Künstlerin Beitz-Swechtarov aus der Welt des Segelns kommt, denn ich erkenne auf diesen Szenen eine Vielzahl von Yachtsleuten wieder.

Und mich leider auch!

Denn beim Studieren dieses Blattes räume ich kleinlaut ein: Das hab ich ja alles, ausnahmslos, schon selber erlebt. Gut, dass Sie jetzt mein Gesicht nicht sehen können, wie es - natürlich nur ein wenig - rot anläuft. Aber richtig schämen tu ich mich nicht, denn ich weiß mich in guter, nein in allerbester Gesellschaft.

Warum ist das so? Gehört es zum Lebenstil eines Yachtsmannes, dass er unbarmherzig vom Kismet mit diesen gezeichneten Schicksalschlägen malträtiert wird?

Ich kenne eine Reihe von Fischern, Berufsfischer, die jahraus, jahrein bei jedem Wetter schon in der Nacht hinausfahren, um Ihrem Fisch-Erwerb nachzugehen. Von denen hab ich nie derartiges Gejammere vernommen, höchstens wenn nachts mal irgendein pennender Einhandsegler in ihr von Scheinwerfern bestrahltes Dickschiff geknallt ist.

Die üblichen Törnberichte von braungebrannten Skippern der angeblich hochseetüchtigen Segel-Hochseeyachten strotzen dagegen nur so von Fast-Unglücks-Berichten: Da bricht der Mast (zumindest die Saling) im Starkwind zerreißt es die Genua, gelegentlich sogar das Groß, in der Pantry bricht ein (schnell zu löschendes) Feuerchen aus, der Sprit ist voll mit Bakterien und der Sturm ist immer so furchtbar, dass man den Fährverkehr einstellen musste, oder dass im Radio von der Jahrhundert- Bora gesprochen wurde, und so fort. Nicht selten erreicht auch der Wind an Bord Orkanstärke, denn der Windmesser ist über die 50-Knotenlinie angestiegen. Aber Segler werden mit diesen Widrigkeiten dank ihres überragenden Könnens fertig. Deshalb werden Sie von Landratten ja auch immer bewundert, während die Berufsfischer wie viele andere auch halt einem ganz normalen Beruf nachgehen.

Im Hafen kehrt natürlich nicht Ruhe ein, denn dann sind ellenlange To-do-Listen, Killerinnen der Lebensfreude, abzuarbeiten, auf denen mindestens ein Ölwechsel und eine Toilettenreparatur (mit Schlauchwechsel) stehen. Dass das Ankerlicht im Mast immer noch funktioniert, erspart die Besteigung desselben nicht, denn die Mastspitze muss schon laut Pflichenliste regelmäßig inspiziert werden.

Die Karikatur erzieht mich - vielleicht! - in Zukunft mit der Bescheidenheit eines Berufs-Fischers aufzutreten.

Vielleicht belehre ich mal nicht andere, sondern lege mir selbst auf, nicht in den Wind gesprochen zu haben.



Bobby Schenk

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