Besucher fragen, Bobby Schenk antwortet


Hallo Herr Voss,

Sie haben mich um ein freundliches sachliches Antwort gebeten. Warum sollte ich unfreundlich sein? Sie haben mich um Hilfe in der Wahl Ihres Schiffes gebeten und hierbei helfe ich Ihnen mit einer unverblümten Stellungnahme, auch wenn Sie vielleicht eine andere Antwort erwarten.

Ich möchte Ihnen durch meine Meinung helfen, die richtige Auskunft zu finden. Hierzu aber bedarf es einer Feststellung.

Nach Ihrem ersten herzlichen Mail, mit dem Sie sich an mich gewendet habe, um Ihnen die Schiffsauswahl zu erleichtern, habe ich Ihnen sinngemäß geantwortet, dass ich solche Fragen grundsätzlich nicht beantworte, weil ich keinerlei Verantwortung grundlos übernehme, wenn beim Schiffskauf was schiefgeht - warum sollte ich auch? Ausserdem, so habe ich Ihnen gesagt, werden meine Ratschläge sowieso nicht beachtet, weil Segler und Schiffsträumer generell beratungsresistent sind.

Wer viel fragt...

Und genauso ist es in Ihrem Fall. Ich habe nämlich Sie an Frau Pieters verwiesen, deren Ratschlag Ihnen nicht zugesagt hat. "Erwartungsgemäß..." (möchte ich sagen) - gefällt Ihnen deren Antwort nicht. Denn sie hat Ihnen kurzgefasst und kostenlos erklärt, dass für die Azoren, die ja inmitten des nicht gerade friedlichen Nordatlantik liegen, eine Motoryacht nicht das richtige ist, und eine Segelyacht schon deshalb nicht empfohlen werden kann, weil, ganz vorsichtig ausgedrückt, ihre praktischen(!) Segelkenntnisse - im Moment noch - wohl nicht für den Atlantik vor der Tür ausreichen. Diese Antwort hat Ihnen nicht gefallen, und so stellen Sie mir diese Frage nunmehr.

Frau Pieters ist eine ganz erfahrene Weltumseglerin, die viele Jahre auf einer Yacht und damit im Kreis von Yachties zugebracht hat und darüber hinaus unzählige Schiffsübergaben und Anfangtörns für Käufer auf neuen Yachten durchgeführt hat. Schwer vorstellbar, dass sie eine kompetentere Sachverständige für Ihre Fragen finden. Schon gar nicht in den Kreisen von Schiffsverkäufern, deren Antwort ja immer berechenbar sind, weil sie kaum jemals von den von Ihnen vertretenen Yachten abweichen.

Sie haben Zweifel an der Antwort, die Ihnen Frau Pieters gegeben hat. Die Frage nach dem Warum erübrigt sich, denn das ist so einfach: Die Antwort passt ihnen halt nicht in Ihre Vorstellungen.

Deshalb bin ich jetzt dran. Um es kurz zu machen, meine Antwort schließt sich Frau Pieters vollumfänglich an. Aber, um Sie mit einem geringen Maß an Grundwissen zu versorgen, möchte ich Ihnen ein paar Worte auf dem Weg zu wahrscheinlich zahlreichen weiteren Ratgebern und Verkäufern mitgeben.

Vorweg: Auf Ihre Jollenkenntnisse, die Sie erwähnt haben, können Sie getrost verzichten. Sie sind auf seegehenden Yachten völlig überflüssig, weil bedeutungslos.

Drei bis vier Millionen

Letztlicht geht es Ihnen um die Frage: Monoyacht, Katamaran oder Motoryacht, bei dieser wiederum um die Anzahl der Rümpfe. Dabei handelt es sich aber nicht um Kinkerlitzchenyachten, denn Sie sprechen von einem geplanten Budget von drei bis vier Millionen. Also haben Sie Yachten in der Größenordnung von 15 Meter im Auge und darüber im Auge.

Und hier drängt sich jetzt ein dringender Rat an Sie direkt auf. Wenn Sie auf den Azoren Ihr Revier suchen sollten, dann käme ein Motorboot (ein Gleiter, so wie Sie sich das offensichtlich vorstellen) sicher nicht in Betracht. Denn Seegang und Gleiten verträgt sich so wenig wie Rudern und Schwimmen. Ideal wäre für das windarme Mittelmeer hingegen ein Gleiter, denn damit kann man diese windarme Gegend besser abfahren. Aber dieses Revier passt Ihnen nun mal nicht, hat sich also erledigt.

Ein Verdränger sollte es sein, wenn Sie von den Azoren aus Ihre Nase in den Atlantik stecken wollen. Hierzu gäbe es eine ganze Reihe von deutschen Motoryachten oder aus amerikanischer Hand (siehe unten), mit denen man sogar um die Welt motoren könnte - was, nebenbei, ich mir für mich gut vorstellen könnte und sicher ein Herausforderung bei der Suche nach Windstillen und damit nach glattem Wasser wäre.


Gleiches gilt für Motor-Katamarane. Mit einem Gleitboot, so wie Sie in Monte Carlo oder sonst in den Modehäfen des Mittelmeers herumliegen (Gin-Paläste!) würden Sie sich im Mittelmeer wahrscheinlich wohlfühlen. Aber das wollen Sie ja nicht, denn es muß unbedingt der Atlantik sein.

Also mein Rat, mit ihren jetzigen Erfahrungen - ab ins Mittelmeer und nicht in den Atlantik - siehe Frau Pieters!

Praxis erleichtert die Schiffsfindung

Ich mach mir fast schon Sorgen um Sie! Ihr Ausbildungsstand in Sachen Seefahrt ist, das kann ich einer Reihe von Äußerungen Ihrerseits entnehmen, nahezu Null. So haben Sie eigentlich nur eine Chance, um zu einem guten Urteilsvermögen bezüglich der Geeignetheit einer Yacht für Ihre Bedürfnisse zu kommen, und das ist eigene Erfahrung auf dem Wasser zu sammeln. Aber nicht bei einem Charter-Vergnügungstörn, sondern zum Beispiel bei einem Überführungstörn von nördlichen Gefilden durchs Mittelmeer und zwar über die Biskaya.

Die so angelegte Zeit ist ein besseres Investment als hundert Fragen an Schiffsverkäufer oder jahrelanges Studium von Prospekten. "Seemannschaft" kann nicht mit Millionen gekauft werden, sondern sie muss erarbeitet werden. Das hat nix mit "Mannschaft" zu tun, sondern ist die Bezeichnung eines Handwerks. Sie ist unverzichtbar, wenn man in eigener Verantwortung auf den Meeren herumskippern möchte. Ein Trost für Sie: Wir alle haben ganz klein angefangen und uns dieses Handwerk mehr oder weniger schnell erarbeitet.

Noch was fällt mir auf: Bei Ihren Berichten über die Befragungen von Schiffsverkäufern fällt mir auf, dass Sie sich nicht mit "kleinen" Yachten begnügen. Unter 50 Fuß scheinen Sie kaum etwas in Erwägung ziehen zu wollen. Obwohl Sie sich als "single Operator" einbringen möchten. Wenn sie anderseits von einem XXXX-Kat mit 68 Fuß-Länge sprechen, dann hat Ihnen der Verkäufer nicht erzählt, dass Sie, und nicht nur Sie als Schiffsführer ohne große Mannschaft hoffnungslos überfordert sind. Sind Sie denn schon mal vor einem solchen Monster gestanden? Da würde Ihnen schnell die Lust daran vergehen, So ein Kat stünde dann sehr schnell wieder unter SALE bei einer Yachtzeitschrift oder bei einem Broker im Internet.



Aber all diese Frage könnten Sie viel besser selbst beantworten, wenn Sie so einen Langtörn mal mitsegeln würden, oder zum Beispiel sich bei der Yachtschule Glücksburg im Hochseesegeln gründlich ausbilden lassen würden. Weiß schon, das würde ja Arbeit machen. Nein nicht nur das, es würde Ihnen auch ein gutes Gefühl für die Seefahrt vermitteln und die Sicherheit geben, die richtige Auswahl einer Yacht für Sie zu finden.

Alles Gute - und lassen Sie sich nicht von Boots-Verkäufern einwickeln, das geht schief - versprochen! Mit Ihren Millionen sind sie im Moment ein potentielles (leichtes ) Opfer

Bobby Schenk