Trick-Siebzehn (148)


Elektrische Winsch für fünf Euro

Als ich meinen 46-Fuß großen Katamaran vor vielen Jahren bestellte, wurde mir als Sonderzubehör angeboten, elektrische Winschen einzubauen. Große Segelflächen waren zu bedienen, vor allem das durchgelattete Groß bot sich an, elektrisch, also per Knopfdruck, aufgeheißt zu werden. Aber ich komm ja noch aus der Generation, die Segeln als Sport ansieht, ich entschied mich also für die Muskelkraft. Das funktionierte auch ganz gut, obwohl ich mir während meines Törns nach Südost-Asien manchmal eine Elektrowinsch gewünscht hätte! Heute würde ich anders denken, denn es tut der Sportlichkeit wohl keinen Abbruch, wenn man sich das Bordleben mit einer elektrischen Winschkurbel erleichtert. Doch die kosten immerhin um die 2000 Euro. Und hier setzt der geniale Trick des Skippers Stéphane ein, der auf seinem großen Katamaran OLENA eine elektrifizierte Winsch für ein paar Euro hat:

Winsch-Adapter für die Schraubmaschine.

Das läßt sich mit Bordmitteln, so wie eine große Langfahrtyacht ausgerüstet sein soll, bewerkstelligen: Von einer alten nicht mehr gebrauchten Winschkurbel wird der Sternteil abgeflext. In der Drehbank muß ein zentriertes Loch gebohrt und auf grösse Schraubenkopf abgesenkt werden und für ein Gewinde M8 geschnitten werden. Die M8- Senkkopfschraube muß mit Loctite reingedreht und auf der Gegenseite zusätzlich mit einer M8- Mutter und Loctite gesichert werden. Damit das Bohrfutter vom Akkuschrauber nicht durchrutscht, sind auf das restliche Gewinde drei Flächen, im Dreick, zu feilen. Fertig, denn ein kräftiger Akku-Schrauber sollte - neben Loctite und M8-Schraube ohnehin an Bord sein. Falls nicht, tut es auch eine preiswerte Maschine, wie sie oft bei Aldi oder Lidl für 30 bis 50 Euro angeboten wird.

Skipper Stéphane hats ausprobiert. Seine Harken58-Winsch wird im ersten Gang, die es auf 400 Umdrehungen pro Minute bringt, von dem 4-Ampere-Schrauber betrieben. Damit kann der Filius im Rechtslauf (das ist der erste Gang der Winsch) ein 75 Quadratmeter großes Segel dichtholen, und zwar - wortwörtlich - kinderleicht wie man sieht.


Page by Bobby Schenk
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